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Eisberge und Eisbären an der Nordspitze von Neufundland

Immer wieder lesen wir in den Nachrichten, dass Eisbären gesichtet werden. Diese Meldungen beschränken sich auf Regionen, in denen auch Eisberge gesichtet werden. Bisher waren die Eisbären-Sichtungen immer sehr weit weg von unserem aktuellen Standort. Diesmal nicht!

Lasst uns aber erst ein bisschen zurückspulen. Nach der letzten Wanderung im Gros-Morne Nationalpark sind wir in Fahrlaune. Das Wetter ist gut, wir haben uns bewegt und Calimero ist beinahe problemfrei (ganz problemfrei geht nicht!). Also fahren wir zu, in Richtung St. Anthony. Laut Reiseführer ist es dort nicht besonders schön, aber es sollen wieder Eisberge und auch Wale zu sehen sein.

Am Arches Provincial Park machen wir unseren einzigen Stop auf dem langen Weg nach Saint Anthony. Hier gibt es ein paar wunderschöne Fels-Bögen. Ich nutze die Chance und klettere an den Felsen entlang. Es ist viel zu lange her, dass ich klettern war und diese kleine Übung bestätigt, dass ich in Kanadas Westen klettern will.

Kleine Kletterei

Während ich mich am Fels austobe, beobachtet Claudia das klare Wasser auf der Suche nach einem Wal. Wir sind bis heute nicht wirklich fündig geworden und das soll sich auch so schnell nicht ändern.

Tatsächlich fahren wir am gleichen Tag noch die ganzen 330 Kilometer bis kurz vor St. Anthony und müssen nicht einmal Öl nachfüllen – ein Traum! Die Strecke stimmt uns schon auf die Einsamkeit Labradors ein, denn die Abstände zwischen den Dörfern werden immer größer, die Straßen immer gerader und die Einöde immer größer.

Ein langer Weg nach Norden

Am Straßenrand finden wir überall kleine, eingezäunte Gärten. Hier wird jede Ackerfläche auch genutzt. Erst am späten Abend finden wir einen Lagerplatz für die Nacht.

Schon früh Morgens sitzen wir im Tim Hortons von St. Anthony um den Blog auf Vordermann zu bringen. Hier sprechen uns ein Friedrichshafener und ein Sigmaringer an. Die beiden sind hier auf Segeltörn und wollen gen Grönland aufbrechen. Wie cool ist das denn? Sie erzählen uns, dass erst vor zwei Tagen Eisbären in der Nähe gesichtet wurden. Da werde ich hellhörig, ich finde aber keine aktuellen Informationen im Internet.

Also fahren wir zum Fishing Point, der populären Landspitze vor St. Anthony. Wir wandern die Trails entlang und schießen Fotos von Eisbergen. Ich kann nach dieser Reise eine Eisberg-Galerie eröffnen! Claudia macht hier auch noch ein Probefoto mit einem ausgestopften Eisbären. So würden wir uns natürlich nicht verhalten, wenn wir einen Eisbären sehen. Die Tiere sind sehr gefährlich und jagen unter Umständen auch Menschen.

Claudia ganz nah am Eisbären
Eisberge vor St. Anthony

Da wir immer noch keine Wale gesehen haben, fragen wir bei der lokalen Tourenagentur nach, wie hoch die Chancen auf Walsichtung sind, wenn wir mitfahren. Die junge Frau am Tresen meint, dass es höchstens 75% sind, Wale sind noch rar.

Da wir alle anderen Attraktionen dieser Tour, wie z.B. Adler, Papageientaucher und Eisberge schon von Nahem gesehen haben, sparen wir uns diese Tour. Als Langzeitreisende überlegen wir sehr genau, welche Touren wir tatsächlich mitmachen, immerhin sehen wir sehr viel auch ohne Tour, da wir viel mehr Zeit in den Regionen verbringen.

In der Touristeninformation sehe ich dann einen Zettel, der mich stutzig macht. „Polar bear sighting at Fishing Point – walking towards American Base.” Der Zettel ist von gestern – der Eisbär wurde wohl dort gesehen, wo wir eben noch wandern waren.  Ich schaue auf der Karte nach, wo die American Base ist – ein hoher Aussichtspunkt in der Nähe wäre spannend. Vielleicht kann man den Eisbären von der Ferne beobachten. Ich finde schnell die Straße „American Drive“ und bin mir sicher, da fahren wir entlang.

