Weltreise Planung

Carnet de Passages – Calimeros Reisepass

Carnet de Passages

Das Carnet de Passages ist eines der wichtigsten Dokumente für Overlander. Ich möchte hier beschreiben, warum auch du es brauchen könntest und was man dafür machen und beachten sollte!

Was ist das Carnet de  überhaupt?

Das Carnet de Passages ist ein Grenzdokument. Damit kann man sein Fahrzeug vorübergehend zollfrei in bestimmte Länder einführen. Das Carnet de Passages gilt als amtliche Urkunde und ist mindestens so sorgfältig, wenn nicht noch sorgfältiger aufzubewahren, als dein eigener Reisepass.

Wichtig: Das Carnet ist Personen- und Fahrzeuggebunden. 

Für welche Länder benötigt man ein Carnet de Passage?

Bei Verschiffungen in die Südafrikanische Zollunion, nach Malaysia oder nach Australien als auch bei Fahrten durch Ägypten, Lybien, Iran, Pakistan, Nepal, Indien, Bangladesh, Indonesien ist ein Carnet de Passages notwendig. In anderen Ländern gilt er ebenfalls als hilfreich.

Detaillierte Informationen zum aktuellen Stand, wo ein Carnet notwendig ist und wo nicht findest du auf den Webseiten der Overland Association.

Beantragung des Carnet de Passages

Das Carnet de Passages kannst du beim ADAC beantragen. Hierfür muss ein vierseitiger Antrag ausgefüllt werden. Zudem müssen folgende Dokumente beigelegt werden:

  1. Kopie Zulassungsbescheinigung Teil 1 (KFZ Schein)
  2. Kopie Reisepass oder Ausweis
  3. Kopie des Überweisungsbelegs oder die Original-Bankbürgschaftserklärung

Beim Ausfüllen der Unterlagen ist die Motornummer wichtig. In Deutschland steht diese NICHT im KFZ-Brief oder KFZ-Schein, daher prüft wo die Motornummer steht und tragt diese dann ein. Beim Defender ist sie in den Motorblock  Falls ihr einen Motortausch vorhabt, denkt immer an euer Carnet! Für Österreicher beispielsweise ist es wichtig, dass die Motornummer in den Fahrzeugpapieren und im Motor übereinstimmt.

Wir sind vor der Weltreise formal zu meinen Schwiegereltern gezogen, daher solltest du darauf achten, dass auf dem KFZ Schein auch schon die neue Adresse steht. Sonst kommen die Unterlagen eventuell am falschen Ort an – vor allem wenn ihr mehrere Jahre unterwegs seid ist das zu bedenken. Der ADAC hat mir gesagt, dass die Unterlagen an die Adresse gesandt werden, die im KFZ Schein stehen.

Bearbeitungsdauer

In zwei bis vier Wochen wird dein Carnet fertiggestellt. Der Start der Gültigkeit wurde bei unserem Carnet einen Monat in die Zukunft verlegt, immerhin brauchen wir unser Carnet frühestens im Iran. Mehr war allerdings nicht drin. Man kann zudem in den Antragsunterlagen angeben, wann man das Carnet spätestens braucht.

Gültigkeit

Ein Carnet ist nur ein Jahr gültig. Daher haben wir bereits Folgeanträge fertig ausgefüllt und unterschrieben in unserer Heimatbasis hinterlassen.  Unser Carnet ist nur in Lybien nicht gültig. Falls du eine geringere Kaution bezahlst (z.B. für die Südafrikanische Zollunion) ist das Carnet zum Beispiel nicht im Iran gültig, da hierfür eine höhere Kaution fällig wäre.

Bearbeitungskosten

Die Beantragungsgebühr beträgt für ADAC Mitglieder 210 Euro  – für Nicht-Mitglieder 310 Euro. (Stand April 2017)

Die Kaution

Die Kaution ist das, was uns am meisten weh tut. Diese ist gestaffelt nach den Reisezielen, der Fahrzeugart und dem Fahrzeugwert. Möchtest du mit deinem Fahrzeug zum Beispiel den Iran, Pakistan, Indien oder Sri Lanka besuchen, dann beträgt die Kaution für Motorräder und Anhänger mindestens 3000 Euro, für PKW, LKW, Wohnmobile oder sonstige Fahrzeuge sogar mindestens 5000 Euro. Ab einem Fahrzeugwert von 7.500 Euro steigt die Kaution bereits auf 5000 für Motorräder und Anhänger, und satte 10.000 Euro für den Rest. Nach oben sind praktisch keine Grenzen.

Unser Fahrzeugwert liegt für den ADAC bei circa 6.000 Euro. Immerhin ist unser Defender 20 Jahre alt. Es geht nämlich um den Zeitwert und nicht den Wiederbeschaffungswert!

