South DakotaUSAWeltreise Tagebuch

Wandern, Klettern und Bergstraßen in den Black Hills

Als wenn South Dakota uns noch nichts geboten hätte, fahren wir aus den Badlands über kleinere Landstraßen in die Black Hills. Hier wurden, ganz getreu dem Patriotismus der Amerikaner, vier Präsidentenköpfe in den Stein gehauen. Allerdings ist die Region auch sonst ein absolutes Schmankerl.

Langsam trägt uns Calimero die gewundenen Bergstraßen hinauf in Richtung Mt. Rushmore, der laut den Erbauern ohne Kosten zu besuchen sein soll. Allerdings muss man 11 Dollar fürs Parken bezahlen, die freien Parkplätze wurden nach und nach gesperrt. Wir fahren an George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln erstmal vorbei um uns einen Schlafplatz hinter Mt. Rushmore zu besorgen. Was für uns zuerst als normaler kleiner Parkplatz zum freistehen aussieht, ist ein sehr berühmter Platz für Kletterer. Am Wrinkled Rock trifft sich die Kletterszene zum Sportklettern.

Einen ersten Blick erhaschen wir dennoch (das dürfte Washington sein).

Positiv gesehen, kann ich endlich meine Kletterschuhe mal wieder nutzen, blöderweise habe ich das Seil aus Gewichtsgründen zuhause gelassen als wir den Rest des Kletterequipments im Februar mitgenommen haben. Das würde ich auf der negativen Seite verbuchen. Ohne Seil und Bouldermatte traue ich mich nicht mehr als drei bis vier Meter die Wand hoch und versuche auch dabei immer den einfacheren Alternativen zu folgen.

A bisserl Kraxeln!

Für mich steht fest, wir müssen ein Seil kaufen. Damit wissen wir zwar immer noch nicht welche Routen für mich kletterbar sind, aber im Klettergebiet trifft man im Normalfall auch Kletterer, die ein Buch dabeihaben oder sich gut auskennen.

Etwas bedröppelt laufen wir wieder zurück zum Auto. Dort treffen wir Ryan. Ryan nimmt gerade seine Freundin und zwei absolute Anfänger mit zum Klettern. Ich wittere eine Chance und frage, ob ich mitdarf – immerhin kann ich sichern. So komme ich doch noch zu meinen ersten Routen in amerikanischem Fels, die ersten Routen auf der Weltreise, die ersten Routen seit knapp zwei Jahren.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die Weltreise ist auch schon zuhause die Kletterei zu kurz gekommen. Vor lauter Priorisierung habe ich mir eines meiner wichtigsten Hobbies genommen. Wobei ich bereits die Arbeit über die Kletterei priorisiert habe … so ein Mist aber auch. Da muss man anderthalb Jahre durch die Welt fahren um zu erkennen, was man wirklich vermisst. Ich nehme mir fest vor, dass das nicht wieder passieren soll. Das nächste mir bekannte Klettergebiet ist bei Lander, und dort gibt es auch einen ordentlichen Outdoor-Ausrüster. Ab da werden wir mit einem Kletterseil reisen und es hoffentlich auch nutzen.

Sonnenaufgang bei Wrinkled Rock

Wir planen früh aufzustehen, um vor dem Massenansturm der Menschen einen Blick auf die berühmten Präsidentenköpfe zu werfen. Als wir am Kassenhäuschen stehen ist das allerdings leer. Ich sehe zwei Schilder. Das erste weist uns darauf hin, dass wir keinen Hund mitnehmen können, Mist! Das zweite sagt uns, dass wir von 5 bis 7 Uhr morgens kostenfrei parken können. Geil! Ich schaue auf die Uhr und es ist 6:53 Uhr. Claudia bleibt beim Hündchen und ich mache ein paar nähere Aufnahmen von Mt. Rushmore und vom wolkenverdeckten Sonnenaufgang auf der anderen Seite, die sonst niemanden interessiert.

Die Köpfe sehen schon gigantisch aus. Ursprünglich sollte sogar der Oberkörper mitgemeißelt werden.
Die Sonnenstrahlen durch die Wolken über den Black Hills – Traumhaft!

Vom Mt.Rushmore schrauben wir uns entlang der Iron Mountain Road nach oben. Die Pigtail-Brücken sind auch mir neu. Man fährt unter der Brücke durch, folgt einer 270 Grad Kurve und fährt dann über ebendiese Brücke weiter. Damit lassen sich auf kurze Strecke einige Höhenmeter erreichen. Ein weiteres Highlight sind die Tunnel, die in den Stein gehauen wurden. Mit einem Allrad-LKW könnten wir hier nicht entlangfahren. Mein Lieblingstunnel ist der mit dem Blick durch den Tunnel direkt auf Mt. Rushmore – eine einzigartige Perspektive, viel besser als direkt darunter zu stehen.

