TürkeiWeltreise Tagebuch

Die Killerbienen von Pergamon

Als wir Istanbul verlassen und endlich asiatische Luft schnuppern dürfen, hoffen wir auf ähnlich tolle Erlebnisse wie bisher auf dem Europäischen Kontinent. Wir fahren erst einmal eine ganze Weile nach Westen, denn wir möchten wieder ans Mittelmeer. Leider hat die Türkei ihre Sehenswürdigkeiten nicht gleichmäßig durchs Land verteilt. Pamukkale, der Olympos Nationalpark und auch Pergamon und Ephesos liegen im Westen / Südwesten der Türkei.

Auf dem Weg Pergamon halten wir an einem Campingplatz, der erste seit Meteora. Wir wollen duschen und Wäsche waschen, was beides dringend notwendig ist. Doch der Campingplatz hat zu. Die Saison beginnt erst Mitte Mai. So stellen wir uns direkt daneben an einen netten Strandabschnitt. Die Bewohner haben kein Problem damit und sagen, dass wir einfach vorbeikommen sollen, wenn wir was brauchen. Wie nett!

Claudia findet zwei neue Schützlinge am Strand, die uns nach dem ersten Liebkosen auch nicht mehr von der Seite weichen. Wir füttern sie mit Tomatenreispampe am Abend und am Morgen, bevor wir dann weiterfahren. Die Welpen sind nicht ganz allein, ihre Mutti (oder große Schwester?) ist oft bei ihnen.

Hundewelpen mit großem Hunger
Hundewelpen mit großem Hunger

Wir nehmen weiter die Landstraße, die zweispurig ausgebaut ist in Richtung Bergama. Dort findet man die antiken Stadtruinen von Pergamon. Wir tanken Wasser an einer Quelle und suchen ein wildes Plätzchen zum stehen. Immerhin haben wir am Strand geduscht und die Wäsche können wir auch von Hand waschen.

Gesagt getan, am Stausee von Bergama, fahre ich auf einen Feldweg hinaus. Hier stehen viele Bienenkästen, daher fahre ich zweihundert Meter weiter. Wir steigen aus, schließen ab (hier ist eben noch ein anderes Auto langgefahren) und wir laufen einen Weg hinunter ans Wasser.

Plötzlich schreit Claudia von Hinten: „Ahhh, ich hab Bienen im Haar“. Ich drehe mich um und sehe, wie sie versucht die Bienen herauszubekommen. In dem Moment geht es auch bei mir los, mehrere Bienen vergraben sich in meinen Haaren. Ich gehe schnell vom Feld weg in Richtung Auto zurück, laufe am Auto vorbei und merke, dass die Bienen mir folgen, egal wohin ich laufe. Also Planänderung. Ab zum Auto. Bei der galanten Kehrtwende verliere ich meine Sonnenbrille vom Kopf. Bis ich den Schlüssel gefunden habe und aufgeschlossen habe, sticht es gewaltig unter den Haaren. Ich bin getroffen! Ich springe ins Auto, schließe die Beifahrertür von innen auf, merke aber, dass ich noch ein paar Bienen auf dem Kopf habe.

Ich rufe nach Claudia und starte schon einmal Calimero, sie kommt nach kurzer Zeit dazu gesprungen, völlig aufgelöst. Ich lege den Rückwärtsgang ein und fahre erst einmal 300 Meter weg. Dort bekommen wir relativ leicht die anderen Bienen los.

Dann sehe ich das Ausmaß der Geschichte. Claudia meint, mindestens 10 mal gestochen worden zu sein. Sie ist hingefallen. Hüfte, Wade, Ellenbogen und Hand sind aufgeschürft.

Wir fahren an der Unglücksstelle vorbei, alle Klappen und Fenster zu. Da sehe ich meine Brille liegen, völlig zerstört. Da bin ich wohl rückwärts drüber geheizt. Naja, ist ja nur Material. Zwei Kilometer später, weit weg von Feldern und Bienen halten wir an.

Claudia reduziert ihre Aussage auf fünf Stiche. Wir holen die Pinzette und fangen an, zwischen den Haaren des jeweils anderen nach den Stacheln zu suchen. Mit der Zeit klärt sich das Bild, wir finden drei Stachel bei ihr und einen bei mir.

Danach geht es an die Wundversorgung von Claudia. Einige der Stellen werden direkt desinfiziert. Wir entscheiden den Campingplatz in Bergama anzufahren. Kein Wildcamping mehr heute! Dort versorgen wir uns noch einmal, prüfen nochmal die Kopfhaut und erholen uns von dem Schock. Siegessicher poste ich schon auf Facebook, dass alles wieder in Ordnung ist. Doch so ganz stimmt das nicht.

Claudia mit Kriegsverletzungen

Mitten in der Nacht weckt mich Claudia, dass ihr schlecht sei und der Kreislauf komische Sachen macht. Wir bleiben eine Weile wach, doch schlafen irgendwann wieder ein. Die erste Internet-Recherche ergab nichts bedenkliches. Das Krankenhaus ist Gott sei Dank nur 4km entfernt. Wie gut es ist, möchten wir aber ungern testen.

Am nächsten Morgen geht Claudia zu den Waschräumen und kommt zurück und klagt über ihren Kreislauf. Ihr geht es gar nicht gut. Das ist dann auch mir zu viel, daher kontaktiere ich einen befreundeten Arzt in Deutschland (WhatsApp Telefonie ist Klasse!!!). Dieser rät uns, weitere 24h in der Nähe des Krankenhauses zu bleiben, die Cetericin zu nehmen die wir haben, und das zu beobachten. In dem Fall haben wir jetzt Waschtag, WLAN Tag, Fotobearbeitungstag … also ich. Claudia ruht sich aus (lässt sich aber nicht davon abbringen mir beim Waschen zu helfen!)

