Bernds BergweltenInspiration

Heimkehr nach der Weltreise – „Und, schon zuhause angekommen?“

Rückkehr – der Moment vor dem ich am meisten Angst habe. Kündigen und wegfahren fiel mir leicht. Es fühlt sich zuerst wie Urlaub an, erst nach und nach kehrt dieser Reise-Alltag ein, von dem jeder Langzeitreisende berichtet. „Das ist aber kein Urlaub mehr“, sagt man dann irgendwann und ist auf einmal kein Urlauber mehr, sondern Reisender.

Aber die Rückkehr, die kommt mit Erwartungen, mit Sorgen, Verbindlichkeiten, Terminkalendern und gesellschaftlichem Druck.

Natürlich freue ich mich, Claudia endlich wiederzusehen. Wir waren fünf lange Monate getrennt. Während ich durch die kanadischen Berge geturnt bin, hat sie Ihr Leben zuhause organisiert, bei Mutti gewohnt, ihren alten Job wieder bekommen und 20 Stunden die Woche gearbeitet.

Immer dabei, Tuco. Tuco ist mittlerweile der Dreh- und Angelpunkt von Claudias Leben. Besuche bei Freunden sind nur möglich, wenn Claudia Tuco mitnehmen kann – arbeiten geht nur, wenn Tuco in die Hundepension geht. Der Vorteil bei Mutti wohnen zu können, kommt mit dem Nachteil, dass man den Hund nicht zu lange alleine im kleinen Gästezimmer im Keller lassen kann.

Während ich Skitourengehen, Eisklettern und Bergsteigen war, hat Claudia unsere Freunde und Familien besucht, hat Tuco gebändigt, sich wieder eingelebt und ist viel weiter als ich, der da mit seinen drei Rucksäcken und tausenden weiteren verrückten Ideen am Frankfurter Flughafen landet und sich müde in die Arme seiner Frau fallen lässt.

Die ersten Tage in der Heimat

Kaum zuhause am Bodensee angekommen, packen wir unsere Sachen für einen Campingtrip und schon am zweiten Tag nach Ankunft wache ich in unserem Zelt auf einem kleinen Campingplatz in Tirol auf.

Die Nähe zu den Bergen, zu Claudia und Tuco hilft mir, damit klarzukommen, dass diese Reise wohl nun erstmal vorbei ist. Ich hätte weitermachen können.

„Bist du schon angekommen?“ ist nun die Frage, die mir am meisten die Nackenhaare aufstellt. Nein, nein und nein. Ich bin nicht angekommen. Ich trauere Canmore hinterher, einem Ort in den ich mich verliebt habe, den ich nur Claudia zuliebe wieder verlassen habe. Auch beim schreiben der Zeilen schmerzt es, dass ich gerade nicht diese monumentale Natur direkt um mich haben kann. Ich trauere der Freiheit hinterher, mit der wir über die letzten Jahre gesegnet waren.

Canmore!

Unsere Terminkalender werden schnell übervoll. Hochzeit hier, Geburtstag da, Treffen dort. Claudia und ich sitzen vor dem Kalender und definieren zusammen, wann ich in die Berge kann, wann wir zusammen wegfahren und welche Verpflichtungen so auf uns zukommen.

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Obwohl ich noch nicht arbeite, habe ich jetzt schon kaum Zeit, die Dinge zu tun, die mir am Herzen liegen. Wie soll das erst werden, wenn ich in wenigen Wochen arbeiten gehe.

Nach einem kleinen Willkommens-Fest, über das ich mich sehr gefreut habe fahren wir für ein paar Tage ins Donautal und ich fange langsam an, darüber nachzudenken, wie wohl unser nächstes Reisefahrzeug aussieht. Verdrängungsstrategie pur – aber sie funktioniert.

