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Die wundervolle Küste der Bay of Fundy

Von Halifax fahren wir nach ein paar wundervollen Tagen mit Binnie, Wanda und Yasper zurück zur Bay of Fundy. Niemals hätten wir gedacht, dass uns diese Bucht so fesselt, dass sie so vielseitig ist und wir so viel Zeit dort verbringen werden.

Unser erster Stop zurück an der Bay of Fundy ist der Burntcoat Head. Wieder einmal haben wir die Chance am Abend mit Sturm die Flut zu beobachten um am nächsten Morgen bei Ebbe am Strand herumzulaufen.

Burntcoat Head bei Flut
Burntcoat Head bei Flut

Allerdings erklärt uns die Park Managerin am Morgen, dass es viel zu gefährlich sein könnte und wir ohne Sie nicht in den Park dürfen. Ich erwähne, dass wir das nicht gewusst haben, der Park aber sicher sei, wir haben das gestern ja schon getestet! Mit ihrer Erlaubnis dürfen wir während ihres Aufenthalts dann doch noch an den Strand um die Felsen bei Ebbe zu sehen.

Burntcoat Head bei Ebbe
Burntcoat Head bei Ebbe

Wir folgen wieder der Küstenstraße und landen auf einen Kaffee im ältesten General Store Kanadas, dem Freeze & Roy. Das wurde uns von mehreren Einheimischen empfohlen, war aber in Realität gar nicht so spannend, sondern einfach nur ein alter Laden.

Als wir auf dem Weg zu den Economy Falls im Hinterland der Bay of Fundy auf Schnee treffen, wird es allerdings ein bisschen spannender. Wir sind hier schon öfter auf Schnee gefahren, ohne Probleme. Also versuchen wir es auch hier. Diesmal kommen wir aber keine fünf Meter weit und fahren uns fest. Wir haben uns so festgefahren, dass wir buddeln müssen.

Das ist für uns Premiere und ich schwanke gedanklich zwischen: „Mist, festgefahren!“ und „Yeah, jetzt kann ich endlich mal testen ob wir uns auch selbst helfen können.“

Als erstes entscheiden wir uns dafür, dass der Weg zurück wohl der clevere ist. Daher buddle ich hinter den Vorderrädern frei und lege die Sandbleche drunter. Resultat? Es bringt gar nichts. Die Räder drehen nur auf den Sandblechen durch. Natürlich versuchen wir so sanft wie möglich vorzugehen, aber wir bekommen einfach keinen Grip.

Wenn der Spaten für seine ursprünglichen Aufgabe genutzt wird!

Claudia schlägt mehrfach vor, dass wir im Dorf Hilfe holen sollen. Ich verweigere das total, denn ich will aus eigener Kraft hier rauskommen. Wir schauen uns die Situation noch einmal genauer an und merken, dass wir ziemlich aufsitzen also buddeln wir unter dem Rahmen frei und befreien die Achsen von den Eisbergen dahinter. Die haben sich wohl gebildet, beim Versuch rückwärts rauszufahren.

Als ich gerade mit den Achsen fertig bin, kommen zwei Fahrzeuge an, Piraten. Da wir den Weg blockieren, hole ich das Seil und wir hängen Calimero an einen der beiden Trucks an. Noch bevor er ziehen kann, fahre ich einfach rückwärts raus. Wir haben also gerade genug gebuddelt und hätten es einfach nochmal versuchen sollen. So What. Gemeinsam fahren wir noch ein bisschen weiter und müssen dann doch vor dem Schnee kapitulieren.

Unseren Schlafplatz finden wir dann aber einfach am Rande des matschigen Weges, kurz nachdem der Schnee verschwindet. Etwas abgekämpft entspannen wir bei einem wundervollen Ausblick auf die Bay of Fundy.

Ein ordentliches Nachtlager

Dass wir aus unserer Situation gelernt haben, beweisen wir am nächsten Tag und nehmen wieder einen Weg voll mit Schneeverwehungen zum Cape d’Or. Mit genügend Schwung und guter Laune, kommen wir diesmal aber durch und haben das ganze Cape für uns alleine.

Am Cape d’Or gibt es ähnlich wie am Cape Split die starken Strömungen, hier Dory Rips genannt. Hier treffen drei Tidenströme der Bay of Fundy aufeinander und verursachen starke Verwirbelungen, die wir an der Wasseroberfläche beobachten können.

