GrenzgangKanadaUSA

Einreisebestimmungen und Grenzgang – Von Kanada in die USA über die Rainbow Bridge

In diesem Beitrag erklären wir dir, warum wir ein B1/B2 Visum für die USA haben, wie man es bekommen kann und wie unsere erste Einreise über Land von Kanada in die USA abgelaufen ist.

Das Visa Waiver Program

Das Visa Waiver Program der USA erlaubt Reisenden aus einigen Ländern (darunter gehören auch Deutschland, Österreich und Schweiz) einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen in den USA ohne ein Visum zu benötigen. Bevor du in einen Flieger oder ein Kreuzfahrtschiff mit dem Ziel USA steigst, musst du eine elektronische Reisegenehmigung einholen, besser bekannt unter dem Namen ESTA (Electronic System for Travel Authorization). ESTA kann man für 14 US Dollar beantragen.

Das Visa Waiver Programm hat allerdings auch einige Restriktionen:

  • Du benötigst einen biometrischen Reisepass, welche in Deutschland seit dem 1. November 2005 ausgestellt werden. Außerdem muss der Reisepass noch mindestens 6 Monate nach der geplanten Ausreise gültig sein.
  • Die Grenzüberschreitungen nach Kanada und Mexiko setzen die Zeitdauer nicht zurück. Das heißt, wenn du 80 Tage in den USA warst, dann nach Kanada reist und wieder zurück in die USA möchtest, hast du nur noch 10 Tage übrig! Das gilt übrigens auch für Alaska. Wobei wir wissen, dass auch schon Ausnahmen gemacht wurden.
  • Wenn du ab dem 1. März 2011 in einem der folgenden Länder warst, kannst du nicht am Visa Waiver Programm teilnehmen: Iran, Irak, Lybien, Somalia, Sudan, Syrien oder Yemen. Ausnahmen gelten für Personen, die diplomatisch oder militärisch im Dienste des Heimatlandes dort waren.
  • Wenn du neben deiner Staatsbürgerschaft des Visa-Waiver-Program Landes noch ein Staatsbürger des Iran, Irak, Sudan oder von Syrien bist kannst du ebenfalls nicht am Visa Waiver Programm teilnehmen.

Warum wir ein Visum brauchen

Wir sind durch den Iran gereist und möchten länger als 90 Tage in die USA einreise, wobei wir auch nach Kanada/Mexiko ausreisen und wieder in die USA einreisen. Daher kam für uns von vorneherein nur das B1/B2 Visum in Frage. Damit können wir bis zu 180 Tage am Stück durch die USA reisen.

Wie du dein Visum in München beantragen kannst

 Schritt 1: Ausfüllen DS160 Formular

Das DS160 Formular wird online ausgefüllt. Webseite: https://ceac.state.gov/genniv/

Du brauchst ein Passfoto digital, das nicht älter ist als 6 Monate. Sie werden dich ansehen und dich noch einmal fragen, wenn du in der Botschaft bist. Falls das Foto nicht den Qualitätsstandards der Beamten vor Ort entsprichst, darfst du auf eigene Kosten ein neues machen (war bei Claudia und mir der Fall, wir haben uns zu stark verändert).

Du musst jede Menge Informationen ausfüllen, dafür solltest du dir Zeit nehmen. Du musst einen Kontakt in den USA angeben. Ein Campingplatz tut es, wir haben einen Freund gewählt und ausschließlich Adresse, Name und E-Mail Adresse angegeben.

Als grobe geplante Reisedaten haben wir eine Einreise in 8 Monaten angegeben mit einer voraussichtlichen Aufenthaltsdauer von 150 Tagen. Bei der Frage nach der Verbleibsadresse in den USA haben wir „NA“ angegeben.

Wir haben auch ehrlich geantwortet, dass wir derzeit beide nicht arbeiten. Das war bei der Visa-Vergabe kein Problem, allerdings muss man das sowohl im DS 160 als auch beim Interview erklären.

