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Bist du Offroader oder Overlander?

Was zum Teufel sind eigentlich Overlander und warum gibt es einen Unterschied zum Offroader? Welche Fahrzeuganforderungen gibt es für den Offroader oder den Overlander und was sind die Vorlieben der jeweiligen Spezies? Ich umreiße das mal ein wenig überspitzt und mit etwas Humor für dich.

Der Offroader

Ziel eines Offroaders ist es, schwierige Wege zu finden und diese zu meistern. Es geht dabei nicht um organisatorische Schwierigkeit oder das kulturelle Erleben eines Landes, sondern rein um die Beschaffenheit des Untergrundes. Matsch, tiefer Sand und Wasser sind die Elemente, in denen sich der Offroader so richtig wohl fühlt.

Auch bei Offroad-Treffen wie dem OTA Globetrotter Rodeo oder den Landyfriends Adventure Days,geht es darum, technisch anspruchsvolle Passagen zu meistern. Oftmals bleiben Offroader dabei stecken und der größte Spaß für alle Beteiligten beginnt bei der Bergung des Fahrzeugs.

In beiden Fällen ist mit Schäden zu rechnen und das wird auch so akzeptiert. Die Ersatzteilkiste ist voll mit Steckachsen und Radlagern. Dinge, die man im Busch noch schnell reparieren kann, um die Karre auf die Straße zu kriegen wo dann schon der ADAC auf einen wartet.

Wenn die Karre im Loch versenkt wird, der Innenraum mit braunem Schmodder vollläuft und die Fahrerin mit breitem Grinsen und Matsch im Gesicht auf dem Fahrersitz sitzt, während der Beifahrer versucht die Winde im Matschloch zu finden, dann fühlt sich die Offroad-Fraktion zuhause.

Bei der Auswahl der Dinge, die man UNBEDINGT an seinem Fahrzeug benötigt, finden sich Winde, Differentialsperren, Höherlegung und Spurverbreiterung wieder. Auch die Reifengröße ist wichtig. Große Stollen auf großen Reifen findet immer wieder beeindruckte Fans auf den Treffen.

Der Schwerpunkt darf dabei aber nicht zu hoch werden und viele Offroader versuchen mit minimalem Gepäck unterwegs zu sein, wenn sie bei Offroad-Reisen durch Europa und Nordafrika ziehen.

Ein weiterer Aspekt für den Offroader ist das Fahren in Gruppen. Es macht auch durchaus mehr Sinn, wenn man durch die Dünen der Sahara brettert und ein zweites Fahrzeug dabei ist, das einen wieder herausziehen kann, wenn man sich überschätzt hat. Ein Umfaller ist mit zwei Fahrzeugen schneller wieder gerichtet, als wenn man alleine unterwegs ist. Auch das nächste Matschloch ist viel einfacher zu bewältigen, wenn drei Freunde zuschauen, wie man sich wieder ausbuddelt. Tourenanbieter bieten gescoutete Strecken durch anspruchsvolles Terrain in Gruppengrößen von 6-13 Fahrzeugen an.

Meist verhalten sich Offroader der Natur gegenüber respektvoll. Denn Offroad bedeutet nicht unbedingt das Fahren abseits von Straßen (paradox, oder?). Es bedeutet ausschließlich „Off-the-pathed-Road“ und führt einen über Holzrückewege, Pisten und Nebenstraßen durch den Matsch oder auf steile, ausgewaschene, serpentinenreiche Bergpässe. Nur in der Wüste ist so richtig Offroad auch akzeptiert. Auch auf Island fährt man Offroad, darf dabei aber die Wege nicht verlassen.

Leider gibt es auch Negativbeispiele. Es gibt Rallyes, bei denen die Natur keine Rolle mehr spielt und einfach querfeldein der Beste Weg gesucht wird. Was dabei zu Bruch geht, welche Bäume dabei hops gehen und wie viel Vegetation platt gemacht wird, ist manchen Teilnehmern komplett egal. Davon distanzieren sich allerdings die meisten mir bekannten Offroader.

