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Indien für Selbstfahrer – ein Überblick für Overlander

Indien ist das wohl abenteuerlichste Land, durch das wir gefahren sind. Kein Land hat unsere Geduld so oft auf die Probe gestellt, wie Indien.

Mehrfach sind wir am Rande des Wahnsinns gestanden. Man hat uns immer gesagt, du wirst Indien hassen oder lieben lernen. Ein dazwischen soll es nicht geben. Genau da bin ich aber angekommen.

Es gibt viele Dinge, die mich an Indien wahnsinnig stören. Da wäre der Müll, der respektlose Umgang mit Tieren und Mitmenschen, die fehlende Privatsphäre, der unmögliche Verkehr und auch die Geräuschkulisse. Auch hat uns überhaupt nicht gefallen, wie Abmachungen verdreht wurden und oftmals erst gar nicht eingehalten wurden.

Claudia ist von Indien erstmal geheilt, auch ich muss so schnell nicht mehr mit dem eigenen Fahrzeug dorthin. Es gibt aber auch jede Menge zu entdecken und wenn man es schafft, die negativen Elemente gut zu verarbeiten, bietet Indien wundervolle Sehenswürdigkeiten und eine besondere Kultur. Hier kann man als Entdecker unterwegs sein, Menschen treffen, die noch nie einen Touristen gesehen haben und das bunte Leben genießen.

Begeistert hat uns auch durchweg das Essen. Wir wurden so oft gewarnt, dass wir hier krank werden, allerdings hatten wir in drei Monaten Indien nicht das geringste Problem mit unserem Magen-Darm -Trakt. Das liegt mitunter vermutlich daran, dass wir unseren Mägen schon einiges zugemutet haben, bis wir in Indien angekommen sind.

Wenn du also gerade eine Reise nach/durch Indien mit dem Fahrzeug planst und noch nie dort warst, solltest du dir zuerst zwei Fragen stellen:

  1. Was ist mein Plan-B, falls es mir nicht gefällt?
  2. Wie schnell kann Plan-B in Angriff genommen werden?

Wenn du das gemacht hast, steht einer Indien Reise kaum mehr was im Weg. Denn auch wenn wir oftmals gewarnt wurden, dass uns Indien eventuell nicht gefällt, wollten wir es selbst herausfinden! Denn genau das macht die Reiserei doch aus, selbst herausfinden wo es einem gefällt und wo nicht.  Geschmäcker sind bekanntlich verschieden!

Die Reiseinformationen die du hier findest sind auf keinen Fall vollständig oder auch nur annähernd ausreichend für ein solch vielfältiges Land. Das sind ein paar Informationen aus unserem kurzen Aufenthalt in gar nicht so vielen Bereichen von Indien.

Visa

Wenn du Indien mit dem eigenen Fahrzeug bereisen möchtest, wirst du nicht um ein ordentliches Visa herumkommen, denn die e-Visa Regelungen gelten nur für den Landeseintritt via Flughafen und auch nur dann, wenn man kürzer als 30-Tage im Land verweilt.

Das Indien Visum bekommt man in Deutschland mit einer Gültigkeit von 6 oder 12 Monaten. Im Regelfall bekommt ein Tourist, der das erste Mal nach Indien reist nur 6 Monate bewilligt.

Für die Beantragung vom Visa muss zunächst ein Online Formular ausgefüllt werden. Man benötigt zudem ein Foto im Format 5x5cm. Das Ergebnis-Dokument des Online-Antrags wird dann mit den restlichen Unterlagen zur Botschaft gesendet.

Da Touristen-Visa im Normalfall 6 Monate ab Ausstellung gültig sind, ist das für Overlander äußerst unpraktisch. Daher beantragen viele Reisende ihr Visum auf dem Weg nach Indien. Wenn du von Deutschland deine Reise beginnst, ist das vermutlich Kirgisistan, Iran oder Pakistan.

Wir haben unsere Visa in Kirgisistan bewilligt bekommen, wie das abläuft kannst du hier nachlesen. 

Laut einem aktuellen Bericht im Forum von Caravanistan, sind 6 Monate Double Entry in Teheran im Iran möglich.

Uns war das Risiko zu hoch, das Visum erst in Pakistan zu beantragen, da wir weder ein zweites Iran Visa hatten, noch über China wieder ausreisen konnten. Falls wir das Visum in Pakistan nicht bewilligt bekommen hätten, wären wir vorerst in Pakistan gestrandet.

