ArmenienWeltreise Tagebuch

Von Khor Virap nach Süden

Nachdem wir unser kleines, armenisches Paradies verlassen, fahren wir in Richtung Süden. Die direkte Verbindung zwischen Garni und unserem nächsten Ziel, Khor Virap, ist nicht von schlechten Eltern. Wir fahren mal wieder eine richtig tolle Schlaglochpiste entlang. Manchmal weiche ich auf eine Piste neben der Straße aus, denn ganz ohne Asphalt ist immer noch besser als halb-asphaltiert.

Khor Virap, unser erstes Ziel, ist nur eines von vielen Klöstern. Die Besonderheit liegt in der Lage. Das Kloster liegt direkt unterhalb des Ararat und auch direkt an der Grenze zur Türkei. Damit ist es für die Armenier die nächstgelegene Stelle zum heiligen Berg Ararat.

Das Kloster hat eine Legende, die es in sich hat. Der König Trdat III. hat dort im Jahr 288 nach Christus Gregor den Erleuchter in einer Höhle eingesperrt um ihm den christlichen Glauben auszutreiben. Nach 13 Jahren unbeugsamer Haft und Folter wurde er befreit und konnte den kranken König heilen und dann auch taufen.

Mit der Taufe wurde Armenien im Jahr 301 nach Christus zum ersten Land der Welt mit dem Christentum als Staatsreligion.

Khor Virap vor dem Ararat
Die Hauptkirche in Khor Virap

Zurück zur Gegenwart. Nachdem wir das Kloster Khor Virap eingehend untersucht haben, machen wir uns weiter auf den Weg in Richtung Südosten. Calli kämpft dabei das erste mal mit der Hitze. Die Kühlwassertemperatur steigt und wir müssen sehr langsam machen. Daher schaffen wir es nicht mehr zu unserem Tagesziel, einer Karawanserei auf dem Selim Pass.

Macht aber nix, wir finden ein Plätzchen auf halbem Wege und werden von der lokalen Bevölkerung bespaßt. Ein Vietreiber zeigt was er kann, eine Familie hält an und will Fotos mit uns machen. Sie zeigen uns ihre Autos und wollen uns zum Essen einladen. Da wir aber schon gegessen haben und unser Bett schon gerichtet war, lehnen wir freundlich dankend ab.

Claudia darf auch mal
Aber das kann nur er!
Es waren vermutlich 8 Leute im Fahrzeug! Nicht alle haben sich herausgetraut!

Die Karawanserei auf dem Selim Pass bringt uns am folgenden Tag schlagartig einige Jahrhunderte in die Vergangenheit. Hier haben Mensch und Tier während den langen Reisen entlang der Seidenstraße gerastet und Schutz vor Kälte und Witterung gesucht.

Die Karawanserei von innen – man fühlt sich sofort in die vergangenheit versetzt

Auf dem Weg nach Süden stoppen wir noch an den Steinkreisen von Zorats Karer und bestaunen das 2100 Jahre alte, zentrale Grab.

Das zentrale Grab von Zorats Karer

Im Süden folgt dann noch ein absolutes Highlight, das Tatev Kloster. Allein schon der Weg dorthin macht Spaß. Man kann die Worotan-Schlucht mit einer Seilbahn, die sich Wings of Tatev nennt, 5,75km in einer Gondel überbrücken.

Wir wählen den mühsameren, aber spaßigeren Weg. Eine 14,5km Strecke, die uns bis ganz hinunter in die Schlucht und dann wieder ganz hinauf zum Kloster bringt.

Im Kloster Tatev spüren wir das erste mal eine sehr düstere Stimmung. Melancholische Musik wird gespielt, die Kirche ist sehr dunkel, nur das Licht einiger Kerzen und der Fenster im Kirchturm scheinen herein. Wir fühlen uns mal wieder um einige Jahrhunderte zurückversetzt. Uns gefällt die Schlichtheit der armenischen Kirchen sehr, denn sie versprühen nicht den Protz der katholischen Kirche in Europa.

Die Kirche im Kloster Tatev
Es ist nicht immer alles gut beleuchtet!
Die Tür zu einem Nebenraum ist toll verziert.
Eine sehr düstere Stimmung
Das Kloster Tatev mit der Schlucht im Hintergrund

Von Tatev machen wir uns schließlich auf den Weg zur iranischen Grenze. Wir können zwischen der M2 und der M17 wählen, die zwei Straßen, die gen Süden führen. Wir entscheiden aus dem Bauch heraus für die M17 an der Grenze zur Republik Bergkarabach entlang und werden nicht entäuscht. Die Fahrt nach Süden ist wundervoll. Als wir die letzte Passhöhe erreichen, zeigt sich uns das erste mal der Iran. Wir sind wie von den Socken, denn schlagartig wird die Natur deutlich karger, die Felsen schroffer. So habe ich mir den Iran vorgestellt.

Der Weg nach Süden ist grüner als wir uns vorgestellt haben.
Ein Blick in die Repubik Bergkarabach gefällig?
Unser erstes Bild vom Iran -mega beeindruckend!

Wir verbringen eine letzte Nacht nahe der Grenze, werden aber mal wieder wachgehalten. Warum müssen die Menschen immer erst kurz vor Mitternacht auftauchen und um unser Auto herumschleichen? Vor allem, da wir schon seit drei Uhr Nachmittag standen und keine Menschenseele vorbeikam. Naja, so ist das halt. Nicht jeder Stellplatz ist durchweg positiv.

Unser letzter Stellplatz in Armenien – tagsüber brauchen wir die Foxwing um uns vor der Sonne zu schützen. Kurz nach dem die Sonne hinter die Berge abfällt, können wir sie jedoch wieder abbauen
Der Stellplatz bei Nacht – mit Blick auf die iranischen Berge und dem Sternenhimmel

Am nächsten Morgen fahren wir voller Hoffnung, mit viel Respekt und einigen Sorgen zur armenisch-iranischen Grenze und schließen damit unser viel zu kurzes Armenien Kapitel ab. Wir müssen aber in den Iran einreisen, denn unser Visum ist nur noch bis Morgen gültig.

3

One comment

  1. Mal wieder wahnsinnig geniale Landschaftsbilder! Das Bild mit Claudi im dunklen Raum ist auch der Hammer. Und natürlich Cali bei Nacht vor den iranischen Bergen unterm Sternenhimmel. Weiter so!

    Gute Einreisen in den Iran 🙂

    Schöne Grüße
    Klaus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*