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Ankunft in Nordamerika – Wir entdecken Halifax

2010 war ich das erste Mal in den USA. Als Student konnte ich für die Firma Technidata Kundenprojekte unterstützen. Gelebt habe ich in einem eigenen Apartment in Wilmington, Delaware. Am Wochenende konnte ich nach New York City, Philadelphia oder Washington D.C. fahren. Ich habe Chicken Wings gegessen, Baseball geschaut, Freunde gefunden und eine geile Zeit gehabt!

Nach dem Studium gab es für Claudia und mich auch die Chance für ein paar Jahre in die USA zu siedeln. Die Technidata hatte mir angeboten, nach dem Studium in den Vereinigten Staaten zu arbeiten. Die Firma wurde allerdings zu diesem Zeitpunkt von SAP aufgekauft, womit diese Option nicht mehr bestand. Wäre das so gewesen, hätte ich Claudia vom Fleck weg geheiratet und sie mitgenommen.

Später habe ich für die SAP Kundenprojekte in Dallas und Montréal betreut, aber auch Kunden in Kansas City und New York City zu Vertriebszwecken besucht. Ein großes Projekt in Dallas kam leider nicht zustande, denn der Kunde hat nie unterschrieben. Wäre das der Fall gewesen, wäre ich in 2012/13 ganze 10 Monate in den USA gewesen. Claudia wäre für drei Monate dazugekommen. Mehr als 5 Jahre ist es nun her, dass ich in Nordamerika war. Für Claudia ist es jedoch eine Premiere.

Hier mal ein paar Bilder meiner ersten drei Monate in den USA:

Nach unserem Heimatbesuch zwickt es uns auch schon wieder überall. Wir müssen wieder los. So schön die Heimat war, umso mehr freuen wir uns wieder auf neue Abenteuer. Die meisten Bekannten und Freunde in Deutschland meinten, dass es ja jetzt einfacher werden wird. Wird es das? Vielleicht! Es wird auf jeden Fall anders.

Wir werden hier nicht mehr so viel Essen gehen, wie in Indien. Dafür ist es zu teuer. Dafür gibt es Supermärkte mit allem was man so braucht. Das bedeutet, wir können wieder nach Rezept kochen und nicht nach dem was wir so finden. Auch Reparaturen werde ich wieder selbst am Straßenrand machen müssen, denn die Werkstattkosten sind zu teuer. Dafür finden wir vermutlich einfacher benötigte Teile.

Der Abschied von der Familie und den Freunden fällt dieses Mal leichter. Es werden kaum Tränen vergossen. Jeder weiß, dass wir uns regelmäßig melden und dass es uns gut geht.

Mit vollem Gepäck nach Nordamerika!

Mit vollen Rucksäcken fahren wir von Friedrichshafen mit dem Fernbus nach München und fliegen mit Easyjet nach London. Dort übernachten wir in einem schäbigen Hotel, bevor wir dann am folgenden Tag über Toronto nach Halifax fliegen. Völlig fertig kommen wir nach über 40 Stunden mitten in der Nacht bei unserem kleinen Airbnb an und schlafen erstmal aus.

Wir teilen uns das Häuschen mit 2 Chinesinnen, die tagsüber arbeiten!

Durch einen großen Sturm auf dem Atlantik wird unser Calimero eine weitere Verspätung haben und erst um den 10. März in Halifax ankommen. Das heißt, wir haben viel Zeit die Stadt zu erkunden.

Und was soll ich sagen … wir sind begeistert. Es ist wirklich anders. Wir erkunden alles komplett zu Fuß, die Fahrzeuge halten bereits 2-3 Meter vor dem Zebrastreifen an und lassen uns über die Straße. Die Geschäfte sind witzig, die Menschen sehr freundlich und zuvorkommend.

Welcome to the Candy Shop!

Die kleinen Cafés und Bäckereien, die überall zu finden sind, laden zum Verweilen ein. Die Galerien und Läden an der Waterfront zeigen uns lokale Kunst und Literatur.

Im Maritime Museum machen wir uns schlau über die Geschichte der kanadischen Navy und vor allem über die berühmte „Halifax Explosion“ und die Verbindungen zur Titanic.

