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Wind, Welpen, Sturz und Vögel auf der Avalon Halbinsel

Nach ein paar verrückten Tagen auf Fogo nutzen wir einen erneuten Frühlingstag im Terra Nova Nationalpark richtig aus. Wir waschen Wäsche, wandern und grillen mit deutschen LKW-Reisenden, die wir hier treffen. Bei einem Kaffee in Clarenville bei Regen und aufziehendem Sturm, beschließen wir Bonavista erst Mal auszulassen und nach St. Johns zu fahren. In Bonavista soll die Windgeschwindigkeit bei 70 km/h liegen, Böen weit darüber hinaus. Jetzt liegt die Avalon Halbinsel vor uns, in der 50% von Neufundlands Bevölkerung lebt, auf der aber auch tolle Wandermöglichkeiten auf uns warten. Außerdem möchten wir uns in St. Johns einen Husky-Welpen ansehen – Grund genug etwas Strecke zu machen.

Reisetreffen v.l.n.r – Bernd, Theo, Elli, Peter, Oscar, Claudia, Brigitte und Sabine

Ich habe große Schwierigkeiten mir vorzustellen, einen Welpen dabeizuhaben. Die ganze Nacht liege ich wach und überlege mir, wo ich was hinräumen soll im Fahrzeug, damit wir das hinbekommen.

Nach dem Besuch der Husky Welpen bekommen wir 24 Stunden, in denen wir uns entscheiden sollen. Kostenpunkt: 850 kanadische Dollar. Um uns die Entscheidung zu vereinfachen, dürfen wir die Nacht im Notbett verbringen. Der Regen platzt horizontal aufs Auto, der Wind schaukelt uns ordentlich durch und wieder einmal ist an Schlaf kaum zu denken.

Immerhin kann ich mir jetzt noch viel weniger vorstellen, wo wir den Welpen jetzt hingetan hätten. Anschaffungskosten, Bauchgefühl, zu frühe Abgabe und vielleicht auch meine negative Grundstimmung sind die Gründe, dass wir uns am nächsten Morgen gegen den Welpen entscheiden.

Nachdem das Thema Husky-Welpe erst einmal durch ist, fliehen wir vor dem Sturm nach Süden und können schon 60 Kilometer südlich ein bisschen spazieren gehen. Von St. Johns haben wir gar nichts gesehen. Also umrunden wir erst einmal die Halbinsel Avalon und versuchen es in ein paar Tagen erneut. Nur selten können wir es wagen auch am Wasser zu stehen, meist ist das wegen den Sturm-Böen nicht ratsam.

Spaziergang zu einem der vielen Leuchttürme der Region

Als wir bei Cape Race Fotos von den Klippen machen, fällt mir der Objektivdeckel in eine Spalte. Auf einem kleinen Vorsprung liegt der Deckel, ist aber für meine Hände nicht erreichbar. Claudia kommt auf die Idee, mit zwei Stangen von der Foxwing den Deckel zu bergen. Ich hüpfe voraus und hole die Foxwingstangen und das Stativ, dessen Teleskopbeine ebenfalls lang genug sein könnten.

Der Leuchtturm von Cape Race
Wenn man mal keine Lust auf andere Menschen hat …

Wieder auf dem Weg zum Objektivdeckel in der Spalte, höre ich hinter mir, wie Claudia fällt. Sie ist auf einem der Steine ausgerutscht und ist auf Hand und Knie gefallen. MIST! Sofort lasse ich das Stativ und die Stangen liegen und kümmere mich um sie.

Nach einem ersten kleinen Check, kann sie aufstehen und ohne Probleme gehen. Die Hand blutet und das Knie ist etwas aufgeschrammt. Nichts wildes,aber ich bringe Claudia zuerst zurück zum Auto und verarzte sie, bevor ich mich wieder um den doofen Deckel kümmere. Dieser Halunke entscheidet sich bei meinem Rettungsversuch allerdings für einen Sturz ins Meer.

Claudia kurz vor ihrem Sturz

Wir versuchen die letzte halbe Stunde in unseren Gedanken zu streichen und fahren weiter, weg vom wieder mal aufkommenden Wind. Dabei entdecken wir Tripod. Tripod ist ein dreibeiniger Fuchs und ist eine lokale Legende. Seelenruhig zeigt er sich uns von seiner Besten Seite. Auch die Karibus zeigen sich hier am Straßenrand.

Auf dem Weg nach Cape St. Mary‘s übernachten wir in St. Vincents am Strand. Hier sollen die Buckelwale vom Strand zu fotografieren sein … allerdings erst in drei bis vier Wochen, wenn der Capelin (Kapelan oder Lodde) hier auftaucht. Der Futterfisch ist aber noch nicht da und dementsprechend bleibt unsere Walsichtung aus. Ich verbringe einen äußerst interessanten (alkoholreichen) Abend mit dem ehemaligen Vorarbeiter Dave und am nächsten Morgen setzen wir unsere Reise zum Cape St. Mary‘s fort.

