MontanaUSAWeltreise Tagebuch

In Montana dem Winter fast immer einen Schritt voraus

Wir verlassen den Yellowstone Nationalpark nach Nordwesten um dort direkt das nächste Highlight anzufahren. Der Beartooth Highway soll eine der schönsten Passstraßen der USA sein. So etwas lassen wir uns auf keinen Fall entgehen. Langsam schrauben wir uns immer höher und ergötzen uns bereits an den ersten Aussichten zurück in Richtung Pilot Peak und Index Peak, zwei sehr markante Gipfel am Beginn des Highways.

Vor allem der Pilot Peak sticht heraus!

Immer weiter geht es nach oben, bis wir schlussendlich die Passhöhe auf 3300+ Metern erreichen. Dort erwartet uns total patriotisch die USA Flagge. Wir kraxeln ein paar Meter in jede Richtung um die großartigen Ausblicke zu genießen. Man sieht von hier auch den Beartooth Mountain, nachdem dieser Highway benannt ist.

Diese Passstraße sind wir entlanggefahren
Und in diese Richtung geht es weiter – grandioser Ausblick in zwei Täler
Claudia, Calli und Tuco posieren vor der amerikanischen Flagge
Der Beartooth Mountain!

Gemächlich cruisen wir vom Pass in Richtung Red Lodge. Nach 7 Tagen im Yellowstone Nationalpark müssen wir Wäsche waschen, tanken, ein bisschen einkaufen und gönnen uns auch mal einen Restaurantbesuch. Immer wieder sprechen die Leute in Red Lodge über Schnee und ob der Wetterumschwung in zwei Tagen diesen mitbringt. Wir nutzen die Zeit davor, um mal wieder klettern zu gehen.

Sieht natürlich nicht so steil aus von oben – links sieht man die umgestürzten Bäume.

Seit Lander waren wir nur wandern und haben das Kletterseil nicht gebraucht, das möchten wir ändern. Immerhin möchte ich ja fitter und besser werden. Wir suchen uns ein paar einfache Routen aus, müssen aber schon beim Zustieg mächtig kämpfen. Steil geht es ein Geröllfeld hinauf, das voll von umgestürzten Bäumen und Gestrüpp ist. Tuco müssen wir über manche Bäume heben und als wir endlich am Fels ankommen sind wir schon völlig aus der Puste. Die Kletterei ist dazu noch ein wenig merkwürdig, die Bohrhaken auch nicht mehr die neuesten. Wir haben das Seil zudem nicht noch einmal durchgezogen und das rächt sich massiv beim zweiten Aufstieg, den ich mache um die Expressschlingen wieder zu entfernen. Das Seil kringelt sich immer wieder an mir auf, das wäre bei einem Sturz total doof! Auf einmal fühlt sich Nachstiegs-klettern wie der Vorstieg an, den ich auch schon komisch fand.

Zum widerspenstigen Seil, habe ich auch noch zwei Traversen in der Route, die es für Claudia ordentlich erschweren mich zu sichern (das Seil durchzuziehen fällt schwerer). Mit ein paar Bandschlingen hätte ich das deutlich besser machen können – Anfängerfehler.

Als wir dann Route Nummer zwei und drei nicht finden, geben wir das Klettern für den Tag auf. Manchmal läuft es einfach nicht wie geplant. Wir fahren zurück nach Red Lodge neben den Campingplatz der bereits zu hat und verbringen unsere zweite Nacht dort, aber erst nachdem wir die Region noch ein wenig erwandern. Die Herbstfarben sind wunderschön und wir können uns nicht vorstellen, dass der Winter so schnell schon kommt – Die Nacht zeigt es uns allerdings anders. Wieder einmal ist es ordentlich kalt und am Morgen haben wir eine kleine Schicht Schnee auf Calimero.

