IndienWeltreise Tagebuch

Agonda Beach … und jetzt?

Wir sind bereits über einen Monat keinen Meter mehr gefahren. Wow, damit haben selbst wir nicht gerechnet. Ursprünglich wollten wir Indien nur durchfahren, nach Nepal hoch und weiter durch Myanmar nach Südostasien. Aber die Gesetzeslage in Thailand hat unsere Reisepläne vereitelt. Wir haben schon damit gerechnet, dass wir für die Myanmar Durchquerung viel Geld bezahlen müssen, seit 2017 braucht man aber auch in Thailand einen Guide.

Es gibt zwar immer wieder Berichte, dass Reisende es ohne Guide ins Land schaffen, aber nicht über die Myanmar Grenze. Denn wenn es nicht klappt, die Papiere nicht stimmen und der Guide fehlt, dann wird man zurück nach Myanmar geschickt, wo einem dann ebenfalls Papiere und Guide fehlen.

Wir könnten nach Nepal fahren und von dort über den Friendship Highway durch Tibet und China wieder in den Norden fahren, aber China verlangt ebenfalls eine Stange Geld.

Durch Pakistan hätten wir zurückfahren können, wenn wir in Islamabad unser Single-Entry Visum in ein Double-Entry Visum verlängert hätten. Zu dem Zeitpunkt als wir da waren, wussten wir das aber noch gar nicht.

Also werden wir unseren Calimero auf ein Schiff packen. Es gäbe viele Ziele. Da wäre Südafrika, der Oman, Dubai, Malaysia, Südamerika, Australien oder Neuseeland. Unser Favorit ist allerdings Nordamerika. Wir wollen, zumindest für eine Weile, zurück in ein bisschen Normalität. Indien hat uns mürbe gemacht. Wir sind immer wieder gereizt, nicht im Gleichgewicht. Es gibt Dinge wie Privatsphäre und Ruhe, die wir wirklich vermissen.

Auch wenn wir 5 gute Tage in Indien haben, von einem schlechten zehren wir mittlerweile zu lange. Ich denke, dass wir Abstand vom Land brauchen um richtig reflektieren zu können.

Claudia hat auch im Iran gesagt, dass sie da nicht mehr hin will. Die Hitze und das Kopftuch haben ihr zu schaffen gemacht. Ein paar Monate später würde sie auch wieder dorthin fahren, nur nicht im Sommer.  Diese Art der Reflektion brauchen wir auch für Indien. Hier können wir das nicht machen.

Wir versuchen daher derzeit die Verschiffung zu organisieren. Wir möchten nach Kanada verschiffen und endlich wieder Ruhe und Privatsphäre erleben, aber auch wieder zu Entdeckern werden.

Vor uns liegen noch circa drei Wochen in Goa, dann werden wir bereits in Richtung Mumbai fahren und unser Auto mehrere Tage lang putzen. Der Dreck der letzten Jahre muss komplett runter, damit uns die Kanadier ins Land lassen. Wir werden vermutlich in einem Hotel übernachten müssen, bis der Papierkram erledigt ist und unser Auto dann endlich auf dem Schiff nach Kanada ist.

Das hört sich an, als wären wir an einem wirklich schlimmen Ort gefangen. Das ist aber nicht so. Agonda Beach und auch die umliegenden Strände und Wälder sind ein kleines Paradies. Wir stehen direkt am Strand, springen jeden Tag ins Meer und haben Bars und Einkaufsmöglichkeiten in Laufreichweite. Unsere Overlander Nachbarn sind aus Israel, Deutschland und Kanada. Unsere Strandhunde haben uns lieb und meistens können wir auch gut schlafen. Nur die Strandkühe und das Strandpferd sind manchmal weniger entspannt. Vor allem, wenn man gerade Melone frühstückt.

Wir gehen Mittwochs mit unserer Dresdner Nachbarsfamilie zum Palolem Beach und essen eine gute italienische Pizza. Ansonsten verbringen wir die Tage mit all den anderen Reisenden, die wir hier treffen. Ob das nun Holger und Anja sind, mit denen wir bereits durch China gefahren sind oder Leo und Sebastian, die auch über Land nach Indien gereist sind, aber mit den Öffentlichen.

Die Restaurantbesitzer kennen uns bereits und Claudia wird bei der Wäscherei-Dame mit Namen begrüßt. Wir erleben ein wenig Alltag und versuchen wirklich wenig zu erleben, das Abenteuer holt  uns sowieso bald wieder ein.