Wortlaut im DS 160:„NOT EMPLOYED BY OWN CHOICE CURRENTLY DRIVING AROUND THE WORLD IN A 20 YEAR OLD LAND ROVER USING SAVED MONEY.”

Wir haben ein reines B2 (Tourismus) Visum ausgewählt, auf dem Visum steht allerdings B1/B2.

Nach Abschluss des DS 160 Formulars bekommst du eine Bestätigungsnummer, die du ausgedruckt mit zur Botschaft nehmen musst.

Schritt 2: Online Termin vereinbaren und Gebühr bezahlen 

Einen Interview Termin kann man in Frankfurt, München oder Berlin vereinbaren. Das geht an allen Lokationen ausschließlich online. Hierfür musst du die offizielle Webseite des Visadienstleisters CGI Federal nutzen: http://www.ustraveldocs.com/de/index.html

Wartezeiten für den nächsten Termin sind hier zu finden: http://www.ustraveldocs.com/de/de-niv-waittimeinfo.asp

Auf der Webseite wird dann auch gleich die Gebühr beglichen, erst dann steht auch der Termin.

Das B1/B2 Visa kostet 136 Euro pro Person.

Man kann einen Termin für mehrere DS160 Formulare vereinbaren, so dass man als Familie oder Paar gemeinsam zur Botschaft oder zum Konsulat fahren kann.

Du bekommst eine E-Mail mit der Terminvereinbarung.

Schritt 3: Das Interview

Was mitnehmen?

  • DS 160 Bestätigungsseite
  • Reisepass
  • Bargeld, falls das Bild neu gemacht werden muss (5 Euro p.P. in München)
  • Zusätzliche Dokumente falls hilfreich – Route, Screenshot deines Bankvermögens (wurde bei uns beides nicht mal angesehen)

 Was nicht mitnehmen?

  • Jegliches elektronische Gerät – kein Handy, kein MP3 Player, kein Aufnahmegerät!
  • Fahrzeugschlüssel können abgegeben werden
  • Geldbeutel sind ebenfalls OK

Du kommst in eine gut-funktionierende Fabrik, in der alles seinen festen Ablauf hat, den du sowieso nicht beeinflussen kannst. In München konnten wir nach einer Sicherheitskontrolle unseren Pass und unsere Daten abgeben.  Wir mussten ein neues Foto machen und dann einfach eine Weile warten, bis wir zum Interview gerufen wurden.

Hier kam der für uns prekärste Moment, denn wir waren im Iran und das hat den Beamten auch gestört. Wir konnten aber glaubhaft vermitteln, dass wir als Weltreisende durch den Iran gefahren sind und Kultur und Wüste begutachtet haben.

Weitere Fragen wie: „Did you drive through ISIS controlled areas“ konnten wir glücklicherweise verneinen. Das zweite Große Interviewthema waren die voraussichtlichen Aufenthaltsdauern und ob wir wieder zurück nach Deutschland wollen, sowie die Frage nach unserer finanziellen Situation.

Mehrfach hatte der Grenzbeamte festgestellt, dass unsere Tour ziemlich cool ist! Nach weniger als 10 Minuten kam daher das OK mit dem finalen Satz „Your visas are approved!“.

Schritt 4: Visa erhalten

Das Visum wird per Post zugesandt. Wir hatten um Abholung gebeten, das wurde allerdings abgelehnt. Die Pässe mit den Visa sind bereits nach 3 Werktagen angekommen.

Unsere Einreise

Wir können gar nicht so schnell schauen, wie wir aus Kanada raus sind. Keine Kontrolle, keine Beamten … wir stehen auf einmal auf der Rainbow Bridge und konnten uns gar nicht verabschieden beziehungsweise erklären, dass wir das Land verlassen haben. Das gab es für uns seit der EU nicht mehr. Mal sehen wie das so weitergeht!

