IranWeltreise Tagebuch

Ein ereignisreicher Tag im Norden Irans

Auf unserem Weg durch die Berge im Iran meldet sich mal wieder Calimero. Die Radnabe, die mich schon in Georgien verrückt gemacht hat, macht wieder Probleme.

In Georgien war eine Schraube ausgeschlagen und eine andere musste mit einer U-Scheibe unterlegt werden. Jetzt ist eine weitere Schraube ausgeschlagen und er verliert wieder Öl. Wir möchten das nun ordentlich gerichtet bekommen. Ich habe schon Sorge, dass wir eine neue Radnabe brauchen. Wie wir diese im Iran bekommen sollten, wissen wir nicht.

Wir sehen auf dem Weg einige Land Rover und ich frage sie, wo wir unseren Calimero am besten reparieren können. Die Jungs verweisen auf Meshgin und Ardebil. Da wir durch Meshgin bereits gefahren sind, nehme ich die Adresse in Ardebil gerne an.

In Ardebil angekommen, stimmt die Adresse natürlich nicht. Wir fragen uns durch.  Mit „Noruz Maschina Mekanik?“ landen wir in einer kleinen Werkstatt, vor der unter anderem Land Rover und ein Jeep steht.

Die kleine Werkstatt – total vertrauenserweckend!

Wir halten an und ich zeige ihnen das Problem. Englisch spricht hier mal wieder kaum jemand. In kürzester Zeit haben sie den Mitnehmer abgeschraubt und zeigen mir, dass drei der Gewinde kaputt sind. Sie versichern mir auch, dass sie das reparieren können. Wir warten einige Minuten. Nach und nach erscheinen mehr Männer, die sich unseren Calimero genauer ansehen möchten. Endlich kommt auch jemand, der wohl arbeiten möchte. Mit einem kleinen Koffer voll mit Helicoils, Bohrern und Gewindeschneidern kommt er her und setzt den Bohrer an der Radnabe an.

Ich bekomme einen prompten Schweissausbruch. Was ist, wenn er das jetzt verpfuscht? Muss er da so gewalttätig ran? Aber er macht eine saubere Arbeit. 15 Minuten später ist Calimero wieder abfahrbereit. Wir machen noch ein paar gemeinsame Bilder für Instagram, dürfen aber nicht bezahlen.

Ich kann nur zusehen. Noch ist alles in bester Ordnung!
Ihr seht die Schweissperlen nicht, aber sie waren da! Auf einmal bohrt der da rein 😮

Immer noch total beeindruckt, von der schnellen, sauberen Arbeit, die uns nichts gekostet hat, suchen wir eine Möglichkeit Internet zu benutzen. Auf dem Navi finde ich ein Internet Café. Als wir direkt an den angegebenen Koordinaten parken, kann ich dieses Café aber nicht sehen. Wir stehen aber direkt vor einem Laden namens „Beautyland“. Die Mitarbeiterinnen schauen schon total neugierig aus dem Schaufenster. Wir gehen auf sie zu und fragen, wo denn das Internet Café sei.

Sie geben uns darauf keine Antwort, laden uns aber in ihren Laden ein. Hier gibt es auch Internet, sagen sie. Tee und Kaffee können wir hier auch bekommen. Wir holen also unsere Geräte und nehmen Platz. Das Internet ist zwar gar nicht so gut, aber die Eigentümer sind so lieb, dass wir uns total wohl fühlen.

Auf einmal wird Claudia aufgefordert mit zu den Catrice Regalen zu gehen. Sie soll sich dort aussuchen was sie als Geschenk haben möchte. Ihr ist das so unangenehm, dass sie rot anläuft. Trotzdem kann sie sich nicht wehren und nimmt am Ende, einen Lipgloss, einen Nagellack und ein Duschgel.

Selfie im Beautyland!

Daraufhin wird sie in den zweiten Stock geführt. Dort ist eine Gallerie mit handgenähten Dingen. Dort drückt die Inhaberin ihr noch eine kleine Handtasche in die Hand. Wir möchten das wirklich gerne bezahlen und bestehen darauf. Allerdings werden wir immer wieder mit „No, Gift“ abgewimmelt.

