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Defender Wartungsprojekt auf Weltreise – Einmal alles Neu!

Als wir in Lennoxville rechts auf den Schotterweg abbiegen, der zu Mikes Werkstatt führt, sehen wir bereits mehrere Land Rover vor der Tür stehen. Zwei Discovery 2 und vier Defender teilen sich den Hof. Einen solchen Anblick hatten wir lange nicht mehr. Genauergesagt, haben wir das letzte Mal in der Türkei so viele Land Rover auf einmal gesehen. Das ist 14 Monate her. Damals waren wir zu Gast bei Ugur, der Serie Land Rover sammelt.

Diesmal wollen wir nicht nur bei ein paar Bier Geschichten austauschen. Wir haben eine ordentliche Todo-Liste mitgebracht. Die wir gemeinsam mit Mike abarbeiten wollen.

Mehrere Flüssigkeitsverluste an Verteilergetriebe, Getriebe, Tank und Motor sollen behoben werden. Präventiv möchten wir die Kühler- und Turboschläuche austauschen. Dazu haben sich im letzten Jahr viele kleinere Macken angesammelt.  Während zum Beispiel eine Tür nicht sauber schließt, können wir eine andere nicht öffnen, die dritte lässt sich nicht abschließen und die vierte nicht von außen aufschließen. Meine Versuche diese Dinge einzustellen, haben es nur noch schlimmer gemacht. Was sonst noch auf uns zukommt, wollen wir bei einer gemeinsamen Probefahrt und einem detaillierten Check feststellen.

Wir teilen auf Facebook unser Vorhaben und bekommen von vielen Lesern den Rat, dass wir doch verschiedene Werkstätten vergleichen sollen, einen Kostenvoranschlag einholen sollen und uns auf eine teure Rechnung einstellen sollen.

Das funktioniert auf so einer Reise aber nicht immer. Mike ist Land Rover Experte. Er restauriert und repariert seit vielen Jahren vorrangig Defender und teilt sein Wissen auf Youtube. So etwas in Kanada zu finden ist nicht einfach.  Daher ist mein Plan so viel Arbeit wie ich kann selbst zu erledigen und den Rest gemeinsam mit Mike anzugehen. Dabei möchten wir gar nicht über die Kosten reden. Wir haben Mike mitgeteilt, dass wir auf unser Budget achten müssen, wenn wir nach dem Werkstattaufenthalt weiterreisen möchten und er hat das hoffentlich verstanden.

So geben wir mit einer ordentlichen Portion Vertrauensvorschuss Gas und beginnen mit der Probefahrt. Er stellt fest, dass unsere Lenkung ein Problem hat, sich das Fahrzeug sonst sehr gut verhält. Neue Federn, wie ich es vermutet habe, sind nicht notwendig. Dafür brauchen wir ein neues Lenkgestänge, das vom Lenkrad zum Lenkgetriebe führt.

Innerhalb der nächsten zwei Tage möchten wir das Getriebe rausholen, den Tank entfernen und alles andere prüfen, damit wir wissen, welche Teile wir benötigen. Das läuft auch erstaunlich gut. Mit Bester Laune lerne ich jede Stunde Neues. Wir beseitigen die ersten Undichtigkeiten und bauen den Tank nach einer Druckprüfung sogar schon wieder ein. Wir brauchen also vorerst keinen neuen Tank. Der Schweißpunkt aus Kirgistan hat gehalten, aber an ein paar anderen Stellen haben wir Diesel verloren.

Und da sitzt der Tank schon fast wieder

Die Probleme werden von Tag zu Tag allerdings mehr. Immer wieder lassen sich Schrauben nicht öffnen, brechen ab oder anderes dauert länger als erwartet. Als wir die Teile dann bestellen, versaut es der Lieferant und wir müssen anstatt drei Tage satte 6 Tage auf Teile warten. Mike und ich nehmen das zum Anlass den Motor ebenfalls aus dem Auto zu holen. So können wir viel einfacher Dichtungen tauschen und dann den ganzen Antriebsstrang wieder einbauen.

Premiere für mich und vielleicht auch für Calimero – das Herz wird herausgenommen
Spannend wie es ohne Motor aussieht!
Pause muss auch mal sein!

