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China Durchquerung Tag 1 – Wilder Start

Wir wissen, dass unsere China Durchquerung nspruchsvoll, anstrengend, langwierig, kompliziert und schwierig wird. Das zumindest bekommen wir von den Gruppen erzählt, die in den letzten Monaten China mit dem eigenen Fahrzeug durchquert haben. Wir möchten von Kirgisistan über Kashgar in China nach Pakistan, in nur vier Tagen.

Dafür fahren wir in einer Gruppe. Nur so wird der Preis einer Durchfahrt erträglich. Wir sind sieben Motorräder und drei Autos. Wir bezahlen 1000 US Dollar pro Auto und 950 US Dollar pro Motorrad um in vier Tagen durch China zu fahren. Verrückt, aber der einfachste Weg von Kirgisistan nach Pakistan. Die Alternative hätte uns zurück durch den Iran geführt.

China Durchquerung – Die Vorbereitung

Bereits Anfang des Jahres habe ich begonnen, die Teilnehmer der Gruppe zu finden. Über Aufrufe in verschiedenen Foren und auf Facebook sind wir nun eine große Gruppe. Bertha, Erik, Karin und Dave aus den Niederlanden, Alice und Alex aus England, Korisha und Claudio aus der Schweiz, Paul aus Österreich und Anja, Holger, Claudia und ich aus Deutschland.

Wir bezahlen im März bereits 30% des Preises als Anzahlung. Erst damit bekommen wir unsere offizielle Einladung der Tourenagentur. Damit beantragen wir unser Visum über eine Agentur. Weitere 413 Euro werden fällig.

Die Vorbereitung und die Anpassungen der Rahmenbedingungen durch die Chinesen ziehen sich bis zum letzten Tag hin. Immer wieder bekommen wir Mails von unserer Agentur, dass sich Dinge ändern. Man darf auf einmal nicht mehr im Fahrzeug nächtigen. Außerdem dürfen Motorradfahrer nicht in die Tankstellen fahren.

Wir haben auf unserer Reise alle anderen Tourenteilnehmer bereits getroffen. Alice und Alex mehrfach, Karin und Dave ebenso. Bei Anja und Holger waren wir noch in Deutschland zu Gast, auf unserem Weg zur Abenteuer Welt in Köln. Bertha und Erik haben wir kurz in Bishkek getroffen, Paul in Osh und Claudio und Korisha auf dem Weg von Osh nach Sary Tash, unserem Treffpunkt.

China Durchquerung – Der Abend davor

In Sary Tash verbringen wir einen lustigen Abend gemeinsam. Die Stimmung ist leicht angespannt, aber fröhlich. Wir machen Witze über die unmöglichsten Dinge, die uns in China so passieren könnten (und wissen noch nicht, dass einiges davon wirklich passieren wird).

Ich schlafe sehr schlecht in der Nacht vor unserer China-Einreise. Mein Bauch rumpelt, es ist kalt und ich habe so viele Dinge im Kopf, die ich am Morgen noch erledigen will, dass ich immer wieder aufwache und kaum mehr einschlafe. Claudia liegt schon den ganzen Tag im Bett, sie hat sich eine Erkältung eingefangen. Das ist kein guter Start, aber wir machen das beste daraus.

China Durchquerung - der Abend davor
Der Abend vor der China Durchquerung

Aus Kirgistan heraus, oder auch nicht!

Um 06:30 klingelt der Wecker, richten einen Rucksack für ein paar Tage in Kashgar zurecht und frühstücken. Um 08:00 Uhr fahren wir los, in Richtung Grenze. Am ersten Checkpoint auf kirgisischer Seite fällt Karins Bike um und der Pack-Koffer hat sich leicht verzogen. Das ist aber schnell erledigt und um 09:00 Uhr sind wir an der Grenze.

Das kirgisische Grenz-Prozedere gestaltet sich sehr einfach. Wir geben unsere Zoll-Deklaration fürs Fahrzeug ab. Diese haben wir bei der Einreise bekommen. Dann bekommen wir einen Stempel, müssen kurz zum Fieber messen und dürfen dann weiterfahren.

