Autor: Bernd

Silvester? Davon haben wir nichts mitbekommen. Wie immer liegen wir abends früh im Bett und hören dieses Jahr nicht das geringste Böllern oder Feuerwerk. Kein Krach, keine Betrunkenen, kein Nebel. So entspannt dürfte von mir aus jedes Jahr beginnen. Was wir dieses Jahr so vorhaben und wie die Vorbereitungen zur Zeit laufen, werden wir in diesem Beitrag verraten!

Was haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen?

Claudia und ich werden dieses Jahr diese unglaubliche Reise beenden, daher möchten wir uns ein Leben nach dieser Reise aufbauen.

Claudia wird bereits in wenigen Wochen mit Tuco nach Hause fliegen, das Heimweh ist größer als das Fernweh geworden, zumindest für den Moment. Bei mir sieht das ähnlich aus, aber ich habe eine Sehnsucht, die größer ist – die Berge. Daher werde ich noch ein paar Monate in den kanadischen Rockies verbringen. Ich werde eine ordentliche Bergsteiger-Grundausbildung erhalten um in Zukunft Seilschaften sicher in risikoreichem Gelände anzuführen. Erst dann werde auch ich diese Reise mit gutem Gewissen beenden können.

Dafür hat Claudia für dieses Jahr ein anderes Herzensprojekt. Freunde von uns wandern nach Finnland aus und Claudia würde den beiden gerne eine Weile aushelfen. Markus und Josephin ziehen mit ihrem Huskyrudel in ein kleines Dorf im Norden Finnlands. Dort bieten sie im Winter Schlittenabenteuer und im Sommer Tiergestützte Pädagogik an. Ganzjährig dient dieser Ort auch als Rückzugsmöglichkeit für Menschen mit Schicksalsschlag oder Burnout. Die beiden haben gerade eine Crowd-Funding Kampagne am Laufen – schaut doch mal rein: Hier geht’s zur Kampagne!

Claudia und ich diskutieren (wie auf der gesamten Reise) die wildesten Lebensexperimente, die wir noch nicht ausprobiert haben und malen uns verschiedene Zukunftsperspektiven aus.

Ist die Selbstständigkeit ohne Startkapital wirklich drin oder wäre nicht ein Job in einem coolen Unternehmen, in dem ich mich Wohlfühle, die einfachere Option für den erneuten Start zurück in Deutschland? Ist einfacher auch besser? Wie sieht denn der ideale Job aus? Wie viel müssten wir eigentlich arbeiten?  Reichen nicht 50-80% um zu überleben und glücklich zu sein? Damit hat man genug Zeit, nebenher eigene Projekte verfolgen und hat trotzdem eine Absicherung.

Wie bekommen wir gute Arbeitgeber und die Nähe zu den Bergen in Einklang? Welche Jobs gibt es denn zwischen Zürich, München und Salzburg? Wie sehen die nächsten, für uns verdaubaren Schritte aus, ein etwas nachhaltigeren Lebensstil zu führen? Wie viel Quadratmeter brauchen wir langfristig eigentlich, 15, 50 oder 70? Wenigstens wissen wir schon, dass Vier Quadratmeter zu wenig sind.

Uns ist beiden aufgefallen, dass in all den Szenarien Calimero eine untergeordnete Rolle spielt. Für die nächste Reise werden wir ein größeres Auto brauchen und für den Urlaub in Europa brauchen wir keinen aufgerüsteten Offroader. Da wir ungern zu viele Dinge besitzen, die wir wenig nutzen, haben wir beschlossen, Calimero in Kanada zu verkaufen!

Der letzte gemeinsame Reisemonat

Am Lake Isabella planen wir unseren letzten gemeinsamen Reisemonat. In 18 Tagen möchten wir in Seattle sein, das ist noch über 1700 Kilometer entfernt. Allerdings haben wir beide keine Lust auf die Stellplatzsuche in der Nähe der Küste und müssen noch jede Menge Kram organisieren. Also buchen wir uns ein Zimmer in einem Airbnb in Portland – für eine ganze Woche. Das Haus, in dem wir wohnen werden hat einen großen Garten und eine Husky-Wolf-Hündin wartet schon darauf mit Tuco zu spielen. Das klingt nach Erholung und einem Platz um uns zu sortieren.

Also machen wir uns auf den Weg, wir haben nur sechs Tage Zeit für mehr die ersten 1500 Kilometer und kommen zunächst zügig voran. Wobei „zügig“ sehr relativ ist. Früher konnten wir schon einmal 1000 Kilometer am Tag fahren, wenn es Urlaubsbedingt nicht anders möglich war. Heute jedoch fahren wir 300 Kilometer und brauchen dafür fast den ganzen Tag. Urlaubsfahrten werden spannend in der Zukunft. In Patterson lädt uns im Dog Park Cornelia zu sich nach Hause ein, wo wir einen schönen gemeinsamen Abend verbringen, bevor wir weiter Strecke machen. 

