IranWeltreise Tagebuch

Kleine Bergdörfer und unruhige Nächte

Einige Tage fahren wir durch die iranischen Bergen um Masuleh zu erreichen. Laut Lonely Planet, ein wundervolles Dorf. Wir werden aber von den schieren iranischen Touristenmassen abgeschreckt und fahren schnell wieder weiter. So schön war es dann doch nicht. Auf dem Weg haben wir interessantere Orte gesehen.

Masuleh – is ja ganz nett. Aber da ist uns zu viel los und der Nebel drückt rein.

Leider ergibt sich in der Nacht vor Masuleh, dass wir einfach keinen geraden Platz finden. Auch mit unterbauten Steinen, wird Calimero einfach nicht gerade. Da es schon spät ist, und wir müde sind, schlafen wir dennoch schräg. Ich rolle die ganze Nacht auf Claudia, während der Nebel mit starkem Wind am Fahrzeug vorbeizieht.

Idyllisches Plätzchen, gerade stehen wir aber nicht!
Der gleiche Platz am Abend zuvor. Nebel, Nebel, Nebel und Wind! Keine tolle Kombination.

Auf dem Weg von Masuleh nach Zanjan (wir haben in Astara eine Einladung bekommen), fahren wir etwa 20km auf derselben Piste zurück, passieren unseren ungeraden Stellplatz der Nacht davor und biegen dann auf eine Piste ab, die vermutlich nach Zanjan führt. Sie ist nicht in unserem Navi vorhanden. Auch auf der Karte finden wir diesen Weg nicht. Die Richtung stimmt aber, also probieren wir es aus.

Wir haben Glück und kommen auf eine weitere Verbindungsstraße in Richtung Zanjan. Die Blicke sind atemberaubend.

Um die Dörfer ist es meist grün.
Wir dürfen unglaubliche Landschaften sehen.
Und atemberaubende Pisten befahren.
… und noch mehr tolle Pisten!
Die Dörfen sehen auch immer ganz schick aus. Leider immer nur von weitem.
DAS ist mal ein malerisches Bergdorf, wie ich finde!

Aufgrund einer Empfehlung möchten wir auf einem Hügel, umgeben von tollen Bergen und kleinen Dörfchen übernachten.Auf dem Weg dorthin werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein Reifen relativ wenig Luft hat. Das müssen wir uns in Ruhe ansehen. Wir stehen den ganzen Nachmittag in Ruhe in unserem Camp und reparieren, TADAAA, unseren allerersten Platten auf der Reise. Wir sind auf einen Hufnagel gefahren, der sich in das hintere linke Rad gebohrt hat und dort gut saß. Mit etwas Mühe und mal wieder viel zu wenig Geduld, bekommen wir das aber gut geflickt. Auch der Kompressor funktioniert einwandfrei.

Reifen geflickt! Check!
Ausblick vom Stellplatz

Wir stehen den ganzen Nachmittag in Ruhe dort. Kurz vor der Dämmerung erreichen uns jedoch vier Männer. Alle sind freundlich und wollen uns zum Essen einladen. Wir lehnen dankend ab, da wir eben erst gegessen haben. Ich zeige ihnen in Zeichensprache, dass ich ja nicht dick werden möchte. Sie lachen und machen sich auf den Rückweg.

Auf einmal schießt ein blauer Pickup die Piste hinauf. Ein Herr steigt aus und spricht mich laut und fuchtelnd an. Ich verstehe nur Bahnhof, denn die anderen Herren hatten mir gesagt, ich kann hier ohne Probleme stehen und sich lachend mit mir verständigt.

Er möchte meine Pässe sehen und droht mit der Polizei, das verstehe ich. Ich zeige ihm jedoch nicht, dass ich das verstehe, denn die vier anderen Herren sind wieder umgedreht und unterhalten sich wild mit dem Mann aus dem blauen Pickup.

Nach einigen Minuten versichern mir die Männer, dass wir einfach stehen bleiben sollen und alles in Ordnung sei. Der unerfreute Mann steigt in seinen blauen Pickup und fährt davon. Auch die anderen verlassen uns schnell. Ein komisches Gefühl bleibt zurück. Da die Dämmerung aber schon eingesetzt hat, möchten wir ungern einen neuen Platz suchen.

Der Abend vergeht und die Polizei erscheint nicht, also gehen wir ins Bett. Ich habe ein ungutes Gefühl, denn wir nächtigen wohl unerwünscht auf diesem (wunderschönen) Fleckchen Erde.

Um 00:49 kommt die Quittung. Ich höre Schritte am Fahrzeug, ein Licht schwenkt an meinem Fenster vorbei. Sofort bin ich hellwach und realisiere, dass mehrere Männer um unser Auto laufen. Ich rufe raus: „Hello, what’s up?“ in der Hoffnung, dass sie nur nicht verstehen, dass das ein Camper ist. Auch Claudia ist mittlerweile wach und sieht mich etwas beängstigt an.

Die Antwort klärt auf: „Police, please go out and show passport“. OK, da steht also die Polizei nach Mitternacht bei uns und möchte uns kontrollieren. Klasse!

Ich ziehe mir schnell etwas an und gehe raus. Sie zeigen mir eine ID-Karte, die rein auf Farsi geschrieben ist. Ich erkenne aber Funkgeräte, Pistole, Maschinengewehr sehr deutlich und beschließe mitzuspielen. Ich schüttele jedem die Hand und begrüße sie erst einmal. Sie erwähnen erneut, dass sie unsere Pässe sehen sollen. Ich krame sie aus Claudias Handtasche hervor und zeige ihnen nach und nach die Seiten in unseren Pässen. Erst die Dokumentenseite, dann die Seite mit dem Visum und schlussendlich noch den Stempel. Als sie alles abfotografiert haben, beginnen sie zu lächeln und sagen mir. „Everything OK. This is the Hotel Manager if you have problem.“ Die zwei Polizisten zeigen auf den dritten Herrn im Bunde. Nun wissen wir auch, wer das Hotel im Dorf leitet, danke dafür!

Bevor die Polizisten Gute Nacht sagen, muss ich noch für einige Selfies geradestehen. Ich darf leider kein Foto machen, aber gefragt habe ich dennoch. Sie wünschen uns eine Gute Nacht und lassen uns in Frieden.

Claudia schläft bald wieder ein, ich liege aber noch eine ganze Weile wach und verarbeite das Geschehene. Immerhin wussten die beiden Polizisten das Visum richtig zu deuten. Ansonsten wäre das eine noch viel längere Nacht geworden.

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One comment

  1. Hallo!
    Ich bin erst neu hier, aber sehr froh Eurem interessanten, wunderschönem Blog folgen zu können, Danke dafür!
    Alles Gute
    Beate

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