TürkeiWeltreise Tagebuch

Die letzten Tage in der Türkei

Ugur (gesprochen U-ur) haben wir bereits am zweiten Tag in der Türkei, in Istanbul kennengelernt. Dort haben wir zufälligerweise meinen Geburstag in der Werkstatt von Huseyin Sakalli gefeiert. Er erwähnt schon dort, dass wir ihn gerne auf seiner Farm in der Nähe von Sivas besuchen dürfen, wir sollen nur zwei bis drei Tage vorher Bescheid geben, da er nicht immer dort ist, sondern viel beruflich reist und eigentlich in Istanbul lebt.

Wir wollen ein wenig in das Farmleben reinschnuppern und freuen uns mal wieder auf eine warme Dusche und die Möglichkeit Wäsche zu waschen. Daher melden wir uns bei ihm und bekommen gleich die Information, dass es klappt.

Normalerweise ist Ugur alleine dort und beaufsichtigt die Farm und deren Arbeiter, die Familie war schon vier Jahre nicht mehr da. Diesmal ist die ganze Familie an Bord und wir freuen uns, alle kennenzulernen.

Kaum angekommen, verliebt sich der kleine Aslan schon in meine Claudia und lässt sie kaum mehr los. Er zeigt ihr seine Autosammlung und versucht so, ihr Herz zu erobern. Das gelingt natürlich spielend. „This is a green car, a black car, a crocodile car…“.

Aslan und Claudia – ein Herz und eine Seele

Drei Tage verbringen wir mit Ugur und seiner Familie. Wir bekommen ein Einblick in das Farmleben, die alltäglichen Problemchen, das Familienleben und vor allem in die türkische Küche. Denn eigentlich essen wir von Morgens bis Abends!

Jedes Mahl wird richtig zelebriert. Nicht wie bei uns, dass irgendwas zwischendurch eingeworfen wird. Zum Lunch bekommen wir Suppe aus der Stadt. Claudia ist eher zurückhaltend und entscheidet sich für Hühnchen-Nudelsuppe. Ich wähle, auf Rat von Ugur, beim ersten Mal Hühnermagensuppe, beim zweiten Mal Lammkopf-Knie-Suppe (klingt komisch, schmeckt aber gut!). Abends wird gegrillt. Es gibt Sucuk, Cig Köfte (Bulgur-Köfte), normales Köfte und Lammkeulen.

Türkei Barbecue
Grillparty!

Ugur und ich vertreiben unsere Zeit zwischendurch damit, seine Land Rover Sammlung zu begutachten. Er ist ein absoluter Land Rover Liebhaber und sammelt alte Raritäten, die dann nach und nach restauriert und dann eingelagert werden. Auf seinem Hof hat er einige Land Rover Serie stehen, die sich auch unrestauriert schon sehen lassen. Da habe ich schon schwierigere Projekte gesehen.

Was für ein toller Anblick!

Wir werden über die drei Tage vollkommen in die Familie integriert. Es ist, als wären wir schon immer da. Während wir mit Kindern spielen, der Esel eine Maniküre bekommt, Aksel sich Hähne auf dem Markt aussucht, ich eine Bienentherapie mache, wir uns über Land Rover und Reisen unterhalten und uns durchfuttern, bekomme ich die Chance die Familientage mit der Kamera etwas dokumentieren zu dürfen.

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Wir können nur DANKE sagen und uns auf den Weg in Richtung georgische Grenze machen. Wir verabschieden uns mal wieder herzlichst und fahren los.

Es sind noch circa 800 Kilometer bis nach Georgien. Nach dem ersten Fahrtag finden wir ein kleines Plätzchen, nicht zu weit von der Hauptstraße entfernt, aber außer Sichtweite der Straße. Es ist schlammig und der Regen wird stärker. Da die Steigung aber kaum Nennenswert für einen Defender ist, fahren wir auf die Anhöhe und stellen uns dort hin. Wir klappen das Dach auf und relaxen ein wenig. Die Tage auf der Farm waren anstrengend. Kurz vor Sonnenuntergang kommt auf einmal ein Fiat angefahren. Zwei Männer steigen aus, schleichen ums Auto. Ich ziehe mir meine Schuhe an und möchte sie begrüßen. Sie stellen sich als Polizisten vor und weisen sich mit ihren Plastikkarten aus. Ich bin noch nicht ganz überzeugt, spiele das Spiel aber mit.

