Autor: Bernd

Nach unserem Hochzeitstag in Polizeigewahrsam haben wir genug von Polizeieskorten. Von Haripur bekommen wir nur noch wenige Kilometer eine Begleitung und können nach 14 Begleitfahrzeugen endlich frei weiterfahren.

Auf iOverlander finden wir einen Spot in Lahore der toll sein soll und fahren zu. Über eine leere Autobahn mit drei Spuren genießen wir den Weg nach Süden.

Als wir die Autobahn verlassen hören wir jedoch komische schleifende Geräusche vom Motor und das Navi fällt aus. Cool, direkt vor einer Stadt mit 7 Millionen Einwohnern. Ich finde das gar nicht lustig und rege mich tierisch auf. Wir improvisieren mit der Navigation und finden den Fehler am Motor nicht sofort, also fahren wir zu. Wir wollen vor der Dunkelheit im Hostel sein.

Doch der Verkehr ist IRRE. An der ersten Kreuzung sehen wir, mit wie viel Weitblick die Menschen hier fahren. Die Kreuzung ist komplett verblockt von Fahrzeugen, die in alle Richtungen fahren wollten. Alle rücken nach, jede Lücke wird genutzt und keiner kann mehr zurücksetzten. Erst nach einer ganzen Weile löst sich das Chaos kurz wieder auf um nach zwei Minuten wieder da zu sein.

An der zweiten großen Kreuzung, an der wir abbiegen müssen, schneidet uns ein Motorradfahrer von links nach rechts und prallt einen Meter neben Calimero frontal in ein anderes Motorrad. Es kracht fürchterlich, aber wir fahren mitten über die Kreuzung und halten nicht an. Im Rückspiegel sehe ich, dass die beiden vermutlich nur Blechschaden haben.

An der dritten, und letzten große Kreuzung, an der wir abbiegen müssen, bleibt ein Motorrad an unserer Stoßstange hängen. Es kracht mal wieder, aber nach einem bösen Blick zurück vom Motorradfahrer, fährt er einfach weiter.

Wir haben den Blick zurück aufgenommen… Der Kerl ist an Calli hängengeblieben

Wir stecken nun im Stau fest und es passiert, was auf keinen Fall passieren sollte. Mein Magen beginnt fürchterlich zu grummeln. Das muss an dem Cheeseburger gelegen haben, den wir auf einer Raststätte gegessen haben. Beim ersten McDonalds nach einem halben Jahr konnten wir einfach nicht widerstehen.

Vollkonzentriert fahren wir zum Hostel und halten mitten im Verkehrschaos an. Ich muss erstmal aufs Klo. Der Besitzer teilt uns mit, dass wir Nachts vor dem Hostel parken können, aber tagsüber (jetzt) kommt man wegen den idiotischen Parkverhältnissen nicht in die Gasse.

Währenddessen beginnt die Polizei einen Clinch mit Claudia, den Claudia aber gewinnt. Auch wir stehen natürlich im Parkverbot. Aber das war mir mal ziemlich egal.

Das passiert mit Falschparkern.

Wir sollen in einer Seitenstraße zum parken und finden dort auch ein Plätzchen. Die Stimmung ist gereizt und den Pakistani, der um ein Selfie bittet, winke ich ab. Leider erfolglos. Ein weiteres Selfie mit Claudia verneine ich aber, denn wir haben gerade wirklich so gar keine Lust auf Selfies.

Als wir gemeinsam ins Hostel gehen, meint Claudia zu mir, dass wir hier nicht schlafen können. Hier krabbeln die Kakerlaken rum und die Betten stehen vor Dreck. Vor lauter Erschöpfung fließen bei ihr auch ein paar Tränen. Wir sind fertig mit den Nerven.

Wir nutzen das Internet und beschließen, Nachts zur Grenze zu fahren, wenn weniger Verkehr ist. Um 2 Uhr nachts verlassen wir das Hostel, gehen zurück zum Auto und fahren los.

Doch schon an der zweiten Kreuzung werden wir auf die Gegenfahrspur gelenkt, denn unsere Spur wird repariert. Also fahren wir in der Nacht als Geisterfahrer dem Schwung Motorradfahrer hinterher. Gruselig!!!

Wir kommen aber heil und sehr müde an der Grenze an. Der Grenzer sagt uns, dass wir hier nicht schlafen dürfen, wir überreden ihn aber. Ich sage ihm, dass wir keinen Meter mehr fahren werden und auf dem Seitenstreifen nun schlafen werden, denn unser Motor macht komische Geräusche und ich fahre nicht noch einmal nach Lahore zurück.

Schlussendlich stimmt der Grenzer zu und wir fallen in einen kurzen, sehr tiefen Schlaf. Am nächsten Morgen finde ich einen abgeplatzten Schlauch am Turbo, den ich mit Panzerband und Kabelbinder befestige und wir fahren gemeinsam zur Grenze.

Das Abenteuer im südlicheren Pakistan hat uns nicht mehr so gefallen. Vor allem der Platz in Lahore war schrecklich. Wären wir früher am Tag angekommen, hätten wir noch eine Alternative gesucht. So haben wir die Flucht aus Lahore ergriffen.

Das lag unter anderem auch daran, dass wir von einer kleinen Oase in Amritsar gehört haben. Einem Stellplatz mit Pool, Bier und Chicken Curry nur 30km hinter der Grenze. Genau dort fahren wir hin und werden uns von den Strapazen der letzten Tage erholen.

Wir haben von unserer Eskorte und unserer Fahrt durch Lahore ein paar kleine Videos zusammengeschnitten, damit du einen Eindruck davon bekommst. Die schwierigen Teile sind leider nicht gefilmt worden, da wir beide zu konzentriert waren.

PS: Sorry für die schlechte Bildqualität, aber wir hatten nicht das richtige Nervengerüst für schöne Bilder.