Cape d'Or - Bay of Fundy
Das Cape d’Or von oben – die Dory Rips links im Hintergrund

Von Cape d’Or führt unser Weg weiter an der Küste  der Bay of Fundy entlang zu den Joggins Fossil Cliffs. Das besondere in Joggins sind hohle, fossile Baumstämme, in denen sich weitere Fossilien befinden. Obwohl das Museum zu hat, dürfen wir es besuchen. Allerdings ist der Zugang zu den Klippen wegen einer Baustelle an der Treppe nicht möglich. Ein paar Kilometer weiter können wir aber an den Strand und entdecken vermeintliche Fossilien an jeder Ecke. Vielleicht waren es aber auch nur Steine mit Konturen. Wer weiß das schon!

Die Fossilienklippen in der Bay of Fundy
bay of fundy defender
Calimero hat sich an das Strandleben in der Bay of Fundy gewöhnt
Unsere erste Adler Sichtung in Nordamerika!
Ein typisches Bild in der Bay of Fundy. Schwimmende Boote gibt’s hier nur bei Flut

Wir haben im letzten Tagebuchbericht ja schon erwähnt, dass wir nun offiziell Piraten sind. Da wir schon in der Nähe sind, besuchen wir Jeff und Cindy, den Captain und seine First Lady in Springhill.

Springhill ist eine alte Minenstadt. Doch nach mehreren Unglücken in den Kohleminen, sind die Minen heute nicht mehr in Betrieb. Dadurch verlassen immer mehr Menschen das Dorf, denn Arbeit ist hier schwer zu finden.

Cindy und Jeff dagegen haben genau diesen Standort als die Basis für ihre Pirate Offroad Nation gefunden. Sie fertigen hier Sticker an, besticken Mützen und bieten weiteres Merchandise an, das zum Betrieb der Facebook Gruppe und des dazugehörigen Offroad-Clubs gehört.

Wir erfahren aus erster Hand, dass Jeff mit 19 ein Auge verloren hat und seitdem mit Augenklappe leben muss. Als er sich vor vielen Jahren seinen ersten Jeep kauft, taufen ihn seine Freunde auf „Captain Jeffs Pirate Ship“.  Die Liebe zum Thema Piraterie wird bei den beiden Zuhause erst richtig klar. Sie haben die Kostüme einer abgesetzten Piraten-Fernsehsendung gekauft und Jeff tritt hin und wieder im Piratenkostüm auf. Auch die Hochzeit der beiden fand im Piratenkostüm auf dem jährlichen Treffen der Pirate Offroad Nation statt.

Mit seiner Liebe zum Offroad Fahren hat Jeff begonnen, Videos zu produzieren. Damals lief das unter dem Namen „Pirate Jeep Production“, so auch die gleichnamige Facebookgruppe für seinen Youtube-Kanal.  Als er darauf angesprochen wurde, ob er nicht einen Club gründen möchte, hat er die Gruppe zu Pirate Off Road Nation umbenannt. Das Kürzel P.O.R.N. gab dem Ganzen die besondere Würze. Seit drei Jahren wächst nun die Gruppe um die Piraten an und wir selbst sind nun ein Teil davon.

Der Captain und seine First Lady leben heute von den Einnahmen von Merchandise Artikeln rund um die Pirate Off-Road Nation. Jeff kümmert sich um den Kontakt zur Gruppe, Rabatte für die Piraten und Social Media, während Cindy produziert. Alles wird zuhause im Keller gefertigt und täglich um 16:30 Uhr zur Post gebracht.

Wir lieben die Passion mit welcher die beiden ihr Business betreiben und nehmen viel Input für unsere zukünftigen Pläne und Ideen mit. Cindy und Jeff versorgen uns mit Mützen und Longsleeves, einem Kalender und Postkarten und so verlassen wir Springhill wieder mit einer wundervollen Erfahrung mehr. Cindy hatte uns über Facebook im Dorf angekündigt und so wurden wir von vielen Menschen im Dorf winkend begrüßt und auch wieder verabschiedet.

In den letzten Tagen wurden wir verstärkt darauf angesprochen, dass wir DEN Traum leben, den sich wohl viele niemals erfüllen werden. Uns ist das bewusst und wir sind sehr dankbar dafür, dass wir in der Lage sind diese Reise machen zu können. Allerdings weisen wir immer gerne darauf hin, dass es für die meisten allerdings eine reine Frage der Priorität ist. “Ich kann mir keine Weltreise leisten” ist eine Ausrede, die wir nicht gelten lassen. Wir haben das schon ausführlich in unserem “Wie du deine Weltreise finanzieren kannst” Bericht ausgeführt.