Jedoch ist es möglich in Islamabad das Visum zu beantragen. Mathias und Theresa haben dort das Visum bekommen. Auch hier gab es 6 Monate Multi-Entry. Allerdings nur mit einem maximalen Aufenthalt von 75 Tagen per Einreise.

 Die beste Reisezeit für Indien

Man könnte auch fragen, was die beste Reisezeit für Europa ist, denn Indien ist groß und hat viele verschiedene Klimazonen. Man findet in Indien karge Gebirgsgegenden, Wüsten, aber auch Regenwald und weite Flussebenen mit Reisanbau.

Während wir es in Goa von November bis Februar sehr angenehm hatten, wären Juli, August und September perfekte Reisemonate um den sagenumwobenen Leh-Manali Highway zu fahren. Hier findest du viel detailliertere Informationen zum Thema Reisezeit für Indien.

Ein- und Ausreise

Die Einreise nach Indien kann anstrengend und langwierig sein. Unser Auto wurde sehr genau kontrolliert, aber es gab keine Komplikationen. Unseren Grenzgang haben wir wie immer festgehalten:

Zum Grenzgang Pakistan-Indien

Wichtig sind vor allem folgende Regeln:

  • Du brauchst zwingend ein Carnet-de-Passage
  • Es dürfen keine Satellitentelefone eingeführt werden

Das Auto darf für maximal 180 Tage im Kalenderjahr eingeführt werden. Eine Verlängerung ist möglich, ABER manchmal mit viel Bürokratie und Zeitaufwand verbunden. (Hier gibt’s mehr zu lesen)

Fahren in Indien

Tja … da sind wir auch schon beim Knackpunkt. Fahren in Indien macht nicht immer Spaß. Man muss extrem aufpassen, hinter jedem Busch kann sich eine Kuh oder ein völlig entspannter Inder befinden, die ohne zu schauen, auf die Autobahn hüpfen. Im Stadtverkehr gipfelt der eh schon wilde Verkehr gerne mal in kleineren oder größeren Unfällen.

Verkehrsregeln? Gibt es keine! Eine rote Ampel wird nur dann beachtet, wenn auch ein Polizist danebensteht.

Vorfahrt? Naja, derjenige der nicht schaut, wird schon unversehrt davonkommen.

Rückspiegel? Werden abmontiert, damit sie nicht kaputtgehen!

Blinker? Zählen GAR NICHTS! Tatsächlich funktioniert handwedeln und hupen besser.

Der wichtigste Tipp für das Fahren in Indien? Fahre niemals mit kaputter Hupe!

Wir haben zudem die Erfahrung gemacht, dass es am frühen Morgen meist noch entspannt zu fahren ist, während am Nachmittag wohl alle ein bisschen durchdrehen.

Hier empfiehlt es sich mit dem Beifahrer als Team zusammenzuarbeiten. Beharre nicht auf dein Recht und versuche Unfälle zu vermeiden. Wir haben zwei Motorräder, ein Tuktuk und einen LKW touchiert ohne weitere Probleme. Allerdings können sich Inder bei einem größeren Unfall auch zu einem Mob aufstacheln. Uns wurde mehrfach von Einheimischen versichert, dass wir bei einem tödlichen Unfall auf jeden Fall abhauen sollten, wenn wir können.

Maut

Auf indischen Autobahnen muss bar an Mautstationen Maut bezahlt werden. An einigen Stationen wurden wir aber freundlichst ohne Gebühr weitergelassen.

Diesel in Indien

Diesel ist einfach zu finden hat uns ca. 86 Eurocent pro Liter gekostet.

Geld & Budget

Völlig abhängig vom Reiseziel in Indien verändert sich auch das Preisgefüge. Dort wo Touristen-Attraktionen stehen, kann man sehr teuer hausen, essen und besichtigen. In den kleinen Dhabas (Imbissen) können wir aber auch in den Städten meist für ca. 1-2 Euro pro Person gut essen gehen. Früchte auf dem Markt sind extrem günstig und auch Tuktuk fahren in der Stadt ist preislich niedrig.

Allerdings werden viele Inder, vor allem in den Touristenregionen, versuchen dich über den Tisch zu ziehen. Für unsere erste Tuktukfahrt haben wir 500 Rupees bezahlt, für eine weitere längere nur 150.

Ein Preistreiber ist der Sprit, der hier wieder etwas teurer ist als in Zentralasien.

