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Jagdfieber – Auf der Suche nach den Eisbergen von Twillingate

Ausblick Twillingate

Die erste Woche auf Neufundland war voll gepackt mit Highlights.Wir möchten langsam in Richtung Twillingate fahren. Dort soll es Eisberge geben und da wir so einen Eisberg noch nie gesehen haben, möchten wir die herzlosen und eiskalten Giganten der Meere einmal aus der Nähe betrachten.

Noch sind wir allerdings in Corner Brook. Die Temperaturen sind wieder ordentlich gefallen. Calimero bekommt hier erstmal einen neuen Reifen. Den Alten haben wir uns beim Offroad fahren zerstört. Per Nacht-Express kommt der neue BFG AT KO2 Reifen von St. Johns und wird am Morgen montiert. Satte 325 Dollar kostet das Prachtstück, aber es lohnt sich. Mit dem Ersatzrad und dem neuen Reifen fahren wir vorne auf beiden Reifen wieder ein neues Profil.

Während wir auf den Reifen gewartet haben, hat Claudia eine Pferdefarm in Deer Lake ausgemacht, zu der wir natürlich fahren müssen. Ich konnte die Wartezeit mit Schreiberei und Fotobearbeitung sehr gut rumbringen. Diesmal reitet Claudia nicht mit mir aus, sondern mit einem jungen Cowboy. Ich werde in den zwei Stunden allerdings mit Elchsuppe, Kaffee und Kuchen vertröstet – auch nicht so schlimm.

Claudias Pferd heißt Zoey! Ob sie wegen dem Cowboy so grinst oder weil sie wieder reiten darf ist mir nicht ganz klar.

Nach zwei Stunden kommt sie bis über beide Ohren grinsend wieder zurück. “Ich durfte auch galoppieren.” verkündet sie stolz. Das war der erste Ausritt für Zoey dieses Jahr, dementsprechend hatte das Pferd Dampf. Gott sei Dank hat sie nicht eine solche Lahme Tröte bekommen, wie in Kirgisien.

Auf dem Weg entlang des Trans Canada Highway in Richtung Twillingate werden wir wie immer von all den Schildern in der Umgebung abgelenkt und enden vorerst in King’s Point. Wir gehen den Alexander Murray Trail, der mit 2200 Stufen wohl sehr anstrengend sein soll. Wir sind gut im Training und daher bringen wir die 8 Kilometer flugs hinter uns. Die Wanderei in den Blow-Me-Down Mountains waren ein guter Einstieg für Neufundland.

2200 Stufen im Laufschritt!
Ein schöner Wasserfall am Trail

Auf der Suche nach einem Schlafplatz fahren wir eine der kleinen Straßen einfach mal bis zum Ende und entdecken dort den Caribou Walking Trail, auf dem man aber mit dem Land Rover fahren kann. Das Gelände ist relativ einfach zu bewältigen.

Erst nach circa zwei Kilometern geht es steil bergab, Auswaschungen inklusive. Da wir nicht um die Ecke sehen können, steige ich aus und schaue mir das Gelände an. Claudia wartet derweil im Auto. Es wird immer steiler und zum Schluss kommt loses Geröll, eine Steinstufe und danach ein kleiner Bach sowie ein Mini-Strand auf dem wir gerade so wenden könnten, hoffe ich.  Danach ist für uns Schluss. Der weitere Weg ist definitiv zu schmal um mit dem Landy durchzukommen.

Der Weg zum Strand

Zurück beim Auto, erkläre ich Claudia, dass das Gelände gut ist und wir unten am Strand stehen können. Als wir um die Ecke kommen, sehe ich Claudia sofort an, dass sie mit meiner Einschätzung nicht einverstanden ist. “Müssen wir denn schon wieder alles kaputt machen?” sagt sie mit sorgenvoller Miene. Ich verspreche ihr, dass natürlich nichts kaputt geht und fahre noch vorsichtiger weiter.  Wenn jetzt was kaputt geht, bin ich in einer wirklich prekären Lage. Wie immer lohnt sich ein solcher Abstecher. Mit einem Lagerfeuer beenden wir den schönen Tag und haben den Strand für uns. Am Morgen ziehen Schweinswale (Die Locals sagen, dass es Schweinswale waren … denn Delfine sind hier zu selten) nur wenige Meter entfernt an unserem Auto vorbei, zu schnell für die Kamera.