Der Overlander

Der Anspruch eines Overlanders ist ähnlich aber nicht gleich. Auch der Overlander möchte Herausforderungen meistern. Diese können unter Umständen auch die technische Schwierigkeit eines Weges beinhalten.

Ein typisches Ziel für Overlander ist die Fahrt zu weit entfernten Flecken dieser Erde. Ob das jetzt eine Reise in die Mongolei, die Fahrt nach Indien, eine Afrikadurchqerung oder eine Überlandfahrt von Alaska nach Feuerland ist, ist dem Overlander völlig freigestellt. Manch Overlander ist bereits bei einer Fahrt nach Italien am Höhepunkt seiner Karriere angelangt aber das ist auch OK so. In diesem Fall spricht man aber meist vom Wohnmobilist, außer er hat einen coolen Allrad-LKW auf seiner Italienreise dabei.

Alle Overlander haben eins gemeinsam und das ist das Reisen über Land. Während der Offroader an zwei Tagen nach Rumänien brettert um sich dort zwei Wochen im Matsch zu suhlen, kann das für einen Overlander eine mehrwöchige Reise sein um überhaupt bis nach Rumänien zu kommen. Meistens entschuldigen sich die Overlander damit, dass sie langsamer fahren um mehr zu sehen. Ich glaube allerdings, dass die meisten Overlander einfach altes Kartenmaterial nutzen und sich schlicht und einfach dauernd verfahren!

Ein gemeinsamer Konsens ist jedoch die Suche nach den Flecken der Erde, die man ohne eigenen fahrbaren Untersatz schlecht erreichen kann und das eigene Zuhause immer dabei zu haben. Quasi eine Gartenparzelle am Rande der Mongolei.

Da Overlander ihr Fahrzeug als Zuhause bezeichnen, sind die Anforderungen anders, als an reine Offroad-Karren. Viele Overlander haben aber dennoch den Anspruch auch auf der Reise anspruchsvolle Offroad-Passagen fahren zu müssen. Dadurch gibt es sehr viele Overlander, die ein 4×4-Fahrzeug mit auf ihre Reise nehmen.

Typische Fahrzeuge für solche Touren sind der Toyota Landcruiser HZJ, der Land Rover Defender, 4×4 Kastenwägen wie ein Mercedes Sprinter oder Allrad-LKWs in jeglicher Größenvariation. Dabei kommt es ganz auf die Bedürfnisse der Reisenden und den Geldbeutel an.

Ein Audi A4 mit Dachzelt oder ein vollbepackter Lada mit Bodenzelt, ein Käfer oder ein Postauto? Alles kein Problem. Der Weg zählt und die meisten Wege lassen sich mit einem stinknormalen Fahrzeug befahren. Die Einheimischen werden dir das beweisen.

Nach 8 Monaten Leben im Defender, würden wir Leberaum im Fahrzeug höher Priorisieren als die Geländefähigkeit des Fahrzeuges. Allerdings sind eine Portion Bodenfreiheit und eine Untersetzung hilfreiche Mittel auf dem Weg zu den entlegenen Ecken der Welt (oder Italien). Aber auch bei den Overland-Fahrzeugen sollten wichtige Bauteile wie das Differential geschützt sein.

Weitere Gadgets eines Overlanders reichen von der Solaranlage, einer ordentlichen Schlafmöglichkeit im Dachzelt, Hubdach oder Festbett, über den Wasserfilter bis hin zur Markise und einer Chillout-Ecke im Fahrzeug. Eine Winde ist bei nur einigen Fahrzeugen dabei, dafür findet man immer wieder ordentliche Kaffeemaschinen vor.