An den Wochenenden allerdings, kommen hier manchmal hunderte Inder an ihren Strand und feiern ein wenig und das sei ihnen auch gegönnt. Meistens funktioniert das auch super. Manchmal prügeln sie sich, manchmal können sie vor lauter Alkohol nicht mehr laufen und manchmal müssen wir uns Abends im Auto anschreien um uns zu verstehen. Denn es kommt immer wieder vor, dass ein Auto neben uns parkt, den Kofferraum aufmacht und die Inder zu lauter Musik ums Auto tanzen. Einmal haben sie neben unserem Defender Feuer gemacht und sind ohne es zu löschen wieder gegangen. Rücksicht gibt es keine. Wir haben sogar gesehen, wie sie ein Lagerfeuer direkt am Stamm eines großen Baums gemacht haben.

Am nächsten Morgen sieht man dann auch die Ergebnisse der Party, denn es werden große Mengen an Müll hinterlassen. Der Müll am Strand wird jeden Morgen von indischen Damen weggeräumt. Hinter dem Strand sieht es aber wirklich wild aus.

Meistens sind es aber einfach nur liebe junge Inder, die vor Freude hüpfend um ihr Auto tanzen und einen schönen Abend haben. Da müssen wir durch, immerhin stehen wir ja an ihrem Strand.

So bleibt Indien für uns ein Land dies Zwiespalts. Ich glaube wir haben zu früh aufgegeben und die Entdeckerlust in diesem Land verloren. Aber so ist das nunmal.

Nun freuen wir uns auch auf Weihnachten. Wir planen am 24. Fisch mit Freunden zu essen und am 25. ein Barbecue im Kreise der Overlander-Familie zu machen. Das wird sicher toll und ziemlich stressfrei!

Jedem von euch wünschen wir nun ein entspanntes Weihnachtsfest, gutes Essen und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Im Neuen Jahr geht unser Abenteuer weiter und ihr könnt wieder gespannt unsere Reiseberichte lesen!

Für dieses Jahr wird das Weltreisetagebuch nun zugeklappt, aber bevor du entlassen wirst – findest du hier noch eine kleine Bildergalerie von unserem Leben am Strand.

10 comments

  1. Liebe Claudia, lieber Bernd, ich wünsche Euch Frohe Weihnachten aus dem nassen und leider viel zu warmen Oberbayern.

    Vielen lieben Dank, dass ihr mich an Eurer Reise teilhaben lässt, es verging kaum ein Tag seit eurer Abreise, ohne dass ich nachgeschaut hab ob es was Neues gibt. So durfte ich eine neue Ecke dieser wunderbaren Welt kennenlernen und hab jetzt selber schon Pläne, um nach Zentralasien zu fahren.

    Aber was ich megaspannend finde – dass ihr mit Leo und Sebastian beisammen seid. Irgendwann bin ich über “Reisedepeschen” auf die zwei getroffen – und bin ganz begeistert über ihre Art des Reisens. Es ist so anders – oft habe ich überlegt und verglichen, wie die 2 mit einfachem Gepäck so viel erleben. Sie haben in ihrem letzten Blog geschrieben, dass sie noch länger unterwegs sein wollen, das hat mich nicht gewundert. 🙂 So klein ist die Welt. Grüßt sie herzlich von mir.
    Ich wünsche euch viel Spaß in Indien, mir wäre das Land aber auch zu laut und zu hektisch. So freue ich mich über viele tolle Infos aus Kanada.

    Ich werde im Job nochmal richtig Gas geben …. ich hab nur noch ein paar Jahre, dann können mein Mann und ich forever aussteigen. Und durch eure tollen Blogs kann ich mich super motivieren.
    Das Leben kann so schön und einfach sein.
    Ganz viele liebe Grüße. Maresa

    1. Liebe Maresa,

      die Welt ist wirklich klein! Bernd hat uns eben erzählt, dass du uns grüßt, da melden wir uns doch direkt selbst bei dir?

      Danke für deine lieben Zeilen zu unserem Blog und unserer Art des Reisens. Ob Auto oder Öffentliche, beides hat seine Vor- und Nachteile. Da muss jeder für sich abwägen. Wir sind mit unserer Wahl auf jeden Fall sehr zufrieden. ?

      Für eure eigene Reise drücken wir dir und deinem Mann fest die Daumen, dass ihr auch bald aufbrechen könnt. Wird’s dann auch einen Blog geben? ?

