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Grenzgang – Von Tadschikistan nach Kirgisistan

Bei der Ausreise aus Tadschikistan erleben wir tatsächlich noch etwas sehr erfreuliches. Wir müssen als aller erstes unser Fahrzeug Einfuhrpapiere in einer kleinen Bude rechts von der Schranke vorlegen und rechnen schon mit Kommentaren, weil das Dokument vor einigen Tagen bereits abgelaufen ist.

Der Beamte sieht den Zettel an, dreht ihn um und sieht den Namen und die Telefonnummer des Beamten in Khorog, der uns eine Verlängerung nicht geben wollte. (Hier gibt’s die Geschichte dazu)

Da fängt der Beamte an zu grinsen und sagt: „This is my writing. I gave that to you in Khorog“. Ich verstehe erst nicht und merke dann, dass das der Zoll-Chef ist, der mir tatsächlich die Kontaktdaten in Khorog aufgeschrieben hat. Heute trägt er Militärhose, Schlappen und Kapuzenpullover. In Khorog hatte er eine ordentliche, blaue Uniform mit Hut an und wurde gefahren. Der Zufall meint es gut mit uns. Der, wirklich freundliche, Beamte lächelt uns an und wir quatschen noch ein wenig, bevor er das Dokument verstaut und wir mit dem Grenzgang fortfahren dürfen.

Wir fahren an einigen verlassenen Hütten vorbei. Vor dem Schlagbaum ist auf der rechten Seite dann doch noch ein besetzter Posten. Hier schreibt der Grenzbeamte noch einmal alle Pass- und Visa-Daten in ein Buch, bevor er unseren Reisepass stempelt. Das wäre durchaus in 10 Minuten erledigt gewesen, allerdings haben sich in den zwei Sammeltaxis vor uns gefühlte 20 Menschen versteckt, deren Informationen natürlich ebenfalls festgehalten werden müssen.

Ohne auch nur das kleinste Problem werden wir aus Tadschikistan entlassen. Wir behalten die Pässe bereit, denn wir rechnen damit, dass nach wenigen Metern der Kirgisische Grenzposten erscheint. Wir halten am ersten Haus an und wundern uns, dass dort keine Schranke ist. Erst nach einem kurzen Gespräch mit dem Eigentümer, stellen wir fest, dass das ein Homestay ist.

Wir wundern uns sehr und hoffen, dass wir nicht an einem Beamten im Mittagsschlaf vorbeigefahren sind. Aber ein Land ohne Schlagbaum kann ich mir hier beim Besten Willen nicht vorstellen. Unsere Gedanken schweifen jedoch schnell ab, denn das ist das schönste, was uns je zwischen zwei Grenzposten unter die Augen gekommen ist. Die Landschaft ändert sich im Handumdrehen. Es wird grün und Wolken ziehen auf. Grüne Berge hatten wir zuletzt im Fan Gebirge und wir haben nicht so plötzlich damit gerechnet. Von der Passhöhe auf 4280 Metern fällt die Straße schnell auf circa 3500 Höhenmeter ab. Wir fahren durch ein wundervolles Tal und stoßen erst 18 Kilometer hinter der Passhöhe auf den Grenzposten.

Die Pässe sind in Null-Komma-Nix abgestempelt und wir wägen uns bereits in Sicherheit. Wir haben nur gutes über diesen Grenzposten gehört. Doch diesmal geraten wir an einen Miesepeter. Wir werden zum Customs Office geschickt. Ich nehme vorsorglich meine Fahrzeugpapiere mit und warte hinter einem Beamten, der niest, rotzt, sich die Nase mit der Hand abwischt und Whatsapp Nachrichten schreibt. Er dreht sich gar nicht um, was auch nicht möglich wäre. Immerhin ist sein Handy mit einer provisorischen Konstruktion an einer Säule befestigt. Ich vermute, dass er nur dort guten Empfang und Stromkabel vereinen kann.

Erst nach 10 Minuten dreht sich der Beamte um und gibt mir die Hand. Leicht angeekelt nehme ich den Handschlag an und denke von nun an ausschließlich an Desinfektionsmittel.

Der Herr setzt sich an seinen Schreibtisch und sagt nur laut schnaubend: „Read“ während er mit seinem Finger auf ein Plakat hinter ihm zeigt. Dort steht, dass die Einfuhr eines ausländischen Fahrzeuges 1000 kirgisische Som, umgerechnet circa 12 Euro kostet. Das Plakat sieht sehr offiziell aus, daher glaube ich ihm. Ich frage den Beamten wo die Bank ist, Kirgisische Som habe ich nämlich keine. Da wird er laut und schreit mich an: „I hate Tourists, they all say that they do not want to pay, that they do not have money. Why not just paying and going“.

Ich versichere ihm, dass das ohne böse Absicht passiert, aber ohne Bank ist das hier wirklich schwierig. Da er nur einen Blick in meinen Geldbeutel werfen müsste, sage ich ihm, dass wir noch einige Tadschikische Som übrig haben. Er findet das gar nicht gut, sagt aber: „Give me 150 Tajik Som and then Go. Don’t you see I am tired.“ Im gleichen Atemzug frägt er nach einer Tablette für Allergien. Ich sage ihm, dass wir ihm da bestimmt helfen können, so scheiße wie er aussieht.

Ich schaue im Auto auf dem Handy nach dem aktuellen Wechselkurs. Der Wechselkurs teilt mir mit, dass wir ihm nur 128 Tajik Som schuldig wären. Schenken möchte ich ihm ja auch nichts. Ich zähle draußen also mein Geld ab, gehe mit Handy und 128 Som bewaffnet zurück. Er reisst mit das Geld aus der Hand, gibt mir wütend die 1-er Scheine zurück und schreit mich erneut an, dass es ja nicht fair ist. Er ermöglicht uns, dass wir einreisen können und wir seien Idioten, die knausrig sind ihn nach aktuellem Wechselkurs bezahlen. Ich versichere ihm erneut, dass wir nichts böses möchten, und eine Art Bank an der Grenze diese Probleme definitiv lösen würde. Eine Tablette gebe ich ihm nicht, denn er befördert mich mit einem „And now Go – just Go“ aus der Türe und wir verlassen den Grenzposten.

Das war eine merkwürdige Nummer.

Im Nachhinein finden wir heraus, dass das Plakat völliger Nonsens ist und die „Environment Tax“ nur an zwei Grenzen existiert. Das zumindest denken wir. Ein lokaler Tourenanbieter (Amerikaner) erzählt uns, dass  die Gebühr nur noch nicht an allen Grenzen korrekt einbezogen wird.

Die Natur empfängt uns jedoch grandios. Wiesen voller Pferde und einen Blick zurück ins Pamir Gebirge, der uns umhaut. Willkommen in Kirgisistan!

Blick zurück aufs Pamir Gebirge

 

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One comment

  1. Hallo ihr 2…Spannend, habe schon ein paar Beiträge gelesen, bewundere was ihr macht, toll. Weiterhin gute Reise und viele Grüße aus Norddeutschland Kirsten

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