KalifornienUSAWeltreise Tagebuch

Kein Gipfelfoto vom Half Dome im Yosemite Nationalpark

Nachdem wir ein paar Tage unsere Akkus in Palo Alto aufgeladen haben, geht die Reise weiter. Wir fahren über den direktesten (und langsamsten) Weg in Richtung Yosemite Nationalpark, wo El Capitan und Half Dome auf uns warten.

Der Park wurde uns oftmals als völlig überlaufen beschrieben und dann findet man anscheinend ja nicht mal einen Campingplatz. Ein Tag reiche vollkommen aus um das Valley zu sehen und eigentlich sei es auch gar nicht so besonders, überbewertet eben.

Ich kann mir das eigentlich gar nicht vorstellen und will es mir mit eigenen Augen ansehen. Mein „Sightseeing“-Programm sieht allerdings auch ein wenig anders aus. Ich möchte mir hauptsächlich die Routen ansehen, die auf den El Capitan führen, vielleicht kann ich irgendwann auch einmal dort hinaufklettern, das wäre ein Traum.

El Capitan
Der El Capitan prägt das Yosemite Valley – im Hintergrund sieht man den Half Dome aufragen.

Die besten Kletterer der Welt messen sich oft an den Wänden dieses Granitgiganten. Um nur ein paar Namen zu nennen – Lynn Hill ist 1993 das erste Mal die Route „The Nose“ frei geklettert, Alexander Huber hat als erster Kletterer die Salathé Wall auf der Freerider Route frei geklettert, Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson haben sich lange an der Dawn Wall die Zähne ausgebissen. Erst nach mehreren Jahren Vorbereitung schafften sie es, diese unglaublich schwierige Route frei zu erklettern. Sie haben dafür 19 Tage gebraucht. Sie sind im Winter und dann meist nachts geklettert um bessere Griffe zu haben.

El Capitan und die Herbstfarben des Tals

Alex Honnold hat erst letztes Jahr Geschichte geschrieben, als er die 1000 Meter zum Gipfel des El Cap Free Solo (ohne Seil und weitere Hilfsmittel) über die Freerider Route geklettert ist. Wir konnten die Vorbereitung und den verrücken Klettervormittag von Alex im Kino verfolgen und haben schon beim zusehen geschwitzt.

Als wir ins Tal reinfahren, kann ich meinen Augen kaum trauen. Neben dem El Capitan und dem Half Dome gibt es unendlich weitere Wände, die man klettern kann. Das habe ich nicht erwartet, aber es erklärt den Hype unter Kletterern noch einmal deutlich. Wir fahren hinauf zum Glacier Point und haben immer wieder beste Blicke auf El Capitan und dann auch noch auf den Half Dome. Ich freue mich wie ein kleines Kind, das Geschenke an Weihnachten auspackt.

Man kann die Vielzahl der Klettermöglichkeiten an diesem Bild gut erahnen – rechts der Half Dome

Einzig und allein die Aussicht darauf, dass ich diesmal keine Route klettern werde, stimmt mich ein wenig traurig. Mit Tuco im Schlepptau können wir nicht zu den Kletterwänden und einen anderen Partner habe ich auch nicht organisieren können (Ist schwer, wenn man nicht genau weiß, wann man im Valley ankommt). Das berühmte Kletter-Camp „Camp 4“ wäre ein schöner Platz gewesen um Kletterer kennenzulernen, aber auch da dürfen wir mit Hund nicht campen.

Nochmal eine Aufnahme vom Half Dome
Claudia und Tuco posieren vor dem Valley

Da wir aber trotzdem etwas länger bleiben wollen versuchen wir einen Campingplatz zu ergattern. Ich schreibe mich als Nummer 41 in die Warteliste und erfahre kurz darauf, dass nur 25 Plätze frei sind.

Kurz darauf spricht mich aber eine Irin an. Wir können doch den Platz teilen – das ist doch mal Glück. Gleichzeitig lernen wir Olaf und Familie kennen, die zufällig direkt gegenüber ihren Platz zugewiesen bekommen. Schnell erörtern wir die Möglichkeit zum Half Dome zu wandern und beschließen am Frühen Morgen aufzubrechen. Als ich aufwache zeigt meine Uhr 06:01 an obwohl mein Wecker vor einer Minute hätte klingeln müssen. Auf meinem Handy ist allerdings erst 05:01 – komisch. Ich stehe trotzdem auf, richte mich und brauche ein paar Minuten, bis ich verstehe, dass es eine Zeitumstellung gab. So bleibt mir genug Zeit noch einen Kaffee zu trinken.