Wir bedanken uns und machen uns wieder auf den Weg, sprachlos. So viel Herzlichkeit und Freude, dass wir das Land bereisen, haben wir nirgendwo bisher so erlebt.

Wir bekommen den Tipp, in der nähe des Kaspischen Meeres einen Wasserfall zu besuchen. Auf dem Weg dorthin merken wir, dass wir in den Bergen hätten bleiben sollen. Schon auf dem dorthin tanken wir und merken erst beim aufschreiben ins Buch, dass der Preis um 40% höher war als bei der letzten Tankstelle. Das passiert, wenn man in Wechselkursen verloren geht.

Nach der unglücklichen Tankaktion, fahren durch eine Nebelwand in eine Art Dschungel. Es ist auf einmal heiß und feucht. Das haben wir im Iran nicht erwartet. Die Fahrt strengt an und wir beschließen in Astara am Meer, einen Stellplatz vor einem Hotel zu suchen.

Ab in den Dschungel

Als wir nach Astara reinfahren möchten, werden wir allerdings von einem übermütigen, jungen Polizisten aufgehalten. Er ist der Meinung, dass unsere Visa bereits abgelaufen sind. Wir versuchen ihm mehrfach mitzuteilen, dass der Zeitraum nur der Einreisezeitraum ist und wir ab Einreise 30 Tage im Land sein dürfen. Er glaubt uns nicht.

Erst nach einer Stunde trifft der Vorgesetzte ein, der das Missverständnis aufheben kann und wir endlich weiter können.

In Astara wechseln wir bei einem dubiosen Mann auf der Straße noch Geld für einen Kurs, der nur minimal schlechter war, als der Kurs bei der Bank und stellen uns vor ein Hotel. Der Hotel Manager möchte uns ein Zimmer verkaufen. Ich vermittele ihm, dass wir jung sind und daher nur campen können. Für umgerechnet drei Euro dürfen wir auf dem Parkplatz stehen.

Als wir um WLAN bitten, möchte der Hotel Manager weiteres Geld sehen. Ich winke ab und sage ihm, dass wir auch gerne einen Tee trinken und dafür Internet nutzen möchten. Er sagt uns, dass Tee weitere drei Euro kostet, wir können das gern im Menü nachschlagen. Ich finde das eine gute Idee. Allerdings kommt nach 5 Minuten nur der Tee. Wir genießen den Tee, nutzen das Internet, tratschen mit den Iranern in der Hotellobby und entspannen etwas nach diesem Ereignisreichen Tag.

Als wir beim Kellner den Tee bezahlen möchten, schreibt er 50 Cent auf die Rechnung. Der Hotel Manager sieht das zu spät um ihm zu sagen, dass er drei Euro möchte. Wir bezahlen unseren günstigen Tee und gehen ins Auto. Der Hotel Manager wollte uns so viel Geld abknüpfen wie er nur kann.

Beim Aufbau zwischen den Parkplatzlampen, in dem feuchten Klima verirren sich leider mehrere Moskitos in unseren Calimero. Die Hitze und die Moskitos halten uns die halbe Nacht wach, bis wir schlussendlich zwischen zwei und drei Uhr in der Früh einschlafen.

Das war ein sehr ereignisreicher Tag auf unserer Weltreise. Wir wurden freundlichst empfangen, haben viele Instagram Fotos geschossen, wurden beschenkt, von einem Tankwart über den Tisch gezogen, von der Polizei unnötig festgehalten und am Ende nicht sehr freundlich im Hotel behandelt, bevor wir dann in eine unruhige Nacht gefallen sind.

Nicht jeder Tag ist so ereignisreich. Die folgenden Tage verbringen wir wieder in den Bergen. Wir kaufen nur hin und wieder etwas Nahrung ein, ich darf einen Barbier im Iran besuchen, wir werden auch mal zum Essen eingeladen und haben ansonsten einfach nur viel Zeit um die Natur um uns herum zu genießen.

Immer wieder sehen wir die tiefen Nebeldecken in den Tälern. Wir haben Glück. Das Bild ist von unserem Stellplatz fotografiert.
Da bin ich in meinem Element – ein bisschen Feuer machen
Hier bleiben wir ein paar Tage. Wir haben absolute Ruhe. Nur Kühe und Pferde besuchen uns immer wieder einmal.

 

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