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Grenzgang – Von Georgien nach Armenien

Georgien nach Armenien

Wir haben unseren ersten etwas komplizierteren Grenzübergang von Georgien nach Armenien hinter uns gebracht. Da wir das nur entspannt machen konnten, weil andere über ähnliche Vorgänge berichtet haben, möchten auch wir unsere aktuellsten Kenntnisse mit dir teilen. 

Vom Flughafen Kutaisi aus machen wir uns auf den Weg um von Georgien nach Armenien zu fahren. Anstatt über die Autobahn wieder zurück nach Tiflis und dann zur Haupt-Grenzstation bei Sadakhlo von Georgien nach Armenien zu fahren, entscheiden wir uns für einen Umweg. Über einen wundervollen Schotter-Bergpass von Baghdati nach Abastumani.

Es ist mal wieder Zeit für Objektivwechsel. Claudia bringt mir das Tele!
Leider ist es sehr dunstig, die Bergkette im Hintergrund lässt mich auf dem Weg mindestens ein Dutzend mal anhalten.
Defender in Georgien
Hier oben liegt noch Schnee, aber diesmal sind die Wege frei!
Die Restschneefelder helfen uns beim abkühlen, denn die Sonne brutzelt ordentlich.

Von Abastumani führt uns der Weg nach Ninozminda. Wir möchten die deutlich kleinere Grenze von Ninozminda in Georgien nach Gyumri in Armenien nehmen. Der Verkehr hält sich in Grenzen, allerdings ist die Straße auf georgischer Seite auch ein Graus. Es ist eine fiese Schlaglochstraße und kann nur mit Slalom-Fähigkeiten oder sehr langsam bezwungen werden.

Kurz vor der Grenze von Georgien nach Armenien legen wir uns noch einmal schlafen um ausgeschlafen und entspannt das Land wechseln können. Wir haben viele Horror-Stories von der armenischen Grenze gehört. Viele Reisende berichten über willkürliche Preisspannen ohne ordentliche Belege. Überall sollen gierige Beamte darauf warten, einen über den Tisch zu ziehen. Wir sehen mit Aufregung die Grenze vor uns. Wie erwartet verläuft die Ausreise aus Georgien entspannt. Die Pässe werden kontrolliert, wir müssen alle Türen aufmachen und dann dürfen wir auch schon durch das 2km lange Niemandsland fahren.

Im Niemandsland wird das neue Gebäude der georgischen Grenzkontrolle gebaut. Teer findet man zwischen den Grenzen übrigens keinen. Wahrscheinlich möchte keiner dafür bezahlen.

Auf armenischer Seite werden zuerst unsere Pässe kontrolliert. Entgegen der Berichte von anderen muss Claudia dafür das Auto nicht verlassen. Das scheint sich nur auf die Sadakhlo-Grenze zu beziehen.

Nach der kurzen Passkontrolle fahren wir auf den nächsten Schlagbaum zu und bleiben davor stehen. Wir warten eine Minute ab, bis ein Grenzbeamter vorbeikommt und uns bittet, an der Seite zu parken und mit den Dokumenten zu einem kleinen Gebäude zu kommen. Jetzt muss nämlich das Auto eingeführt werden.

Gesagt getan, wir stehen kurze Zeit später mit den Dokumenten vor der kleinen Hütte. Alles wird geprüft und abgetippt. Wir warten geduldig und irgendwann meint einer der Grenzbeamten, dass wir mitkommen sollen. Es geht zur Bank. Dort sollen wir die Gebühren für den Fahrzeug-Mindest-Aufenthalt (zumindest für die Gebühr) von 15 Tagen bezahlen. Einfuhrgebühr, Straßenbenutzungssteuern und Ökosteuer.

Wir wussten aus Berichten, dass das auf uns zukommen wird, also gehen wir mit. Der Grenzbeamte schreibt auf einen kleinen Zettel drei Zahlen und erklärt uns welche Gebühr für was ist. 5.500 AMD für die Einfuhr, 10.000 AMD für die Straßenbenutzung und 3.750 AMD für die Ökosteuer. Das macht insgesamt 19.250 AMD und ist weniger als wir von anderen Reisenden gelesen haben. OK, das scheint also in Ordnung zu sein.