Anstatt die Wartezeit auf Teile zu vertrödeln, werde ich zum Gehilfen von Mike. Ich lerne so etwas über die Technik vom 200 TDI Motor und auch über den Ein- und Ausbau vom Lenkgetriebe. Da mir das nicht allzu kompliziert erscheint, hol ich das Lenkgetriebe ebenfalls aus unserem Auto raus und wir prüfen es gemeinsam. Eine Öldichtung ist dabei schon sehr hart und wird vorsorglich ausgetauscht. Natürlich erhoffe ich mir auch einen angenehmeren Preis, da ich ihm zur Hand gehe.

Mike beim Zusammenbau meines Verteilergetriebes!
Mikes Teststation für Lenkgetriebe. Auch meins durfte da rauf!

Während ich schraube, kümmert sich Claudia um Tuco, der seine Beißhemmung immer noch nicht komplett im Griff hat. Allerdings gibt es da noch einen weiteren Bewohner in Mikes Werkstatt, Rupert! Rupert ist ein Waschbärbaby. Mike hat Rupert vor der Werkstatt halb tot gefunden und wieder aufgepäppelt. Nun lebt der Waschbär temporär in der Werkstatt, bis er wieder ausgewildert wird.

Rupert!

Der Kleine ist unfassbar süß, kraxelt überall hinein und hinauf, aber kann beim Schrauben auch sehr nervig sein. Wenn man unter dem Auto liegt, hat er nichts Besseres zu tun, als mit meinen Haaren einen Machtkampf auszutragen oder die Ratsche anzugreifen. Wenn Flüssigkeiten wie Öle oder Kühlflüssigkeit im Spiel sind, muss man ebenfalls höllisch aufpassen, denn Rupert liebt es darin zu plantschen. Überall führen seine öligen Pfotenabdrücke durch die Werkstatt.

Immer mitten im Geschehen, Rupert am Start!

Mit Tuco kann sich Rupert allerdings nicht so richtig anfreunden. Dafür macht es ihm ungemein Spaß, sich von hinten auf wenige Zentimeter an Tuco hinzuschleichen und ihn dann anzuknurren, falls Tuco spielen will.

Tuco will Spielen – Rupert ist sich nicht sicher!

Du merkst vielleicht schon, langweilig wird es bei uns in der Werkstatt nicht. Da wir den beiden nicht trauen, Rupert aber immer unsere Nähe sucht, müssen wir Tuco dauerhaft im Auge behalten.

Rupert mal wieder im Anmarsch

Glücklicherweise dürfen wir bei Mike auf dem Hof campen und seine Toilette nutzen. Das Wetter ist so warm, dass wir draußen duschen können, meine Dreckschicht wird trotzdem von Tag zu Tag intensiver. Zweimal bekommen wir sogar Besuch. Dominik haben wir bereits auf der Messe: „Abenteuer Welt“ in Köln getroffen. Jetzt ist er selbst vor vier Wochen im Camper aufgebrochen und besucht uns für zwei Nächte in der Werkstatt. Auch Regina (Claudias Dauerwellen-Model bei der Gesellenprüfung) und Zico kommen für einen Abend vorbeigefahren, die auf Konferenz in der Nähe waren.

Dominiks Ford passt nicht so ganz auf den Hof, wird aber trotzdem toleriert!

Als dann endlich die Teile aus England kommen, können wir weitermachen. Wir legen die neuen Dichtungen an, schrauben neue Ölleitungen an, tauschen Türschlösser und -Griffe aus, wechseln die Wischergtriebe aber bereiten vorrangig den Antriebsstrang darauf vor, wieder ins Fahrzeug eingebaut zu werden.

Der beinahe fertige Antriebsstrang

Dieser findet dann auch innerhalb von nur 6 Minuten wieder seinen angestammten Platz in unserem Auto und am Abend haben wir alles den ganzen Antriebsstrang auch wieder ordentlich befestigt.

 

Hochzeit?!
Erst eintauchen, dann nach vorne Kippen.
Mit dem Gabelstapler heben wir das Getriebe von innen an, um mit genug Platz alles an seinem Platz zu verschrauben.