Wir sind auf einer Hochzeit in Dresden eingeladen, von Reisefreunden aus Indien. Das wird bestimmt ein Megafest. Gleichzeitig ist die Adventure Southside am Bodensee, eine Reisemesse, die wir ebenfalls unbedingt besuchen möchten. Mit ein wenig jonglieren planen wir einen Tag Messe ein um dann für einen Tag nach Dresden zu ballern und am nächsten Tag zurück – dann folgt eine geplante Bergtour.

Unser Toyo versteht diesen Stress allerdings nicht und verliert auf der Adventure Southside erstmal seinen Auspuff – war ja klar, dass es bei mir ohne Schrauberei dann doch nicht geht. Also doch ein wenig langsamer. Wir bleiben also das Wochenende auf der Adventure Southside und entschleunigen für den Moment.

Mit tollen Bergtouren (z.b. 16 Seillängen am Saulakopf), schönen Ausflügen (z.b. in die Schweiz), Verpflichtungen und unserem Umzug nach Dietramszell bei München vergeht der restliche Monat wie im Flug und auf einmal stehe ich im H&M und muss mir neue Klamotten kaufen.

„So kannst du nicht zur Arbeit“ sagt Claudia und das können meine Freunde nur so unterschreiben. Also kaufen wir zwei lange Hosen, zwei kurze Hosen und vier neue T-shirts. Das muss reichen.

Der erste Arbeitstag und die große, leere Wohnung

Der erste Arbeitstag macht mir Sorgen – komm ich mit den neuen Kollegen klar. Kann ich überhaupt noch so lange stillsitzen und mich konzentrieren? Kurze Antwort – Ja. Der Welcome-Rum zur Mittagszeit tut gut, das neue Equipment ist top, die Kollegen sind echt ne coole Nummer und der Kaffee ist auch noch gut! Auch das arbeiten fällt mir irgendwie nicht so schwer. Ich komme schnell zurück in die Motivation die ich früher kannte. Wo ich arbeite? Bei Mantro, einem Company Builder. Was ich da mache? Momentan leite ich den Vertrieb für unser Startup Raumgold und darf vom Preis über die Herangehensweise bis in unser Betriebsmodell Entscheidungen treffen. Auch das ist hilfreich für die Wiedereingliederung. In einem Tarifunternehmen mit starren Strukturen wäre ich momentan völlig verloren.

Lala-Kaffee

Mir fällt es eher schwer in die völlig überteuerte, viel zu große Wohnung 35 Minuten außerhalb von München zurückzufahren. Während ich in der hallenden Wohnung darüber sinniere, ob wir in Zukunft einfach im Auto leben können, arbeitet Claudia noch bis Ende August am Bodensee – wieder getrennt.

Immerhin kann ich mit einem Traumauto zur Arbeit fahren. Frederik und Charlotte, ebenfalls weit gereiste Overlander (schaut mal hier), haben mir einen weißen Defender 110 HCPU mit 300TDI Motor geliehen, bis Calimero wieder da ist!

Neeein, ich freu mich gar nicht!

Ich muss mir beweisen, dass ich die Wochenenden nutzen kann

Nachdem ich ein Wochenende krank ausfalle und dadurch eine weitere Hochzeit verpasse (shame on me), setze ich mir das Ziel die Wochenenden nicht mehr zu verschwenden. Ich plane größere Bergtouren und Claudia zeigt Verständnis.

Kurz vor dem Gipfel des Piz Buin

Meine ersten Hochtouren in den Alpen führen auf den Piz Buin in Österreich und den 4061 Meter hohen Gran Paradiso in Italien, immer mit dem Ziel, keine Urlaubstage zu verbrauchen.

Für Italien sieht das dann so aus. Freitagabend – mit dem Flieger nach Mailand und dem Mietwagen ins Aosta Tal. Nach einer Nacht auf dem Fiat 500 Beifahrersitz dann die Bergtour in 2 Tagen – knappe 2800 Höhenmeter in 2 Tagen. Mit dem Mietwagen am Sonntagmittag zurück nach Aosta und von dort mit dem Flixbus nach München, pünktlich zur Arbeit am Montagmorgen.

