AlbertaKanadaWeltreise Tagebuch

Bernd und Calimero auf dem Icefields Parkway im Winter

OK, mir ist schon wieder eine Zwiebel eingefroren – aber diesmal nur eine! Aus dem Gemüsedesaster der letzten zwei Wochen habe ich gelernt und für die folgenden zwei Wochen etwas mehr auf Trocken- und Dosennahrung gesetzt.

Couscous-Eintopf mit frischem Gemüse, solange es noch nicht gefroren ist und dann Gerichte wie Nudeln mit Thunfisch und Ei oder Linsen mit Nudeln und Würstchen.  Da ich alleine bin, muss ich nur jeden zweiten Tag kochen und kann die Reste am Folgetag verwenden, so spare ich mir zu viele unterschiedliche Zutaten.

Calimero und mich zieht es magisch auf den Icefields Parkway. Obwohl die Temperaturen arktisch sind, Calimero immer wieder Startschwierigkeiten zeigt und der Icefields Parkway über 2000 Meter hohe Pässe führt, bin ich total entspannt. 

Manch einer braucht größere Reifen auf dem Icefields Parkway

Man mag es kaum glauben, aber ich bin entspannter bei solchen Aktionen, wenn Claudia nicht dabei ist. Ich muss mir nicht darüber Gedanken machen, ob es ihr auch Spaß macht und wenn es eine schreckliche Erfahrung werden würde, bekomm stehe ich sie alleine tatsächlich einfacher durch. Denn ich kenne meine Frau! Ich weiß, dass ihr die Kälte zusetzen würde und wir im Pannenfall keinen einfachen Ausweg finden würden, schon gar nicht mit Hund (die Hostels erlauben hier keine Hunde). 

Auch ich hätte vor ein paar Wochen noch dreimal überlegt, ob ich den Icefields Parkway alleine im Winter wagen soll, aber die Zeit in Fernie und Kananaskis hat mich hoffnungsvoll und wagemutiger gemacht. Solange die Temperaturen beim Wagenstart höher als -20 Grad Celsius sind, habe ich gute Chancen voranzukommen.

Schicke Nebenstraßen!

Laut Vorhersage sollen die Temperaturen in der Nacht deutlich unter -20 Grad gehen, aber die Tage sollen warm werden (-1 bis -15) – notfalls warte ich einfach bis die Sonne auf die Motorhaube scheint und fahre dann erst weiter. Außerdem gibt es die Wildnis-Hostels (Berghütten) auf dem Weg, wo ich jederzeit unterkommen kann – sogar umsonst, denn meinen Wildnis-Pass habe ich mir schon in Kananaskis besorgt.

Auf dem Weg zum Icefields-Parkway beschließe ich einen Nebenweg zum Highway 1 zu fahren und finde schon die ersten schönen Panoramen vor. Als ich gerade die Bahnschienen im Vordergrund und eine schöne Bergkette im Hintergrund aufnehme, sehe ich ein Tier auf den Schienen balancieren, das mir mein Bild „versaut“.

Ein wunderschönes Panorama, rechts unten auf den Schienen das Tierchen

Ich hoffe auf einen Puma, springe zum Auto zurück und hole die andere Kamera mit der großen Linse. Etwas enttäuscht sehe ich nur einen Kojoten und muss kurz darauf innerlich laut auflachen. Vor einem Jahr hätte ich ALLES für eine solche Sichtung gegeben, aber wenn man den Kojoten schon direkt am Auto stehen hatte und auch schon Kojoten im Dunkeln begegnet ist, dann ist das hier eine nette aber nicht so intensive Begegnung. 

Doch “nur” ein Kojote
Optimale Fahrbedingungen!

Die Sonne strahlt heute wie verrückt und der Schnee und das Eis reflektieren ordentlich zurück. Ich gehe auf einem See spazieren und sehe meine Füße nicht mehr, da der Powder sie verschluckt. Ich fahre ein paar der offenen Nebenstraßen zu Trailheads und schaue mir die Trails an. Die meisten jedoch sind ohne Schneeschuhe oder Skier schwer zu begehen. Ich sinke immer wieder bis zur Hüfte ein und gebe schnell auf.