Wir sind sehr nervös, denn wir haben unsere iranischen Stempel im Pass und Tuco darf eigentlich erst in zwei Wochen in die USA einreisen. Erst dann ist seine Tollwutimpfung 30 Tage alt. Wir hoffen auf nette Beamte, allerdings habe ich schon oft genug Erfahrung mit grummeligen Grenzbeamten an der US-Grenze gemacht, bisher aber immer an Flughäfen.

Nur zwei Fahrzeuge sind vor uns und diese sind innerhalb von wenigen Minuten abgefertigt. Wir fahren an den Schalter heran und machen Calimero aus. Ich reiche die Pässe dem Beamten und er fängt direkt an mich zu löchern, freundlich aber direkt.

„Where are you heading to?“, „How long will your trip last?”, “Please explain your itinerary in more detail.”, “In which country is this car registered and insured?”, “What do you carry for food?”. Gerade auf die letzte Frage antworte ich, dass wir keine Südfrüchte und ausschließlich in Kanada produzierte Waren mit uns führen. Das Schweinefilet wurde zumindest in Kanada abgepackt.

Ich muss ihm meine Versicherungsdokumente für unseren Calimero aushändigen. Er verschwindet mit den Dokumenten für fünf Minuten zur Prüfung und gibt uns die Versicherungsdokumente wieder zurück.

Wir dürfen auf einem Parkplatz parken und sollen in ein Steingebäude gehen, die Pässe haben die Grenzbeamten einbehalten. Dort sollen unsere Pässe gestempelt werden. Wir nehmen im zweiten Stockwerk Platz und müssen 10 Minuten warten.

Tuco hat tatsächlich bis jetzt niemand bemerkt. Er bleibt im Fahrzeug und verhält sich ruhig. Wir haben das zurücklassen im Fahrzeug nie speziell geübt, haben aber das Gefühl, dass es ganz gut funktioniert, wenn wir Abends draußen sitzen und er im Auto schläft.

Wir werden aufgerufen und bekommen noch einmal ein paar Fragen gestellt. Der Grenzbeamte ist relativ jung und unglaublich freundlich. Er mag unser Auto, sagt er und stellt uns wieder Fragen zum Reiseverlauf.

Ich antworte immer, dass wir zu den Amisch in Ohio fahren, dann nach Ann Arbor, Freunde besuchen. Von da an möchten wir nach Westen und South Dakota, Wyoming und Montana entdecken. Von Montana soll es noch einmal nach Kanada gehen um dann für den Winter nach Mexiko zu fahren. Nächstes Jahr wollen wir dann wieder durch die USA nach Kanada und Alaska fahren.

Wir müssen eine Adresse angeben und ich kann die Adresse von Georg, einem alten Arbeitskollegen nicht komplett auswendig, mein Handy mit der Notiz ist im Auto. Ich sage dem Beamten, dass ich mir bei der Hausnummer nicht sicher bin und es ist ihm total egal.

Er nickt und tackert uns einen Zettel in den Pass, den I94W Zettel. Darauf ist das Datum vom 09. Februar 2019 vermerkt. Ob wir den bei Ausreise wieder abgeben müssen oder sollen ist uns auch noch nicht ganz klar. Aber wofür gibt es denn andere Reisende, wir fragen uns durch.

Tatsächlich ist damit auch kein Stempel in unserem Pass, sondern nur auf dem Zettel vermerkt. Wir bezahlen 6 US Dollar pro Person mit unserer Kreditkarte und dürfen wieder ans Auto, wo Tuco friedlich schläft.

War’s das schon? Wir fahren an keiner weiteren Kontrolle vorbei und sind nach nur knapp 30 Minuten in den Vereinigten Staaten von Amerika, Wahnsinn!

Das bekommt von uns einen Daumen nach oben für die freundliche, schnelle und unkomplizierte Einreise. Sie haben nicht ins Fahrzeug geschaut, sie wollten nichts von Tuco wissen – besser geht es nicht!

5

One comment

  1. Na super,
    wenn ihr so “zügig ” weitereist werden wir uns 2020 irgendwo in Amerika treffen.
    Gruß

    E&H

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Bleibe auf dem Laufenden und melde dich bei unserem Newsletter an.