ChinaWeltreise Tagebuch

China Durchquerung Tag 3 – Karakorum Highway

Diesmal sind wir klüger und stehen um 06:55 am Frühstück, so auch beinahe alle Hotelgäste. Die Türen öffnen sich und der Run aufs Buffett startet. Um 8 stehen wir alle fertig bei den Fahrzeugen. Die Abgabe der Zimmerkarten gilt allerdings nicht als auschecken. Abdul ist leicht sauer, weil wir nicht ordentlich auschecken. Da aber keiner an der Rezeption Englisch spricht und wir auch keine Rechnung zu begleichen haben, zucken wir nur mit den Schultern. Versucht haben wir es ja.

Der Plan – Karakorum Highway in China

Der Plan für heute sieht wie folgt aus:

  1. Gemeinsame Fahrt bis zum ersten Checkpoint nach 20 Kilometern
  2. Wir dürfen vorausfahren, nach 80km kommt die wohl einzige Tankstelle, an der wir auffüllen sollen. Auf dem Weg dorthin dürfen wir so schnell fahren wie wir wollen. Abdul muss aber die Geschwindigkeit einhalten. Wir werden Abdul dann an der Tankstelle treffen, damit wir tanken können.
  3. Nach dem Tanken fahren wir zum Karakol See, der zwischen zwei 7000ern liegt. Dort machen wir eine ausgiebige Mittagspause.
  4. Danach fahren wir nach Tashkurgan ins Hotel und der Tag endet für uns.

Klingt eigentlich ziemlich einfach und schlüssig. Natürlich kommt mal wieder alles anders als geplant.

Der Polizei-Checkpoint kommt bereits nach 9 Kilometern und wir bezweifeln schon jetzt die 80 Kilometer Streckenangabe zur Tankstelle. Der Checkpoint ist schnell hinter uns gebracht und wir geben Gas. Wir sehen sehr wenig auf dem Weg, denn die Wüste hat ihren Staub in der regionalen Luft verteilt. Aber wir sind endlich auf dem Karakorum Highway, der höchsten Fernverkehrsstraße der Welt. Allerdings befinden wir uns noch ganz am Anfang und wir werden sehen, was alles noch passieren wird.

Am Checkpoint

An der Tankstelle

Um 09:30 erreichen wir die besagte Tankstelle, die Angabe war fast korrekt, und versuchen ohne unseren Guide zu tanken. Das schlägt natürlich fehl. Abdul trifft eine halbe Stunde später auch wieder zu uns und bittet um den Einlass in die hermetisch abgeriegelte Tankstelle. Die Tankstellenwächter verneinen und erzählen, dass wir erst die Genehmigung von der Polizei brauchen.

Ich fahre daher mit Abdul zur Polizeistation (300m) und werde nach nur fünf Minuten zu Fuß zurückgeschickt. Abdul braucht alle Pässe, aber „quick“. Ich hole die Pässe aller Gruppenmitglieder und spurte zurück zur Polizeistation. Dort darf ich aber erst einmal eine halbe Stunde warten. Erst dann verschwindet Abdul in einem Nebenzimmer. Ich bleibe ein paar Minuten sitzen und stoße dann hinzu.

Abdul will auf einmal von mir genau wissen, wie viel alle Fahrzeuge gemeinsam tanken müssen, auf den Liter genau. Ich lache laut auf und sage ihm, dass alle Motorräder vollgemacht werden und auch noch ein Kanister, sonst schaffen es die Mopeds nicht über den Khunjerab Pass bis nach Pakistan. Der Karakorum Highway würde dann ein Desaster für einige Teilnehmer werden.

Außerdem kann ich ihm auf keinen Fall genau sagen, was wir gemeinsam brauchen. Ich sage ihm auch, dass die Autos Diesel brauchen und Abdul verdreht die Augen. „This is a huge problem“ sagt er mal wieder und spricht mehrfach mit dem Polizisten. Erst 15 Minuten später einigen sie sich darauf, dass wir die Maximalmenge angeben können. Ich gebe aus dem ff 200l Benzin und 300l Diesel an. Wer weiß, wie viel wir wirklich brauchen.

Der Polizist schreibt die Zahlen auf das Permit, druckt es aus, stempelt und unterschreibt es. Dann will er jeden Pass und jedes Visum einscannen. Weitere zwanzig Minuten später sind wir fertig und fahren zurück zu den anderen. Wir sind bereits 2 1/2 Stunden an der Tankstelle und endlich dürfen wir an die Zapfsäulen.

Leider sind die jedoch in der Zwischenzeit kaputt gegangen. Der Generator ist ausgefallen. Nach einigem Unverständnis der Polizisten vor Ort, nimmt einer ein paar große Gabelschlüssel in die Hand und verschwindet hinter dem Haus. Eine weitere halbe Stunde später springt der Generator an und wir können endlich tanken. Der Polizist kommt mit schwarzen Händen vom Generator wieder.

