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Wanderwut in den Blow Me Down Mountains

Corner Brook hat vermutlich den McDonalds mit der schönsten Aussicht, einer Aussicht auf die Bay of Islands. In der großen Bucht tummeln sich öfter die Wale, sagt eine Neufundländerin zu mir. Sie sagt mir auch, dass das die schönste Ecke in ganz Neufundland sein soll. Die Wanderungen in den Blow Me Down Mountains sollen großartig sein. Na dann sind wir doch mal gespannt!

Calimero vor der Bay of Islands und den Blow Me Down Mountains – mittig das Cape Blow Me Down

Tag 1 – Cape Blow Me Down Mountains

Wir möchten heute nur raus in die Natur fahren und den recht schönen Tag genießen. Wir sind schon zu spät los, um noch zu wandern, denke ich. Als wir allerdings am Trailhead zum Cape Blow Me Down Hike stehen und es erst kurz nach zwei Uhr ist, wird aus dem ruhigen Tag doch noch ein Wandertag.

Claudia ist mit von der Partie, immerhin soll morgen schlechter Wetter werden und die Aussicht ist schon vom Parkplatz grandios, wie muss die erst von oben sein. Also ziehen wir die Wanderschuhe an, schmieren uns Sonnencreme ins Gesicht (das haben wir schon LANGE nicht mehr gemacht) und packen auch das erste mal in Kanada die Stöcke aus. Mit Gipfelschoki im Gepäck machen wir uns auf dem Weg zum Cape. Über 600 Höhenmeter müssen wir heute bewältigen. Im Gegensatz zu den Klippenwanderungen haben wir heute also mal ordentlich was zu schaffen. Die 3,8 Kilometer sind dementsprechend auch teilweise relativ steil. Immer wieder müssen wir unseren Weg durch die steilen Schneefelder finden. Nicht nur einmal verlieren wir den Weg und müssen uns orientieren.

Claudia beim Aufstieg durch eines der Schneefelder

Als wir aus dem Wald auf die kahle Zone treten, wird uns schnell bewusst warum die Gegend “Blow Me Down Mountains” heißt. Immerhin haben wir keinen Gegenwind beim Aufstieg. Hier treffen wir das erste Mal auf den International Appalachian Trail, der sich auch über die Blow Me Down Mountains zieht. Das wär doch auch mal ein Projekt, oder?

Rechts ab zum Appalachian Trail

Die letzten Meter zum Gipfel ziehen sich noch einmal etwas, bis wir dann ganz oben stehen und eine großartige Kulisse vor uns haben. Die Gipfelschoki ist im Nu eingeatmet und allzu lange halten wir es auf dem windigen Gipfel auch nicht aus.

Ich war auch da! 🙂
Ist das nicht ein großartiger Ausblick?

Auf dem Rückweg wird mir erst bewusst, dass wir unseren ersten Berg in Kanada bestiegen haben. Der war zwar nur 650 Meter hoch, aber dennoch äußerst beeindruckend. Im Gegensatz zu Pakistans 6000-8000er können wir hier Berge auch wieder bis zum Gipfel und nicht nur bis zum Basecamp besteigen.

Nach dem Abstieg gibt’s auch erstmal ne große Portion Nudeln mit Pesto, das haben wir uns verdient. Der Ausblick auf die Bucht bleibt bestehen. Wir beschließen schon jetzt, am nächsten Morgen eher einen kleinen Spaziergang zu machen.

Unser Ausblick vom Stellplatz (Trailhead der Wanderung)

Tag 2 – Ein kleiner Spaziergang bei Bottle Cove

Der Wetterbericht hat für unseren zweiten Tag in den Blow Me Down Mountains bewölkt vorhergesagt. Daher sind wir überrascht, als wir am Morgen bei strahlendem Sonnenschein aufwachen. Wir frühstücken und fahren zur Bottle Cove, einer kleinen Bucht am Ende der Straße. Hier soll es einen tollen Stellplatz geben. Doch auch mit einem Land Rover können wir diesmal einpacken. Da geht gar nichts. Ein kleiner Bach hat den kompletten Weg unterspült.

Da ist die Straße auch für uns zu Ende.

Na dann packen wir eben eine Flasche Wasser, das Fernglas und die Kameras ein und laufen einen kleinen Trail. 4 Kilometer steht am Schild und so laufen wir zu.

Der Trail ist sehr schön, aber in Abschnitten ziemlich steil. Als ich nach einer längeren Zeit die Geocaching App öffne, und sehe, dass ein Cache am Kap in 2,2 Kilometern Entfernung liegt, wird mir einiges klar. So schnell werden aus 4 Kilometern 8 Kilometer. Da hat wohl jemand vergessen den Rückweg anzugeben. Da wir jetzt schon ein Stück hinter uns gebracht haben, wollen wir das Ding auch zu Ende laufen, sind ja auch nur 8 Kilometer.

Die erste Bucht auf der Wanderung – Traumhaft

Ich schätze, Claudia hat diese Entscheidung mehrfach bereut. Der Aufstieg zur Passhöhe ist gewaltig steil. Man braucht zwar keine Hände, aber ordentlich Wadenkraft. Der Blick in die Augen meiner Frau während des Aufstiegs offenbaren tiefste Abgründe. Sie hasst mich, da bin ich mir sicher. Wir wollten ja nur spazieren gehen. Aber auch diesmal lohnt sich der Aufstieg enorm und keine 5 Minuten ist der Dämon in Claudia schnell wieder verschwunden.

Ein bisschen Abstand tut gerade gut!