Die „Bank“ ist ein kleines Zimmer im Gebäude gegenüber. Vor diesem hängt ein Schild „Araratbank“. Im Hintergrund des Zimmers steht ein Schild mit den aktuellen Wechselkursen. Wir wechseln unser restliches georgisches Geld und einige Dollar. Die Gebühren werden vom Fresszettel in den Computer übertragen. Ein ordentlicher Ausdruck wird angefertigt, unterschrieben und gestempelt. Damit gehen wir zurück, über die Straße, zur kleinen Hütte. Die Daten werden kontrolliert, wir warten wieder einige Minuten und dürfen dann, in Begleitung, wieder zurück ins Gebäude mit der Bank. Ein Zimmer weiter werden dort alle Daten abgetippt. Es wird ein weiterer Fresszettel geschrieben mit einer Zahl darauf, die sehr teuer erscheint. Wir sehen aber schnell, dass dies nur eine fortlaufende Nummer ist.

Nach der Abtippnummer im Hinterzimmer, werden wir noch in einen anderen Raum zu einem Zollbeamten geführt, er tippt auch einige Dinge ab, stempelt etwas, unterschreibt etwas und gibt es uns. Er sagt uns, dass wir durch den Schlagbaum fahren sollen und dann zur Zollkontrolle stoppen sollen. Die ist auch schnell erledigt. Wir werden freundlich verabschiedet, dürfen durch den letzten Schlagbaum fahren, müssen dort aber noch ein letztes mal  anhalten.

Es fehlt die Auto Versicherung. Ich habe sie schon versucht im Gebäude der Bank und der Zoll-Menschen zu bekommen, wurde aber nur von Zimmer zu Zimmer geschickt. Das Versicherungsbüro dort scheint aber zu existieren, ich habe es nicht gefunden.

Nach dem letzten Schlagbaum nimmt mich ein windiger Versicherungsbeamter mit, der mir auch eine SIM-Karte verkaufen möchte. Er beginnt mit 2400 AMD für die SIM-Karte und 6000 AMD für die 10-tägige Versicherung. Wir einigen uns nach kurzer Verhandlung auf 7000 AMD für beides. Die Dokumente sind bald gedruckt, die SIM Karte eingelegt. Die erste SMS vom Anbieter macht mich aber stutzig. 150 MB Internetvolumen, damit habe ich nicht gerechnet, als er „unlimited“ gesagt hat. Er erzählt mir, dass danach das Internet nur langsamer wird.

Nach einer weiteren Diskussion bekomme ich die SIM-Karte dann sogar geschenkt und bezahle nur 6000 AMD für die Versicherung.

Jetzt sind wir endlich in Armenien! Der erste Eindruck ist toll. Die Straße von der Grenze weg ist, entgegen aller Berichte aus Armenien, deutlich besser als in Georgien. Die Weite ist ähnlich toll wie in Georgien und Störche belagern die Nester mit ihren Jungen. Das hatten wir aber auch schon auf der georgischen Seite der Grenze. Mein Favorit ist dieser Storch, der sich den Wind durch die Federn pusten lässt.

Georgien nach Armenien
Sich den Wind durch die Flügel pusten zu lassen ist auch mal schön!

Wir besorgen uns eine ordentliche SIM Karte im Shop für nur 1000 AMD, gehen Geld abheben, tanken und einkaufen. Wieder mal ist alles neu und anders. Es erwarten uns nun 8 Tage in Armenien. Wir sind froh, nicht zu viel auf die negativen Berichte gehört zu haben und werden nun mit eigenen Augen dieses Land bereisen.

Der Grenzübergang von Georgien nach Armenien hat alles in allem circa 2,5 Stunden gedauert. 25250 AMD haben wir für Einfuhr (15 Tage) und Versicherung (10 Tage) bezahlt, das sind umgerechnet 52 Euro.

Dies ist eine Mischung aus Erfahrungsbericht und Weltreise Tagebuchbericht und basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen. Falls ihr andere Erfahrungen gemacht habt, lasst es unsere Leser wissen und postet einen Kommentar. 

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One comment

  1. Eure stories werden immer spannender, interessanter, die Fotos immer professioneller und eindrucksvoller! Finde ich. Toll macht Ihr Zwei das! Weiter so!

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