IranWeltreise Tagebuch

Die „Einsamkeit“ der iranischen Berge

Nach Täbris zieht es uns wieder in die Berge. Nicht weit von der Stadt soll es wohl ein kleines Dorf geben, dass ähnlich wie in Kappadokien, aus Höhlen bestehen soll. Auch hier hat ein Vulkan dafür gesorgt, dass die Felsen so aussehen.

Ich finde Kandovan ganz nett und ursprünglich. Hier leben tatsächlich noch die Einheimischen Schäfer in den Höhlen. Allerdings ist das Ausmaß von Kappadokien eine andere Hausnummer.

Ein Blick auf das Dörfchen Kandovan
Kamin und Fenster im Fels
Der Wind fegt durch die Gassen von Kandovan.

Von Kandovan führt eine kilometerlange Piste nach Süden, die wir befahren um uns ein Plätzchen in der Einsamkeit zu suchen. Denn nur dort kann Claudia aus ihrer Tunika und ihrem Kopftuch ausbrechen.

Wir finden ein solches Plätzchen nach einer kleinen Offroad-Einlage auf circa 3000 Höhenmetern und bauen unser Camp auf. Auf der anderen Seite des Berghanges sehen wir eine Schafsherde und denken uns, die ist so weit weg. Wir werden unsere Ruhe haben.

Das ist ein ordentlicher Stellplatz – mitten im Nirgendwo
Der Ausblick vom nächsten Hügel

Diese Ruhe genießen wir auch, bis plötzlich die Rufe der Schäfer immer lauter werden und auf einmal auf dem Hügel neben uns hunderte von Schafen erscheinen. Auf einem Stein in der Mitte der Herde thront der Schäfer und überwacht seine Herde. Ein weiterer, sehr junger Schäfer kommt auf dem Esel hinterher. Nach einer kurzen Plauderei und Fotosession, verspreche ich ihm, die Bilder über Telegram zu senden, leider stimmt die Telefonnummer nicht.

Die zwei Schäfer!
Wie eine kleine Armee kommt die Schafherde über den Hügel. Der „Kommandant“ überwacht das Geschehen.

Am nächsten Morgen werden wir durch die Rufe der Schäfer früher wach, als es nötig wäre. Ich schlage die Augen nur halb auf und blicke aus dem Seitenfenster unseres Hubdachs. Die Jungs sitzen keine 20 Meter vom Fahrzeug entfernt auf einer Decke und frühstücken.

Ich stehe auf, begrüße die beiden und bekomme sofort einen Tee. Ich schlage noch dankend das Frühstück aus und dann wird auch schon das Teegeschirr sachte in Tücher eingepackt und in den Packtaschen des Esels verstaut. Der ältere Schäfer zeigt mir noch, dass sie jetzt zum Melken gehen.

Von Kandovan führt unser Weg wieder in Richtung Täbris. Wir hadern lange mit der Entscheidung, wo wir nun hinfahren sollen.

Eigentlich möchten wir in die südlichen Wüstenregionen vordringen, da es dort jetzt schon heiß ist und im Juli nicht besser wird. Auf der anderen Seite haben wir so viel positives von den Bergen im Norden Irans gelesen, dass wir uns doch dazu entscheiden in Richtung der Berge am Kaspischen Meer zu fahren. Auch wenn der Sprit günstig ist, müssen wir nämlich keine unnötigen Kilometer fahren.

Auf dem Weg nach Osten, kurz nach der Umgehungsstraße von Täbris, treffen wir noch einmal die Niederländer, die sich auch auf den Weg in die Berge machen. Allerdings fahren die beiden eher nach Norden, wir nach Osten. Daher verabschieden wir uns schnell wieder und fahren weiter.

Die bunten Hügel, die manchmal wie Gewürzhaufen auf dem Bazar aussehen, sind bezaubernd. Als wir eine Piste sehen, die in diese Hügellandschaft führt, können wir nicht widerstehen.

Die „Gewürzhügel“

Wir fahren mitten durch die Gewürzhaufen. Ein salzhaltiger Fluss zieht seine Bahnen mitten zwischen den Hügeln. Der Fluss ist jedoch so gut wie ausgetrocknet. Wir nutzen die Chance und fahren tief in diese Landschaft herein. Immer wieder müssen wir durch das trockene Flussbett fahren um weiterzukommen. Manchmal sieht man die Piste, manchmal nicht. Unser Navi kennt hier keine Wege.

Die Piste führt immer wieder durch das fast trockene Flussbett

Es ist wunderschön hier, wir trauen uns aber nicht, hier zu übernachten. Wir wären nämlich von der Außenwelt abgeschnitten, falls es in der Region regnen sollte und dadurch der Fluss anschwillt.

So fahren wir mit Calimero weiter und entdecken tolle Gebirgspässe, kleine Dörfchen und viel Landwirtschaft.

Immer wieder treffen wir auf Iraner, denen Selfies sehr wichtig sind!
Der Nebel zieht über die Berge
Ein iranischer Tarn-Esel, der sich bevorzugt mitten auf den Pisten tarnt.
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