Autor: Bernd

In den North Cascades haben wir eine ideale Umgebung bei nicht idealen Wetterbedingungen um zu wandern. Wir klettern die ersten anderthalb Tage in Mazama bis das Wetter umschwingt und ich merke, wie immer mehr Routine zurückkehrt. Stände bauen und abseilen läuft wieder wie geschmiert und auch das verlängern der Express-Schlingen an den richtigen Stellen, das lesen der Routen oder legen von Zusatzsicherungen mit Keilen (die Hakenabstände sind manchmal wirklich weit) wird wieder einfacher.

Dinge, die ich einmal aus dem FF beherrscht habe, muss ich mir wieder mühsam eintrichtern, aber es macht Spaß den Fortschritt zu sehen. Auch bei den Schwierigkeitsgraden steigern wir uns langsam. Als wir in Lander vor knapp 2 Monaten wieder mit der Kletterei angefangen haben, konnte ich nur im 5er UIAA Bereich vorsteigen, jetzt ist auch der 6er Bereich wieder entspannt möglich (das wird mir am Smith Rock wieder ausgetrieben). In den Kletterhallen in denen wir auch duschen können, arbeite ich am 7. Grad. Warum ist mir die Schwierigkeit so wichtig? Man hat deutlich mehr Auswahl, wenn man anspruchsvollere Routen klettern kann und vor allem leichte Alpinrouten fallen einfacher, wenn  die Bewegungen sitzen.

Und genau das ist ein Schritt, den ich bald gehen möchte. Traditionelles Klettern oder auch Alpinklettern mit komplett eigener Absicherung. Das wird spannend, aber dafür brauchen wir mehr Ausrüstung, die wir in Seattle kaufen wollen.

Nach der Kletterei am zweiten Tag beschließen wir noch eine Wanderung zu machen, dafür muss es ja nicht trocken sein. Auf 7 Kilometern geht es 700 Höhenmeter auf den Cutthroat Pass hinauf, wo wir über die Schneegrenze wandern. Durch die dicke Wolkenschicht haben wir keine weite Sicht, aber auch in der Nähe gibt es wundervolle Natur zu bestaunen. Die Lärchen sind in ihrem goldenen Gewand und werden in naher Zukunft ihre Nadeln für den Winter abwerfen.

Die Lärchen im goldenen Gewand, überhalb die verschneiten Gipfel der Cascades!

Nach einem Erholungstag, an dem ich die Touren für die nächsten Tage herausgesucht habe, widmen wir uns dem Maple Loop Trail. Wir fahren zuerst über den Washington Pass zum Rainy Pass (wo es tatsächlich bei beiden Fahrten vorbei kurz regnet …) und laufen eine wunderschöne Runde durch die teilweise verschneite Gebirgslandschaft. Tuco ist in seinem absoluten Element und dreht vor allem im Schnee total durch.

Ausblick vom Washington Pass

Als wir nach all dem Flachland vor ein paar Monaten wieder in die Berge gekommen sind, haben die Waden nach einer ordentlichen Wanderung gut gebrannt. Jetzt können wir 800 Höhenmeter ohne Problemchen auf- und absteigen. Es gibt keinen Muskelkater, man braucht keine Pausen mehr und die Kondition wird mit jeder Tour besser. So mag ich das.

Meine Socken muss ich noch in den Griff kriegen, die verrutschen auf der linken Seite an den Zehen nämlich. Blöd, dass ich zwei so unterschiedlich große Füße habe. Alles was für den einen Fuß perfekt passt, ist immer eine Notlösung für den anderen Fuß.

Auch am nächsten Tag machen wir uns noch einmal auf eine größere Tour zum Easton Gletscher am Mount Baker. Nach 800 Höhenmetern müssen wir aber wieder umdrehen, denn hier wir haben weder die Ausbildung noch die Werkzeuge für eine Gletscherüberquerung.

Nach der Tour in den Cascades zum Mount Baker fahren wir nach Seattle und stocken die Kletteraufrüstung fürs Alpinklettern auf. Vier Black Diamond Camelots* in den Größen #0.5 #1 #2 und #3, zwei Anker-„Sets“ bestehend aus einer 240cm Bandschlinge*, zwei Schnappkarabinern* und zwei Schraubkarabinern*, dazu noch drei Alpine Expressschlingen, die aus jeweils einer 60cm Bandschlinge* sowie zwei Schnappern besteht sollen für den Anfang ausreichen.

Ich habe ja schon eine gute Sportkletterausrüstung. Zusätzlich gibt es ein paar bessere Sohlen für die Bergschuhe – ich bin gespannt ob das auch das Sockenproblem löst. Probieren geht über studieren.

Die gesamte Kletterausrüstung braucht ihren Platz mittlerweile

Dem Verkäufer sind wir so sympathisch, dass ich seine Telefonnummer bekomme. Falls wir nächsten Sommer nochmal in der Region sind, nimmt er mich mit auf ein paar alpine Mehrseillängen in den Cascades, Sweet!

