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Zwei Abenteuer im Tannheimer Tal

Ohne in die Ferne zu fahren, kann man auch nahe der Heimat tolle Abenteuer erleben. Nur zwei Fahrstunden vom Bodensee entfernt befindet sich das Tannheimer Tal, direkt hinter der Deutsch-Österreichischen Grenze. Dort gibt es vielseitige Wandermöglichkeiten, Klettersteige, Bergtouren und Kletterspots. In den letzten Monaten bin ich auf zwei Touren im Tannheimer Tal gewesen, die ich euch nur empfehlen kann.

Bei beiden Touren haben wir den “Abstieg” mit der Füssener Jöchle Bahn gewählt, um die Knie zu schonen. Auf beiden Touren hat man die Chance, gerade in den frühen Morgenstunden, Gämse zu beobachten. Wir haben Herden bis circa 20 Tiere beobachten können.

Du benötigst für beide Touren die Wanderkarte vom Tannheimer Tal.

Das erste Abenteuer – Zwei Tage wandern!

Es handelt sich bei dieser Tour um eine Zweitagestour mit Biwak. Diese Tour benötigt keine besondere Kletterausrüstung.

Kurzfassung

Tag 1: Vom Parkplatz in Enge bei Grän über die Bad Kissinger Hütte zum Aggenstein und zum Brentenjoch. Biwak zwischen Brentenjoch und Füssener Jöchle. Tag 2: Füssener Jöchle, Schartschrofen, Große Schlicke und Abfahrt mit der Füssener Jöchle Bahn.

Insgesamt 2100 Höhenmeter im Aufstieg und 1420 Höhenmeter im Abstieg. 18km Gesamtstrecke – zu Laufen in 1,5 Tagen.

Aufstieg zum Aggenstein

Geparkt wird in Grän im Ortsteil Enge (47°30’53.9″N 10°33’22.3″E). Vom dortigen Parkplatz führt ein direkter Weg zur Bad Kissinger Hütte. Kurz nach dem Parkplatz führt ein Forstweg links in Richtung Bad Kissinger Hütte. In einer Kehre steht ein weiteres Schild. Dort verlässt man den breiten Weg zum Steig direkt zur Hütte. Dieser zieht zunächst gut an (Wadenbeißer!). Durch den Wald hindurch lässt man Serpentine für Serpentine hinter sich, bis man am gesattelten Grat ankommt. Dort führt der Weg nach links zur Bad Kissinger Hütte. Der Weg führt direkt an der Hütte vorbei auf einen Grasabhang, den man in steilen Kehren zum Gipfelaufbau hinaufläuft. Das letzte Stück ist nur für trittsichere Wanderer geeignet, es geht über einen kleinen versicherten Steig bis zum Gipfel.

Steinfiguren auf dem Weg zur Bad Kissinger Hütte
Steinfiguren auf dem Weg zur Bad Kissinger Hütte
Aggenstein im Nebel - man hat nicht immer den Wettergott auf seiner Seite
Aggenstein im Nebel – man hat nicht immer den Wettergott auf seiner Seite

Vom Aggenstein zum Brentenjoch

Der Weg führt vom Gipfel des Aggensteins zurück zur Bad Kissinger Hütte. Von dort folgt man dem Pfad weiter zurück bis zum Abzweig des Aufstiegs und folgt dort dem dritten Möglichen Pfad in Richtung Füssener Jöchle. Das Brentenjoch ist nach kurzer Zeit angeschrieben und man folgt dem Weg links zunächst durch enge Nadelbäume bis hin zur Grasflanke des Brentenjochs. Dort gibt es einen weiteren Abzweig nach links zum Gipfel und nach rechts zur Sebenalpe. Die letzten Meter zum Gipfel werden in steilen Kehren bezwungen.

bad Kissinger Hütte unter Aggenstein
Blick zurück auf die Bad Kissinger Hütte
blick brentenjoch zu aggenstein
Blick vom Brentenjoch zum Aggenstein.

Vom Brentenjoch zum Füssener Jöchle

Vom Brentenjoch geht es zuerst auf gleichem Wege dann aber an der Abzweigung geradeaus weiter bis zur Sebenalpe. Von dort geht es nach links in Richtung Füssener Jöchle weiter. Kurz hinter der Sebenalpe gibt es genug Plätze für ein Biwak. Vom Biwak ist es dann ein teilweise steiler Aufstieg an der Sefenspitze vorbei zum Füssener Jöchle. In den Altschneefeldern (sofern vorhanden) spielen immer wieder die Gämse. Der Ausblick am Morgen, wenn man den Talkessel verlassen hat ist beeindruckend.

