TürkeiWeltreise Tagebuch

Kappadokien – Zwischen Felsen und Heißluftballons

Als wir unsere Reiseroute geplant haben und irgendwann feststand, dass wir in die Türkei fahren, habe ich instinktiv an Kappadokien gedacht. Durch mehrere Reisebücher und Vorträge haben wir bereits geahnt, was uns dort erwarten wird und uns ungemein darauf gefreut. In Kappadokien kommen verschiedene Aspeke zusammen, die es für Reisende so besonders macht.

Die Gesteinsformationen in Kappadokien

Ascheregen der Vulkane Erciyes Dagi und Hasan Dagi haben die Region Kappadokien mit Asche und Lava überzogen. Über Jahrtausende hat sich das Gestein zu verschiedenen Härtegraden verfestigt. Wind und Wasser haben dann für Erosion gesorgt. Die weniger festen Bestandteile wurden ausgewaschen und es sind verschiedenste Felsformationen dabei herausgekommen. Besonders berühmt sind die Feenkamine, bei denen Größere Felsbrocken aus Basalt auf den ausgewaschenen Stielen weicheren Gesteins liegen.

Das Love-Valley

Und mitten in der Szenerie, versteckt sich mal wieder Calimero!

„Arbeitsplatz“

Das Leben im Untergrund Kappadokiens

In der Region Kappadokien gibt es mehrere Unterirdische Städte, aber auch viele in den Fels gehauene Wohnungen, christliche Kirchen und Burgen, Hotels und weiteres. Die unterirdischen Städte sollen bis zu 12 Stockwerke im Fels haben. In Göreme, was wir uns genauer ansehen, befinden sich hauptsächlich kleine Gasthäuser und Hotels im Fels.

In den Fels gehauene Wohnungen
Nicht jede Höhle ist für große Menschen geeignet
Schon irre, was sich hinter einem kleinen Höhleneingang manchmal befindet
Auch das – ein kleiner Höhleneingang mündet in einer unterirdischen Kirche

Die Heissluftballons über Kappadokien

Heißluftballons Kappadokien
Dieses Bild sieht man nur, wenn man rechtzeitig aufsteht!

Um Göreme herum starten jeden Morgen bei guter Witterung Unmengen von Heissluftballons. Wir haben das zwei Tage lang beobachtet und konnten jedes Mal um die 80 Heißluftballons zählen. Diese starten im Normalfall kurz vor Sonnenaufgang. Denn dann ist die Thermik optimal. Die Winde sind wohl sehr berechenbar. Speziell in der Zeit, in der die Tageshitze aufflammt und die Nachtkälte vertreibt.

Diese drei Punkte machen Kappadokien zu etwas außergewöhnlichen und stehen daher bei Overlandern, die in Richtung Indien fahren, zurecht fast immer auf der Liste der Must-Sees! Dazu kommt, dass wildcampen auch nahe der Dörfchen überhaupt kein Problem zu sein scheint.

Wir campen in der ersten Nacht direkt über den Heißluftballon Startplätzen und genießen frühmorgens dieses Spektakel. Nach und nach füllen sich die Ballons, und dann irgendwann hebt der erste ab. Der nächste folgt kaum eine Minute später und dann geht es eine ganze Weile so weiter. Überall poppen die Heißluftballons auf und fahren dann teilweise etwas abgelegener an uns vorbei. Andere können wir fast anfassen, während sie vorbeifahren. In den Gondeln sehen wir hauptsächlich Chinesische Touristen. Nachdem wir nochmal richtig ausgeschlafen haben, möchten wir Göreme unsicher machen.

Das war nicht das Tele-Objektiv!

Inge & Gernot

Kappadokien
Inge ist leidenschaftliche Fotografin

Kaum parken wir, werden wir bereits von einem Deutschen angesprochen. „Hallo Mr. & Mrs. Schmidt. Ich bin auch Wohnmobilfahrer, wollen wir nicht einen Kaffee trinken gehen?“

Gesagt, getan. Wir treffen uns wenige Minuten später mit Gernot und Inge im Kaffee und plaudern sehr lange. Danach schauen wir uns gemeinsam die Stadt an. Da der Mittag schon fortgeschritten ist, tauschen wir uns über unsere Campspots aus. Als wir hören, wie viel der Campingplatz kostet, möchten wir uns schon verabschieden, denn wir sparen das Geld lieber und sagen ihnen, dass wir wild campen werden.

Ein stückchen Plastiktüte oder Tempotaschentuch an den Strauch zu hängen soll wohl Glück bringen

Gernot macht uns jedoch ein wundervolles Angebot. Er möchte uns auf den Campingplatz einladen. Wir nehmen dankend an, bekochen Gernot und Inge im Gegenzug aber noch mit einem Muurikka-Gericht.