Doch mit jedem weiteren Tag kommen weitere Probleme auf. Unser Zahnriemen ist so weit vorne gelaufen, dass er Spuren am Gehäusedeckel gezogen hat. Das muss korrigiert werden. Außerdem ist das Timing nicht korrekt eingestellt. Allein dafür brauchen wir beinahe sechs Stunden. Beim Zusammenbau passiert dann etwas richtig Blödes. Die Befestigung für die Kühlerrad-Rolle bricht ab! Das bedeutet eigentlich, dass wir einen neuen Gehäuse-Deckel benötigen. Bei einem Bier kommt aber Mike auf die Idee, dass wir das andersweitig lösen können. Er kennt jemanden der das Teil anfertigen kann. Tatsächlich haben wir bereits einen Tag später ein Ersatzteil und können weitermachen.

Motor drin, aber immer noch jede Menge Arbeit

Mit jedem Schritt werden meine Arme lahmer, mir schmerzt jeder Muskel und meine Nerven werden blanker. Ich möchte einfach nur fertig werden. Mike zieht sich etwas zurück, da er auch andere Projekte an der Backe hat. Ich fluche laut vor mir her, während die Arbeit immer langsamer wird. Die Ölwannendichtung hat ein Leck, das wir vor dem Einbau nicht gefunden haben, die Bremsen müssen noch entlüftet werden und die Schutzbleche für die hinteren Bremsen sind kaputt. Dazu ist der Innenraum noch ein Kabelsalat und vorne müssen alle Schläuche ran.

Ich werde müde und nölig!

Was sich recht einfach anhört, kommt abrupt zum Stoppen, wenn mal wieder eine Schraube abschert, der Motor nicht starten will, die Rückfahrleuchte dauerhaft leuchtet weil ich Blödsinn verkabelt habe oder ein Plastikteil beim anschrauben bricht. Meine Ratlosigkeit wird größer anstatt kleiner und ich muss Mike immer wieder von seinen anderen Themen zurückholen.

Rupert hat immer wieder gute Tipps für uns.
Kleines Nebenprojekt – die Handbremse braucht eine Überholung
Sieht der Motorraum nicht gut aus?

Am liebsten würde ich ihm sagen: „Mach du das alles … ich bezahl das gerne.“ Mein Stolz und mein Geiz lassen das dann aber doch nicht zu und so kann ich nach 14 Tagen, körperlich und nervlich entkräftet, endlich sagen – „Auf zur Probefahrt.“

Ich tanke voll und erledige ein paar Dinge um den überholten Calimero zu testen. Einzig eine Schlauchschelle am Dieseltank braucht noch zwei Umdrehungen mehr. Ansonsten läuft alles wie geschmiert. Der Motor läuft entspannter als vorher, die Lenkung ist gut – ALLE Türen schließen und öffnen ordentlich und vor allem haben wir KEIN Leck. Auch nach einer ausgiebigen Fahrt und längerem Parken können wir kein Leck feststellen. Das ist vermutlich eine Premiere für dieses Fahrzeug.

Tuco wartet auf das Ende des Projekts!

Der Vertrauensvorschuss hat sich gelohnt. Mike verrechnet uns um die 3100 Euro für all die Ersatzteile und seine wertvolle Unterstützungsarbeit. Das ist nicht nur fair, das ist grandios und herzlich. Glücklich, entkräftet und ein paar Kilogramm leichter (vielleicht ist das aber auch nur Einbildung), können wir uns endlich auf den weiteren Weg nach Westen machen. Natürlich bleiben wir mit Mike in Kontakt. Immerhin möchten wir ja wissen, wie es mit Rupert weitergeht.

Was wir im Detail alles am Fahrzeug gemacht haben, kannst du in unserem Wartungslogbuch nachlesen.

Videos von Britannica Restorations, die während unserer Zeit bei Mike auf Basis unseres Fahrzeugs entstanden sind findest du hier:

Auch wir haben ein paar Videos während dem Projekt gemacht. Die schneide ich noch zu einem kleinen Youtube Video zusammen, bleibt gespannt!

2 comments

  1. Wow, was für eine Arbeit! Ich gratuliere zu eurem Durchhaltewillen und die unerschütterliche Liebe zu eurem Landy!
    Wo eure Reise noch weiter geht, haben wir unsere vor einer Woche beendet. MrRolli, unser Japanpickup, hatte keine englischen Gene und hat nicht nur dicht gehalten 😀😎

    Remo und ich drücken euch weiterhin die Daumen und unvergessliche Momente👍

    1. Vielen Dank ihr beiden! Manchmal muss man einfach durch so etwas durch. Vieles war ja präventiv beziehungsweise wäre kein großes Problem gewesen.

      Liebe Grüße aus den USA! 🙂

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