Das Tannheimer Tal von oben
Blick am Morgen auf das Tannheimer Tal

Es ist von Vorteil das Füssener Jöchle vor neun Uhr morgens zu erreichen, da dann die Bergbahnen massenweise Menschen vom Tannheimer Tal nach oben bringen. Wer die Toilette nutzen möchte – das Personal kommt gegen 8 Uhr morgens an.

Auf zum Schartschrofen

Vom Füssener Jöchle aus führt ein Weg über die Läuferspitze herüber und ein Weg um die Läuferspitze herum. Wenn du auch biwakiert hast und entsprechend Gewicht im Rucksack hast, empfehle ich dir die Läuferspitze auf einer 1-Tages Tour zu machen (siehe zweites Abenteuer).

Der Weg um die Läuferspitze herum zum Schartschrofen ist gut beschildert und ohne Probleme zu begehen. Ab dem Gipfelaufstieg zum Schartschrofen kannst du auch schon vor der ersten Bahn mit mehreren Menschen rechnen, die alle den Friedberger Klettersteig begehen möchten. Der Aufstieg zum Schartschrofen ist nochmal recht steil und teilweise bröselig aber nicht ausgesetzt. Vom Schartschrofen hat man einen wunderbaren Blick auf das Tannheimer Tal aber auch auf den Gimpel und die Rote Flüh oder die große Schlicke.

Auf dem Weg zum Schartschrofen - Blick auf Tannheimer Tal
Auf dem Weg zum Schartschrofen

Gipfelkreuz Schartschrofen und Anfang/Ende vom Friedberger Klettersteig

Zur Großen Schlicke und zurück zum Füssener Jöchle

Vom Schartschrofen führt der Weg wieder zurück bis fast zum Füssener Jöchle. Ein Abzweig zeigt nun an, dass man auf die Große Schlicke steigen kann oder zurück zum Füssener Jöchle geht. In circa 1,5h ist der Aufstieg zur Großen Schlicke bewältigen. Zunächst führt der Weg durch den wunderschönen Wald inklusive kurzem Abstieg und erneutem Aufstieg bis direkt unter den Gipfel. Das letzte Stück führt über Kehren auf teils felsdurchsetzten Wiesen zum Gipfel.

Von der großen Schlicke hat man einen Blick zurück auf alle Gipfel dieser Tour. Man sieht die Nordflanke von Aggenstein und Brentenjoch. Auch der Schartschrofen und der Friedberger Klettersteig sind von hier zu sehen. Man sieht aber auch wieder das Flachland mit Füssen und dem Schloss Neuschwanstein. Bei klarem Himmel soll man wohl bis nach München sehen können.

grosse schlicke
Der Blick von der großen Schlicke auf die Köllenpitze, den Gimpel, die rote Flüh, den Schartschrofen und die Läuferspitze.

Nach dem Abstieg auf gleichem Weg zurück zum Füssener Jöchle kann man dort noch sein Siegerbier genießen, bevor man dann entweder den Abstieg unter dem Lift oder mit dem Lift wählt. Damit ist das erste Abenteuer im Tannheimer Tal beendet.

Das zweite Abenteuer im Tannheimer Tal –  Eine anspruchsvolle Bergtour

Diese 1-Tages-Tour ist nur für Geübte und trittsichere Wanderer, sowie Klettersteigerfahrung und bedingt ein Klettersteigset, Gurt und Helm.

Kurzfassung

Von Nesselwängle zur Roten Flüh, von dort über den Friedberger Klettersteig auf den Schartschrofen. Zuletzt über die Läuferspitze zum Füssener Jöchle – 5,5 km – ca. 1400hm hoch, ca. 700hm runter – circa 6,5h Gehzeit.

Aufstieg zur Roten Flüh

Diese Tour führt von Nesselwängle über das Gimpelhaus auf die Rote Flüh. In circa drei Stunden ist dieser erste Teil gut zu begehen.

Vom Parkplatz in Nesselwängle (47°29’10.3″N 10°36’38.6″E) folgt man der Beschilderung zum Gimpelhaus und geht zunächst über eine Wiese bevor man zu einem breiten Weg kommt. Dort geht man nach links bis zum steilen Serpentinensteig, der rechts abgeht (ebenfalls gut beschildert). Wer nachts startet (wie wir), sieht auf der Wiese keine Markierungen, halte dich hier einfach rechts und folge den Zäunen bis zum Weg.

Dieser steile Serpentinensteig führt dann direkt bis zum Gimpelhaus. Wir haben dafür circa 1,5h Stunden benötigt. Die Wege sind sehr gut markiert, man kann hier eigentlich keinen Fehler machen.