Heute blicken wir aus einem anderen Winkel auf die Bay of Islands. Diesmal haben wir keine Gipfelschoki dabei, also gibt es die Schoki bei Rückkehr zum Auto.

Whale Watching ohne Ergebnisse

Da am Trailhead ein großes “No Camping” Schild hängt, düsen wir zurück zum Parkplatz von letzter Nacht. Ich gönne mir Nudeln mit Ei. Claudia mag kein Ei und bleibt daher bei Nudeln mit Pesto. Nicht gerade Abwechslungsreich, aber es scheint, dass wir nicht für Abwechslung eingekauft haben.

3 – Die kurze Wanderung zur Cedar Cove

Der dritte Morgen in den Blow-Me-Down Mountains bricht an und auch heute haben wir Kaiserwetter. Wir wollen einen kleinen Trail gehen, der wirklich nur kurz ist und kaum Höhenmeter hat. Ich habe nämlich Muskelkater in den Waden. Claudia nicht. Die Welt ist unfair!Wir frühstücken in aller Ruhe, erneut vor der tollen Aussicht auf die Bucht.

Kaiserwetter beim Frühstück

Erst am Mittag raffen wir uns auf und fahren nach Little Port. Hier führt eine kleine Wanderung zur Cedar Cove, einer wohl wunderschönen Bucht. Auch diesmal packen wir nur die Kameras und eine Flasche Wasser ein. Nur ein paar Meter im Trail sehe ich allerdings dieses Schild. “.75km – Lighthouse”. Das klingt doch cool. Nur 750 Meter extra für einen Leuchtturm. Ich überrede Claudia mit dem Argument, dass wir ja dann nicht unbedingt zur Bucht laufen müssen. Schon gehen wir einen steilen Weg an den Klippen nach oben. Immer wieder geht es direkt neben dem Weg bedrohlich nach unten. Aber auch heute lohnt sich der Weg. Die Aussicht vom Leuchtturm ist ziemlich spektakulär.

Ausblick vom Little Port Lighthouse

Auf der Karte habe ich gesehen, dass man vom Leuchtturm über den Bergrücken zurücklaufen kann. Das sind nur ein paar Kilometer extra und der Gipfel scheint so nah zu sein. Auch jetzt kriege ich Claudia überredet. Immerhin schmerzen meine Waden mehr als ihre.

Keine fünf Minuten später wird aus dem Wanderweg eine kleine Kletterei. Ich hab einen Riesen Spaß. Nur Claudia kämpft ein wenig. Diesmal nicht mit der Kondition und den Waden. Diesmal ist es die Höhe. Aber wer will es ihr verübeln. Es ist nun mal steil.

Es wird ein bisschen steiler.
Knapp 200 Meter über dem Meer wird es nochmal kurz richtig steil!

Die Höhe gewinnt sehr schnell den zweiten Rang, als direkt unter uns ein Delfin seine Kreise zu ziehen beginnt. Aus dem Winkel hat man einen wundervollen Blick auf das Tier und sowohl Claudia als auch ich sind hin und weg.

Delfin von oben
Auch der Adler fliegt unter uns.

Der Gipfel war tatsächlich nicht zu weit entfernt und so endet die Kletterei bald und geht über in einen schönen Wanderweg entlang des langgezogenen Gipfels. Wiedermal ist die Aussicht phänomenal.

Jetzt müssen wir nur wieder vom Berg runter. Ich habe gehofft, dass das steile Stück uns nur beim Aufstieg begleiten wird, aber Pustekuchen. Es geht genauso steil bergab. Aber diesmal in einer Rinne mit losem Geröll. Wie schon beim Aufstieg gibt es Fixseile, die einem Halt geben. So richtig vertrauen tun wir diesen Seilen aber auch nicht. Ich bin in meinem Element!

Claudia begutachtet den Abstieg

Unser Wasser geht langsam zur Neige, aber das ist halb so wild. Wir werden hier schon nicht verdursten. Von oben hatten wir bereits einen tollen Blick auf die Bucht, zu der wir eigentlich wandern wollten. Als wir unten ankommen, beschließen wir gemeinsam, dort auch noch hinzugehen.

Das Training der letzten Tage hat sich gelohnt. Wir werden jeden Tag ein bisschen fitter. Auf dem Rückweg zum Auto legen wir fest, dass wir morgen keinen Schritt gehen werden. Man muss sich auch mal ausruhen. Immerhin haben wir jetzt drei Berge in drei Tagen bestiegen. So ganz ohne Schoki möchten wir heute auch nicht bleiben, also halten wir auf dem Rückweg zu unserem schon bekannten Nachtlager am General Store an und besorgen uns nachträglich unsere Gipfelschokolade.

Zum dritten Mal schlagen wir unser Nachtlager an der gleichen Stelle auf. Heute gibt es zur Abwechslung mal Nudeln mit Tomatensoße und Thunfisch.

Morgen sollen die Temperaturen von nicht spürbaren 22 Grad auf 5 Grad fallen. Das klingt nach der perfekten Möglichkeit die Bilder in einem McCafé zu sortieren, einzukaufen und mal wieder richtig zu duschen. Oder … wir machen einen kleinen Spaziergang. Ich hab da was entdeckt. Es soll ein einfacher Weg sein, der erst später zu einer anspruchsvollen Wanderung in die Berge werden soll. Da lassen wir uns doch mal Überraschen. Aber um das mal festzuhalten … die Cape Blow Me Down Mountains haben ihr Versprechen gehalten. Wir haben hier ein wundervolles Stückchen Erde gefunden.

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