PakistanWeltreise Tagebuch

Endlich im abenteuerlichen Pakistan

Oh mann, haben wir uns Sorgen um Pakistan gemacht. Mehrmals wurden wir darauf hingewiesen, dass es gefährlich ist nach Pakistan zu reisen. „Touristen werden in den Bergdörfern abgeschlachtet. Frauen gesteinigt, wenn sie auf der Straße herumlaufen.“, sagte ein Ex-Militär aus Deutschland zu uns. Bei all den Vorbereitungen war ich mir immer sicher, dass Pakistan ein wohlkalkuliertes Risiko ist. Es gibt Gebiete, die man nicht bereisen sollte und diese möchten wir vermeiden. Ich würde in Deutschland als Schwarzafrikaner auch nicht nach Freital reisen.

Es gibt Terroristen in Pakistan, sie sind auch aktiv. Es gibt aber auch einen Sicherheitsapparat, der dem entgegenwirkt. Aber mal ehrlich, laut Wikipedia gab es in diesem Jahr 9 islamistische Anschläge in Frankreich und 4 in Pakistan. Wer verzichtet denn nun auf seinen Urlaub in Südfrankreich? Unsere Geschichte beginnt friedvoller, als wir es vermutet haben.

Völlig fertig kommen wir vom Khunjerab Pass noch bis nach Passu. Dort stellen wir uns mal wieder neben Alice und Alex. Die beiden warten schon auf uns am Glacier Breeze Restaurant, das für seinen Aprikosenkuchen berühmt ist. Wir schlemmen wie die Könige und bezahlen für uns beide nur knappe 8 Euro. Der Koch und der Service-Chef (die einzigen beiden Mitarbeiter) sind Zwillinge und wir wundern uns zuerst, warum er sich so oft umzieht. Man sieht die beiden nie gemeinsam in einem Raum. Erst nachdem wir dieselben Fragen mehrfach der vermeintlich selben Person beantworten, kommen wir hinter das offene Geheimnis.

Nachdem wir das erste Mal seit einigen Tagen wieder in unserem Zuhause schlafen, können wir am nächsten Tag gemeinsam mit Paul eine kleine Wanderung machen. Paul ist in einem Guesthouse in der Nähe vom Restaurant untergekommen.

Die Wanderung führt uns vom Glacier Breeze Restaurant bis zum Passu Glacier. Wir können das erste Mal gemeinsam beobachten, wie ein großer Fluss aus dem Gletscher entspringt und immer wieder Steine und Eisbrocken vom Gletscher fallen. Das ist ein beeindruckendes Schauspiel.

Nach einer weiteren Nacht in Passu fahren wir nach Süden bis nach Karimabad. Dabei fahren wir am Attabad-Lake oder auch Desaster-Lake vorbei. Am 4. Januar 2010 tötete ein Erdrutsch 20 Personen und blockierte die Straße nach Süden komplett. Innerhalb von 5 Monaten wuchs wegen eines natürlichen Damms ein See. Über 6000 Menschen mussten daraufhin aus ihren Häusern ziehen. Über 25.000 Menschen waren durch das Unglück betroffen, da der Karakorum für einige Jahre blockiert war.

Pakistan Attabad
Der Attabad See

Am 14. September 2015 hat der Premierminister von Pakistan das neue, 24km lange Teilstück des Karakorum Highway eingeweiht. 5 Tunnel, die insgesamt 7km lang sind, wurden in weniger als 6 Jahren gebaut. Wahnsinn!

Bis dahin wurden Overlander-Fahrzeuge mit Booten über den See gebracht. Wir sind ganz froh darum, dieses Abenteuer nicht mitmachen zu müssen.

In Karimabad dürfen wir umsonst vor dem Hotel des Prinzen von Gilgit-Baltistan stehen, treffen alle anderen wieder und verbringen ein paar schöne Tage in dieser großartigen Umgebung. Während fast alle Touristen zum Eagle Nest Hotel (Aussichtspunkt) fahren, wandern wir dorthin um unsere Kondition weiter in Schwung zu kriegen. Am letzten Abend in Karimabad feiern wir Alice und Berthas Geburtstag, den wir mit einer Wodka-Melone ausklingen lassen (jetzt sind wir Spritfrei unterwegs, wie es in Pakistan Pflicht ist).

