Autor: Bernd

Nach jedem Highlight fragen wir uns was wohl als nächstes kommt. Kommt nun ein Tief? Werden wir ein paar Tage brauchen, bis wir wieder in eine so schöne Region kommen, wie der Yosemite Nationalpark? Wie wird wohl die Sierra Nevada sein? Ist das Death Valley mehr als nur ein heißes Tal?

Die erste Übernachtung nach dem Nationalpark am Mono Lake zeigt uns, dass wohl kein Tief zu erwarten ist. Völlig einsam stehen wir am Rande dieses schönen Sees mit seinen Kalksteinskulpturen (die ich nicht fotografiert habe).  Das erste Mal seit Langem können wir Tuco frei springen lassen und fühlen diese Freiheit, wie wir sie oft in Tadschikistan und Kirgisien gefühlt haben.

Sie grinst obwohl es kalt ist!
Der Mono Lake am Abend
Tuco geht jede Strecke fünfmal – hin und her wird gerannt

Über ein paar Pisten rütteln wir unseren Calimero nach Bodie. Die einstige Goldgräberstadt musste immer wieder Rückschläge verkraften und spätestens als 1942 die letzte Goldmine geschlossen wurde, war das Schicksal der Stadt besiegelt. Glücklicherweise haben die Landeigentümer dafür gesorgt, dass die Stadt erhalten bleibt und heute kann man durch die leeren Straßen der Stadt laufen und sich einen Eindruck von der Trostlosigkeit machen.

Die Mine in Bodie

Tatsächlich sind nur noch 110 Strukturen erhalten. Vieles wurde in einem Feuer 1932 zerstört. Da die Zufahrtswege der Stadt mit einer Maut belegt wurden, die pro Pfund an Gepäck berechnet wurde, wurden beinahe alle Gegenstände in der Stadt gelassen. So sind die Läden noch voll bestückt, die Schulbücher liegen noch in der Schule herum und der Flair ist einzigartig.

Von Bodie fahren wir auf dem Highway 395 nach Süden in Richtung Death Valley. In Bishop machen wir zwei Tage halt, erkunden die Boulderfelsen der Region, finden wunderschöne Übernachtungsplätze und sehen den Film „Free Solo“ mit Alex Honnold im Kino. Die High Sierra hebt sich hier aus der Ebene heraus und wir fahren an vielen tollen Gipfeln vorbei. Am Mount Whitney fahren wir bis zum Trailhead und sehen bereits die ersten gefrierenden Wasserfälle, also schnell wieder ins Tal um dort zu campen.

Zwei Boulderer schauen sich den mächtigen Felsen an
Bei Bishop liegen überall solche riesen Klötze herum. Ein Traum!

Während der letzten Tage drehen sich unsere Gedanken aber nur noch um die Bergschule in Kanada. Obwohl zu Beginn geplant war, nur einen Monat mit einer Bergschule in Kanada zu verbringen, konnte mich Yamnuska dazu überreden, länger Monate zu bleiben. Vom 14. März bis 3. Juni werde ich in den folgenden Gebieten ausgebildet:

  • Eis- und Mixed Klettern
  • Skitourengehen, Skibergsteigen & Winterexpeditionen
  • Lawinensicherheit
  • Outdoor Erste Hilfe und Rettungsmaßnahmen in der Wildnis
  • Mehrseillängenklettern / Bergsteigen
  • Hochtouren, Gletscherbegehungen und Gletscherrettung

Wir haben uns lange über die positiven und negativen Aspekte dieser Entscheidung unterhalten. Bei Claudia kommt immer wieder das Heimweh auf, sie würde sowieso gerne wieder zu ihrer Familie und ich träume seit Jahren schon davon, die notwendigen Fähigkeiten für eigenständige Bergtouren zu erlernen. Wir wären für mehrere Monate getrennt, was wir beide nicht als Pro-Punkt für das Programm ansehen. Auf der Pro-Seite können wir wiederum vermerken, dass Claudia in der Zwischenzeit ihre Familie wieder um sich hat und endlich ihre neue Nichte persönlich kennenlernen kann. Ein großer Kontrapunkt ist allerdings, dass ich Skifahren lernen muss um die Skitouren auch mitgehen zu können. Ich stand als Kind für zwei Tage auf Skiern, das hilft mir nicht wirklich. Dem Gegenüber setze ich als Pro-Punkt, dass die Herausforderung genial klingt. Ob ich dieses Wissen nach der Reise beruflich nutzen werde oder nicht, die Fähigkeiten selbständige Touren zu leiten und auch im Notfall agieren zu können, wird sinnvoll sein. Ob ich mir jemals wieder die Zeit dafür nehmen würde, ist fraglich. Daher haben wir uns in vielen Stunden einen Plan zurechtgelegt, wie das alles funktionieren kann und haben die Entscheidung gemeinsam getroffen, dass ich an diesem Programm teilnehmen werde.

In den kanadischen Skigebieten Kananaskis und Fernie kann man für umgerechnet 200 Euro drei Tage Skischule inklusive Mietmaterial und Lift-Ticket bekommen. Wenn ich ein paar dieser Kurse aneinanderhänge, verspreche ich mir einen schnellen Fortschritt beim Skifahren, Snowboarden kann ich ja schon. In Fernie kann ich bei Markus unterkommen, der zurzeit sein Sabbatical dort verbringt. Danach geht es nach Kananaskis für weitere Skikurse. Dort werde ich in einem 14-Bett Zimmer günstig unterkommen können um die weiteren Skikurse zu machen. Die letzten Tage bis zum Programm kann ich schon in Canmore unterkommen, wo dann das Bergprogramm bei der Bergschule Yamnuska stattfindet.