Nur ein wenig Powder – aber die Schuhe gehen unter!

Doch wirklich schneller komme ich deswegen nicht voran. Nach jeder Kurve offenbart sich ein weiterer wunderschöner Berg, ein neuer Gletscher oder ein weiterer gefrorener See. Als dann auch noch die Sonne untergeht, beginnen die Berge zu glühen und ich bin einfach nur unendlich glücklich, diese Landschaften bewundern zu dürfen. Jetzt hätte ich Claudia natürlich gerne bei mir, um diese schönen Momente zu teilen und später einmal sagen zu können: “Schatz, kannst du dich an den Mount Wilson bei Sonnenuntergang erinnern?“ Tjo, ist nun mal kein Wunschkonzert hier. 

Im Wildnishostel „Rampart Creek“ bekomme ich ein paar Schneeschuhe geliehen und stapfe durch die Winterwunderlandschaft unterhalb vom Mount Wilson. Sobald ich einen neuen Trail erstapfe, komme ich ziemlich schnell ins Schnaufen, obwohl kaum Steigung vorhanden ist. Ich habe durch die ganze Skifahrerei mein Konditionstraining wohl zu stark sausen lassen. 

Blick zurück auf Mount Wilson während meiner ersten Schneeschuhtour
Nahaufnahme von zwei wundervollen Wasserfällen direkt neben dem Rampart Creek Hostel

Kurz hinter Rampart Creek erwartet mich dann ein weiteres Highlight des Icefield Parkways. Die Weeping Wall. Dieser enorme Wasserfall lädt zum Eisklettern förmlich ein und so bewundere ich zwei Eiskletterer, wie sie sich langsam ihren Weg nach oben erschwingen – beeindruckend! Immer wieder fallen ordentliche Eisbrocken in meine Richtung und ich muss aufpassen von wo ich die Fotos mache.

Von der Weeping Wall führt der Icefields-Parkway über einige Höhenmeter am Mount Athabasca vorbei zum Columbia Icefield beziehungsweise dem Athabasca Gletscher. Das 325 Quadratkilometer große Columbia Icefield aus dem der Athabasca Gletscher entspringt kann man von hier unten nur erahnen.

Mein Weg führt mich an den Tangle Falls und Sunwapo Falls vorbei bis hin zu den Athabasca Falls – wieder einmal muss ich alle paar Hundert Meter anhalten und Fotos machen. Die Region ist einfach unfassbar beeindruckend.

Im HI Hostel Athabasca Falls leihe ich mir wieder einmal ein paar Schneeschuhe. Völlig ohne Plan düse ich an Jasper und dem Maligne Canyon vorbei zum Medicine Lake. Ich parke, schnalle die Schneeschuhe an, den Rucksack auf den Rücken und stapfe einfach mal so drauf los. Obwohl schon ein paar Trails existieren, mache ich mir meinen eigenen Trail – das macht Spaß! Ob ich auf dem See bin oder nicht, lässt sich nur erahnen.

Als nach einer halben Stunde ein Trail in den Wald zwischen ein paar Klippen verschwindet, werde ich neugierig und folge dem Pfad, der mich schnurstracks durch einen Canyon führt, der nicht auf der Karte war. Geil! Der Weg führt an ein paar Felsklettereien und einem gefrorenen Wasserfall vorbei. Immer wieder hört man das Glucksen des Wassers unter einem. So fühlt sich also Rückwärts-Canyoning an. 

Da jeder Tag lehrreich ist, lerne ich heute, dass man sich nicht an dünnen Tannen festhalten soll, wenn diese mit Schnee beladen sind.  Mit einer ordentlichen Ladung Schnee auf meinen Schultern drehe ich wieder um und fahre nach einer Nacht im wunderschönen Athabasca Hostel den ganzen Weg nach Canmore zurück, aber nicht bevor ich mir noch die Athabasca Falls in Ruhe ansehe.