Immerhin wollen wir in Nepal den Annapurna Circuit laufen und wollen dafür eine gesunde Portion Kondition auf unserer Seite haben. Dafür fahren wir nach Minapin. Dort möchten wir in Richtung Rakaposhi Basecamp wandern. Wir schaffen die ersten 900 Höhenmeter und drehen dann bei. Leider versteckt sich der Rakaposhi hinter einer Wolkenwand. Der Ausblick auf den Gletscher belohnt aber unsere Mühen, bevor wir wieder den Abstieg wagen. Eigentlich war ein Großteil des Weges als fahrbar eingestuft, wir sind aber froh, es nicht probiert zu haben. Wir wären bis zum ersten Hindernis (Steinschlag) gekommen und hätten dann einige Serpentinen rückwärts hinunter müssen. Das ist nichts für mich und meine Nerven.

In Minapin verzweifele ich vor der Karte. Eigentlich machen wir keine Rückzieher, denn das tolle an unserer Tour ist ja, dass man langsam und stetig WEITER fährt. Allerdings haben wir die Hängebrücke in Husseini ausgelassen. Also fahren wir nochmal um die 100 Kilometer zurück bis nach Husseini, trinken einen Kaffe und laufen zur Brücke. Der Karakorum Highway macht ja auch Spaß zu fahren.

Claudia geht ein paar Sprossen auf die wacklicke Brücke und macht dann doch lieber einen Rückzieher. Die Spalten zwischen den Planken sind zu groß, der Wind zu stark. Die Brücke schwankt bedrohlich. Genau mein Ding, denke ich und löse Claudia ab. Als ich auf der anderen Seite ankomme, zieht der Wind noch einmal ordentlich an und der Rückweg wird doppelt so interessant.

Diesmal übernachten und essen wir wieder in Passu, bevor wir mit Calimero gen Süden tuckern. Unser Ziel: Gilgit. Auf dem Weg treffen wir noch einmal Alice und Alex. Die beiden sind auch wieder auf dem Rückweg um einen Trek in der Nähe von Passu zu machen. Die beiden erzählen uns von Gilgit und raten uns, wenn möglich daran vorbeizufahren. Schön sei es dort nicht.

Der Norden ist so schön, man möchte ihn kaum verlassen. Aber es gibt noch mehr zu sehen. So übernachten wir in der Nähe von Gilgit und fahren weiter gen Skardu. Die erste Aktion ist allerdings  das Rad zu wechseln. Wir haben einen Schleicher und wissen noch nicht woher.

In Skardu starten die meisten Expeditionen in Pakistan. Von hier kann man zum K2, Gasherbrum, Broad Peak, Masherbrum und vielen weiteren sehr hohen, beeindruckenden Bergen kommen.

Der Weg dorthin wird aber deutlich abenteuerlustiger als wir uns das vorgestellt haben. Sehr viele LKWs fahren auf diesem, etwas engeren Weg und wir müssen regelmäßig Platz machen.

Als ein LKW um die Ecke schießt, muss ich scharf abbremsen und links in die Böschung hineinfahren. Als ich wieder anfahren möchte, weigert sich Calimero. Die Spurstange hat es mal wieder komplett verbogen.  So ein Mist. Wir stehen echt blöd, die LKWs passen gerade so an uns vorbei.

Naja, hilft ja nix. Die Spurstange ist in Null-Komma-nix ausgebaut und in dem Moment halten zwei Pakistani an. Sie fahren ein paar mal über die Stange, schmeißen einen großen Stein hinterher und schon können wir weiterfahren. Wir übernachten noch einmal neben der Straße und erreichen am folgenden Tag Skardu. Am Hotel Masherbrum können wir erneut umsonst campen. Das Konzept „Camping vor Hotel“ scheint hier noch recht unbekannt zu sein, sonst würde das nicht klappen.

