ChinaGrenzgangPakistanWeltreise Tagebuch

China Durchquerung Tag 4 – Khunjerab Pass

Der Wecker klingelt, ich liege schon wach. Heute wollen wir über den Khunjerab Pass nach China fahren. Ich friere. Das Hotel liegt auf 3100 Metern und die Heizungen sind nicht an. Dafür tragen die Damen an der Rezeption dicke Daunenjacken. Nach dem Frühstück sind um acht Uhr alle Abfahrbereit. Abdul wartet allerdings noch auf den Anruf, damit wir aufbrechen können.

Der Anruf erreicht uns eine halbe Stunde später, allerdings mit schlechten Nachrichten. das Computersystem vom Zoll ist kaputt. Wir sollen relaxen. Wir sitzen in der Sonne, lassen die Seele baumeln. Als ich den Laptop zum schreiben gerade rausgeholt habe, kommt Abdul aus dem Hotel gestürmt. „Be quick – customs system is working again“. Wir packen so schnell wir können zusammen und fahren gemeinsam zum Zoll, der nur wenige Kilometer entfernt ist.

Beim Zoll angekommen, beginnt das Prozedere, was keiner mehr von uns vergessen wird. Ich versuche es für dich mit einer Zeitschiene:

09:25 Ankunft beim Zoll. Wir parken alle nebeneinander
09:26 Wir müssen 3 Meter rückwärts rollen/fahren
09:27 Umparken bitte, wir stehen um 90° falsch.
09:28 So können wir nicht stehen bleiben, wir haben die Autos falschrum geparkt. Umdrehen bitte und zurück an die Mauer.
09:29 Bitte 10 Meter vorfahren.

Finale Parkposition – Man sieht die Spuren!

Ich steige mit einem kleinen Lachkrampf aus dem Auto, so eine Schikane habe ich noch nie erlebt. Jetzt müssen wir warten. Wir geben unsere Pässe Abdul, der damit im Zollgebäude verschwindet. Nach einer halben Stunde wird Dave gerufen, er soll sein Motorrad auf einen anderen Parkplatz fahren. 20 Minuten später kommt er zurück und meint nur, dass er alleine dort war und nichts weiter passiert ist. Weitere 45 Minuten später werden wir dann ins Gebäude gerufen. Jeder muss in Druckbuchstaben seinen Namen aufschreiben. Kaum einer kann das richtig. „Write in Capital Letters“ meint Abdul, obwohl das bereits so gemacht wurde. Abdul schlägt die Hände hinter dem Kopf zusammen und ruft „Oh my God“. Wir machen wohl alles falsch. Diese Prozedur mit viel Ausschuss hat uns locker eine weitere halbe Stunde.

Währenddessen erfahren wir, dass wir in einem Nebengebäude stehen. Das System im Hauptgebäude ist ausgefallen und daher werden wir hier bedient. Die Zollbeamten scheinen auch gute Laune zu haben, denn es geht „schnell“ voran, wie Abdul uns versichert.

Jetzt müssen eigentlich nur noch die Pässe eingescannt werden und der Ausreisestempel in die Pässe gestempelt werden.

ABER das wäre ja viel zu einfach. Der Pass-Scanner funktioniert im Nebengebäude auch nicht und die Beamten vor Ort können nichts dagegen tun. Ich biete ihnen an, die Berge durchs Fenster zu beobachten, während ich die Pässe stemple. Leider lehnen sie ab. Wir müssen mal wieder warten. Nach weiteren 45 Minuten kommt Abdul um die Ecke. „Be quick, we need to go to the other building“. Das System im Hauptgebäude funktioniert wieder und wir werden endlich ausgestempelt. Nach dieser Prozedur dürfen wir zurück zu den Fahrzeugen und werden einzeln aufgerufen um auf den zweiten Parkplatz zu fahren.

Dort parken wir natürlich wieder falsch, werden diesmal aber nur einmalig gebeten, umzuparken.

Auf einmal geht alles relativ schnell. Eine Konvoi-Reihenfolge wird festgelegt, ein junger Mann vom Militär bekommt alle Pässe und setzt sich zu Alice und Alex ins Fahrzeug. Wir verabschieden uns von Abdul und müssen los.

13:30 Uhr – nach vier Stunden Prozedere sind wir auf dem Weg zum Khunjerab Pass. Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Geschwindigkeit. Die Motorräder brummen davon, die Autos hinterher. Hinter uns sind nur noch Alice und Alex mit all unseren Pässen und dem neuen Mitfahrer.

