PakistanWeltreise Tagebuch

Von Skardu in den Deosai Nationalpark

Deosai Nanga Parbat

Wir haben geschimpft und geflucht über unseren Calimero. Dann haben wir einen Tee getrunken, ein paar der Probleme am Vortag bereits gelöst, erstmal eine Nacht darüber geschlafen und uns an die Problemlösung gemacht.

Um neun Uhr stehen wir pünktlich vor der Werkstatt und warten erst einmal eine Dreiviertelstunde. Aber als dann endlich der Mechaniker auftaucht geht alles relativ schnell.

Wir bitten ihn nur darum, die hintere Radnabe zu richten. Dort ist uns eine Schraube abgebrochen, aber auch drei andere Schrauben sehen richtig bescheiden aus. Die Schraubenbeschaffung endet im Kauf verschiedenster Schräubchen, aber das Ergebnis lässt sich sehen. Wir haben die Radnabe bereits in der Türkei, in Georgien und im Iran anfassen müssen. Hoffentlich hält es diesmal.

Wir finden es äußerst amüsant, dass eine Person arbeitet und vier Personen zuschauen. Wer hier arbeiten sollte oder Kunde ist, bleibt schleierhaft.

Die Hinterhofwerkstatt verlassen wir 10 Euro ärmer und treffen nur 200m weiter auf Karin und Dave mit ihren Bikes. Dave verhandelt gerade um einen Kompressor. Die beiden möchten nach Hushe fahren, das war auch unser Plan. Nachdem unser Calimero aber etwas schwachbrüstig zu sein scheint, möchten wir lieber langsam in die „richtige“ Richtung fahren.

Wir lassen Calli einen Moment stehen und gehen einkaufen. Auf der Rückkehr von den Shops laufen wir an einem weißen MAN vorbei. Erst auf dem zweiten Blick fällt mir auf, dass da ein deutsches Kennzeichen dran ist.

Der Truck gehört Ruth und Jürgen. Die beiden reisen seit mehreren Jahren und wir verabreden uns kurz hinter Skardu gemeinsam zu campen.

Am verabredeten Stellplatz angekommen, möchte Claudia, dass wir nicht direkt am Weg campen, sondern unten am Wasser. Gesagt, getan. Wir fahren ans Wasser und stellen uns äußerst mühselig gerade auf.

Wir stehen gerade … aber nur kurz

Das hält allerdings nur so lange, bis die Polizei kommt und uns darauf aufmerksam macht, dass wir da unten nicht parken dürfen. Das ist ein Trinkwasserreservoir. So war die halbe Stunde ausleveln für den Hintern und wir fahren zurück auf den geraden Parkplatz oben am Weg.

So schlecht ist der Platz allerdings nicht!
Die Motorhaube, ein zentrales Element unseres Lebens. Sie dient als Kocherstellplatz, Sockentrockner und Abstellplatz für alles was man so findet.

Am nächsten Morgen fahren wir in den Deosai Nationalpark. Die Straßen sind sehr holprig, alles voll mit Steinen. Wir sorgen uns ein wenig um die weiche Spurstange, kommen aber wirklich gut durch. Ruth und Jürgen brauchen mit dem MAN deutlich länger, da sie in Schrittgeschwindigkeit fahren müssen.

Nach anfänglicher Sorge um die Spurstange finde ich mich am Mittag beim Spielen im Deosai Nationalpark wieder. Wir fahren die Abkürzungen zwischen den Kehren und geben Gas, denn das macht Spaß.

Deosai Nationalpark
Fahren im Deosai Nationalpark macht Spaß!

Wir finden ein schönes Nachtlager am Sheosar See im Deosai Nationalpark und verbringen einen zweiten Abend gemeinsam. Im Gegensatz zu unserem Calimero ist der MAN für Gäste ausgelegt. Es ist gemütlich und warm dort drinnen und wir werden mit leckerstem Essen und guten Getränken versorgt. Nur für die Nacht müssen wir zurück in unser Reisemobil. Es ist kalt, aber erträglich.

Am nächsten Morgen ruft uns Jürgen. „Der Nanga Parbat wartet.“ Ich verstehe sofort, ziehe mich blitzschnell an und folge Jürgen nach draußen. Da erscheint der Nanga Parbat mit seinen 8125m am Morgen glasklar am Horizont. Gestern haben wir dort hinten nur Wolken gesehen.

Heute hat Jürgen Geburtstag und ein Jahr zuvor war er am Mount Everest Basecamp, jetzt unterhalb des Nanga-Parbat mit glasklarem Himmel am Morgen. Das ist doch mal ein Geburtstagsgeschenk.

Nach einer kleinen Fotosession verziehe ich mich wieder ins Bett, während Jürgen und Ruth ihr Frühstück vorbereiten. Die ersten Touristen kommen an und wollen Fotos mit Jürgen machen. Als ich von Jürgen höre: „ … but firearms are forbidden here“, stehe ich doch nochmal auf. Die Jungs zeigen ihm ganz stolz ihre Pistole und wollen ein Foto mit ihm und der Pistole machen. Doch dann  fängt einer von ihnen an zu singen und sie verschwinden zum Morgengebet.

Bevor sie dann schlussendlich gehen, versucht einer der Männer uns für den Islam zu taufen. Man sieht ihnen auch vom Aussehen an, dass sie sehr gläubig sind.

Am Abend zieht die Kälte wieder deutlich an und ich friere ein wenig im Schlafsack. Die Wärmflaschen sind an den Füßen und die Felle über dem Schlafsack. Ich trage einen Buff am Hals, und eine warme Mütze auf dem Kopf. Eigentlich ist nur die Nase ungeschützt. Es muss deutlich unter Null Grad gehabt haben, denn am nächsten Morgen sind unsere Wasserkanister außen am Fahrzeug komplett durchgefroren.

So beschließen wir keine weitere Nacht auf 4200m im Deosai Nationalpark zu verbringen und gen Süden zu fahren. Wir verabschieden uns von Ruth und Jürgen, bedanken uns für die Fürsorge und die tollen gemeinsamen Tage und ziehen weiter.

Auf dem Weg über Astore zurück zum Karakorum Highway, haben wir noch einmal die Chance den Nanga Parbat von der Nähe zu sehen. Das ist einfach ein beeindruckender Berg (oder wie Claudia sagt “Ist doch eigentlich nur ein großer Stein mit Eis”).

 

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One comment

  1. Grandiose Reise!! Ach wie beneiden wir euch hier zuhause in Bayern….

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