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Meine ersten Skitouren – mentale Grenzen, Champagner Powder & Wintercamping


Um Grenzen zu verschieben muss man sie überschreiten. Mit nur 15 Tagen Skierfahrung beginnt für mich die Skitouren-Sektion des Mountain Skills Semesters und ich bin massiv aufgeregt. Nur wehmütig lasse ich die Eiskletterei hinter mir und stelle mich wieder auf Skier.

War ich doch zuversichtlich, dass ich eine Grundlage mitbringe, werde ich skeptisch als ich meine Mietski abhole. Ich habe auf All-Mountain-Ski gelernt und gedacht, dass man diese auch für Skitouren nutzt. Fehlanzeige. Die Backcountry-Ski, die ich für die nächsten Wochen bekomme sind viel länger, viel breiter und viel schwerer.

Nach einem gemeinsamen Tag im Skiresort Sunshine bin ich völlig zermürbt, denn so richtig habe ich die Dinger noch nicht im Griff. Während die anderen durch die Wälder shredden, fühle ich mich wie am ersten Tag auf Ski und kann das geile Skigebiet überhaupt nicht genießen. Das kann ja was werden! Meine Grenzen sind klar sichtbar und jetzt ist es daran, diese langsam und stetig zu verschieben.

Die erste Skitour

Der erste Skitourentag beginnt mit Lawinensuchübungen, die tierisch Spaß machen. Wir vergraben Lawinensuchgeräte und lassen andere Teammitglieder suchen. Erst am Nachmittag spuren wir den Hang hinauf. Bis auf ein paar steile Waldpassagen, wo meine Skier immer wieder etwas zurück rutschen, läuft das eigentlich recht gut. Auf dem Weg nach oben besprechen wir die Gelände-Optionen die wir haben und warum manche besser sind als andere. Eine andere Skitourengruppe ist auf einem anliegenden Hang unterwegs und wir sprechen über all die Warnsignale, die uns von diesem Hang warnen sollten. Die konvexe Hangform mit circa 35° Steigung ohne Support, die fragwürdige Schneedecke und der warme, sonnige Tag nach einer kalten Nacht sollten schon mehr als genug Gründe sein.

Darcy erklärt uns warum der Hang rechts vom Bildrand unsicher ist

Je weiter wir nach oben kommen, desto nervöser und introvertierter werde ich, denn die Abfahrt rückt näher. Oben angekommen, nehme ich die Felle ab, verstaue sie im Rucksack und setze meine Bindung vom Tourenmodus in den Skimodus. Die Boots vergesse ich allerdings umzustellen und so lege ich erstmal eine wundervolle Bauchlandung im feinsten Powder ein. Die restliche Abfahrt verläuft reibungslos und braucht auch nicht viel Kraft, aber ich bin mental ziemlich fertig. Auf was habe ich mich hier nur eingelassen.

Die Wechte in der Mitte des Bildes soll unser höchster Punkt des Tages werden.

Zeit zum Verarbeiten bleibt keine. Am folgenden Tag gehen wir noch einmal detaillierter auf das Thema Lawinenkunde und menschliche Verhaltensmuster beim Skitourengehen ein und besprechen die Ziele für die nächsten drei Tage. Wir packen unsere Siebensachen und gehen auf eine dreitägige Skitour mit Zelt.

Der Ausblick auf den Icefields Parkway durch meine viel zu breiten Skier

Wintercamping mit Skiern – Basecamp & Champagner Powder

Vom Parkplatz des Sunshine Village Resorts führt ein vereister Pfad 8,5 Kilometer entlang des Healy Creak durch den Wald. Immer wieder touren wir durch große Lawinenpfade und lernen, wie wir dieses Risiko entschärfen können. Genügend Abstand und ein offenes Auge auf den Hang über einem, sowie immer die Überlegung ob man nun wirklich sicher ist. Auch in einem dichteren Wald kann eine große Lawine großen Schaden anrichten. Bäume, die auf der oberen Seite keine Äste haben sind ein Zeichen für Lawinen.

Dana legt einen Breakdance-Move ein

Mit schwerem Wintercampinggepäck schnaufen wir alle ziemlich, als wir endlich auf dem Hochplateau unter dem Monarch Mountain ankommen. Wiedermal hatte ich bei steilen Stücken mit einem zurückrutschen der Skier zu kämpfen. Darcy erklärt mir, wie ich meine Technik verbessere, aber so richtig hilft das nicht. Erst als ich die Felle wachse wird es besser. 

Wir sind oben! Jetzt müssen wir nur noch einen Platz zum campen finden

In einem Windgeschützten Bereich errichten wir unser Basecamp mit Gruppenküche, Latrinenbereich (wir nutzen Wag Bags für’s Geschäft – Leave no Trace!).

Ich habe mich für den kanadischen Winter ordentlich mit warmen Klamotten ausgerüstet und überlebe Wintercamping nicht nur, ich kann es sogar richtig genießen. Minus 15 Grad sind wirklich kein Problem, wenn man ordentlich ausgerüstet ist. Jeden Morgen bin ich der erste außerhalb der Zelte, zünde die Kocher und bin abends der letzte im Zelt. Am liebsten wäre ich noch länger hier oben geblieben.

Besprechung in der Gruppenküche
Die Küche mit Tisch und Bank ist uns gut gelungen
Das Basecamp besteht aus insgesamt fünf Zelten für 14 Personen.

Das Skifahren im kanadischen Champagner-Powder läuft diesmal schon um einiges besser. Drei Runden fahren wir denselben Hang ab, üben unsere Lawinensuche als Gruppe und überprüfen die Schneedecke immer wieder an verschiedenen Stellen. Kompressionstests und erweiterte Kompressionstest sollten zum Repertoire eines jeden Skitourengehers gehören.

Darcy erklärt uns, wie man einen Kompressionstest macht
Grant zeigt uns schöne Schwünge
Unberührte Natur – überall!
Dana mit seinem Splitboard

Die Abfahrt am dritten Tag, entlang des engen, vereisten Pfads verläuft mehr oder weniger kontrolliert ohne Sturz. Grant ist stolz auf mich und sagt mir, dass ich damit jegliche weitere Abfahrt der nächsten Wochen schaffen werde – na da bin ich mal gespannt! Nach nur einem Ruhetag folgt unsere nächste Tour für fünf Tage auf die Wapta Icefields für erweiterte Lawinenkunde.

Unser Zelt und die Ausrüstung am trocknen

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