Wir sind mit 700 Euro im Monat sehr gut zurechtgekommen, wobei der Preis hauptsächlich so hoch war, weil wir:

  1. Nicht mehr selbst gekocht haben
  2. Im teuren Goa waren, denn in Goas Touristenorten ist alles deutlich teurer (außer Alkohol, Sprit und Zigaretten)

Trinkwasser

In Indien haben wir grundsätzlich Trinkwasser in 20l Kanistern oder kleineren Flaschen erworben. Die 20l Kanister kosten Pfand und sind von Region zu Region unterschiedlich. Daher sollte man direkt nach dem auffüllen die Kanister wieder zurückgeben.

In Goa konnten wir „Trinkwasser“ aus einem Schlauch auffüllen. Das haben wir aber nie getrunken und auch fürs abspülen mit Micropur behandelt.

Internet

In den Touristenorten findet man Internet, das aber meistens langsam und instabil ist. Außerhalb davon kann es deutlich schwerer werden. In den Großstädten hat man hervorragende 3G oder sogar LTE Verbindung. Eine SIM-Karte kann man mit Datenpaket für 84 Tage für unter 10 Euro z.B. bei Vodafone bekommen. Man sollte aber mehrere Tage an einem Ort verweilen, bis die SIM Karte final aktiviert ist. Bei uns hat das bis zum Schluss nicht geklappt.

Privatsphäre und Sicherheitsgefühl 

Das größte Sicherheitsrisiko in Indien ist und bleibt der Straßenverkehr. Ob du zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs bist, du solltest immer mit voller Aufmerksamkeit unterwegs sein. Richtig gefährlich sind Nachtfahrten, denn Inder machen ihr Licht (sofern vorhanden) erst dann an, wenn sie selbst nichts mehr sehen. Dann aber wird mit Fernlicht gefahren. Zudem sind immer noch Verkehrsteilnehmer wie Kühe oder Personen auf den unbeleuchteten Straßen unterwegs.

An Goas Stränden hatten wir immer wieder Probleme mit den indischen Partygängern. Rücksicht wird generell nicht genommen und auch das Wort Privatsphäre ist nicht existent.

Indien war bisher das erste Land, in dem mehrere Menschen versucht haben unseren Calimero in der Nacht zu öffnen, wenn auch aus Neugier. Daher hatten wir auch einige unruhige Nächte.

Bis auf einige unangenehme Begegnungen am Stellplatz in Goa hatten wir keine gefährlichen Begegnungen in Indien. Man sollte generell Vorsichtig sein, wenn Männergruppen trinken.

Vermeintlich harmlose Gespräche können dann schnell eskalieren. Wenn diese Männergruppen dann beginnen, Frauen anzugehen, sollte man sich definitiv einen anderen Stellplatz suchen.

Bevor du durch Indien reist, solltest du einen Blick auf die Seite des Auswärtigen Amts werfen um zu sehen, in welchen Regionen man vorsichtig Reisen sollte.

Stellplatzsuche

In Indien leben sehr viele Menschen. Daher ist es in den meisten Regionen schwer, ruhige Schlafplätze zu finden. Mit einem Kastenwagen, in den man sich einfach hereinlegen kann, ist die Lage deutlich entspannter als mit Hubdach oder Dachzelt.

In den Städten haben wir uns zu Hostels gestellt. Auf dem Land tun es Tankstellen (Rastplätze), wenn man nichts anderes findet. Wenn eine Tankstelle am Abend Licht und laute Musik vorweist, kannst du davon ausgehen, dass das die ganze Nacht so ist!

Mit der Stellplatzsuche sollte man frühzeitig beginnen um fündig zu werden. Es kann durchaus sein, dass sich eine gesamte Dorfmannschaft auf den Weg zu deinem Fahrzeug macht, wenn man dich entdeckt, also wundere dich nicht!

Reiseziele in Indien

Indien ist so vielfältig und groß, dass es unfassbar viele Reiseziele gibt. Wir haben nur einen Bruchteil davon selbst gesehen und möchten nur ein paar Highlights aus Indien beisteuern.

Agonda Beach in Goa

Du willst ein bisschen Ruhe vor dem wilden Indien? So ganz findest du diese natürlich nicht in Indien. ABER am Agonda Beach in Goa sind wir trotzdem zwei Monate gestanden. Man findet hier alles was man braucht, kombiniert mit einem freien Stellplatz direkt am Meer. Seit Jahren schon ist das ein gar nicht so geheimer Geheimtipp für Overlander.