Mt. Rushmore, ein Tunnel und unser Calimero – mein Lieblingsbild aus den Black Hills

Die Iron Mountain Road führt auch zu einem weiteren Aussichtspunkt von wo aus man sich Mt. Rushmore noch einmal aus der Ferne ansehen kann. Einerseits ist es sehr beeindruckend, was da geschaffen wurde, andererseits wurde South Dakota 1868 komplett den Sioux Indianern zugesprochen, bis in den Black Hills Gold gefunden wurde. 1877 hat man den Vertrag wieder gebrochen und später auf diesem Heiligen Land der Sioux sogar den Berg entweiht, indem man die vier Präsidenten in den Felsen geschlagen hat.

Mt. Rushmore noch einmal aus der Ferne

Die Präsidenten wurden übrigens ausgewählt um die Gründung, Erweiterung, Absicherung und Vereinigung des Landes zu feiern. Ursprünglich hatten die Initiatoren sogar vorgehabt westliche Helden wie den Oglala Lakota Führer Red Cloud, die Entdecker Lewis und Clark und Buffalo Bill Cody in den Fels zu schlagen, daraus wurde dann aber (leider) nichts. Das Ziel, Touristen damit anzuziehen, hat auf jeden Fall funktioniert.

Die Iron Mountain Road führt direkt in den Custer State Park. Im Endeffekt befindet sich der auch noch in den Black Hills und deren Ausläufern, aber für den Besuch des Parks muss man Eintritt bezahlen. Wir löhnen die 20 Dollar und folgen der Wildlife Loop Road. Keine 100 Meter weiter sehen wir schon, wie sich eine große Herde Bisons durch einen Campingplatz grast. Wir stellen uns mal wieder hin und beobachten die Gruppendynamik in der Herde für eine Weile. Tuco ist relativ entspannt und auch als einige Tiere direkt am Auto entlanglaufen, macht er keinen Mucks. Die ersten Bisonkontakte im Badlands National Park haben wohl geholfen.

Tuco und seine Bisonherde

Immer wieder sehen wir einzelne Bisons, ein paar Präriehunde und sogar einen Gabelbock. Auf den Wildlife Loop folgt für uns der Needles Highway. Eine enge, kurvige Bergstraße führt an tollen Steinformationen vorbei und ist meiner Meinung nach der schönste Teil der Black Hills. Wiedermal bereue ich es, kein Seil dabei zu haben, denn wir würde hier sicherlich ein paar tolle Routen finden.

Der Gabelbock versteckt sich im hohen Gras.
Die Begging Burros, Wildesel die dafür bekannt sind Autos anzubetteln.

Nach ein paar Tagen des Wanderns und fantastischen Stellplätzen in den Black Hills fahren wir über die Route 14A durch einen wunderschönen Canyon nach Spearfish um dort zwei Nächte auf einem Campingplatz zu verweilen. Wir müssen noch einen kurzen Abstecher nach Rapid City (160 Kilometer hin und zurück) machen um unseren Scheibenwischerarm bei Jacin abzuholen, den wir auf dem Weg nach South Dakota verloren haben.

Ich war schon oft in den Staaten, aber nie im Westen. South Dakota hat mir einen Vorgeschmack darauf gegeben, was ich bisher verpasst habe. Die Badlands aber auch die Black Hills mit dem Mount Rushmore Memorial und dem Custer State Park sollten auf jeden Fall besucht werden, wenn man durch South Dakota fährt.

Glücklicherweise sind wir kurz nach der berühmten Sturgis Motorcycle Rally gekommen, die jedes Jahr über 500.000 Motorradfahrer in die Black Hills zieht. Der Westen der USA hat durchaus das Potential süchtig zu machen. Unsere Reise führt uns nun in einige Klettergebiete von Wyoming aber auch zu den bekannten Nationalparks wie Yellowstone oder Teton.

2 comments

  1. Hi ich lese mit Begeisterung euren Blog, Vielen Dank. Wenn es Euch nach Neusseland verschlaegt, muesst ihr mich unbedingt besuchen.Lg
    Angi( ich hab Euch in Kyrgyzstan getroffen. Ich war mit Freundin suf dem Rad unterwegs. )

    1. Hallo Angi, ich erinnere mich – das war am Yssykul See 🙂 Sollte Neuseeland auf dem Programm stehen, melden wir uns gerne. 🙂

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