Das Athabasca-Falls Hostel
Die Athabasca Falls im Winter
Nur die oberen Schichten sind gefroren – drunter rauscht es ziemlich

Wieder vorbei am Athabasca Glacier, den vielen tollen Bergen, der Weeping Wall, vielen weiteren gefroreren Wasserfällen über den Bow Pass bis nach Lake Louise, wo ich noch einmal kurz stoppe um den Lake Louise im Winter zu bestaunen.

Die letzten Tage nutze ich um in Canmore die Kletterhalle zu besuchen, meine Ausrüstung zu tunen, einen letzten Skitag in Nakiska zu verbringen und die tiefgreifenden (natürlich englischen) Unterlagen zu studieren, die ich für meinen Wilderness First Aid Kurs bereits bekommen habe. Wobei die meiste Zeit für die Zeit mit coolen Hostel-Mitbewohnern und ersten Freundschaften mit Locals draufgeht.

Der Stil dieser Reise hat sich seit Claudias und Tucos Heimkehr – beziehungsweise schon ein paar Wochen vorher drastisch geändert. Ich schlafe nur noch sehr wenig in Calimero, ziehe die bequemen Hostels, die Wärme und die Gemeinschaft mit anderen Reisenden vor. Die Reisenden, die ich hier treffe sind meist Skitourengeher oder Eiskletterer, die sich jeden Tag neuen Projekten in den Bergen um uns herum widmen – ich lerne alleine durch’s zuhören schon jede Menge. Eiskletterer unterhalten sich nämlich hauptsächlich über die Konditionen der verschiedenen Eisfälle, zu denen ich etwas beitragen kann, denn ich habe einige der Fälle fotografiert und über Handschuhe. “Wie viel Handschuhe hast du?” … “Was, nur drei Paar? Du brauchst definitiv mehr. Ich habe acht Paare und habe immer mindestens vier paar dabei.” Na vielleicht muss ich doch nochmal in die Outdoorläden dieser Stadt.

Während gestern unser Blog von Matsch und Piste zum Besten Offroad-Blog 2018/19 gekürt wurde (schau hier), ist diese dort bewertete Art der Reise nun irgendwie vorbei. Mit der Tour auf den Icefields Parkway habe ich ein letztes Bernd & Calimero Abenteuer erlebt, bevor morgen mein “Mountain Skills Semester” beginnt, in dem ich in verschiedenste Disziplinen des Alpinismus eingeführt werde, drei Monate lang.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ihr weniger von Calimero lesen werdet, dafür aber umso mehr Berggeschichten und Bergbilder geliefert bekommt. Erst im Juni werde ich Calimero wieder aktiver nutzen um nach Vancouver und Squamish zu fahren, wo meine Reise dann enden wird und ich meine Frau wieder in die Arme schließen darf.

Doch ihr wisst ja – nach der Reise ist vor der Reise. Wir haben genug verrückte Ideen für 40 weitere Reisejahre! 

Doch erst einmal werden wir uns südlich von München (vermutlich irgendwo zwischen Garmisch und Wolfratshausen) ansiedeln, denn ab 1. August werde ich bei Mantro arbeiten, einem kleinen Company-Builder in Obersendling, München.

2 comments

  1. Hallo Ihr beiden,
    dann noch einmal herzlichen Glückwunsch zum “Best Blog Award”! Das habt Ihr Euch wahrlich verdient, bei der Fülle an Infos, tollen Bildern und Berichten auf Eurem Blog!
    Und vor allem: Winter-Expeditionsbilder findet mal selten auf den diversen Weltreiseblogs! Tolle Aufnahmen.
    Euch beiden alles Gute!
    Tanja

    1. Hallo Tanja,

      vielen Dank! Warte nur auf den nächsten Beitrag – es wird noch winterlicher, zumindest was die Sportarten angeht 😀

      Liebe Grüße,
      Bernd

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