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Der unglaubliche Cabot Trail und eine Party am Ende der Welt

Der Wind legt gerade noch einmal zu während neben mir die Nudeln für das Abendessen köcheln. Nur wenige Meter neben mir endet die flach abfallende Wiese abrupt und fällt über mindestens 20 Meter direkt ins Meer ab. Im Hintergrund rauscht ein Wasserfall ins blaue, klare Meereswasser und ein Adler kreist über uns. Sogar eine Robbe hat vorhin den Kopf aus dem Wasser gestreckt. Wir sind im Paradies. Der Cabot Trail ist schon toll, aber Meat Cove schlägt alles.

Ich spüre, dass ich gestern ein Bier zu viel hatte. Gestern sind wir hier angekommen und haben meinen 30. Geburtstag gefeiert. Überraschenderweise sind noch Hans und Ute mit dem Bimobil auf Sprinterbasis dazugekommen. Wir standen in Kontakt und die beiden haben Extra-Kilometer gemacht um uns zu überraschen. Wie toll! In geselliger Runde haben wir den Abend verbracht und wieder einmal einen tollen Geburtstag on the Road gehabt.

Der einzige, der am nächsten Morgen wild aussieht bin mal wieder ich!

Ursprünglich hatten wir den Plan am 01.05.2018 loszufahren. Das war unser Datum. Wir haben es uns bereits 2014 gesetzt, um ein Ziel zu haben. Wir fanden die Idee toll, an diesem besonderen Stichtag loszufahren. Erst sehr spät haben wir realisiert, dass wir gut gespart haben und konnten so die Reise vorziehen. Losgefahren sind wir schon am 27. März 2017. Jetzt sind wir bereits 400 Tage unterwegs und bereuen es nicht früher losgefahren zu sein.

In den 400 Tagen seit unserer Abreise haben wir so viele tolle Menschen kennengelernt, so viele schöne Plätze gesehen und so viele kleine und große Abenteuer erlebt, dass wir Gänsehaut bekommen, wenn wir darüber nachdenken noch weitere 700+ Tage geplant zu haben.

Es sollte heute den ganzen Tag regnen, aber wir wurden mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen überrascht, so dass wir auch nochmal unsere Drohne auspacken konnten. Ich werde ein bisschen routinierter mit der Steuerung, traue mich aber noch nicht die gesamte Reichweite auszunutzen. Wir sind sehr zufrieden mit den bisherigen Resultaten.

Nur Mittags, während unserer Wanderung zu den Klippen eine Bucht weiter, regnet es. Wir entdecken auf dem Weg drei Bergziegen, die uns näherkommen als wir das möchten. Sie steuern gezielt auf uns zu und wir möchten ungern mit ihnen spielen. Daher gehen wir den Ziegen aus dem so gut es geht aus dem Weg. Immerhin besser als Kojoten, die die vierte Bergziege auf dem Gewissen haben. Diese liegt am Ende der Klippe. Dort wo es kein entrinnen mehr vor dem Rudel gibt. Immer wieder sehen wir frischen Kot der Raubtiere und sind froh, dass sie uns nicht über den Weg gelaufen sind.

Unser erster Blickkontakt
Ziegen im Anmarsch!
Kollege Nummer Vier – nicht mehr ganz so fit!

Auch die ersten Tage auf dem Cabot Trail waren genial. Von Margaree Forks sind wir nach Cheticamp gefahren. Auf Cheticamp Island haben wir ein wenig im Matsch gespielt und haben dann den Cape Breton Nationalpark angesteuert.

Auf Chéticamp Island gibt es auch tolle Stellplatzmöglichkeiten

Der ist noch bis zum 18. Mai geschlossen, eine freundliche Dame gibt uns aber alles Infomaterial, erzählt uns, dass die Toiletten auf sind und dass wir auf dem Campingplatz umsonst stehen können. Dazu gebe es noch freies WLAN und damit beschließen wir, dass wir einige Tage hier bleiben.

Das haben wir lange nicht mehr gesehen – Calimero auf einem richtigen Campingplatz – allerdings alleine!

Wir wandern den Salmon River Trail, eine gemütliche Wanderung am Fluss entlang und fahren am nächsten Morgen zum Skyline Trail. Schon auf dem Weg dorthin fallen mir fast die Augen aus. Die Straßenführung ist genial an den Klippen entlang und macht Laune zu fahren, aber es macht noch mehr Spaß hier zu fotografieren. Während Claudia hin- und her fährt, mache ich Fotos von Calimero auf dem Cabot Trail.

