IranWeltreise Tagebuch

Unser erstes Wüstenabenteuer

In Kashan tanken wir Wasser und Diesel auf und machen uns auf den kurzen Weg in Richtung Dascht-e Kawir, unserer ersten kleinen Wüstenexpedition.

Als wüssten die Iraner, wie besonders dieser Moment für uns ist, stellen sie eine Schranke an den Beginn der Piste, die in die Wüste führt und begrüßen uns recht herzlich. Wir dürfen erst einmal knappe 3 Euro bezahlen, bevor wir weiterfahren dürfen. Für den Notfall steckt uns ein freundlicher Herr noch eine Telefonnummer zu, die wir anrufen sollen, falls wir uns festfahren.

Wir möchten in der Nähe der Pisten bleiben und circa 100km tief in die Dascht-e Kawir vordringen. Unsere bisherige Erfahrung mit Wüsten: Keine! 

Schnell verändert sich das Bild um uns herum. Es wird sandig. So richtig. Wie geil ist das denn. Wir genießen unsere erste Fahrt durch die Wüste, obwohl es sehr heiß ist. Einen kleinen Abstecher in Richtung Salzsee machen wir ebenfalls. Der große Salzsee zeigt seine weiße Salzkruste und wir sind sehr begeistert von der Lebensfeindlichkeit, die dieser Ort ausstrahlt.

Wir sehen einige Spuren auf dem See, beschließen jedoch unser Glück am ersten Tag nicht herauszufordern und bleiben nahe der Piste. Immer wieder fahre ich etwas im Sand um ein Gefühl dafür zu bekommen.

Plötzlich ruft Claudia: „Da sind Kamele“. Links bewegen sich einige Dromedare gemütlich gen Horizont. Unsere erste „wilde“ Kamelsichtung haben wir dann auch abgehakt. Nach näherer Betrachtung fällt uns auf, dass jedes Dromedar ein Brandzeichen besitzt.

Wir erreichen die Sanddünen von Marenjab und müssen durch einen zweiten Checkpoint fahren, wo wir noch ein kaltes Getränk zu uns nehmen können. Die hohen Sanddünen wollen wir nicht fahren, dafür fühlen wir uns zu alleine und unreif.

Unsere erste Wüsten-Expedition bringt uns zu einer restaurierten Karavanserei, die vermutlich im Frühjahr schöner daherkommt. Anwesend sind hier derzeit nur die afghanischen Arbeitskräfte, die wohl weiterhin mit der Restauration des Gebäudes beschäftigt sind. Den Schatten der Außenmauer nutzen wir dennoch als Übernachtungsplatz um am Morgen länger schlafen zu können.

Wie erwartet macht uns die Hitze erneut sehr zu schaffen. Laut unserem Telefon sollen es um die 42° im Schatten sein. Wir sind der Meinung, dass der Wind heißer ist, da die Luft von der Sonne aufgeheizt ist. Da wir ein Wasserloch in der Nähe haben, können wir immer wieder unsere Klamotten befeuchten. Wir essen Wassermelone und trinken viel.

Die Temperaturen steigen unerbittlich bis zum Sonnenuntergang. Dieser bringt aber kaum Abkühlung mit sich. Die Temperaturen bleiben auch Nachts unangenehm hoch.

Nachts werden wir von den Dromedaren geweckt, die neben uns am Wasserloch nächtigen und trinken. Am frühen Morgen ziehen die Dromedare, einer Karawane gleich, an Calimero vorbei.

Unsere kleine Wüstenexpedition zieht uns in Richtung Osten, tiefer in die Wüste herein. Wir folgen der Piste, wollen aber zuvor einen Abstecher über den Namak-Salzsee auf eine Insel machen.

Auf dem Weg zum Salzsee sehen wir einen Brunnen mit zwei Dromedaren. Ich nutze die Chance und besteche die beiden mit vielen Kübeln Wasser, die ich aus dem Brunnen ziehe. Die zwei wissen ganz genau was ich tue und beschnuppern mich neugierig. Freunde gewinnen kann manchmal so einfach sein.

Auf Facebook durften wir lesen, dass es auf dem Weg zum See gefährliche Stellen mit Treibsand gibt. Wir finden jedoch eine sichere Piste und fahren auf die weiße Salzkruste, die unter unseren Reifen knirscht. Immer wieder stoppen wir und fragen uns, ob wir tatsächlich weiterfahren sollen. Denn Pisten sind hier keine mehr zu sehen. Laut unseres Navis sind wir aber auf einer Piste. Wir trotzen unseren Sorgen und fahren schlussendlich mit ordentlicher Geschwindigkeit über die Salzkruste. Das macht echt Laune.

Nach langer Spielerei und dem Besuch der Insel im See, führt unser Weg wieder zurück zum Festland. Das Salz ist nicht an allen Stellen komplett trocken, daher schaufeln Calimeros Räder jede Menge Salz auf unseren Unterboden. Das muss definitiv gereinigt werden, wenn wir wieder aus der Wüste heraus sind. Wir wollen ja nicht, dass Calimero eines grausamen Salztodes stirbt.

Auf dem Weg zurück zum Festland möchten wir einige kleine Filmaufnahmen und Fotos mit der weißen Salzkrusten machen. Ein leichter Sandsturm macht uns da jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die Luft uns herum ist komplett Sandfarben, die Salzkruste liegt voller Sand und ist daher leider nicht mehr weiß. Das Atmen fällt jedoch nicht schwer und wir können noch recht gut sehen, daher geben wir nicht auf!

