IndienWeltreise Tagebuch

Jaipur und die Jagd nach der indischen SIM Karte

In Jaipur möchten wir mal wieder so richtig den Urlauber heraushängen lassen, was wir in Agra nicht machen wollten. Wir möchten Geld für irgendwelche alten Anlagen ausgeben, mit dem Tuktuk die Stadt erkunden und viele Fotos von typischen architektonischen Wundern der Region machen. Außerdem haben wir eine weitere Mission in der Stadt. Wir brauchen eine SIM Karte um nicht dauerhaft auf Wlan angewiesen zu sein.

So fahren wir mit dem Tuktuk in die „Pink City“, der Altstadt von Jaipur. Wir stoppen aber bereits kurz vor der Altstadt in einem schönen Park und laufen diesen entlang. Die wirklich vielen Ratten führen hier ein wundervolles Leben neben den Streifenhörnchen und Hundewelpen.

Wir laufen durch die Bazaar-Gassen von Jaipur und weichen den Verkäufern aus. Einige sind so penetrant, dass sie uns regelrecht durch Jaipur verfolgen. Im Strom der hauptsächlich indischen Touristen schwimmen wir so einmal durch die Stadt und sehen uns Hauptsehenswürdigkeiten wie das Hawa Mahal oder den Janter Mantar an. Das Jantar Mantar ist die Weltgrößte Sonnenuhr der Welt und es stehen viele interessante und merkwürdige Messinstrumente herum.

Als wir in den Stadtpalast von Jaipur möchten, pickt uns ein Tuktukfahrer von der Straße. Er erklärt uns, dass wir im Fort Amber mehr sehen würden als im Palast und er uns für 350 Rupees dorthin fährt, auf dem Rückweg am Wasserpalast hält und uns einige Elefanten zeigt.

Zum Schluss will er mit uns in ein berühmtes Viertel fahren, von dem wir noch nie gehört haben, bevor er uns dann ins Hostel fahren will. Da wir sowieso zum Fort Amber möchten und die kurze Pause im Tuktuk gebrauchen können, handeln wir auf faire 300 Rupees runter und steigen in seinen „Indian Helicopter“ ein. Das berühmte Viertel ist mit Sicherheit eine Shoppingmeile und diese werden wir zu verhindern wissen.

Indian Helicopter

Doch nach nur zwei Kurven hält sein Tuktuk an und er meint, dass er nicht genug Sprit für die Tour hat, sein Bruder wird die Tour machen. Dieser spricht allerdings kaum Englisch. Naja, egal. Die Tour ist ja klar.  Als wir um eine kleine Ecke in der Stadt biegen,  hat Claudia auf einmal einen bunt bemalten Rüssel vor der Nase. Der Elefant hat wohl Vorrang und wir bleiben etwas überrascht zurück. So schnell der Elefant erschienen ist, so schnell waren wir dann auch daran vorbei.

Elefanten-Parkplatz
Kamele, die auf Touristen warten
Noch ein Elefanten-Parkplatz

Wir schauen uns in Ruhe das Fort Amber an und nehmen auf dem Rückweg auch noch den Wasserpalast mit. Einerseits ein beeindruckendes Gebäude, so stapelt sich jedoch am Rand des Sees der Müll. Als wir auf eine kleine Aussichtsplattform gehen möchten, werden wir zurecht gepfiffen. Hier nur ohne Schuhe, da heilig. Na da halten wir uns doch gerne daran und beobachten weiter, wie die Inder neben uns den Müll einfach nur fallen lassen. Auch in der Stadt haben wir etwas hinter die Kulissen geschaut und sind mal wieder erschreckt über das indische Abfallsystem, falls man das überhaupt System nennen kann.

Nach dem Wasserpalast von Jaipur sollten wir noch einige Elefanten ansehen, laufen aber schnurstracks aus dem Gebäude mit den Elefanten wieder heraus. Der Tuktuk Fahrer möchte uns eine Elefantentour verkaufen, wir lehnen aber dankend ab. Den Elefanten geht es hier wirklich schlecht. Sie leben an der Kette in einem Gebäude mitten auf einer Müllhalde. Drumherum suhlen sich die Schweine im Müll. Wir sagen dem Tuktuk Fahrer, dass wir hier weg möchten. Falls er auf dem Weg zum Hostel einen Airtel Shop findet, soll er doch bitte anhalten.

Kein schönes Elefantenleben

 

Der Blick vom Elefantenhaus nach draußen

Das tut er und sagt, dass sein Tuktuk jetzt kaputt ist. Wir sollen doch nun die 300 Rupees bezahlen. Ich habe nur auf so etwas gewartet und gebe ihm 200 Rupees, als fairen Anteil unserer Tour. Der Tuktukfahrer ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr so gut auf uns zu sprechen.

Im Airtel Shop geben wir ein Passfoto und eine Passkopie ab und bekommen im Gegenzug die SIM Karte. Da heute allerdings Samstag ist, soll die Karte erst Montagabend aktiviert werden. Na gut, denken wir. Da bleiben wir doch einfach noch ein bisschen in der Stadt und warten auf die Aktivierung.