Leider haben Alice und Alex so ein Dokument bei der Einreise nicht bekommen und werden vom Zoll vorerst festgesetzt. Ich sehe noch, wie sie die Englische Botschaft anrufen, wir werden aber von den Zollbeamten weitergeschickt. Ohne eine Möglichkeit sie zu kontaktieren fahren wir weiter und hoffen, dass sie nachkommen werden. Wir zeigen an einem letzten kirgisischen Checkpoint unsere Pässe und stecken diese dann tief in unsere Taschen. Denn wir nutzen nun zum aller ersten mal unsere Zweitpässe, in denen das China-Visum eingeklebt ist.

China Durchquerung – der erste Grenzposten

Nur wenige Kilometer später zeigen wir unsere Pässe mit dem China Visum am ersten Chinesischen Checkpoint. Von dort bis zur vermeintlichen Immigration Hall sehen wir alle paar Meter Kameras, die den gesamten Weg überwachen. Die Straße ist umgeben von Stacheldraht, so dass man auf keinen Fall von dort wegkommt. An dem großen Grenzposten angekommen werden wir zum Parken rechts vom großen Fahrzeugscanner aufgefordert.

Wenige Minuten später treffen wir dort auf unseren Guide Abdul. Ich gebe direkt Bescheid, dass wir ein Fahrzeug vermissen und bitte ihn, die Prozedur dennoch zu starten, soweit wie eben möglich.

„This is a huge problem“ höre ich das erste von vielen Malen. Wir geben ihm alle Pässe und sollen erst einmal unser „Gepäck“ abladen, aber schnell. „Be quick“ ist die Ansage. Wir haben alle für Kashgar gepackt und laden daher das „Gepäck“ für Kasghar ab. Als alle das Gepäck haben, meint Abdul, wir müssen nun unsere Autos wegfahren.

Da alle der Meinung waren, dass wir die Autos nun alleine lassen, wundern wir uns umso mehr, dass wir nun alle unsere Wertsachen alleine lassen sollen. Immerhin dürfen die Beifahrer beim Gepäck bleiben.

Schnell wie der Wind müssen wir zu den Fahrzeugen zurück und uns vor dem X-Ray aufreihen. Unser Guide wird etwas rüde und fordert uns auf, schneller zu sein. Immerhin haben die Chinesen bald eine dreistündige Mittagspause und wenn wir diesen Checkpoint nicht bis dahin geschafft haben, müssen wir warten und „this is a huge problem“.

Wir sind alle nervös, denn bis jetzt sind Alice und Alex nicht aufgetaucht. Hoffentlich wird das noch was. Abdul erzählt mir, dass wir warten können. Das kann aber bedeuten, dass wir einen Tag länger in China bleiben müssen und das selbst bezahlen müssen. Andernfalls können wir aber auch einfach weiterfahren, dann müssen Alice und Alex eben in Kyrgyzstan bleiben. Ich bin der Meinung wir warten!

100m weiter am X-Ray müssen wir das erste mal warten. Wir bekommen Instruktionen, dass die Motorradfahrer ihre Motoren anwerfen sollen, und im X-Ray Rad an Rad parken sollen. Nach einigen Minuten entscheiden sich die Zollbeamten aber um, und Claudio soll mit seinem Defender vorfahren.

In dem Moment fahren auch Alex und Alice um die Ecke und ich springe ihnen wild fuchtelnd und vor Freude entgegen. Zeit zum erzählen bleibt aber keine. Alice soll schnell das Gepäck der beiden ausladen und zu den anderen Beifahrerinnen gehen. „Be Quick“, denn wir sollen als nächste in den Scanner fahren. Diesmal mit zwei Autos.

Bis wir allerdings reinfahren dürfen vergehen weitere Minuten, in denen Alex dann doch erzählt was passiert ist. Die beiden sollten zurück zum kirgisischen Grenzposten fahren, über den sie eingereist sind um dort die Zoll-Deklaration ordentlich zu machen. Ein Anruf bei der englischen Botschaft endete nur auf dem Anrufbeantworter, der ihnen gesagt hat, dass die Botschaft gerade zu erreichen ist. Kurios!

