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Streifzug durch den Gros-Morne-Nationalpark

Wir wissen, dass kurz vor dem Gros-Morne-Nationalpark ein spannender Wasserfall versteckt sein soll. Am Lomond Sink Hole stürzt das Wasser in einen Kessel mit circa 30 Metern Durchmesser. Am Boden bildet sich kein Pool, sondern das Wasser versickert zwischen den Felsen. Das klingt total spannend und das möchten wir uns ansehen. Die Attraktion ist nicht sehr bekannt und geht im Schatten des nahegelegenen Nationalparks unter, perfekt!

Wir haben nur ungefähre Koordinaten und fahren die erste Piste an. Allerdings ist schon nach wenigen Kilometern Schluss. Die Piste ist an einer Engstelle komplett ausgewaschen. Es gibt eine Umfahrung, allerdings nur für Quads. Da kommen wir alleine, ohne Winde und Stabilisierungsmaßnahmen nicht weiter.Also drehen wir bei und übernachten an einem kleinen See, an dem nur ein verlassener Camper-Bus steht.

Erkundungsflug mit der Drohne
Hier ist der Weg zu Ende!
Ein wunderschöner Stellplatz am See

Mit der 14km langen Trout-River Wanderung finden wir eine der weniger frequentierten, aber sehr schönen Wanderungen im Gros-Morne-Nationalpark. Der Weg führt entlang des Trout River Ponds durch ein kleines Wäldchen und erhebt sich dann in die Tablelands.

Links die kargenTablelands – rechts die bewaldeten Fjord-Klippen

Wegen der Tablelands wurde der Gros-Morne-Nationalpark erst zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Das ockergelbe Gestein ist aus dem Erdmantel hervorgehoben. Die Theorie der Plattentektonik, deren großer Fan ich im Erdkundeunterricht war, wurde unter anderem hier bestätigt.  Die Tablelands sind sehr karg, da Pflanzenwachstum auf der Gesteinsart Periodit kaum eine Chance hat.

Einen besseren Eindruck der Tablelands bekommen wir bei der kurzen Wanderung auf dem Tablelands Trail. Dort treffen wir auch wieder Daniel und Isabell. Die beiden Schweizer haben wir vor einigen Wochen auf Neufundland getroffen und wir verabreden uns zum gemeinsamen Abend am See von letzter Nacht.

Claudia in der kargen Tablelands-Wüste
Wieder zurück am See!

Am nächsten Morgen wagen wir einen zweiten Versuch um das Lomond Sink Hole zu finden. Ein Dorfbewohner erklärt mir lang und breit den Weg, ich verstehe aber nur die Hälfte. Etwa 9 Kilometer südlich und dann auf den Schotterweg, verstehe ich aber. Wir versuchen unser Glück und tatsächlich, es gibt einen Schotterweg. Kurz bevor wir die Abzweigung finden, läuft uns das erste Mal ein Elch etwas entspannter über den Weg.

Ein Elch am Straßenrand – unsere vierte Sichtung, das erste Mal fotogen.

Nach circa 10 Kilometern auf dem Weg finden wir auch ein erstes Schild, welches auf das Sink Hole hinweist. Weitere 10 Kilometer, ein bisschen härtere Piste und eine Engstelle später, haben wir es dann tatsächlich gefunden. Ziemlich beeindruckend zischt das Wasser auf unserer Höhe in das Loch und verschwindet im Untergrund.

Das Sinkhole von oben
Auf Höhe des Wasserfalls

Auch an diesem Abend haben wir uns mit den Schweizern verabredet, diesmal auf dem Berry Hill Campingplatz im Nationalpark. Bei einem kurzen Zwischenstopp am Norris Point fällt mir auf, dass unser Auspuff die kleine Exkursion heute nicht überlebt hat. Im Campingplatz-Wifi eingeloggt, erfahren wir, dass unsere Ersatzteile angekommen sind. Somit entscheiden wir uns für eine Unterbrechung vom Nationalpark und fahren 130 Kilometer zurück nach Corner Brook.

Lange überfällig – der kaputte Auspuff.
Norris-Point

Dort möchten wir unsere Differential-Dichtungen austauschen und den Auspuff richten. Bei Werkstatt Nummer eins bekommen wir einen Termin und machen aus, dass wir mitschrauben dürfen, den Auspuff richten und die Dichtungen austauschen.

Als wir nach zwei Tagen wieder bei der Werkstatt (30km außerhalb von Corner Brook) auftauchen, dürfen wir nicht mitschrauben und der Auspuff kann nicht gerichtet werden. Das hätten sie uns auch beim ersten Gespräch sagen können. Mit etwas schlechtem Gefühl bei der Sache lassen wir sie gewähren und sie machen immerhin einen guten Job, die Differentiale lecken nicht mehr. Allerdings hat ein Kreuzgelenk der hinteren Kardanwelle etwas Spiel und die beiden Ersatz-Kreuzgelenke die ich seit über einem Jahr im Fahrzeug dabei habe … passen nicht! Wir werden das weiterhin beobachten.

Bei Werkstatt Nummer Zwei in Corner Brook bekommen wir einen Werkstatttermin für den nächsten Tag und bekommen den kompletten hinteren Teil des Auspuffs neu gemacht. Das belastet die Reisekasse zwar ordentlich, aber dafür können wir mit Ashley zwei tolle Abende verbringen und fahren jetzt etwas entspannter in Richtung Labrador.

Neuer Auspuff!

Dankbar für die Unterstützung von Ashley und Nolan kochen wir jeden Abend und lassen auch unseren Hi-Lift und die Küchenkiste dort. Vielleicht können sie es gebrauchen oder einem ihrer Freunde schenken.

Mit neuem Auspuff und frischen Dichtungen geht es vier Tage später wieder zurück in den Gros-Morne-Nationalpark. Dort stürzen wir uns direkt auf den Gros-Morne-Mountain-Trail. Zwar dürfen wir den Gipfel nicht besteigen (Brutgebiet für Karibu und andere Tiere im Mai und Juni), aber die ersten 300 Höhenmeter sind auch schön zu erwandern.

Jetzt haben wir allerdings Hummeln im Hintern. Wir lassen eine geplante Kayaktour sein und düsen in Fast-Lichtgeschwindigkeit zum Western Brook Pond. Schon am Parkplatz merkt man, dass wir die Haupt-Sehenswürdigkeit im Park erreicht haben. Über eine breite Schotterpiste läuft man drei Kilometer zum beeindruckenden Panorama.

Blick durch’s Gestrüpp – bombastischer Ausblick!
Nahaufnahme – hab ich schon mal erwähnt, dass ich Stein liebe?
Hier würde der Weg weitergehen … aber nicht für uns heute

Da dort allerdings eine populäre Bootstour in das Fjord ablegt, sehen wir einige Touristen, die es sehr eilig haben. Das Boot legt bald ab und die Körperfülle des ein oder anderen Touristen liegt im Zwiespalt mit der restlichen Strecke in der kurzen Zeit. Eine Frau schreit ihren Mann mit hochrotem Kopf „RUUUUUUUN“ zu, während dieser versucht seine Jacke im Rucksack zu verstauen. Irre, wie viel Druck man als Tourist so haben kann.

Wir bestaunen in Ruhe die steilen Felswände und wandern gemütlich eine kleine Rundtour, bevor wir uns auf den Rückweg zum Defender machen. Nach dem beeindruckenden Gros-Morne-Nationalpark liegen jetzt noch grob 525 Kilometer entdeckungsreiche Fahrt auf der nördlichen Halbinsel von Neufundland vor uns.

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