Winterstimmung in Red Lodge
Claudia ist verhalten, was das Wetter angeht, Tuco ist fit!
Der Nebel zieht ein und überzieht die Bäume mit einer Eisschicht

Ich finde den Winter gar nicht so schlimm, trotzdem verursacht er deutliche Startschwierigkeiten am Morgen. Der Weg aus dem Schlafsack in die warmen Klamotten muss auch erst einmal überwunden werden, während Tuco in Betriebstemperatur bereit zum Rennen und Spielen ist.

Von Red Lodge möchten wir nach Westen fahren. Bozeman, Helena und Missoula sind die Städte an denen wir uns orientieren.  Bei Bozeman wandern wir auf den Mt. Chestnut und auch dort zeigt sich der Winter schon etwas. Nebel zieht über den Berg und lässt die Baumwipfel ordentlich einfrieren. Sicht haben wir keine auf dem Gipfel, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Mein Ziel ist es, mindestens einmal die Woche eine Tour zu laufen, die 600 oder mehr Höhenmeter hat. Mal sehen ob das klappt!

Unten Herbst, oben Winter!
Die Farbpracht ist wundervoll, trotz des Nebels!
Ein bisschen Eisig, würde ich sagen!
Auf dem Weg zum Gipfelgrat
Auf dem Gipfel mit Tuco als Wärmflasche!

In Bozeman selbst versuchen wir uns an einer neuen Taktik. Duschen müssen wir ja sowieso und meistens bezahlen wir dafür zwischen 5 und 7 Dollar pro Person. Warum bezahlen wir nicht ein bisschen mehr und gehen in eine Kletterhalle. Ich kann Routen über meinem Niveau auf sicherem Terrain testen, auf Kraft trainieren und Bouldern gehen um dann danach die wohlverdiente Dusche zu genießen.

Bei Helena regnet es zwar ein wenig, aber wir können trotzdem den Mt. Helena besteigen (nur 350 Höhenmeter – über den Powerline Trail in nur 40 Minuten bis zum Gipfel) und an wundervollem Granit einige Routen klettern, bevor es doch zu nass wird und wir weiter nach Missoula fahren. Auch dort nutzen wir die Kletterhalle für ein ordentliches Workout und eine Dusche. Das Konzept gefällt uns beiden!

Eine wundervolle Route am Mount Helena – siehst du Claudia?
Selfies sind nicht so mein Ding

Während ich die letzten Klimmzüge mache, geht Claudia mit Tuco in den lokalen Dogpark um Tuco mit anderen Hunden spielen zu lassen. Diese Dogparks gibt es hier in fast jeder Stadt. Meistens nutzen die faulen Hundebesitzer das als Spaziergangsersatz. Allerdings ist es für uns eine Wohltat, dass Tuco mit anderen Hunden spielen kann.

Typische Dog-Park Situation

Von Missoula könnten wir nun in den Glacier Nationalpark fahren, aber wir entscheiden uns dagegen. Schnee ist angesagt, wobei wir in Richtung Washington eine bessere Wetteraussicht haben. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, denn wir werden nächstes Jahr im frühen Sommer über den Glacier Nationalpark zurück nach Kanada fahren.

In Kanada werden wir dann aller Voraussicht nach unseren ersten großen 2,5 Jahre langen Roadtrip über drei Kontinente beenden. Wir haben uns lange Gedanken darüber gemacht, wie wie und wo wir den Trip beenden. Verschiffen wir nach Russland und fahren heim, oder geht es doch direkt nach Hause? Ist die Option da, einfach weiterzufahren? Nein. Wir planen schlicht und einfach in Vancouver unsere Reise zu beenden.

Was wir danach planen? Dazu werden wir im nächsten Beitrag ein bisschen mehr schreiben. Jetzt geht es aber erst einmal in die North Cascades von Washington! Diese Bergkette liegt tiefer als die Rocky Mountains und ist näher am Pazifik. Falls es uns zu kalt wird, können wir innerhalb von nur einem Tag ins Warme fahren.

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