Wir werden gebeten in den X-Ray zu fahren, bis vor zur gelben Linie. Das machen wir. Dann werden wir gebeten, Rückwärts wieder heraus zu fahren um dann erneut genau an die gelbe Linie zu fahren. Wir machen das mit einer Portion Humor und sind schnell fertig mit dem Scannen. Die Chinesen werfen einen flüchtigen Blick ins Fahrzeug und dann dürfen wir unsere Autos erst einmal abstellen.

Als alle Fahrzeuge durch den Zoll sind, sollen wir zurück zum Gebäude, in dem unser Gepäck wartet. In dem Moment kommen unsere drei Beifahrerfrauen schwer bepackt mit dem Gepäck aller Teilnehmer aus dem Gebäude. Die Chinesen helfen ihnen kein Stück und scheuchen sie wie die Hühner vor sich herum. Wir bekommen die schlechte Nachricht, die Station schließt nun für 3 Stunden und wir wurden noch nicht kontrolliert. Wir erfahren auch, dass dies nur eine Vorprüfung ist und wir in den drei Stunden Mittagspause die 100km bis zur eigentlichen Immigration fahren sollten. Unser Guide hat noch kurz die Hoffnung die Mittagspause etwas zu schieben, aber die Hoffnung zerplatzt sehr schnell. Die Soldaten marschieren geordnet die 20 Meter in Ihre Bastion, die Panzersperren verschließen alles fachgerecht und nun ist Pause. Hierfür mussten auch alle Motorräder noch einmal 20 Meter weiter geparkt werden, damit dem Pausenmarsch auch nichts im Wege steht.

Wir bekommen die Order auf dem quadratischen Platz vor der Station verweilen zu müssen. Ein Klo gibt es keins, so auch kein Restaurant, kein Kiosk und wenig Schatten. Es hätte aber auch schlimmer kommen können. Bei Schnee oder Regen muss das eine Tortur sein.

Wartezeit – Danke an Holger von 2aufreisen.de für das Foto!

Nach mehrmaligen Nachfragen dürfen wir in Zweierpärchen auch aufs Klo. Das befindet sich auf offener Flur hinter der Pausen-Bastion in einem Flussbett.

Nach 2 Stunden und 45 Minuten rumbummeln bewegt sich etwas, die Soldaten kommen zurück und wir dürfen durch die Passkontrolle. Unser Gepäck wird komplett auseinander genommen, was totaler Nonsens ist. Das Auto wurde zwar gescannt aber kaum durchsucht.

Die ersten Kilometer unserer China Durchquerung

Nur 20 Minuten später sind wir alle fertig und abfahrbereit. Es ist schon kurz nach drei Uhr lokaler Zeit. Unser Guide fährt im eigenen Fahrzeug voraus, die Motorräder hinterher und zu guter Letzt die Autos. Nach nur fünf Minuten fahren wir allerdings für uns alleine. Nur die vielen Überwachungskameras und großartige Bergpanoramen begleiten uns. Unser Guide und die Motorräder sind wie die wilden davongestochen.

Erst bei der ersten Mautstelle treffen wir uns, dort werden nochmal alle Pässe und Gesichter gescannt und wir bezahlen Maut. Gott sei Dank haben wir schon ein paar Yen in Sary-Tash an der Tankstelle gewechselt, denn in China haben wir noch keine Wechselstelle gefunden.

Grenzkontrolle, die Zweite

An der eigentlichen Grenze für uns angekommen, werden erst einmal unsere Fahrzeuge desinfiziert. Das kostet um die 4 Euro pro Fahrzeug. Unser Guide legt das für uns aus, denn die meisten von uns haben noch keine lokale Währung dabei.

An diesem Grenzposten angekommen werden wir erst einmal belehrt, was wir alles nicht dabei haben dürfen. Kein Gemüse, kein Dosenfleisch, kein Dosenfisch und schon gar kein frisches Fleisch. Alle Milchprodukte sind ebenfalls verboten. Ich schmeiße unser letztes Stück armenischer Butter fort. Wir bleiben aber Rebellen und behalten unsere Zwiebeln und Kartoffeln.