Olaf hat schon den ein- oder anderen 6000er bestiegen und ist in besserer Form als ich. Wir steigen gut voran, aber die Steigung hat es in sich und ich komme schnell aus der Puste. Die Erkältung der letzten Tage und die Faulheit im Silicon Valley hat wohl zugeschlagen. Macht aber nix – wir marschieren immer schön weiter und treffen wenig Wanderer auf dem Weg nach oben. Über viele Steinstufen geht es um zwei große Wasserfälle herum. Nach knapp vier Stunden haben wir die 1400 Höhenmeter hinter uns gebracht und stehen auf dem Sattel des Half Dome.

Wir wussten zu Beginn, dass hier unsere Wanderung endet, denn die Stahlseile um auf den Gipfel zu kommen sollen demontiert sein. Der National Park Service schreibt im Wortlaut: „The cables are down“. Als wir jedoch auf dem Sattel stehen, sehen wir, dass die Stahlseile noch da sind. Einzig die Stufen und die Stöcke sind entfernt. Die Kabel liegen also auf dem blanken Fels.

Da liegen die Kabel für den Aufstieg zum Gipfel
Der Gipfel des Half Dome von Weitem – tatsächlich kann man sehr einfach noch sehr weit aufsteigen.
Kletterer beim Aufstieg

Wir sehen einige Wanderer, die jetzt ihren Klettergurt auspacken und sich mit einem Prusikknoten am Stahlseil gesichert, auf den Weg nach oben machen. Es kommt uns auch jemand entgegen, der ohne Klettergurt hoch ist. Der sieht aber mächtig ausgepumpt aus.

Lange überlege ich, ob ich den Aufstieg wagen soll. Ich denke, ich bin stark genug, um die fehlenden 150 Höhenmeter am Seil aufzusteigen. Was, aber wenn nicht? Ein einziger Fehler würde mich mein Leben kosten. Es ärgert mich tierisch, dass ich meinen Klettergurt nicht dabeihabe, denn der liegt im Auto.  Hätten wir die Mitteilung des National Park Service richtig interpretiert, könnten wir jetzt auf den Gipfel aufsteigen. Um nicht zweimal dumm zu sein, entscheiden wir uns beide gegen einen Aufstieg zum Gipfel. Das bedeutet, ich muss wohl noch einmal aufsteigen.

Man muss dazu sagen, dass während der Saison die Kabel ordentlich aufgebaut sind und alle fünf Meter eine Stufe zum ausschnaufen auf einen wartet. Während der Saison darf man aber auch nur mit einer Genehmigung den Gipfel erklimmen und diese Genehmigungen werden über eine Lotterie vergeben. Außerhalb der Saison ist zwar keine Genehmigung nötig, aber dafür sind eben die Kabel “unten”. Im Sommer nur so von Wanderern wimmeln, die sich an den Kabeln auf den Half Dome heraufziehen. Wir haben den wundervollen Moment verpasst, bei gutem Wetter, außerhalb der Saison den Gipfel zu erklimmen. Dafür sind wir aber eine wunderschöne Wanderung gelaufen und haben keinen Blödsinn gemacht.

So sieht das wohl im Hochsommer aus – schrecklich oder? Von Half_dome_yosemite_nationalpark.JPG: HylgeriaKderivative work: Saibo (Δ) – Half_dome_yosemite_nationalpark.JPG, CC BY-SA 3.0, Link

Hier noch ein Video eines Wanderers, der den Gipfel außerhalb der Saison mit Prusikknoten gesichert erklommen hat. Das wäre meine bevorzugte Variante gewesen.

Auf dem Rückweg vom Half Dome laufen wir an vielen Wanderern vorbei, die jetzt erst den Aufstieg zu den Wasserfällen starten. Olaf und ich spekulieren darüber, wer davon wohl eine Taschenlampe mitführt – immerhin geht die Sonne bald unter. Gott sei Dank hat mittlerweile jedes Telefon eine Taschenlampe. Nach 7,5 Stunden haben wir die ganzen 21 Kilometer hinter uns gebracht und freuen uns tierisch aufs Abendessen. Wir verbringen noch einen schönen gemeinsamen Abend und beschließen, am nächsten Tag das Yosemite Valley über den Tioga Pass zu verlassen.

Das nächste Mal werde ich zum Klettern herkommen. Ich würde gerne über die Snake-Dike Route auf den Half Dome klettern, im Camp 4 „residieren“ und ein paar weitere Kletterabenteuer erleben. Wer ist dabei?

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