Amritsar und die Wagah Border Zeremonie

Von Pakistan kommend ist Amritsar ein milder Einstieg in das wilde Indien. Es besticht vor allem der goldene Tempel, das Heiligtum der Sikhs. Aber auch die Wagah – Grenzzeremonie ist ein tolles Spektakel und sollte nicht verpasst werden!

Agra und das Taj Mahal

Für viele ist das Taj Mahal der spirituelle Höhepunkt der Reise. Hier findet man sich vor dem wohl „schönsten Gebäude der Welt“ wieder und ist endlich angekommen. Allerdings ist Agra an sich keine schöne Stadt.

Rajahstan

Ob du ins blaue Jodpuhr fährst, die Forts von Jaipur besuchst, Tiger im Ranthambore Nationalpark finden möchtest, über Kamelmarkt in Pushkar gehst oder die Wüste bei Jaisalmer entdeckst steht dir frei. Rajahstan ist sehr vielfältig und bietet viele Sehenswürdigkeiten an.

Mumbai

Viele Indere haben uns von Mumbai abgeraten, ich verstehen aber nicht warum. Mumbai ist unglaublich vielfältig. Von den dreckigsten Slums bis zu schönen Regierungsvierteln und viel alt-englischer Baukunst gibt es hier jede Menge zu entdecken.

Wilde Löwen in Gujarat

By Shanthanu Bhardwaj [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Im Gir Nationalpark in Gujarat kann man tatsächlich wilde asiatische Löwen finden. 1913 gab es nur noch 20 Löwen dieser Art. Heute leben hauptsächlich in Gujarat noch ca. 200 bis 300 asiatische Löwen.

Die Tempel und Boulder von Hampi

Viele Touristen besuchen Hampi wegen seiner Tempelanlagen. Hampi hat aber noch mehr zu bieten. Hier findet sich die Kletterszene zum bouldern ein. Außerdem ist Hampi die Geburtsstadt vom Affengott Hanuman. Daher pilgern viele Inder nach Hampi. Mit Golden Boulders gibt es sogar einen Kletterführer für die Region. (http://amzn.to/2FdbcTz)

Manali-Leh Highway und das Nubra Tal

DAS Highlight für Overlander, die im Sommer bereits in Indien sind, ist der Manali-Leh Highway und die weitere Fahrt ins Nubra Valley. Jeder der dort war, schwärmt davon. Mit 5359 Metern Höhe ist der darin enthaltene Khardung La Pass einer der höchsten befahrbaren Pässe der Welt.

Die Plantagen von Darjeeling

Jeder kennt Darjeeling Tee. Der Tee ist nach der gleichnamigen Provinz und Stadt Darjeeling benannt. In Darjeeling gibt es viele kleine, kurvige Straßen und wundervolle Tee-Plantagen zu besichtigen.

Die Backwaters von Kerala

Vom Auto aufs Boot ziehen? In den Kerala Backwaters ist genau das eine gute Option. Um diese Region zu erkunden, bringt ansonsten nur ein Amphibienfahrzeug Freude.

Es gibt unendlich viele weitere Ziele in Indien, seien es nun Varanasi, Himachal Pradesh, Tamil Nadu oder Rishikesh. Alles lässt sich nicht aufzählen und so legen wir dir ans Herz, kauf dir einen Reiseführer für Indien. Es gibt keinen Blog, der auch nur annähernd zusammenfassen kann, was man alles in Indien entdecken kann.

Weitere Quellen

Es gibt ein paar schöne Reiseberichte und auch detaillierte Informationen zu Indien von anderen Blogs, die wir dir nicht vorenthalten möchten!

Reiseberichte von Glaarkshouse
Stellplätze in Indien von Glaarkshouse:
Indien Reiseberichte von Happyfeetontour
10 tipps für Overlander  von Kiss-The-World
Indien Reiseberichte von Kiss-The-World
Die Facebookseite von Ralf und Laila – Yelloworldadventures
Infos zum Leh-Manali Highway von howfarcanwego

Reiseführer

Wir empfehlen den Reiseführer vom Lonely Planet, der uns jede Menge Tipps zu den Haupt-Sehenswürdigkeiten gegeben hat. Allerdings wirst du auf deinem Weg von einer Sehenswürdigkeit zur anderen noch viele weitere Dinge entdecken, die in keinem Reiseführer zu finden sind. So viele Tempel, schöne Regionen und Dörfchen können nicht mal im Lonely Planet stehen.

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