      Herzliche Grüße aus dem warmen Indien und schöne, besinnliche Weihnachten!

      Leo

  2. Hallo,
    ja, mit Indien ist das so eine Sache…….
    Als ich 1982 zum ersten mal da war, wollte ich schnellstens wieder weg und musste dann doch ein paar Wochen ausharren, weil alle Flüge ausgebucht waren. Als ich dann später in Australien und den USA war, kam der Gedanke: Du musst nochmal nach Indien ! Und tatsächlich war ich dann bis 2001 noch sieben mal da, auch mal ein paar Monate am Stück.
    Heute kann ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dahin. Ich vertrage die schlechte Luft in den Städten nicht mehr.
    Grüße
    Heinz

  3. Hallo Claudia und Bernd,

    sieht eigentlich paradiesisch aus in euerem Winterquartier! Aber a bisserl kann ichs verstehen – war selber schon 3 x in Indien…
    Lasst euch nicht entmutigen – es gibt noch so viele schöne Ziele auf der Welt und ihr seid gerade mitten drin und wenn ich so aus dem Fenster in den Nebel des bayerischen Waldes schaue, siehts bei euch irgendwie gemütlicher aus;-))
    Danke übrigens für euere vielen wunderschönen Berichte die letzten Monate – wir verfolgen euch begeistert und freuen uns auch schon auf die Kanada-Abenteuer!

    Ach ja , Bernd, nett dass du Claudia zu Weihnachten so ein schönes weißes Pferd vors Auto gelegt hast;-)!

    Jetzt macht noch richtig Weihnachts- und Neujahrssause mit eueren Strandfreunden!

    Herzliche Grüße
    Mathias und Claudia

  4. Moin Claudia, moin Bernd.
    Auch von uns viel Glück für das neue Jahr. Kanada wird Euch bestimmt gefallen. Wir haben dort nur nette und freundliche Menschen erlebt.
    Wir warten jetzt schon gespannt auf euren nächsten Bericht und freuen uns, das ihr trotz der “Nerverei” in Indien noch die Lust und die Zeit für euren Blog findet. Danke!
    Wir drücken Euch die Daumen, bleibt gesund und behaltet eure Abenteuerlust!

    Herzliche Grüsse aus Kiel

    Peter, Britta und “Apollo13”
    Peter, Britta und “Apollo 13”

  5. Alles Gute und ein gesundes neues Jahr 2018
    Martina und Ronny

  6. Hallo Claudia und Bernd,

    wir verfolgen mit großem Interesse und Anteilnahme eure Reise. Im Mai 2018 wollen wir zu unserer Weltreise starten und haben mit großem Bedauern die rechtlichen Veränderungen in Thailand (begleitetes Fahren mit Guide) gelesen. Nun werden wir China und Thailand unter anderem auch wegen der zusätzlichen Kosten auslassen und planen die “Ostroute” über Vladivostok nach Kanada. Habt ihr von anderen Fernreisenden gehört oder gelesen, die bereits mit dem eigenen Fahrzeug die Passage gefahren sind?

    Wie geht es bei euch weiter? Habt ihr von Mumbai aus das Auto nach Kanada verschiffen können?

    Und…eurer Blog und eure Reiseroute macht reisesüchtig. Sehr schöne Seiten und prima Informationen. Vielen Dank.

    Beste Grüße und Euch eine gute Weiterreise.

    Anne + Christian

    1. Hallo Anne und Christian,

      Von Vladivostok nach Kanada kenne ich persönlich niemanden, das ist aber bestimmt möglich. Unser Fahrzeug ist jetzt endlich auf dem Containerschiff in Richtung Kanada. Wir machen derweil ein paar Tage Heimaturlaub und fahren ein bisschen durch das wundervolle Deutschland.

      Cheers,
      Bernd

  7. Hallo Claudia und Bernd,

    Ich hoffe ja , das ihr in Mumbai mit der Verschiffung gut zurecht kommt, behaltet starke Nerven, dann seid Ihr den den Indern überlegen.
    Weiterhin viel Spaß bei der Weltreise.
    Viele Grüße Jürgen

    1. Lieber Jürgen,
      wir haben es geschafft die Nerven mehr oder weniger gut zu behalten und sind jetzt auf Heimaturlaub in Deutschland.

      Viele Grüße nach Österreich, Claudia und Bernd

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