Vom Gimpelhaus geht es deutlich gemütlicher weiter. Nach kurzer Zeit verzweigt der Weg und man folgt links der Beschilderung in Richtung Gimpel und Rote Flüh. Man durchläuft das Geröllfeld im Gimpelkar auf dem Weg zur Judenscharte.. Hier teilt sich der Weg. Beide Wege führen zur Judenscharte und damit auf die rote Flüh. Wer rechts geht, sollte aber aus Steinschlaggefahr einen Helm tragen. Wir sind einfach den linken Weg gegangen.

Aufstieg durchs GimpelkarAufstieg durchs Gimpelkar

Man durchquert das Geröllfeld und steigt zur Judenscharte auf. Dort angekommen, geht der Weg links über ein kurzes exponiertes Stück, welches aber versichert und mit Steinstufen versehen ist. Weiter geht es über loseres Gestein, steil herauf. Hier muss man doch die Hände immer wieder zu Hilfe nehmen. Das letzte Stück zum Gipfel wiederum ist sehr einfach.

judenscharte
Aufstieg durch die Judenscharte

Friedberger Klettersteig

Der Abstieg von der Roten Flüh zum Start des Friedberger Klettersteigs am Schartschrofen hat es in sich. Über einen schmalen, bröseligen Weg geht es schnell bergab. Die Schlüsselstelle ist eine senkrechte, zum Schluss sogar leicht überhängende Felswand, die über Stahlstifte frei abgeklettert werden muss.

Am Fuße des Schartschrofen angekommen, wird die Kletterausrüstung angelegt. Klettergurt, Klettersteigset, feste Bergschuhe und Helm sind Pflicht. Vor allem, da der Friedberger Klettersteig eine hohe Steinschlag Gefahr hat, es kommen nämlich viele Kletterer vom Gipfel des Schartschrofen heruntergeklettert.

Der Klettersteig an sich ist gut am Fels zu erklettern, dadurch gibt es einige interessante Kletterstellen. Direkt am Einstieg ist bereits die Schlüsselstelle, alles danach wird einfacher. Aber Vorsicht! Bitte prüft immer fleißig, ob der Stein auch hält. Viele Steine waren lose und sollten tunlichst als Griff vermieden werden!

Die 130 Höhenmeter sind in knapp 40 Minuten gut zu schaffen und man steht auf dem Gipfel des Schartschrofen.

Mehr Informationen zum Friedberger Klettersteig, inklusive Topo, findest du auf bergsteigen.com.

Abstieg von der roten Flüh
Abstieg von der roten Flüh
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Notausstieg zur Otto Mayr Hütte
Friedberger Klettersteig
Mitten im Klettersteig

Finale – auf die Läuferspitze

Nach kurzer Pause kann man vom Schartschrofen absteigen und der Beschilderung zum Füssener Jöchle folgen. Die Wege sind beim Abstieg noch etwas bröselig aber nicht ausgesetzt. Sie werden aber schnell aber gut und einfach begehbar. Man kann nun, wenn man die Kondition nicht mehr mitmacht um die Läuferspitze herum zur Füssener Jöchle Bahn oder über die Läuferspitze dorthin. Wir haben den Weg über die Läuferspitze gewählt. Die Läuferspitze hat es jedoch richtig in sich!

Nach einem kurzen versicherten Steig führt der Weg über ein steiles Geröllfeld, welches wirklich sehr bröselig ist. Oben angekommen hält man sich links und steigt durch eine kleine Scharte zu einer Felswand auf. Das ist die Schlüsselstelle! Die Stelle kann in Kletterei (II) überwunden werden, es hängen Stahlketten zur Hilfe. Kurz darauf ist man dann auch schon auf dem Gipfel der Läuferspitze angekommen.

 

 

Läuferspitze_Summit_wall
Läuferspitze Schlüsselstelle (2) – Copyright: Wikipedia Nutzer Kauk0r
Läuferspitze
Läuferspitze – die letzten Meter von oben!

Der Abstieg erfolgt dann über den Normalweg, der leichter ist und direkt zur Füssener Jöchle Bahn führt.

Wenn du früh morgens (5 Uhr) los läufst, bist du vor den Menschenmassen auf den Gipfeln, hast deine Ruhe im Klettersteig und kannst den Sonnenaufgang auf dem Weg beobachten. Vergiss deine Kopflampe nicht!

 

Das waren zwei Abenteuer, die man vom Tannheimer Tal aus starten kann. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten sich dort auszulasten. Hier findet ihr weitere Informationen:

https://www.tannheimertal.com/wandern-tirol-allgaeuer-alpen/wanderwege.html
http://www.bergfex.com/sommer/tannheimertal/touren/wandern/

PS: Danke an Jonas, der meine Jammerei während der Tour ausgehalten hat!

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