Der Weg entpuppt sich schnell als Piste den Berg hinauf. Anders wie gedacht, ist diese Hügelkette nicht sehr karg, sondern mit dichtem Gestrüpp bewachsen. Auf einer der Hügelspitzen finden wir tatsächlich eine alte Armee-Basis. Der Ausblick ist weit, das Gestrüpp aber weiterhin zu dicht. Wir schauen uns um (aus dem Auto heraus) und beschließen die Weiterfahrt. Auch auf dem restlichen Weg, der immer spaßiger wird, sehen wir keinen Eisbären.

Einige Kilometer weiter, in St. Lunaire müssen wir schon wieder anhalten. Die ganze Bucht ist übersät mit Eisberg-Resten und das Wasser ist sehr klar. Wir fahren an den Hafen und schauen uns das Spektakel von Nahem an. Ich steige sogar auf einen schwankenden Eisberg im Hafen und darf mich mal kurz wie ein Eisbär bei der Migration nach Süden fühlen.

Man sieht super, wie die kleinen Eisberge unter Wasser aussehen
Immer schön die Handbremse anziehen
Typisches Bild bei schönem Wetter!
Bernd der Eisberg-Bezwinger!

Ein älterer Herr sitzt daneben und amüsiert sich prächtig über uns Eisberg-fanatische Touristen. Er erzählt uns, dass erst letzte Woche ein Eisbär durchs Dorf gelaufen sei. Gruselige Vorstellung, aber genial! Im Normalfall zahlen Touristen um die 2000++ Euro pro Person um einen Eisbären in Churchill, Manitoba oder im Torngart Nationalpark in Labrador zu sehen, hier läuft er zwischen den Häusern umher.

Wir vergessen diese ganze Bärengeschichte bei unserem Besuch von L’anse aux Meadows. Hier haben die Wikinger lange Zeit vor Kolumbus „Entdeckung Amerikas“, ein Basecamp gehabt. Von den alten Bauten ist nicht mehr als ein paar Erhebungen aus der Erde zu sehen, allerdings hat Parks Canada ein paar wunderschöne Nachbauten der Gebäude erschaffen.

Man spürt heute noch die Abgeschiedenheit dieser Region – immerhin mussten wir mehrere Hundert Kilometer fahren, um an der Spitze der Nordhalbinsel wieder ein paar Gemeinden vorzufinden.

Teilweise eine ziemliche Einöde

Sichtlich beeindruckt von der rauen Umgebung und den Wikingergeschichten machen wir uns auf den letzten Streckenabschnitt, nach St. Barbe. Von dort werden wir die Fähre nach Labrador nehmen.

Der Nachbau der Lehm-Holz-Hütten
In der Wikingerhütte

Auf halbem Wege muss ich auf einmal in die Eisen steigen. Auf einem Feldweg links von mir trottet ein Bär in Richtung Straße. Damit haben wir nun wirklich nicht mehr gerechnet. Leider scheint dieser Eisbär auf die Sonne zu reagieren und ist ziemlich schwarz gebräunt. OK, vielleicht ist es auch „nur“ ein Schwarzbär. Er bleibt eine Weile völlig unbeeindruckt von uns, während ich mich im Fahrersitz für ein Foto verrenke. Dass Calimero gute Spiegel hat, vergisst man in solch einem Moment. Wir drehen in sicherer Entfernung um und fahren noch einmal vorbei, der Bär hat sich aber schon wieder auf den Feldweg zurückgezogen und als er uns diesmal erblickt, stehen wir im Wind und er verdrückt sich ins Unterholz.

Unsere erste Bärensichtung!

Mit unserer ersten Bärensichtung beenden wir eine spannende Entdeckungsreise durch Neufundland und werden morgen mit der ersten Fähre aufs Festland übersetzen. Labrador, wir kommen!

Wir werden das Erlebte sacken lassen und dann auch für Neufundland einen Roadtrip-Guide schreiben. Wenn es etwas gibt, was dich besonders interessiert, ist jetzt deine Chance es uns mitzuteilen. Schreib uns doch eine Mail an team@bodensee-overlander.de

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