Tuco und Cowboy
Die Hündchen sind schon früh sehr fit! Tuco ist in absoluter Betriebstemperatur!

Auch am folgenden Abend finden wir einen sehr ruhigen Walmart direkt an der Autobahn. Wir laufen mit Tuco durch die endlosen Reihen der angrenzenden Mandelplantagen und haben sogar ein WLAN bis ans Auto.

Ein Spaziergang durch die Mandelplantagen

Achtung, Endgegner?!

Am Morgen lasse ich Calimero schon einmal an, und lese mich durch die sozialen Medien auf dem Handy. Ich merke erst als Claudia kommt, dass das Auto schon eine ganze Weile unnötig läuft. Claudia setzt sich neben mich, ich lege den Rückwärtsgang ein, zirkele aus dem Parkplatz heraus und wir düsen los. Nach 200 Metern wollen wir über die Brücke fahren, die über die Interstate führt, auf die wir gleich auffahren wollen und plötzlich geht alles sehr schnell.

Die Drehzahlen steigen unkontrollierbar an, obwohl ich vom Gas gehe, Calimero schreit und raucht wie verrückt. Das hatten wir schon einmal so ähnlich in Kirgisien, damals ist der Gaszug festgehangen. Damals ist aber die Drehzahl konstant geblieben, nicht gestiegen. Das merke ich in diesem Moment aber nicht. Ich nehme den Gang raus, stoppe das Auto, drehe die Zündung auf aus und springe aus dem Auto. Hinter Calimero türmt sich bereits eine grau-schwarze Rußwolke, Calimero kreischt als würde er gerade ermordet werden. Ich mache die Motorhaube auf, aber der Gaszug sieht völlig normal aus. Eine wirklich panische Sekunde später stirbt dann der Motor ab. Stille!

War vielleicht der Knick in diesem Schlauch schuld?

Mein Adrenalinpegel ist auf Maximalniveau, das Herz pocht. WAS war das denn, frage ich mich. Da sich schon Autoschlangen um uns herum bilden, steige ich wieder ins Auto und lasse den Motor wieder an. Alles normal. Komisch! Ich fahre weitere 100 Meter und biege nicht auf die Autobahn ab, sondern stelle Calimero erstmal an einer Tankstelle ab. Ich bin so richtig wütend und kann mir den Ausfall eben nicht erklären. Wieder einmal prüft uns Calimero, wenn wir es gar nicht brauchen können. 

Ganze 2 Liter Öl muss ich nachfüllen, die hat er wohl eben schnell verbrannt, habe erst vor kurzem den letzten Ölstand kontrolliert. Erst über Facebook erfahre ich, dass das gerade ein Runaway war, ein Dieselmotor der sich selbstständig gemacht hat. Oftmals sind Motoren nach einem solchen Vorfall Kernschrott. Wir haben wohl Glück gehabt, wütend bin ich trotzdem noch. Dazu kommt noch, dass Claudia auf einmal mit Migräne kämpft – so geht ihr Körper wohl mit dem Druck um. 

Mit mulmigen Gefühl schaffen wir es in zwei weiteren Tagen bis nach Portland. Ich gebe die Symptome zu mehreren Mechanikern nach Deutschland prüfen verschiedene Theorien. 

Wir lassen Calimero in Portland auch von einem Land Rover Experten noch einmal durchchecken, aber auch der findet nichts Außergewöhnliches. Komisch! 

Mal wieder in der Werkstatt

Wir werden wohl erst einmal damit Leben und hoffen, dass uns das nicht noch einmal passiert, jetzt weiß ich wenigstens, wie ich den Runaway schnell beende. Vielleicht war es nur der Ausblick auf den Endgegner dieser Reise, vielleicht aber auch einfach eine Verkettung unglücklicher Umstände. 

Unser Airbnb-Zimmer in Portland ist dagegen der Hammer. Wir genießen es, das erste Mal seit über einem halben Jahr wieder in einem Zimmer zu schlafen. Auch mit Tuco ist es eine Prüfung. Für ihn ist es ebenfalls das erste Mal in einem Haus, seitdem wir ihn vor über sechs Monaten aus dem Tierheim geholt haben. Er liebt es, mitten in der Nacht ins Bett zu hüpfen um mit uns zu spielen. Er findet es auch großartig mit Aidi zu toben, der Husky-Wolf-Hündin, die hier lebt. V

Vorbereitungen für Claudias Heimkehr

Claudia und Tuco fliegen am 4. Februar zurück nach Deutschland. Mit Condor fliegen sie von Seattle nach Frankfurt und werden dort von der Familie abgeholt. Während unserem Aufenthalt in Portland finden wir eine gebrauchte Hundebox für Tuco, damit er sich an die Box früh genug gewöhnen kann. Um alle Regeln einzuhalten muss die Box so groß sein, dass unser gebuchter Hundetransportplatz im Flieger zu klein ist. Wie bei zu kräftigen Menschen müssen wir für Tuco einen zweiten Platz dazubuchen.