Daher ähneln die Overland-Fahrzeuge oftmals mehr einem Wohnmobil als puren Offroad-Fahrzeuge. Auch klassische Wohnmobile kann man auf den Routen finden, die wir gereist sind. Nicht auf allen Nebenstraßen, aber die Fahrzeuge schaffen es tatsächlich weiter als man denkt.

Der Overlander muss sich ebenfalls mit all den technischen Mängeln seines Fahrzeugs auseinandersetzen, ist aber oftmals außerhalb der ADAC-Zone unterwegs, und hat im Schadensfall im schlechtesten Fall eine längere Standzeit an einem unschönen Ort gebucht. Wartezeiten von mehreren Tagen oder sogar Wochen auf Ersatzteile sind nicht unüblich und daher versuchen die meisten Overlander ihr Fahrzeug pfleglich zu behandeln. Wenn es zwei Wege gibt, der eine durch das tiefe Matsch-Loch und der andere zwei Meter daneben auf festem Untergrund, wählen viele Overlander eher den festen Untergrund.

Overlander sind sehr oft alleine unterwegs, daher macht steckenbleiben deutlich weniger Spaß als auf einer Offroad-Gruppentour, bei der dich dein Hintermann einfach herausziehen kann.

Weder Schwarz noch Weiß

Wie immer kann man das alles nicht über einen Kamm scheren und die Welt ist weder schwarz noch weiß. Ich kenne viele Offroader, die das Reisen lieben und noch viel mehr Overlander, die sich öfter einbuddeln als Andreas bei den Landyfriends Adventure Days (was sehr oft vorkommt).

Als was siehst du dich? Overlander oder Offroader? Oder doch lieber als veganer Zen-Yoga Backpacker? Ich freu mich auf deinen Kommentar!

(Mal im Ernst, nenn dich wie du willst und bau dein Auto nach deinen Bedürfnissen!)

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9 comments

  1. Super Artikel 🙂 Wir zählen uns dann zu den Offroadoverlanding Leuten 🙂
    Liebe Grüsse

    1. Danke Bob, Offroadoverlanding klingt gut. Hört sich ein bisschen nach Offlander an 😉

  2. Sehr geil geschrieben! Und auf die Frage wie ich mich sehe: gefühlt bin ich etwas von allem. Deswegen habe ich einen neunziger Defender und einen RRC mit Käfig! Danke für diesen tollen Artikel

    1. Mit dem RRC kannst du dann wirklich alles machen! Großartig! Dachzelt auf dem Käfig oder einfach nur so?

  3. Hihi, da haben ich mich in jedem Satz voll wiedergefunden: Overlander

  4. Schöner Artikel, fein getrofen! Jetzt weiß ich, dass meine Frau und ich eher “typische Overlander” sind. Mit unserem Toyota HDJ 80 mit Kabine (und leckerem Kaffee morgens). Motto: Reisen abseits der üblichen Wege und bernachten, wo es uns gefällt (wenn möglich).

    1. Klasse Michael! Ich habe beinahe vermutet, dass unsere Leser eher auf den Overlander passen 🙂

  5. Moin Moin aus Kiel.
    Danke für den tollen Artikel. Ihr habt uns aus der Seele gesprochen. Nichts ist schöner als unabhängig im eigenen Auto die Welt zu entdecken. Was ist schon ein 5 Sterne Hotel gegen einen wolkenlosen Sternenhimmel, den man entspannt genießen kann.
    Wir wünschen Euch noch viele große aber auch kleine Abenteuer und freuen uns immer über die sehr realistischen Beschreibungen.
    Bleibt gesund und weiterhin viel Glück wünschen Euch Britta,Peter und natürlich auch unser “Apollo13” ( LR 110 – 300TDI)

    1. Danke für die lieben Wünsche Britta, Peter und Apollo 13 – möge immer eine handbreit Luft unter eurem Differential bleiben und mögen die Schrauben des alten 300TDI niemals locker werden 🙂

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