Wäsche waschen unterwegs
Waschtag!

Auch am nächsten Tag ist sie noch schlapp, daher besuche ich die antiken Stätten von Pergamon alleine. Die Idee mit dem Auto dorthin zu fahren, zu parken und dann dorthin zu gehen (100m), funktioniert nicht. Sonst sitzt ja Claudia ohne Auto auf dem Campingplatz. Also laufe ich. 6km hin, 6km zurück. Easy! Es hätte auch einen Bus gegeben. Aber so erkunde ich noch ein wenig von der Stadt.

Bei den antiken Stätten angekommen, sehe ich, dass der eingezeichnete Wanderweg zugesperrt ist. Ich laufe den (2km längeren) Weg außen lang und finde das alles ziemlich ungerecht. Da sehe ich plötzlich ein paar Ziegenpfade. Die sind natürlich nicht eingezeichnet. Wir sind ja auch nicht in Deutschland, wo gefühlt jeder Wildwechsel auf den Karten zu finden ist. Wenige Kehren später befinde ich mich mitten in der Unterstadt von Pergamon.

Pergamon Unterstadt
Unterstadt von Pergamon
Pergamon Unterstadt
Unterstadt von Pergamon

Völlig allein wandere ich durch die Unterstadt. Völlig allein? Die anderen Touristen fahren mit der Seilbahn hoch (10 Lira eine Strecke) und trauen sich nicht den Berg hinunter. Immerhin müsste man ihn dann auch wieder hinauf.

Hier oben ist der perfekte Ort um mal wieder etwas neues zu beginnen. Geocachen. Die moderne Schnitzeljagd ist natürlich sau-interessant, wenn man sich so gar nicht irgendwo auskennt. Nach einiger Sucherei finde ich den ersten Schatz auf unserer Reise, besuche die restlichen Stätten und fahre dann mit der Seilbahn herunter. Ich freue mich schon, denn oben steht niemand zur Kontrolle. Erst unten werde ich zur Kasse gebeten.

Fälschlicherweise wird fast überall geschrieben, dass der Eintritt zu Pergamon 20 Lira kostet. Das ist falsch (oder ich bin es aus Versehen umgangen). Da ich nur heruntergefahren bin, oben nur durch das Exit-Drehkreuz gegangen bin, habe ich nur 10Lira gezahlt. Wer weiß, wer weiß!

Pergamons Ruinen
Das beeindruckende Theater von Pergamon
Einige der Reste vom Athenatempel von Pergamon
Athena Tempel Pergamon
Imposante Steinsäulen überall. Was man mit Griechenland verbindet, kann man auch in der Türkei finden
Der hier steht auch völlig unbeindruckt von den Touristen herum

Auf dem Rückweg werde ich noch Zeuge eines besonderen Spektakels, einer Hochzeit. Die Jungs tanzen, trinken Bier und freuen sich für Ihren Kumpel, der jetzt die Freuden des Ehelebens erleben darf. Ich werde sofort zu einem Bier und einem Tänzchen aufgefordert und kann natürlich nicht Nein sagen.

Hochzeitstanz der Männer – total spannend!
Hochzeit Türkei
Mit Trommel und einer Art Klarinette wird Musik gemacht, zu der getanzt wird. Jeder darf einmal mit dem Bräutigam tanzen, auch ich!

Claudia hat derweil immer noch etwas von den Bienen. Noch einige Tage nach dem Stich wandern die Schwellungen durchs ganze Gesicht. Erst gibt es ein Horn auf der Stirn, dann wird die Nase dick und zu Guter letzt, werden Augen und Lippen immer dicker. Die Lympknoten sind angeschwollen und tun weh. Die Flecken an der Hüfte verändern ebenfalls täglich ihre farbe. Grün, Blau, Lila und alle Mischtöne dazwischen. Da hat es sie ganz schön erwischt.

Aber wir können jeden Tag wieder mehr unternehmen. Dennoch sehen wir uns mittlerweile zweimal um, wenn es anfängt zu summen.

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5 comments

  1. Hallo ihr beiden,

    ich hoffe Claudia geht’s wieder gut! Falls nicht, weiterhin gute Besserung!

    Kennt ihr die Weithalskanister Waschmaschine? Halb mit Wasser füllen, bissel Waschmittel rein, Schmutzwäsche dazu und rauf aufs Dach. Am Abend ist die Wäsche dann sauber 🙂

    Schöne Grüße
    Klaus

    1. Hi Klaus,
      uns gehts wieder super! Die Weithalskanister Waschmaschine ist super. Man muss trotzdem danach noch die Wäsche ausspülen, auswringen und aufhängen 😉

      Cheers,
      Claudia und Bernd

      1. Mir scheint du hast das im Gegensatz zu mir schon ausprobiert 😉

        Schöne Grüße
        Klaus

  2. Beneidenswert! Wünschen Euch viel Spaß und bestes Gelingen ffür Eueren “kleinen Trip” mit Calimero. Verfolgen auch alles auf FB 🙂
    Gruß Marlon Dgn

    1. Danke dir Marlon! Auf Facebook kommen immer mal wieder kleinere Geschichten auch zu Tage. Den richtigen Kontext findest du dann hier auf der Webseite 🙂

      Liebe Grüße aus der Türkei,

      Claudia und Bernd

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