Außerdem machen wir Termine beim Tierarzt und dem Landwirtschaftsministerium um alle Dokumente und Unterschriften zu bekommen, die wir für Tucos Heimreise benötigen. „Alles für den Dackel, alles für den Club“ sage ich da nur. 

Wie wir die nächsten Tage im Auto leben sollen, ist uns noch etwas unklar. ABER wir haben auch in Seattle ein Zimmer gebucht um dort die letzten drei Wochen gemeinsam zu verbringen. Das wird schon werden!

Meine Vorbereitungen für die letzte Etappe

Da ich in ja in Nordamerika bleibe und auch viele Pläne habe, muss ich mich ebenfalls vorbereiten. Ich werde im Februar Skifahren lernen, die Kurse sind bereits gebucht. Von März bis April werde ich in dem schon angesprochenen Bergsteigerprogramm alles über Eisklettern, Hochtouren, Skitouren, Lawinenkunde, Erste Hilfe und Alpinklettern lernen. Dafür muss ich trainieren und das mache ich seit zwei Monaten strukturiert mit einem Trainingsplan, habe meine Ernährung etwas angepasst und konnte dadurch schon 10 Kilogramm abnehmen. Mit 75 Kilogramm bin ich so leicht, wie schon seit Studienzeiten nicht mehr.

Seit Weihnachten schleift mein Trainingsplan aber ein wenig, da ich erst Klettern über Ausdauertraining priorisiert habe und während der aufregenden Fahrt nach Portland keine Nerven zum Joggen hatte (ich weiß, Joggen beruhigt das Gemüt!). Hier in Portland finde ich die Ruhe und Zeit, mich wieder meinen Trainingseinheiten zu widmen.

Die neuen Bergschuhe (La Sportiva Nepal Evo GTX) werden mit 10 Kilogramm auf dem Rücken am Berg eingelaufen, ich erkunde die Stadt während meiner Laufrunden und arbeite mich durch die Ausrüstungsliste, die von der Bergschule vorgegeben ist. Einige Dinge besitze ich schon, vieles aber nicht. Das technische Equipment wird von der Bergschule gestellt, ich muss aber Klamotten, Schlafsack, Helm und persönliches Zeug selbst kaufen.

Die neuen Bergschuhe!
Mit 10Kg Rucksack und Bergschuhen durch den Stadtpark

Über die letzten Monate konnte ich schon einige Teile in Outdoorgeschäften finden, wie zum Beispiel meine Hardshells von The North Face oder eine Skitourenhose von Patagonia. Einiges muss ich nun aber online bestellen, da die meisten Ausrüster (ich war in wirklich vielen Läden) die Produkte meiner Wahl gar nicht führen. Praktisch, dass wir jetzt auch eine Lieferadresse haben!

Wenn ich mir nun den ganzen Kram und die Anforderungen auf der Liste so ansehe, kann ich schon erahnen, auf was ich mich da wohl einlasse.

Ein Beispiel ist der Heavyweight Parka: “This may be the most important item to keep you warm while on the course! The warmest down or synthetic jacket you can find will do the trick. “

Ich liebe aber auch den Expedition Backpack: „This should be a sturdy, well-constructed pack with between 65 – 70 liter carrying capacity. “

Das zeigt mir, dass ich in den nächsten Wochen noch viel mehr Wandereinheiten mit Gepäck auf dem Rücken in meinen Trainingsplan aufnehmen sollte. Ich will ja nicht der Ausdauerschwächste in der Gruppe sein!

Auf geht’s

Es wird auch spannend sein, nach soviel Zeit gemeinsam für eine Weile getrennt zu sein. Noch viel wichtiger ist uns aber, dass wir es schaffen, den Wünschen des Einzelnen trotzdem noch genug Raum zu geben. Wir haben gemeinsame und persönliche Träume, die wir versuchen zu realisieren. Dabei versuchen wir die Träume des anderen zu unterstützen, auch wenn das manchmal schwerfällt. 

Diese Reise hat uns gezeigt wo unsere Stärken und Schwächen liegen, wann wir unsere Grenzen überschreiten oder verschieben und was uns wirklich am Herzen liegt!

Also ab ins spannende Jahr 2019 mit einem tollen Mix aus Abenteuer, Traumerfüllung, Arbeit, Gelassenheit, Familie, Freundschaft und jeder Menge Liebe!

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