Wir sehen von Seattle nicht viel. Einerseits ist es sehr neblig, andererseits wollen wir wieder raus in die Natur. Auf dem Weg in den Olympic Nationalpark halten wir noch einmal bei Exped in Tacoma. Ich darf meine gute alte Exped Isomatte* wieder abholen. Nachdem Tuco sie bei der Tour durch die Wind River Range kaputt gemacht hat, hat Exped sie kostenfrei wieder repariert. Das ist ein Service! Eine neue Mütze bekomme ich noch gratis dazu, als ich mich im Sortiment ein wenig umsehe.

Bei Exped in Tacoma – da hätte ich noch mehr mitnehmen können!

Im Olympic Nationalpark haben wir mal wieder das Problem, dass Tuco nicht mitwandern darf und so teilt sich unser Reiseteam auf. Claudia setzt mich am Fuße der Hurricane Ridge am Elwha River ab und fährt zum Ziel der Wanderung (mit Zwischenstopp im lokalen Hundepark) während ich 1600 Höhenmeter auf 13 Kilometern wandern möchte. Ich hoffe, dass sie alleine zurechtkommt. Das ist das erste Mal auf dieser Reise, dass sie mit dem Auto alleine wegfährt.

Die Zufahrtsstraße zum Trailhead ist gesperrt und auch auf dem Fußweg zum Einstieg fehlt eine Brücke. Mit dem Finden der Umleitungen durchs Gebüsch brauche ich schon eine Stunde für die ersten vier Kilometer. Die Höhenmeter gleiten danach allerdings so dahin. Es ist zwar sehr steil aber nach insgesamt 4 Stunden und 42 Minuten stehe ich auf dem Hurricane Hill. Von dort kann ich auch nochmal einen Blick auf den Mount Rainier werfen. Was für ein irrer Berg, den wir nicht einmal ordentlich abgelichtet haben – Schande über uns!

Wunderschöne Wälder findet man im Olympic National Park
Da muss der Kerl a bisserl schwitzen
Aber die Aussicht ist genial!
Tadaa – oben angekommen!

Da ich Claudia die falschen Koordinaten für den Rendezvous-Punkt gegeben habe, darf ich noch ein paar Kilometer extra dranhängen, die natürlich nicht nur Abstieg sind.  So werden am Schluss insgesamt 1900 Höhenmeter und 19 Kilometer aus meiner Trainingstour. Da bin ich am Ende doch froh, als ich den Land Rover endlich sehe.

Das war eine ordentliche Tour und ich merke, dass mein Körper fit dafür ist. 450 Höhenmeter die Stunde sind schon drin und der Muskelkater bleibt aus. Die Kombination aus Bergschuh, Sohle und Socke passt aber immer noch nicht. Ich glaube, dass die Socken einen Tick zu groß sind und sich daher, vor allem am linken Fuß, etwas aufrollen.  Mit den alten Socken von Falke hatte ich dasselbe Problem, aber nicht so schlimm. Ich versuche mal etwas zu kleine und dickere Socken zu verwenden. Da müssen wir wohl wieder in einen Outdoor-Laden.

Von der Hurricane Ridge fahren wir weiter nach Westen. Wir halten im kleinen Städtchen Forks, das unter Twilight Fans berühmt ist. Die Bücher haben sich in dieser Stadt und der Umgebung abgespielt – Claudia findet das toll. Forks liegt in einem Gebiet, das für Nebel und Regen berühmt ist. Wir haben allerdings strahlenden Sonnenschein. Am Nachmittag erreichen wir dann den endlich den Pazifik in La Push, einem Dorf das vor allem von Leuten des Quileute Stamms bewohnt ist und an dessen Strand immens große Baumstämme liegen.

227 Tage haben wir gebraucht um von Halifax im Osten nach La Push im Westen zu fahren, etwa ähnlich lange wie von Deutschland über Zentralasien nach Indien. Es ist ein tolles Gefühl den ganzen Weg durch Kanada und die USA geschafft zu haben. Die Reiserei durch Nordamerika ist deutlich einfacher, als die Reise nach Indien – dafür hatten wir deutlich mehr mit Problemen an Calimero zu kämpfen und öfter schlechteres Wetter.

Ein bisschen Brennholz am Strand
Sonnenuntergang am Pazifik – hach wie schee!

Wir verweilen aber nicht lange am Pazifik, denn von dort geht es erst einmal in die Regenwälder des Olympic National Parks, wo wir nur eine kleine Runde durch den Regenwald marschieren, da Tuco im Auto warten muss.

Ein RIESEN Baumstamm, auf dem neue Bäume wachsen – verrückte Natur!
Unsere erste Walsichtung am Pazifik ist nicht die schönste.

Nach einer weiteren Nacht am Meer haben wir nun die Option der 101 am Meer entlang nach Süden zu fahren. Allerdings ist es mit Schlafplätzen dünn am Meer und so beschließen wir Washington über das Inland nach Oregon zu verlassen. Nächstes Ziel ist Smith Rock, ein Kletter-Eldorado in Oregon.

Kleiner Nachtrag: Die Kamera ist irgendwie die letzten Wochen öfter mal im Auto geblieben, daher vermehrt ein paar iPhone Selfies! 

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