Claudia fährt hin …
…. und her
… und wieder hin … Ich glaub jetzt haben es alle verstanden!

Auf dem Skyline Trail kommen wir auch gut voran, nur als wir am Kopf des Trails ankommen, dort wo die genialen Aussichten sind, erwischt uns ein Föhnsturm. Solchen Wind habe ich noch nicht erlebt  und während Claudia weit oben sitzen bleibt, versuche ich weiter vorzustoßen um ein paar Fotos zu machen. Allerdings muss ich mich so anstrengen, nicht von der Klippe gepustet zu werden, dass das Fotoprojekt zweitrangig wird.

Am Eingang des Trails liegt dieses tolle Schild
Die Ruhe vor dem Sturm – die letzten Bäumchen geben uns Windschutz
Nur einen kurzen Moment später müssen wir alles geben um auf den Planken zu bleiben
Die Aussicht auf den Cabot Trail lohnt sich
Hier ist auch für mich der Skyline Trail zuende

Völlig abgekämpft machen wir im Windschatten der Bäume eine kleine Pause und machen uns über den großen Loop wieder auf den Weg zum Auto. Überall sehen wir Elch- und Kojoten-Kot, sehen aber nur Eichhörnchen und einen riesigen Hasen.

Hasiiiiii

Am folgenden Regentag legen wir eine Pause ein und nehmen uns für den nächsten Tag den Acadian Trail vor. Der Trail überrascht uns nicht nur mit tollen Aussichten aus dem Nebel. Wir sehen hier das erste mal neben dem Kot der Elche auch eine Elchkuh auf dem Weg. Die dreht aber auf den Hinterbeinen um und gallopiert davon, bevor Claudia einen richtigen Blick erhaschen kann. Auch mit der Kamera waren wir nicht schnell genug.

 

Nach der Bezwingung des Acadian Trail verlassen wir Chéticamp und fahren durch den Cape Breton Nationalpark bis nach Pleasant Bay. Der Nationalpark erstreckt sich nicht bis in das Dorf hinein und so können wir dort an den Klippen die Nacht verbringen. Wir scheitern famos an den geplanten Pfannkuchen, die viel Wind und Kälte wohl nicht so gut abkönnen und legen uns dann früh schlafen.

Ausblick vom Stellplatz in Pleasant Bay

Auf dem weiteren Weg den Cabot Trail entlang bis nach North Cape machen wir immer wieder kleinere Wanderungen und finden den ein- oder anderen Geocache bis wir dann endlich in Meat Cove landen, wo ich gerade meine Zeilen schreibe. Der Campingplatz hier macht erst am 1. Juni auf und so können wir hier ebenfalls kostenfrei an den Klippen stehen. Offseason hat seine Vorteile!

Eine Nachbildung eines Schafhirtenunterschlupfs der schottischen Siedler
Ein kleiner toller Wasserfall am Ende einer der vielen Wandermöglichkeiten
Der Cabot Trail hat auch Sektionen ohne Kurven und mit Elchen. Mehr als das Schild sehen wir aber nicht.

Wir sind schon gespannt auf die nächsten Tage, wenn wir die Ostküste des Cabot Trail wieder herunterfahren. Wir möchten noch ein paar größere Wanderungen anpacken und uns weiter treiben lassen. Vorerst lassen wir aber noch die Seele in Meat Cove baumeln und erklimmen noch den ein oder anderen Hügel.

5 comments

  1. Hallo Ihr 2,
    tolle Landschaftsaufnahmen! Die Bilder von der Küste sind echt genial! Und: Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag! 🙂
    Weiterhin gute Fahrt – so hin und her…
    Tanja

    1. Hallo Tanja,
      vielen Dank! 🙂

  2. Lieber Bernd,

    nachträglich alles Gute zum Geburtstag!

    Tolle Bilder habt ihr da wieder gemacht 🙂

    Viele Grüße
    Klaus

    1. Danke Klaus!

  3. Hallo ihr beiden,

    auch unterwegs schauen wir immer wieder auf eurer Seite, was es Neues gibt. Die Berichte und Fotos faszinieren uns immer wieder. Derzeit sind wir auch wieder unterwegs in Irland auf dem WAW = Wild Atlantic Way. Wir sind begeistert und haben für irische Verhältnisse bestes Wetter. Liebe Grüsse Manfred und Brigitte, die ihr in Gergetier Dreifaltigkeitskirche in Georgien kennen gelernt habt.

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