Wir erzählen ihnen, dass wir hier campen. Das scheint kein Problem zu sein. Sie möchten unsere Pässe und meinen Führerschein. In der Zwischenzeit wird der Regen immer stärker, der Wind nimmt auch zu. Wir gehen gemeinsam zum Fiat und setzen uns dort hinein, während sie Bilder von den Pässen machen und per Whatsapp (Liebe Ex-Kollegen: So viel zu Datenschutz in anderen Ländern!) verschicken. Ich schaue mich in deren Wagen um. Es sieht alles nach Polizei aus. Polizeikappe, Absperrband und Pylonen, Funkgeräte usw. Es scheint tatsächlich eine echte Zivilstreife zu sein.

Nach kurzer Zeit möchten sie meine Telefonnummern, deutsche als auch türkische. Ich, als gutmütiger Tourist, gebe diese Informationen natürlich gerne her. Auf einmal heißt es jedoch, dass wir zusammenpacken müssen und ihnen folgen sollen. Ich verstehe nicht warum und kontaktiere Ugur. Er übersetzt mir, dass es hier unsicher sei und wir ihnen zur Polizeistation folgen sollen. Also packen wir zusammen und folgen den beiden.

Der Fiat tut sich im Schlamm schwer, er kommt bei einer Abwärtspassage schon bedenklich ins Rutschen. Als es dann das letzte Stück zur Straße wieder hoch geht, ist vorbei. Der Fiat rutscht immer wieder nach rechts zur Böschung hin und kommt keinen Meter mehr vorwärts.

Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen, das ist die Ironie des Schicksals. Ich tuckere, mit einem dicken Grinsen auf dem Gesicht, gemütlich im ersten Gang der Untersetzung an den beiden vorbei. Leider haben die beiden unsere Pässe einbehalten und wollten sie uns zunächst nicht zurückgeben. Also halte ich natürlich vor dem Fiat  an, hole das Bergeequipment und möchte es an ihrem Fahrzeug befestigen. Leider hat der doofe Fiat vorne keine Abschleppöse (wer baut denn sowas!!!). Daher müssen die Sandbleche herhalten. Eine halbe Stunde später und völlig verdreckt, sind beide Fahrzeuge aus dem Schlamm. Die Jungs sind total dankbar und geben uns sofort die Pässe zurück und bitten uns dennoch zur Station auf einen Çay zu folgen. Wir bekommen dort einen neuen Schlafplatz vorgeschlagen bzw. zugewiesen und dürfen endlich in Ruhe schlafen gehen.

Türkei Polizeistation
„leicht“ verschlammt auf der Polizeistation
Wenigstens wurden die Sandbleche auch mal genutzt!

Wir fahren nun also immer weiter gen Osten, durch Regen und Schnee über mehrere 2000m Hohe Pässe. Wir wundern uns immer wieder, wie schnell wir an Höhe gewinnen. Denn es gibt keine Serpentinen. Meist sind die Straßen nur mit leichten Kurven, manchmal sogar kerzengerade gebaut. Die Zweite Nacht auf unserer Fahrt an die georgische Grenze können wir ohne Zwischenfälle verbuchen, Gott sei Dank!

Schnee in der Türkei
Waaaas – damit haben wir nicht gerechnet. SCHNEE
Türkei Stellplatz
Es ist kalt und regnerisch! Wir campen aber auch auf 1750m.

Die Türkei ist für uns ein großartiges Reiseland. Wir konnten die türkische Gastfreundschaft sehr genießen. Das Land bietet eine vielfältige Natur. Durch Huseyin, Ugur und die Land Rover Gemeinde hätten wir uns von Familie zu Familie bewegen können und sind dafür sehr dankbar. Wir hätten jederzeit Hilfe anfordern können, denn die Jungs sind extrem gut vernetzt. Die Facebook Gruppe @hüsoff ist für den Problemfall sicherlich auch eine gute Anlaufstelle.

Die politischen Probleme haben wir kaum mitbekommen. Wenn das Thema der Gespräche doch einmal auf den jetzigen Präsidenten des Landes fiel, wurde selten ein gutes Wort darüber verloren. Die politische Lage finden wir sehr traurig, können wir aber leider nicht ändern!

Auch unser Erlebnis mit der Polizei trübt unsere, natürlich subjektive, Einschätzung auf die Türkei nicht. Die Türkei ist das erste Land, zu dem uns viele abgeraten haben. Wir haben es dennoch gemacht, und bereuen keinen einzigen Tag davon!

Nach 26 Tagen sagen wir nun Goodbye Türkei und passieren die Grenze nach Georgien.

Unsere Reiseinformationen zur Türkei haben wir bereits hier veröffentlicht.

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