Nach einiger Warterei werden wir in die Passkontrolle und zum Stempeln der Pässe gebeten. Das funktioniert eigentlich relativ reibungslos. Nur erkennt mich der Zollbeamte leider nicht auf dem Pass. Wir gehen also in ein Extra Büro. Dort sehen zwei weitere Beamte auf den Pass und glauben mir auch nicht so recht. Ich zücke mein Handy und zeige ihnen Bilder vom ersten Tag der Reise. Erst dann belassen sie es dabei. Nachdem unsere gesamte Gruppe durch diese Prozedur ist, erzählt uns der Guide, dass wir eventuell unsere Fahrzeuge mit nach Kashgar nehmen dürfen ODER dass wir hier im Ort nächtigen. Das finden wir alle gut.

Jeder Fahrer wird aufgerufen und muss seine Daten auf einem Blatt Papier bestätigen, das dauert alles nochmal ein wenig. Daraufhin sagt uns der Guide, dass wir zum „Zoll-Hof“ fahren sollen. Erst dort sagt er, dass wir sicher für die Nacht parken sollen. Die Fahrzeuge bleiben hier. Schade! Wir sollen unser Gepäck einpacken und zum Ausgang laufen. „Be Quick“ können wir jetzt schon kaum mehr hören.

Die Warterei nimmt kein Ende

Wir laufen zu Fuß einige hundert Meter zum Ausgang des Zollgeländes und sind nun das erste Mal richtig in China und nicht nur in chinesischem Territorium, wie unser Guide erläutert. Unser Bus soll uns zum 7 Kilometer entfernten Hotel bringen.

Kurz darauf verkündet unser Guide allerdings, dass hier keine Touristen willkommen sind. Wir müssen nach Kashgar mit dem Bus. Weitere 100 Kilometer warten auf uns. Wir finden uns damit ab, kaufen uns ein Bier und wollen schon los fahren, da kommt die nächste tolle Nachricht.

Wir warten auf eine zweite Gruppe, die gerade die Prozedur an diesem Checkpoint begonnen hat, als wir zum parken gefahren sind. Dreißig Minuten Wartezeit sollen wir einplanen. Die meisten von uns gehen daher ein weiteres Bier kaufen.

Erst zwei Stunden später taucht die zweite Gruppe frustriert auf. Wir haben bereits 21:30 Uhr und sind fix und fertig. Jeder sucht sich seinen Platz im Bus und schon sind wir auf dem Weg. Nach nur 10 Minuten allerdings hat der Spaß ein Ende und wir müssen am nächsten Police Checkpoint alle aussteigen, die Pässe und Gesichter scannen und dann wieder zurück in den Bus. Erst um 23 Uhr kommen wir im Hotel an. Das Hotel ist sehr ordentlich und wir freuen uns darüber. Dass wir zwei Einzelbetten haben, stört uns zwar, aber ist uns schlussendlich egal. Wir fallen in einen tiefen, aber kurzen Schlaf. Frühstück gibt es nämlich nur von 07:00 Uhr bis 08:30 Uhr.

Endlich in Kashgar

Wir sind in China, unsere Fahrzeuge immer noch im Zoll, der Papierkram für den Import muss erledigt werden. Um 13 Uhr am nächsten Tag sollen wir uns in der Lobby treffen um dort die nächsten Instruktionen zu erhalten. „Be prepared“ ist diesmal die Aussage. Jetzt ist der längste Tag unserer bisherigen Reise erst einmal vorbei.

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2 comments

  1. Ok das hort sich ja erstaunlich an. Weiss nur das wir so einen scheiss von behordenwillkur nicht in kauf nehmen werden. China kann ohne uns auskommen. Fahre lieber die extra strecke um china herum! Blodsinn! Quick- quick F…. you!

  2. Liebster Bernd, liebste Claudi! Oh Mann … ihr seid alle tapfer gewesen da an der Grenze. Absurdes Prozedere! Ich hab beim Lesen mitgefühlt – teilweise aber auch gelacht! Gut, dass ihr alle mental auf sowas vorbereitet wart und generell ne lustige Truppe seid (Grüße an Anja & Holger!).

    Haltet die Ohren steif. Wir sind noch bis 11.10. in Bischkek, machen das WoMo winterfest und fliegen dann nach Kaschgar…

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