Wir verlassen die Insel wieder!
Auf dem Salzsee nahe der Insel – Steife Erde, vom Wind geformt und Salz überall.

Die Piste weiter nach Osten bleibt spannend. Wir haben einige Tiefsandpassagen, die Calimero ohne Murren meistert. Die Sicht verschlechtert sich weiter. Es gibt fiese Wellblechpiste, dazu einige Bereiche, in denen die Wege sehr ausgewaschen sind.

Dromedare im Staubdunst

Unser Weg nach Osten endet abrupt 71km vom Rand der Wüste entfernt. Ein Schild kündigt den Kawir Nationalpark an. Wir freuen uns und fahren weiter, doch es folgt leider ein zweites Schild. Dort steht klar und deutlich, dass man einen Permit vom iranischen Umweltsministerium benötigt um hier weiterfahren zu dürfen.

Am „Ende“ der für uns befahrbaren Piste angelangt.

Der Abenteurer in mir schreit lauthals: „Scheiß drauf, jetzt wird’s interessant, da kann man sich sicher rausreden!“. Der Projektleiter in mir hat sich natürlich etwas über die Dascht-e Kawir informiert und ist vor einigen Tagen über einen Blog Artikel gestolpert, in dem zwei Deutsche beschreiben, wie sie 51 Stunden Haft erlebt haben, nachdem sie durch diesen Nationalpark gefahren sind. Sie haben das volle Programm mit bärtigen, bewaffneten Männern und schwarzen Säcken über dem Kopf mitgemacht.

Daher gewinnt diesmal der vernünftige Projektleiter in mir und bleibt bei dem kalkulierten Risiko einer Panne 70km von der nächsten Ortschaft entfernt. Das Risiko einer Verhaftung hat für mich eine zu hohe Eintrittswahrscheinlichkeit kombiniert mit einem zu großen Einfluss auf unsere weiteren Vorhaben.

So drehen wir bei und die Piste führt uns über 71 Kilometer wieder aus der Wüste heraus. Unsere Körper sind geschunden, wir stinken (u.a. nach Kamel), die Köpfe sind rot vor der Hitze.

Wir verbringen eine weitere heiße Nacht in einem Stadtpark von Kashan. Auch hier will die Temperatur nachts nicht unter 33 Grad sinken.

Calimero hat unseren ersten Wüstenbesuch in die Dascht-e Kawir sehr gut mitgemacht. Nur das letzte Stück in der Mittagshitze stöhnt er unter der Belastung und bekommt leichtes Fieber. Wieder aus der Wüste draußen lässt sich die Fahrertür auf einmal nicht mehr aufschließen, ich sehe Flüssigkeiten am Kupplungspedal und sehe einige sich lösende Schrauben. Das ging aufs Material. Bei Calimero, bei Claudia und bei mir.

Wir beschließen nach Esfahan weiter zu fahren und zwei Nächte in einem klimatisierten Hotel zu nächtigen. Nach knappen 100 Nächten im Fahrzeug ist dies eine kleine Belohnung. Damit Calimero nicht leer ausgeht, wird er seinen ersten Ölwechsel und einen ordentlichen Check bekommen.

Auf dem Weg nach Esfahan lassen wir Calimero noch eine Autowäsche zukommen um das Salz loszuwerden. Leider nimmt der Arbeiter seine Aufgabe zu ernst und entfernt auch unseren Unterbodenschutz bei seiner Unterbodenwäsche. Wir realisieren das leider erst relativ spät, da wir wie in Trance daneben stehen, da unsere Nacht zu kurz war. Als wir ihn darauf hinweisen, dass er mit seinem Dampfstrahler etwas auf Entfernung gehen soll, nickt er nur, lächelt und macht genauso weiter. Wir fuchteln wie wild, sagen „Stop, Stop“ , ergänzen ein „Clean enough“ und ein „Thank you“. Der Kollege will aber einfach nicht aufhören. Erst als Claudia ein lautes Machtwort spricht, kassiert er eine horrende Summe ab und lässt uns von dannen ziehen.

Müde, leicht frustriert und überhitzt fahren wir weiter nach Esfahan. Nach den anstrengenden letzten Wochen brauchen wir jetzt eine kurze Auszeit in ordentlich klimatisierten Räumlichkeiten.

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2 comments

  1. Hallo,
    Mit Spannung lese ich jeweils eure Blog-Einträge. Ich liebe vorallem eure ehrliche Art zu schreiben. Aus eigener Erfahrung weiss ich, reisen ist nicht wie Ferien! Oftmals erscheinen mir die Reisetagebücher als zu schöngefärbt.
    Macht weiter so!
    Kathrin

    1. Hallo Kathrin,

      danke dir für diesen Kommentar. Korrekt, Reisen ist nicht wie Ferien. Jeden Tag müssen wir unser Essen, unseren Schlafplatz, Wasser, Toilette usw. organisieren. Nebenbei wollen wir natürlich mehr über das Land lernen, unsere Route planen, das Auto reparieren und auch alles dokumentieren. Langweilig wird uns nicht! Für uns ist dabei wichtig, dass wir auch authentisch sind und bleiben, unsere subjektive Wahrnehmung teilen und über negatives und positives berichten.

      Beste Grüße aus Yazd im Iran!

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