Ein wundervoller Abend am Strand
Ich nutze jede Chance um Steine zu flippern

Cape St. Mary’s beherbergt unter anderem um die 24.000 Basstölpel, die wir uns genauer ansehen wollen. Wir haben Glück und erreichen das Kap an einem der wenigen Nebelfreien Tage. Am Vogelfelsen, der nur wenige Meter vom Festland entfernt ist, verbringen wir mehrere Stunden und fotografieren, was das Zeug hält. Die Basstölpel sind nicht einfach drauf zu bekommen. Trotzdem sind viele tolle Bilder entstanden.

Die Nacht am Kap endet abrupt um 6:30 morgens. Wieder einmal legen die Böen zu und wir krabbeln aus dem Bett, klappen das Dach zu und fahren weiter.  Das Notbett so spät noch aufzubauen macht keinen Sinn. Etwas zerrupft landen wir in Philips Café, wo wir erst einen Kaffee trinken, dann noch etwas essen und dann das Angebot bekommen, zu duschen. Das nutzen wir aus. Als Claudia vom Duschen wiederkommt, besteht sie darauf, die Nacht hier zu verbringen. Da habe ich kaum etwas mitzubestimmen und so schlafen wir seit langer Zeit nicht in Calimero.

Claudia im Paradies

Die geplante heiße Badewanne für Claudia fällt jedoch buchstäblich ins kalte Wasser. Der Boiler ist wohl nicht groß genug um eine ganze Badewanne mit heißem Wasser zu füllen. Nach einer doch sehr erholsamen Nacht ohne Wind und Regen führt uns der Weg in den folgenden Tagen entlang der nördlichen Küste von Avalon, die relativ spektakulärfrei an uns vorbeigeht.

Die SS Kyle ist 1967 auf Grund gelaufen und wurde bis heute nicht geborgen
Die Amelia Earhart Statue zeugt vom ersten Transatlantik-Alleinflug einer Frau. Sie ist 1932 von Harbour Grace gestartet und in Nordirland gelandet.

Wir möchten eigentlich das schöne Wetter nutzen und uns endlich St. Johns ansehen. Allerdings macht unser Kupplungsgeberzylinder einen schlechten Eindruck und so lösen wir erstmal dieses Problem. Mit Fred können wir den Geberzylinder zügig wechseln. Auch der Nehmerzylinder macht noch einen guten Eindruck. Das ist gut so, denn das Dichtungsset finde ich erst, als ich den Nehmer wieder eingebaut habe. Als wir zum zweiten Mal in St. Johns angekommen, liegt die Stadt im Nebel.

Gemeinsam ist nicht einsam – übrigens … ich trage T-Shirt!
Signal Hill in St. Johns bei Nebel

Wieder einmal drehen wir bei, fahren eine Extrarunde und schlafen nicht weit von St. Johns in einer kleinen Bucht. Dort gebe ich am Morgen noch vor dem Frühstück ein Interview für CBC und dann endlich können wir uns St. Johns mit seinem tollen Signal Hill ansehen.

Der Ausblick vom Signal Hill auf die Stadt
Die bunten Häuser sind toll anzusehen.
Hier treffen wir auch mal wieder ein deutsches Reisemobil

Wir besorgen uns noch einen neuen Objektivdeckel und düsen den kurzen Weg bis zu Cape Spear. 100 Tage nach unserer Ankunft in Halifax, haben wir nun mit Cape Spear den östlichsten Punkt des nordamerikanischen Kontinents erreicht. Jetzt fahren wir westwärts, wobei es erstmal ziemlich nach Norden geht. Immerhin wollen wir ja noch Bonavista und den Gros Morne Nationalpark besuchen um dann Neufundland nach Norden in Richtung Labrador zu verlassen.

Claudia bei Cape Spear – keine Wale in Sicht!

Die Halbinsel Avalon ist wunderschön und hat jede Menge tolle Sehenswürdigkeiten und vor allem Wanderungen zu bieten. Wir haben Wetterbedingt nur einen kleinen Teil davon mitgenommen und kommen mit durchwachsenen Gefühlen wieder von der Halbinsel herunter.

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One comment

  1. Hallo Ihr Beiden,
    wir hoffen Claudias Hand ist wieder ok.
    Dass mit dem Hund ist so eine Sache. Wir haben ja noch unseren 11 Jahre alten Goldi dabei. Und der ist ja gut 10 cm kleiner als ein ausgewachsener Husky. Ja das ist oft sehr eng in unserem ToYo selbst wenn wir oben schlafen.
    Ich kann eure Entscheidung nachvollziehen. Für Chico wird es auch keinen Nachfolger geben.
    Wir sind aus der Estrenadura zurück und haben jetzt noch 9 Wochen Zeit für den Feinschliff unserer Reise entlang der chin. Seidenstrasse von Kashgar nach Xian.
    Diesmal nicht mit dem ToYo sondern mit Bus und Bahn. Wir haben 4 Wochen zeit und fliegen über Moskau nach Kashgar und dann entlang der nördlichen Seidenstrasse ent lang der Taklamakan und Gobi bis nach Xian

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