Ruhiges Wasser in der King’s Point Bucht
Gar nicht so viel Platz hier, aber für ein Lagerfeuer reicht es!
Man sieht schön die Wasserlinie bei Flut.

Gerne hätten wir den Tag dort verbracht. Da es sich einregnet, beschließen wir weiterzufahren. Der Regen lässt nicht nach und so düsen wir tatsächlich den restlichen Anteil bis nach Twillingate, auch wenn es hier jede Menge tolle Möglichkeiten gibt, die Insel zu erkunden. Auf dem Weg zur Straße sehen wir auch, warum der Weg Caribou-Trail heißt. Ein weißes Caribou wird von Calli aufgeschreckt und rennt vor uns weg.

Unser erstes, schreckhaftes Caribou

Wir kommen erst am späten Nachmittag in Twillingate an iund der Regen hört auf. Perfekt! Wir spotten unsere ersten Eisberge, aber sind enttäuscht, dass sie so weit entfernt sind. Mit bloßem Auge fast unsichtbar, scheinen sie mit dem Fernglas riesig zu sein. Vielleicht sind sie ja bis Morgen schon näher herangerückt. Jetzt habe ist mein Jagdfieber auf Eisberge geweckt.

eisberg vor twillingate klein
Unsere erste Eisbergsichtung. Ziemlich klein, oder?

Vom Stellplatz aus haben wir einen großartigen Ausblick auf eine Bucht und ich darf meine erste Walflosse sehen. Claudia ist leider gerade im Auto beschäftigt und kommt zu spät. Dafür gesellt sich ein wunderschöner Fuchs immer wieder zu uns. Immer wieder sehen wir auch Robben in der Bucht schwimmen.

Claudia sucht Wale – so richtig erfolgreich sind wir noch nicht.
Ein wunderschöner Fuchs

Kurz vor Sonnenuntergang zieht dann ordentlicher Wind auf. Das Kochen wird uns erschwert, der Ausblick wird aber immer genialer. Die ganze Nacht haben wir ordentlich Seegang in Calimero. Erst am Morgen lässt der Wind nach.

Ausblick Twillingate Sturm
Der Ausblick vom Stellplatz – mit sehr viel Wind!

Wir nutzen die Flaute aus und laufen ein bisschen. Wieder zeigen sich die Robben in den Buchten. Eine Delfinschule schwimmt auch noch vorbei und der Fuchs ist ebenfalls wieder da.

Fuchs in Twillingate
Besuch am frühen Morgen
Delfin oder Schweinswal in Twillingate
Entweder ein Delfin oder doch Schweinswale? Wir können das nicht wirklich voneinander unterscheiden.
Eine kleine Robbe in Twillingate
Die Robbe teilt die Bucht mit ein paar Möwen. Immer wieder taucht sie ab, dreht ihre Runden und kommt dann an der gleichen Stelle wieder hoch
Die zwei sehen das Ganze mit der Jagd eher entspannt

Aber Eisberge … die sind nicht in Twillingate. Wir sehen sie im Fernglas und sie scheinen sich kaum bewegt zu haben. Wir schätzen die Entfernung zum nächsten Eisberg auf circa 25 Kilometer. Der muss irgendwo bei Fogo-Island sein. Wir besuchen einen der Tourenanbieter der uns ebenfalls sagt, dass wir keine Eisberge auf der Bootstour sehen können. Allerdings würden wir Robben, Vögel und vielleicht auch einen Wal sehen. Wir lehnen dankend ab. Dafür sind 150 Dollar doch zu viel Geld. Auch eine geplante Kayaktour lassen wir wegen fehlendem Eis erstmal ausfallen.

Twillingate ist schön und man kann es hier durchaus aushalten. Vor allem mein Jagdfieber ist allerdings geweckt. Ich will Eisberge sehen, von Nahem. Daher rumpeln wir weiter. Knapp 70 Kilometer sind es bis zur Fogo-Island Fähre. Die Eisberg-Jagd-Saison ist eröffnet!

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