Am Montagabend ist natürlich gar nichts passiert. Also machen wir uns Dienstagmorgen wieder auf den Weg in die Innenstadt von Jaipur. Eigentlich möchten wir heute Jaipur verlassen. Im Airtelshop versuchen sie über zwei Stunden hinweg herauszufinden, was passiert ist und geben am Schluss zu, dass sie meinen Nachnamen falsch abgeschrieben haben. Daher kann meine SIM Karte nicht aktiviert werden. Sie bitten um ein zweites Passfoto und nochmals einen Pass zur Kopie. Diesmal haben wir nur ein Passfoto von Claudia dabei und geben den Pass zum Kopie-machen ab. Nebenbei füllen wir ein paar Dokumente aus und machen uns mit neuer SIM-Karte wieder auf den Rückweg. Bis Mitternacht soll die Karte aktiviert werden.

Wir verbringen den Abend damit, ein paar Folgen King of Queens auf Youtube zu schauen und schlafen bald ein. Um drei Uhr herum wache ich mit einem Gedanken im Kopf noch einmal auf. Ich wecke Claudia und frage sie ob wir ihren Reisepass im Airtelshop wieder bekommen haben. Claudia erschrickt genauso wie ich. Ich springe auf, durchsuche ihre Handtasche und werde nicht fündig. Der Pass fehlt … Scheiße! An Schlaf ist jetzt auch nicht mehr zu denken und wir schauen weitere Folgen King of Queens. Erst nach Sonnenaufgang falle ich noch einmal zurück in einen kurzen unruhigen Schlaf. Um 07:30 steigen wir in ein Tuktuk und wollen zum Airtel Shop fahren. Das Tuktuk streikt nach wenigen Minuten und wir steigen nach 10 Minuten wieder aus und suchen ein zweites. Natürlich nicht ohne um den Preis zu streiten. Der Tuktukfahrer verlangt nach 10% der Fahrt 50% des Preises. Frechheit.

Der Tag beginnt schon richtig super und ich habe jetzt schon einen dicken Hals. Am Shop angekommen, sagt uns ein Früchteverkäufer, dass dieser erst um 10 auf macht. Also gehen wir Frühstücken. Als wir um 10 zurück sind, hat sich noch nichts getan, der Rolladen ist immer noch unten.

Erst 30 Minuten später taucht der erste Verkäufer auf und meint, dass unser Pass sicher im Shop verwahrt wurde. Uns fällt ein ziemlich großer Stein vom Herzen. Die SIM Karte ist zwar immer noch nicht aktiv, denn gestern hat keiner die Dokumente abgeholt. Das soll aber heute passieren – wir sind gespannt. Wieder einmal bleiben wir eine Nacht länger, denn heute fahren wir nirgendwo mehr hin.

Am nächsten Morgen habe ich endlich Empfang mit dem Handy. Allerdings habe ich kein Internet. Da wir noch im Hostel in Jaipur stehen, recherchiere ich kurz und finde heraus, dass ich über eine spezielle Telefonnummer noch das Internet aktivieren muss. Gesagt getan. Ich wähle die besagte Nummer und eine freundliche indische Stimme meldet sich.

Ich gebe ihr die Infos über Claudias Namen und Geburtsdatum. Das scheint alles zu stimmen. Als ich die Passnummer durchgebe sagt die nette Dame am Telefon aber:

„Your details are not matching our system. Please check your documents and call back.“ Ich rufe laut „One Moment“.

Das kann doch nicht sein. Ich erkläre ihr, dass ich den Pass vor mir habe und gebe die Passnummer erneut durch. Wieder antwortet sie mit dem gleichen, indoktrinierten Spruch. Da werde ich doch gleich wieder wild. Ich bitte sie mir die Nummer aufzusagen, die ich ihr gesagt habe. Vielleicht hat sie ja etwas falsch verstanden.

Nach zwei weiteren Versuchen legt die Dame aber einfach auf. Da könnte mir doch gleich wieder die Hutschnur platzen. Ich rufe also gleich nochmal an. Das Ergebnis: Andere Dame, gleiche Sprüche. Ich versuche es mehrmals und gebe unterschiedliche Nummern durch, die sich so auf dem Pass befinden.

Nach mehreren Telefonaten ist mein Puls auf 180 und die netten Damen antworten immer noch mit: „Sorry Sir, your details are not matching our system, please check your documents.“. Ich antworte immer: „BUT I HAVE THE PASSPORT IN FRONT OF ME. PLEASE TELL ME WHAT ELSE WE CAN DO“ … aber ich bekomme immer die gleiche Antwort.

„Your details are not matching our system. Please check your documents and call back.“ Fuchsteufelswild lege ich auf und gebe entnervt auf.

Warum muss hier alles so unglaublich kompliziert sein. Noch einmal möchten wir nicht in die Stadt fahren, denn wir fahren schlussendlich aus der Stadt um im Ranthambore Nationalpark nach Tigern zu suchen.

Wir denken, dass wir bestimmt auf dem Weg einen Airtel-Shop finden, in dem wir das Problem lösen können. Allerdings ist das Problem auch nach drei Wochen nun immer noch nicht gelöst. Aber da ich beim schreiben dieser Zeilen am Strand in Goa sitze, ist mein Puls bei diesem Thema momentan etwas ruhiger.

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