Die Calimero-Bilanz bis Skardu:

  • Ein Nagel im Reifen
  • Eine verbogene Spurstange und eine der Gummimanschetten des Kugelkopfs ist beim überfahren kaputt gegangen.
  • Warum leckt eigentlich das Verteilergetriebe schon wieder so stark?
  • Eine Schraube am Mitnehmer ist abgerissen, die ich mit (laut Werkstatthandbuch) 65Nm angezogen habe.
  • Furchtbares Bremsenquietschen (Noch schlimmer als sonst, unsere China-Mitfahrer wissen was wir meinen)
  • Auch der Tank leckt wenn er ganz voll ist irgendwo. Aber das ist mir erst einmal egal.

So trinken wir einen Tee und holen uns auf Facebook einige tröstende Kommentare ab (Danke dafür!). Du bist vielleicht der Meinung, dass das alles nur Kleinigkeiten sind. Allerdings ist es hier etwas schwerer, die richtigen Ersatzteile oder eine ordentliche Werkstatt zu finden. Das gehört zwar zum Abenteuer dazu, doch nervt gewaltig! Ich wünsche mir manchmal das #Vanlife Leben mit Bierchen, Surfbrett und meiner Frau im Bikini. Aber das muss noch ein wenig warten.

Nach dem Tee ist der Reifen in weniger als 20 Minuten geflickt und aufgepumpt, darin bekomme ich langsam Routine. Die Spurstange wird nochmal ausgebaut und beim Fachmann komplett gerade geklopft. Auch die Gummimanschette wird gleich erneuert und wir verabreden uns für den folgenden Tag für die restlichen Arbeiten.

Wie fühlt es sich denn nun in Pakistan an? Nach nun 12 Tagen in Pakistan, genauer gesagt Gilgit-Baltistan fühlen wir uns mehr als Willkommen. Natürlich schwingen beim freistehen die Warnungen im Kopf mit. Allerdings sind die Pakistanis unglaublich zuvorkommend, freundlich und interessiert.

Dazu stehen hier wirklich beeindruckende Berge herum und die Straßen sind abenteuerlich zu befahren. Die Probleme mit Calimero bekommen wir auch wieder in den Griff um die restlichen Wochen im Land wieder komplett genießen zu können.

Und jetzt gehen wir in die Werkstatt! 🙂

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3 comments

  1. Hallo Bernd, liebe Claudia,
    das ist unfassbar für mich, wo ihr überall hinkommt. Ich sitze am Schreibtisch … und schau‘ bei google maps, wo ihr seid. Meinem Mann wird schon ganz unwohl bei dem Gedanken, was ihm evtl. auch noch blühen könnte …. 😉 – muss ja nicht unbedingt China und Pakistan sein; aber auf Zentralasien freu‘ ich mich schon jetzt.
    Es ist kaum mehr als sechs Monate her, dass ihr gestartet seid – und steht jetzt am Fuße des Nanga Parbat.
    Ich wünsche Euch noch ganz viel Spaß … passt weiterhin so gut auf euch auf. Vielen Dank für die tollen Berichte und wertvollen Informationen. Ich freu‘ mich immer sehr, von euch zu hören.
    Gute Weiterreise. Maresa

  2. Hallo
    na dann mal viel gluck in Pak. Lese das ihr den anapurna circuit laufen wollt?
    Habe das in ’81 gemacht. War eines der besten trekking touren die ich je gemacht habe.
    Nicht vergessen Thorongla (?) is fast hoher wie der hoechste berg in den Alpen. Bringt warme klamotten , schlafsack und wenn ihr habt ein zelt. In der hutte am fusse des passes zu ubernachten wurede ich nicht mehr machen. Lasst euch zeit!
    Hamba kahle!

  3. Hi Claudia und Bernd,

    super Bilder aus dem Hunzatal und natürlich auch vom Abstecher nach Skardu!!
    Der Attabadlake sieht ja auch toll aus – so dramatisch das Naturereignis für die Anwohner war und ist.
    Überrascht hat mich wie weit der Gletscher zurückgegangen ist – 2003 endete der Passugletscher noch direkt neben der Straße…
    Ich wünsche euch noch weiter tolle Erlebnisse, einen robusten Ländi der alle „Zipperleins“ locker wegsteckt und immer jede Menge nette Leute um euch rum.
    Alles Gute Mathias

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