Auf dem Karakorum Highway über hohe Pässe

Nach nur drei Stunden an der Tankstelle, fahren wir endlich weiter in Richtung Karakol See. Dieser liegt malerisch zwischen den 7000ern Muztagata und Konghur Shan. Kurz bevor wir die Seehöhe auf 3600m erreichen, verschwindet auch das Staubmeer um uns herum und wir haben freie Sicht.

Am Karakol See

Leider bleiben uns nur knappe dreißig Minuten bevor unser Guide laut hupend davonfährt. Die Motorradfahrer haben nur 15 Minuten, denn die sind etwas später angekommen. Davor lässt er uns wissen, dass wir unbedingt schnell sein müssen, denn wir müssen heute noch die Fahrzeuge beim Zoll einchecken. Das hat er uns bisher verschwiegen. Wir düsen also hinterher. Der heute höchste Pass liegt auf ungefähr 4400 Metern und auf der Passhöhe befindet sich ein weiterer Polizei Checkpoint, durch den wir durchmüssen. Calimero macht bisher keine Zicken und wir sind sehr froh darüber.

“Huge Problems” in Tashkurgan

Wir kommen kurz vor 17 Uhr in Tashkurgan an. Abdul fährt zuerst mit uns ins Hotel. Jeder bekommt sein Zimmer und wir treffen uns nach wenigen Minuten wieder vor dem Hotel. Dort steht Abdul schon mit eisiger Miene und meint. „We have a huge problem“. Was denn nun schon wieder, denken wir uns. Die Zollstation hat bereits zu. Warum sind wir nicht zuerst dorthin gefahren und dann mit dem Taxi zurück zum Hotel? Fragen über Fragen, die unser Guide auf keinen Fall beantworten kann.

Wir bleiben noch einige Momente auf Abruf. Abdul versucht noch über einige Telefonate die Zollstation wieder zu öffnen. Daran scheitert er jedoch. „Maybe we cannot drive out of China tomorrow“ lässt er uns wissen.  Claudio und Korisha organisieren uns im Supermarkt ein paar Bier und wir genießen das kühle Blonde. Momentan sind alle noch relativ entspannt, ändern können wir es eh nicht.

Die folgenden Gespräche mit Abdul stoßen einigen Teilnehmern allerdings auf. Er erzählt uns, dass wir womöglich erst sehr spät am Abend in Tashkurgan fertig werden. Sobald wir den Ausreisestempel haben, müssen wir auch fahren, bis nach Sost. Das sind circa 200 Kilometer. Er erzählt uns von einem Paar, die erst um 18 Uhr fertig geworden sind und dass das alles kein Problem ist.

Camping ist zwischen Tashkurgan und Sost allerdings verboten. Keiner von uns will diese Fahrt  über den höchsten Pass des Karakorum Highway bei Nacht machen. Daher beten wir zur Wissenschaft und all den Göttern die da draußen so existieren, dass wir entweder frühzeitig fertig werden oder sich alles um einen Tag verschiebt.

Den Abend ausklingen lassen

Den Abend lassen wir in einem lokalen Restaurant ausklingen. Die Gruppe macht uns eine wundervolle Überraschung und lädt Claudia und mich zum Dank für die Organisation zum Abendessen ein (DANKE NOCHMAL!).

Claudia geht nur widerwillig ins Hotel, denn die Betten riechen stark nach altem Zigarettenqualm. Im Auto schlafen wäre erlaubt gewesen, allerdings fährt die Polizei dauernd sehr langsam ihre Runden und hat dabei IMMER die Sirenen an. Zudem leuchtet das Hotel außen taghell. Es ist schon merkwürdig, dass wir das Zimmer bezahlen müssen, da wir laut Gesetz nicht im Auto schlafen dürfen. Vor Ort sieht das jedoch wieder ganz anders aus.

Wir haben übrigens immer noch keinen chinesischen Führerschein und kein chinesisches Nummernschild, sind jedoch bereits über 400 Kilometer durchs Land gefahren. Merkwürdig, oder? Morgen werden wir hoffentlich früh genug ausreisen können um den höchsten Pass auf dem Karakorum Highway bei Tageslicht fahren zu können.

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2 comments

  1. Erneut komm ich aus dem Lachen und Staunen nicht heraus. Sehr gut geschrieben, Bernd! Eine Genehmigung für’s Tanken … hahaha … tja. Sehr speziell, wirklich sehr speziell:) Und Abdul is ja echt ne Pfeife. Den solltet ihr melden.

    1. Abdul ist schon der bessere Guide. Eine andere Gruppe hatte Siddiq und der hat die Gruppenmitglieder beleidigt und sie richtig laut angeschrien. Da war unser Abdul noch ein Lämmchen dagegen.

      So lange werden wir hoffentlich nie wieder zum Tanken brauchen! 😀

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