Maritime Museum

Am 06. Dezember 1917 kollidierten zwei Schiffe im Hafen von Halifax. Die SS Mont Blanc war mit hochexplosiven Stoffen beladen und fing Feuer. Während Schaulustige nichts ahnend am Kai standen und das Feuer begutachteten und auch ein mutiger Kapitän eines anderen Schiffes zur Löschung herbeieilte explodierte die SS Mont Blanc. Die Explosion war die wohl größte, von Menschenhand verursachte Explosion vor der Zündung der ersten Atombombe.

Bei dem Unglück starben knapp 2000 Menschen und Halifax wurde zu einem großen Teil in Mitleidenschaft gezogen. Bis heute zeugen mehrere Mahnmale in der Stadt von den Ereignissen.

Mahnmal der Halifax Explosion im Memorial Park (North End)

Eine weitere Tragödie des letzten Jahrhunderts hatte ebenfalls direkten Einfluss auf Halifax.

Als am 15. April 1912 die Titanic in den eisigen Gewässern vor Neufundland sank wurden nur 706 Überlende gefunden, die alle nach New York gebracht wurden. Von den 1517 Personen, die das Unglück nicht überlebt hatten, wurden nur 334 gefunden. 150 davon sind in Halifax begraben.

Halifax fühlt sich für uns nicht nach großer Stadt an. Die 400.000+ Bewohner der Stadt verteilen sich relativ gut. Überall gibt es kleine Häuser mit eigenem Garten, Hochhäuser sind zwar vertreten (vor allem in Downtown), das Bild ist aber stärker von den Einfamilienhäusern geprägt.

Wir merken aber, dass wir in der Stadt zum Konsum verleitet werden. Wir möchten am liebsten neue, wärmere Schuhe kaufen und auch eine Drohne wäre doch wundervoll. Auch der Apple Shop ist eine große Versuchung. Die Outdoor-Shops sind zum Bersten voll mit coolem Equipment und wir müssen uns zurückhalten. Bisher konnten wir uns beherrschen, wir werden sehen wie lange das noch funktioniert.

Da werden die Schritte schneller!

Die Supermärkte hier sind auch eine Besonderheit. In Nordamerika sind die Packungen etwas größer, bunter und mit etwas mehr Plastik umhüllt. Der Einkauf wird vom Kassierer gerne mal in 10 Tüten verteilt. Ungesund ist hier in Kanada günstig, gesund ist teuer.  Beispielsweise kosten 2 Paprikas hier lockere 6 kanadische Dollar, der mit Vanille gefüllte Donut mit dem Schokoüberzug aber nur 99 Cent. Allerdings finden wir wirklich alles was wir benötigen und das ist genial. Wir nutzen die Küche im Airbnb und kochen viel Aufläufe. Das ist in den letzten Monaten zu kurz gekommen.

Auf den Straßen von Halifax fahren übrigens deutlich mehr Pickups als bei uns. Calimero wird hier als Kleinwagen durchgehen. Wenn wir beim Gebrauchtwagenhändler vorbeilaufen, müssen wir uns gegenseitig davon überzeugen, dass wir ja bald wieder ein Auto haben und jetzt keinen Pickup kaufen müssen.

Da wir bisher weder Pickup, noch Drohne oder Kanu gekauft haben, haben wir uns mit Chicken Wings belohnt. Diesmal war ich kurz davor die „Suicide“ Soße zu wählen, habe mich aber mit „Hot“ begnügt. Vernünftig, denn „Hot“ hat schon Tränen und Schweißausbrüche verursacht.

Wing Night!
Typischer Pickup auf den Straßen in Halifax
Chevies!

Während wir gestern noch (kostenfrei!) in Halifax Schlittschuhlaufen waren, harren wir nun in unserem Airbnb Häuschen aus. Bei 50km/h Wind und Schneetreiben bleiben wir doch lieber drin. Der Winter in Kanada ist wohl noch nicht ganz vorbei. Die Tage werden nun wieder aufregender. Nach ordentlichem Schneetreiben ist unser Schiff auch schon vor dem Hafen. Wir wissen, dass wir für die Foreign Soil Examination ausgewählt wurden. Möge der Wahnsinn beginnen!

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One comment

  1. Hi,Ihr Weltenbummler,
    vielen Dank für den bericht und die tollen Eindrücke und Fotos von Halifax.
    Wir werden auch weiterhin Euch und Calimero auf der wunderbaren Reise verfolgen.Hoffen das nichts mehr im Wege steht und Euch Glück und Wetter hold ist.Mast und Schotbruch ,wie man so sagt,und bleibt vom Achschenkelbruch und Kardanwellen Problemen verschont. Glück auf aus Wuppertal !

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