Wenn du ein paar bewegte Bilder von Buddeln und der Bay of Fundy sehen möchtest, schau doch mal in unser neuestes Youtube-Video “Buddeln mit Bernd”!

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3 comments

  1. Moin Claudia, moin Bernd.
    Ich freue mich immer wenn es bei Euch etwas Neues gibt und Ihr Eure Tour gesund und ohne Unfall erleben könnt. Trotzdem habe ich mich über Eure Aussage über das setzen der Priorität „…ich kann mir keine Weltreise leisten“ etwas geärgert, denn speziell bei uns in Old Germany ist nicht jeder in der Lage monatlich 400,00€ zu sparen. So manch ein Familienvater muss von so einem kleinen Betrag seine Familie über die Runden bringen. Ich finde derartige Aussagen etwas unfair, denn Ihr schreibt ja selbst wie Eure Familie und viele andere Menschen Euch geholfen haben und wohl auch weiterhin helfen werden. Diese Voraussetzungen hat nicht jeder!
    Also genießt Eure Tour auch weiterhin und freut Euch über jeden der Euch über den Ausbeuter „ Amazon“ eine Provision zukommen läst oder Euer Spendenkonto füttert. Da ich selbst schon viele Ecken der Welt mit meinem Landy bereist habe, weiß ich mit Sicherheit auch wovon ich rede.
    Ich wünsche Euch aber auch weiterhin viele kleine und große Abenteuer, positive Erlebnisse und die Begegnung mit vielen netten Menschen.
    Herzliche Grüße
    Peter

    1. Hallo Charles-Peter,
      vielen Dank für deine ehrliche Antwort, so etwas wissen wir sehr zu schätzen. Leider muss ich dir sagen, dass wir auch schon mehrere Familien unterwegs getroffen haben, die finanziell nicht auf starken Beinen standen und dennoch gereist sind. Auch wir werden noch einmal reisen, ob unsere finanzielle Situation das nochmal zulässt? Irgendwann bestimmt. Wenn ich keine 400 Euro sparen kann, dann sind es nunmal nur 200 Euro. Ich weiß was es bedeutet aus finanziell schwierigen Verhältnissen zu kommen, wir haben früher nicht jedes Jahr Urlaub gemacht und konnten dann auch nicht weit fahren, aber auch damals hätten meine Eltern andere Prioritäten setzen können. Jeder hat seine Prioritäten und wenn Kinder bekommen und Haus abzahlen die höhere Priorität hat ist das vollkommen in Ordnung und nicht negativ gemeint. Wir haben noch keine Kinder und noch kein Haus, wir haben die Prioritäten dementsprechend frühzeitig gesetzt.

      Haben wir zu Beginn gewusst, wie unsere Familien und Freunde uns unterstützen werden? Nein! Hätten wir es auch so schaffen können, ja! Es wäre schwieriger gewesen, aber es hätte hingehauen, vielleicht erst später. Könnten wir mit deutlich weniger Leben als wir es aktuell tun? Ja, mit Sicherheit!

      Zu deinem kleinen Seitenhieb auf unsere Einkünfte, wir sind da gerne sehr transparent:
      Wir haben in 2017 insgesamt 234 Euro eingenommen, davon 106 Euro mit Amazon, 30 Euro kamen über Spenden herein, der Rest mit der Überarbeitung einer Webseite (echte Arbeit). Mit diesem Geld finanzieren wir ausschließlich die Ausgaben rund um unsere Webseite. Du kannst vielleicht besser einschätzen als wir, wie wir damit andere Ausbeuten.

      Liebe Grüße von der Prince Edward Island,

      Bernd

  2. Hallo Claudia, hallo Bernd.
    Danke für Eure Antwort, die ich noch kurz kommentieren möchte. Eure finanzielle Situation geht mich überhaupt nichts an und meine Kretik betrifft in diesem Fall die zusammen Arbeit mit Amazon und deren Geschäftspolitik im Umgang mit ihren Mitarbeitern. Ich hoffe und wünsche mir dass Ihr meine Anmerkung nicht zu ernst nehmt, aber der Umgang mit Prioritäten ist auch mir ausreichend bekannt, nur manchmal reicht das einfach nicht. Es sollte nur ein Denkanstoß sein, denn nichts ist so schlecht, das es nicht etwas Gutes hat. Und wenn man einfach nur einmal darüber nachdenkt.
    Ich wünsche Euch auch weiterhin viel Glück und wenig Mücken, denn ich war das letzte Mal im Juli dort und da habe ich mir so manches Mal etwas Frost gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben und der Frühling wartet ja schon auf Euch.
    Herzliche Grüße
    Charles-Peter

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