Es ist auch möglich eine Bankbürgschaft zu nutzen, dabei übernimmt deine Bank eine Bürgschaft für dich. Bei uns hat das nicht geklappt. Die DKB macht das wohl nicht mehr.

Anschluss Carnet vs. Verlängerung

Man kann sein Carnet unter bestimmten Umständen verlängern lassen. Falls man bei Ablauf des Carnet noch nicht aus einem Land ausgereist ist, kann man in bestimmten Ländern nach Rücksprache mit dem ADAC und dem Automobilclub vor Ort eine Verlängerung bis zu drei Monate erwirken. Wir werden das eventuell in Indien testen oder nach Nepal ausreisen und wieder nach Indien einreisen. Beim Grenzübergang können wir dann das alte Carnet zur Ausreise nutzen und das Anschlusscarnet für die Einreise in das nächste Land.

Da das Carnet nur ein Jahr gültig ist, kann das Anschlusscarnet beantragt werden. Hierfür ist erneut der gesamte Antrag, mit allen Kopien einzureichen. Wenn die Höhe der Kaution weiterhin passt, dann kann diese auch weiterverwendet werden. Die Ausstellungsgebühren sind allerdings nochmals zu zahlen.

Man soll dieses circa sechs bis acht Wochen vor Ablauf beim ADAC beantragen. Ein Versand findet nur nach Deutschland statt. Bereitet also eure Heimatbasis mit den Anträgen und den Informationen vor, damit sie das für euch beantragen und dann auch zusenden können.

Nutzung bei Ein- und Ausreise

Das Carnet besteht aus 25 Seiten. Jede Seite hat drei Abschnitte, die perforiert sind. Der untere Abschnitt wird bei Einreise ausgefüllt, gestempelt und abgerissen.

Der mittlere Abschnitt wird bei Ausreise ausgefüllt, gestempelt und abgerissen.

Der obere Abschnitt wird jeweils bei Ein- und Ausreise ausgefüllt und abgestempelt. Links oben bei Einreise, Rechts oben bei Ausreise.

Es muss sichergestellt werden, dass das Ausfüllen und Stempeln auch korrekt passiert, sonst kann es sein, dass das Land davon ausgeht, dass dein Fahrzeug im Land verblieben ist und dann Ansprüche erhebt!

Wichtig ist auch, dass bei einem Fehler keine Seite ausgerissen wird, sondern auf einer neuen Seite wieder von vorne begonnen wird.

Die letzte Seite, die Verbleibsbescheinigung, musst du von den Zollbehörden in Deutschland ausfüllen lassen, wenn du wieder nach Hause kommst.

Erfahrung bei der Ein- und Ausreise

Wir haben noch keine Erfahrung, werden aber genau hier davon berichten. Wir haben einen guten Tipp bekommen. Eine Max-Mustermann-Ausfüllhilfe für den Grenzposten der noch nie ein Carnet zu Gesicht bekommen hat, ist sehr hilfreich.

Rückgabe und Kautionsrückzahlung

Nach Ablauf der Gültigkeit muss das Carnet vollständig an den ADAC zurückgegeben werden. Es dürfen keine unbenutzten Seiten entfernt werden. Das Carnet kann entweder per Einschreiben nach München in die ADAC Zentrale gesandt werden oder dort abgegeben werden.

Vor der Rückgabe muss bei der deutschen Zollbehörde das Fahrzeug vorgeführt werden. Du hast richtig gelesen, das Auto muss zurück in Deutschland sein.

Bei meiner Nachfrage ob das der einzige Weg sei, antwortete mir die Dame vom ADAC mit: „Grundsätzlich ja. Es kommt immer drauf an, in welchen Ländern Sie davor waren und welche dann eben folgen.“ Wir werden mal sehen ob wir daran was drehen können!

Nach sorgfältiger Überprüfung durch den ADAC ob alles sachgemäß durchgeführt wurde, wird die Kaution zurückbezahlt.

Weiterführende Informationen

Du findest ebenfalls tolle, informative Blog-Beiträge über das Thema bei How far can we go und Giraffe13.
Die Unterlagen zur Beantragung und die detailliertesten Infos gibt’s direkt beim ADAC.

Wir werden berichten, wie sich die Grenzübergänge mit dem Carnet de Passages für uns abspielen. Wenn du noch wertvolle Zusatzinformationen hast, dann lass es uns über die Kommentare wissen! Wir haben explizit auf einige Details und Sonderfälle verzichtet. Dieser Artikel soll zur Orientierung dienen. Der ADAC beantwortet auch E-Mails unter carnetdepassages@adac.de.

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