IranWeltreise Tagebuch

Einblicke in eine iranische Käserei

Auf dem Weg durch die Berge entdecke ich auf dem Navi einen weiteren Vulkan und einen Weg der relativ nahe an die Gipfelmarkierung führt. Das ist genau unser Ding. Kurz bevor wir auf die Straße in Richtung Gipfel abbiegen, sehe ich einen weiteren Pfad auf dem Navi. Dieser sieht kleiner, verwundener aus. Wir biegen auf diesen Pfad ab und folgen der Piste über Kilometer  in Richtung des Gipfels.

Piste auf den Mt. Sabalan

Hier gibt es keine festen Dörfer mehr. Nomadische Siedlungen prägen das Bild. Jede kleine Siedlung hat ihre Schafe in einem Gatter, wenn sie nicht beim grasen sind. Die Wäsche wird am Bachlauf gewaschen und auf den Steinen zum trocknen ausgelegt.

Ich bezweifle stark, dass die Kinder eine ordentliche Schulbildung bekommen. Wir sehen Kinder in jedem Alter, die den Eltern bei ihrer Arbeit helfen.

Lamm und Kind auf Esel – wirklich fröhlich wirkte dieser Junge nicht.
Dieser Junge schaut nicht schlecht, als ich ihm helfe, die Wasservorräte aufzufüllen

Uns drängt sich mal wieder ein idyllisches Plätzchen unter dem Gipfel des Vulkans zum campen auf. Wir stellen Calimero ordentlich hin und entspannen ein wenig. Allerdings können wir das nicht lange. Alle paar Minuten hält ein Fahrzeug an, möchte mit uns sprechen. Ein Iraner gibt uns Milch aus seiner geladenen Tonne. Alle zeigen mit ihrer Hand nach oben, dort sollen wir hin.

Ich bekomme frische Schafsmilch direkt aus der Tonne
Die Herde macht sich auf den Weg in Richtung Käserei. Direkt auf uns zu.
Wir haben unser Plätzchen gefunden, aber alleine sind wir nicht.

Irgendwann denken wir uns, dass wir da wohl hin müssen. Nur zwei Kurven weiter sehen wir schon die zwei Zelte. Dort halten einige Fahrzeuge. Wir parken Calimero und begrüßen die Iraner, die uns sofort in das kleinere der beiden Zelte führen.

Dort wird eine Melone aufgeschnitten, Brot dazugelegt und Käse aus dem anderen, großen Zelt geholt. Wir wissen jetzt, wir sind in einer Käserei. Zur Krönung wärmt er ein Essen auf. Es ist eine Suppe mit Knödeln und Kartoffeln. Die Knödel haben einen Dattel-Kern und schmecken unfassbar gut. Nach einem großartigem Nachmittagsschmaus dürfen wir uns die Käserei ansehen.

Kaum sitzen wir, wird ein kleiner Gaskocher angemacht um unser Essen warm zu machen.
Großartiger Käse, Fladenbrot, Melone, Tee und im Vordergrund dieser fantastische Knödel
Wir sitzen, wie es sich gehört auf dem Boden.
Die Käserei-Jungs sind uns sehr aufgeschlossen. Kommunikation fällt allerdings schwer.

Die Schäfer der Region melken ihre Schafe und bringen die Milch hier her, direkt unter den Gipfel des Vulkans. Dort wird die Milch in die Tonnen der Käserei umgekippt.

Sie fügen ein japanisches Gerinnungsmittel hinzu und warten ab. Sobald lange genug gewartet wurde, wird der halbfertige Käse aus der Tonne geschöpft und in ein Stofftuch gewickelt. Dies dient dazu, weiter Flüssigkeit abzulassen.

Die Milch wird umgeschüttet. Als Filter dient ein Stofftuch
Der Käse wird abgeschöpft und in einem Stofftuch weiter getrocknet.
Hinter den Jungs ist ein Stofftuch bereits zugebunden, das rechte ist noch durch ein Metallgatter umgeben. Das wird zum abschöpfen genutzt.
So sieht der Käse dann fertig aus.
In diesen Kisten, mit Salzwasser gefüllt, wird er dann verkauft.

Auch hier wird wieder gewartet, bis der Käse genug Flüssigkeit abgegeben hat. Dann wird ordentlich geschnitten und weiter gelagert. Zu guter letzt kommen die großen Käsewürfel in einen Blechkanister der noch vor Ort zugestanzt wird. Der Käse wird dann nach Tabriz und Teheran geliefert.

Weder Claudia und ich haben bisher eine Käseproduktion gesehen. In Deutschland wäre das so auch gar nicht möglich. Die Stofftücher in denen der Käse trocknet, werden am nächsten Tag auf der Erde zum trocknen ausgelegt. Auch sonst herrschen keinerlei Hygiene-Vorschriften.

Das tut dem Geschmack allerdings nichts ab. Wir bekommen noch eine kleine Box voll Käse geschenkt. Sie hätten uns gerne mehr gegeben, wir hätten auch gerne mehr genommen. Allerdings hatten wir nur eine kleine Tupperschüssel übrig.

Wir verabschieden uns wieder und kehren zurück zu unserem idyllischen Stellplatz. Wieder einmal konnten wir einen tollen Einblick in das Leben der Iraner gewinnen.

Unser idyllischer Stellplatz vor dem Mt. Sabalan
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2 comments

  1. Doch, doch. Auch in Deutschland wird nach wie vor so gekäst wie im Iran. Nur dass die Leinentücher und Holzformen aus industrieller Produktion stammen und in voll gefließten und edelstahlmöblierten Räumen gearbeitet wird.

    1. Ja, die Hygiene … wir haben leider unsere kleine Käsebox heute vernichtet. Wir müssen unbedingt eine weitere Käserei finden! 🙂

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