Die Fahrt zum Khunjerab Pass ist schön, aber anhalten wollen wir nicht. Wir wissen, dass auch auf dem Pass noch Dinge schief gehen können. Bei Xenia und Martin war das letzte Tor abgeschlossen und der Schlüssel verschwunden.

Daher halten wir auf den Khunjerab Pass zu. Alle Pässe werden noch einmal gecheckt, ein Hund pinkelt Karin ans Bein und dann sind wir auch schon durch. Es folgt nur noch das letzte Tor. Diesmal ist es nicht abgeschlossen und wir können auf der Passhöhe noch ein letztes Foto machen.

Khunjerab Pass mit fast allen Fahrzeugen!
Endlich oben! Irgendwie haben wir das mit dem Siegerfoto verpennt, 2 Motorräder sind nicht mit drauf!

Wir sind alle happy, dass wir China hinter uns gelassen haben, und das sogar schon um 15:15 Uhr. Wir haben nun genug Zeit um die pakistanische Seite des Khunjerab Pass zu genießen.

Am ersten Schlagbaum frage ich den Pakistanischen Beamten, ob er diesen bitte öffnen kann. Er antwortet nur: „Sure, why not. Welcome to Pakistan. I am happy that you are here“. DAS ist mal ein guter Start.

Khunjerab Sieg!
Man muss diesen Sieg auch feiern!
Khunjerab ATM
Der höchste ATM funktioniert für uns nicht!

Die Abfahrt auf pakistanischer Seite ist großartig und bietet unfassbare Ausblicke. Wir müssen auf dem Weg zum Grenzposten in Sost zweimal stoppen. Das erste mal werden unsere Passdaten erfasst, das zweite Mal bezahlen wir 8 US Dollar für den Nationalpark, durch den wir nun fahren.

Wir sind das letzte Fahrzeug, das durch diese Prozedur muss. Als wir in Sost ankommen, haben die ersten Motorradfahrer bereits den pakistanischen Stempel im Pass und das Carnet-de-Passage ordentlich ausgefüllt und können weiterfahren. 15 Minuten hat das wohl nur gedauert. WOW!

Claudia und ich müssen ein Gesundheitsformular ausfüllen, den Einreisestempel haben wir nach 5 Minuten im Pass.

Für das Carnet brauchen ein wenig länger, da wir die letzten sind. 10 Minuten braucht der Beamte dann doch pro Carnet-de-Passage.  Nach 45 Minuten sind wir aber durch und sind endlich in Pakistan. Wir beenden unsere Fahrt in Passu, einem kleinen Ort auf 2500 Höhenmetern und finden einen Platz neben Alice und Alex. Jetzt kann unser Abenteuer Pakistan beginnen!

Was für ein Schlafplatz!

Die China Durchfahrt war schwierig, aber machbar. Wir sind froh, dass wir das gemacht haben, werden das SO aber nicht nochmal machen wollen. Wenn irgendwann einmal eine Transitroute zwischen Pakistan und Tadschikistan existiert, fahren wir bestimmt noch einmal, denn Pakistan ist es wert gesehen zu werden!

14

3 comments

  1. Hallo ihr Tausendsassas!!!!

    Im Spätsommer 1988 bin ich diese Strecke von Pakistan kommend mit öffentlichem Transport von Pakistan kommend bis Kashgar und dann weiter gen China gefahren.
    Habe die grandiose Strecke noch immer vor Augen.
    Weiter eine gute Reise, viel Freude im Hunzatal und weiter tolle Er-Fahrungen.

    Liebe Grüße
    Gernot

  2. Fetten Glückwunsch und gute Zeit in Pakistan! Meldet euch, falls ihr gute Tipps habt für Wanderungen um Gilgit. Sind Ende Oktober dort – es sei denn, mit den öffentlichen Bussen dauert alles NOCH länger, als mit eigenem Auto 😉

  3. Hallo ihr zwei,

    Wir verfolgen begeistert euere Reiseerlebnisse – Gratulation dass ihr es trotz all dem Bürokratenärger in China über den Pass nach Pakistan geschafft habt!! Wenn ihr irgendwie Zeit habt, versucht von Gilgit aus den Abstecher nach Scardu zu machen, das lohnt sich wirklich! Von dort kann man über das Deosaiplateau atemberaubend nach Astor hinter dem Nanga Parbat. Ich war da mal auf Rucksacktour und hab mir in Gilgit nen Jeep mit Fahrer gemietet…
    Bin eh mal gespannt wie es für euch weitergeht und freu mich auf die nächsten Berichte!
    Gute Fahrt und viel Spaß weiterhin! Mathias und Claudia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*