Da es Claudia in Kanada zu kalt ist und Condor im Winter keine Direktflüge aus Kanada anbietet (wichtig für Tuco), fliegen die beiden schon am 4. Februar von Seattle in die Heimat. Ich werde dann nach einigen Abenteuern in den kanadischen Rocky Mountains im Sommer nachkommen – berichten werde ich natürlich weiterhin.

Mittlerweile habe ich auch ein halbwegs strukturiertes Trainingsprogramm für das Bergprogramm begonnen. Ich habe mir das Buch „Training for the new Alpinism“ besorgt und mir mit dessen Hilfe einen Plan erarbeitet.

Mit einer Mischung aus Laufen, Krafttraining, Bergwandern und Klettern werde ich an meiner Fitness arbeiten um für die langen Zustiege in den Rocky Mountains fit zu sein. Nebenbei fahren wir von Bergsportausrüster zu Bergsportausrüster um meine Ausrüstung nach und nach aufzustocken.

Ich muss schon sagen, dass uns diese Planungsphase auch sehr belastet hat. Für zwei Monate war immer diese Ungewissheit im Raum, ich saß sehr viel am Computer um zu recherchieren und eine tagesgenaue Planung für Monate im Voraus war bisher auch noch nicht notwendig und nicht erwünscht. Nun habe ich Hostels und Skikurse gebucht und weiß ziemlich genau, wie die Monate Februar bis Juni ablaufen werden – ganz ungewohnt.

Auf dem Weg von der Sierra Nevada ins Death Valley

Entspannter können wir uns nun das Death Valley anfahren. Mal wieder ohne viel Plan (ganz im Gegensatz zu den vorherigen Abschnitten dieses Beitrags) fahren wir auf einen Aussichtspunkt zu, den uns Maps.Me aufzeigt. Auf dem Weg dorthin läuft uns auf einmal ein Herr mit einem kleinen Terrier entgegen. Ich brauche einen Moment, bis ich Peter erkenne. Wie cool ist das denn! Peter und Brigitte haben wir im Mai in Neufundland getroffen und jetzt fährt man sich zufällig über den Weg. Ich habe erst vor ein paar Tagen gesehen, dass sie in Las Vegas sind und habe ihnen geschrieben wo sie sind. Die Antwort kam am Morgen, die habe ich aber noch nicht gelesen.

Wir entscheiden, dass wir den Tag und Abend gemeinsam verbringen wollen und bleiben am Aussichtspunkt oberhalb des Panamint-Tals stehen. Der Father Crowley Vista Point ist allerdings nicht nur für die großartige Aussicht auf das Tal bekannt.

Die Stellplätze lassen sich gut sehen zur Zeit!
Sehen die Fahrzeuge nicht gut aus?

Hier übt das US-Militär schwierige Manöver mit ihren Jets, die durch den Canyon donnern. Einige Fotografen warten den ganzen Tag auf Flugzeuge um sie dann hoffentlich auf die Linse zu bekommen. Während wir so zwischen den Autos am Quatschen sind, kommt tatsächlich immer wieder einer durchgeflogen.

Erwischt!
Krasse Manöver!
Auf der anderen Seite des Tals zieht der Jet wieder nach oben

Der letzte Jet erschreckt mich dann aber doch total. Über eine kleine Anhöhe kommt er direkt über uns herausgeballert um dann im Tal zu verschwinden. Gänsehaut ist garantiert. Während wir unsere Geschichten austauschen gesellt sich noch ein weiteres deutsches Paar dazu, die mit einem Mietwagen unterwegs sind.

Nach diesem geselligen Abend erkunden wir für einen Tag das Death Valley. Wir fahren ins Badwater Basin, auf den niedrigsten Punkt von Nordamerika, fahren den Artist Drive entlang um ein paar schöne Aussichten zu haben und stellen uns am Abend neben eine Piste zur Übernachtung.

Da auch hier schon um 16:30 Uhr die Sonne untergeht findet man Tuco, Claudia und mich oftmals schon kurz danach im Auto. So schauen wir gerade einen Film, als ein Fahrzeug auf uns zufährt. Neugierig wie ich bin, linse ich aus dem Fenster heraus, sehe die Scheinwerfer und bin mir zu 100% sicher, das muss ein Defender sein.

Ich stürze aus dem Auto und laufe dem Defender entgegen. Der Fahrer kurbelt sein Fenster runter und ruft nur: “I follow you since Pakistan“. Ich lache und Julien stellt sich und seine Familie erst einmal vor. Als er mir auf dem Handy ein Foto zeigen will, werde ich stutzig. Ich sage ihm, dass da doch ein Foto von mir ist und er meint – ja, davon hat er einen Screenshot gemacht. Für mich ist es wundervoll zu sehen, dass meine Bilder doch manche Menschen inspirieren. Julien lädt mich auf ein Bier ein und wir tauschen Reisegeschichten und Stellplätze aus, bevor wir schlussendlich doch von der Kälte wieder in die Betten getrieben werden und die letzte Nacht im Death Valley verbringen.

Da sind wir noch alleine am Stellplatz
Gruppenbild von Julien
Julien fährt mit seiner Familie im durchdachten Azalai Camper-Setup

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