Die beiden sind so reiseerfahren, dass wir gebannt ihren Geschichten lauschen und uns am nächsten Morgen bei der Verabschiedung in die Arme fallen. Wir finden vor allem toll, dass das Alter den beiden keine gedanklichen Grenzen setzt. Andere Omis sind mit über 70 Jahren nur noch daheim, Inge dagegen reist nach Bali und Indien, nach Nepal zum Trekken, oder mit den Enkeln zum Couchsurfen nach London. Gernot ist als Pensionär ebenfalls noch aktiv und reist mit seinem Wohnmobil durch die ganze Türkei und auch weiter bis nach Georgien und Armenien. Wir finden das Klasse! Die beiden sollen uns ein Vorbild sein, mit dem Alter das Reisen nicht zu verlernen.

Wandern in Kappadokien

Wandern in Kappadokien
Claudia macht eine gute Wanderfigur! An dem Tag hatten wir mal wieder alles dabei, bis auf die Sonnencreme!

In Kappadokien wandern wir durch das Rose Valley, das Red Valley und in das Love Valley. Das Love Valley wurde von den Römern so benannt, da dort Steine in Phallusform stehen. Sobald wir von den Parkplätzen mehr als fünf Minuten wandern, sind wir meist alleine. Die meisten Touristen lassen sich in den Bussen zum Aussichtspunkt karren und verharren dann dort. Sie kaufen Souvenirs, machen ein paar Selfies und dann fährt der Bus auch schon weiter zum nächsten Highlight. Man kann natürlich auch per Quad oder Pferd die Gegend erkundigen, für Sparfüchse wie uns, ist es zu Fuß allerdings am besten!

Defender Kappadokien
Es gibt aber dennoch den ein oder anderen Spielplatz für den Defender!

Service & Gastfreundschaft

Eine Buchse unserer Motorhaube ist gebrochen. Wir suchen daher nach einem Ersatzteil. Bei Metin in Ortahisar werden wir fündig. Mit seinem Mechaniker Kollegen düst er allerdings eine halbe Stunde ums Auto herum, zieht hier und da eine Schraube fest, setzt eine Niete, macht ein Gewinde neu. Alles was ihm halt so auffällt, womit wir als Kompromiss schon lange leben. Als wir ihn nach dem Preis fragen, werden wir zum çay (Tee) eingeladen. Als ich noch einmal Frage, sagt er, dass das umsonst sei – und ob wir heute Abend schon was vor hätten, er würde uns gerne zum Abendessen einladen.

Wir sind mal wieder total baff und freuen uns schon auf den Abend. Wir werden von der gesamten Familie begrüßt. Es ist ein konservatives, religiöses und sehr einfaches Umfeld, in dem wir uns wiederfinden. Es wird jedoch ordentlich aufgetischt. Wir unterhalten uns den ganzen Abend über Google Translate, denn leider spricht keiner in der Familie Englisch. Auch schwierigere Themen, wie Religion und Politik werden von Metin angeschnitten. Wir verfahren immer so diplomatisch es geht, manchmal versucht er uns aber auf eine Aussage festzunageln. Aber das ist halb so wild.

Leider vertragen wir beide das Essen nicht so gut, mir wird nach und nach etwas übel. So müssen wir um halb elf abends Tschüss sagen. Wieder einmal hat uns die Gastfreundschaft begeistert. Unseren Mägen geht haben noch ganze zwei Tage etwas von diesem Abend. Aber so ist das halt.

Ein richtiges Festmahl wird aufgetischt – 4 Gänge!
Metin schaut zwar etwas mürrisch, ist er aber gar nicht!

Nach ein paar Tagen in Kappadokien treibt uns das Reisefieber wieder an, wir verabreden uns mit Ugur (gesprochen U-ur) auf seiner Farm in der Nähe von Sivas. Wir kennen Ugur aus Istanbul. Wir haben ihn bei Huseyin in der Werkstatt getroffen (Hier gibt’s die Geschichte dazu) und uns lose auf der Farm verabredet. Jetzt freuen wir uns, dass das Treffen dort klappt.

 

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5 comments

  1. Inge ist ein Frauenname???

    1. Wir waren mindestens genauso überrascht wie du!

  2. Wundervolle Bilder und Geschichten!! Weiterhin viel Neues und Überraschendes für Euch!!

    1. Danke Jan! Es freut mich sehr, dass du das liest! Wir erleben hier wirklich jeden Tag Überraschendes. Heute hat das Auto gezickt, gestern haben wir die Höhlenstadt von Vardzia besucht und vorgestern haben wir die Hochland-Weite von Georgien kennengelernt. Kein Tag ist wie der andere und wir bereuen in keinster Weise losgefahren zu sein.

  3. Superschöne Bilder von Kappadokien. Sieht schon eindrücklich aus mit den vielen Heissluftballons. Irgendwann schaffen wir es hoffentlich auch mal in die Türkei, landschaftlich sieht es total schön aus.

    Liebe Grüsse und weiterhin gute Reise,
    Reni

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