Gran Paradiso Gipfelgrat

Obwohl sich das stressig anhört, brauche ich diese Ausflüchte, die kleinen Abenteuer in den Bergen. Als ich Claudia am Bodensee besuche und einen Tag nicht rauskomme, bekomme ich schon die Krise. Claudia versteht das und so gehen wir an den anderen gemeinsamen Wochenenden gemeinsam in die Berge – auch Claudia und Tuco brauchen das – nur mit etwas weniger Höhenmetern am Stück, das kann ich irgendwie verstehen.

Worauf will ich eigentlich hinaus?

Nein, ich bin immer noch nicht angekommen. Aber – mir macht die Arbeit Spaß und ich habe Ziele für die Wochenenden, mit denen ich mich davon ablenken kann, dass ich nicht mehr die Freiheit habe, wie ich sie die letzten 2,5 Jahre genießen konnte.

Mit der Wohnung sind wir immer noch am hadern. Wir schauen uns in Kürze eine Wohnung in Holzkirchen an. Gleich teuer, aber viel kleiner, dazu nur 12 Minuten Fußweg von der S-Bahn entfernt. Damit spare ich mir die langen Fahrten zur Arbeit, denn ein fast direkter Zug fährt in 20 Minuten bis fast vor die Arbeit. Das Modell näher an den Bergen zu wohnen hat nicht so geklappt wie ich mir das vorgestellt habe, aber bis zu den ersten Alpen-Ausläufern brauchen wir nur knappe 20 Minuten mit dem Auto.

Ein weiteres Thema mit dem wir uns kräftig beschäftigen, ist unser nächstes Reisefahrzeug, denn wir haben schon wieder Pläne geschmiedet. In 5 Jahren soll es wieder losgehen. 5 Jahre, in denen wir ein Reisefahrzeug für’s Leben aufbauen (und finanzieren) wollen, in denen wir die Rentenkasse ein wenig aufbessern und in denen wir Lebensentwürfe weiter spinnen können. Wir wollen mehr Lebensraum im Fahrzeug und trotzdem Geländefähig bleiben, ein Fahrzeug, das technisch und von der Substanz 1A dasteht und dazu auch noch supersexy ist. Was das wohl werden wird? Wir werden berichten!

Die Herausforderungen der nächsten Wochen werden allerdings etwas bodenständiger sein. Die Vorbereitung für Claudias nächste Reise laufen auf Hochtouren. Während ich hier in München Fuß fasse, fährt Claudia nämlich zu unseren Freunden von Naalitours nach Finnland. Für zwei Monate. Mit Calimero! Der muss aber erstmal ankommen, TÜV bekommen und etwas umgebaut werden, ob das zeitlich alles noch klappt? Auch dazu werden wir berichten! Langweilig wird es mit Sicherheit nicht bei uns!

PS: Liebe Freunde, falls ich mich zu rar mache. Sorry! Fragt mich doch bitte einfach ob wir gemeinsam in die Berge gehen – das kann ich euch nicht abschlagen und wir können tolle Gespräche führen und gemeinsam im Dunkeln losmarschieren.

One comment

  1. Hallo ihr beiden,

    ich verfolge Euch schon seit einiger Zeit und habe auch diesen Bericht gelesen. Ich kann das gut verstehen wie es Euch geht.
    Nur mal so als Gedanke für die Zukunft, denn das ist zumindest auch der Plan meiner Familie. Wir geben in den nächsten 5 Jahren Gas im Network Marketing und erarbeiten uns ein passives Einkommen. Dies soll uns dann ermöglichen unsere angestrebten Reisen und Ziele auch durchziehen zu können.
    Das wie gesagt ist nur ein Tip, ihr bekommt sicherlich recht viele davon. 🙂
    Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz und eine tolle Zeit Euch Dreien.
    Gruss
    Nico

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