IndienWeltreise Tagebuch

Ein gar nicht so toller Ausritt in Udaipur

Indien ist so, wie man es uns gesagt hat … bunt, lärmend und dreckig. In keiner Stadt hatten wir bisher so etwas wie eine Nachtruhe. Zwischen den Städten noch weniger, denn da sind wir an Straßenrestaurants oder Tankstellen gestanden. Nicht gerade ein Overlander-Traum.

In Amritsar war rund um Diwali jede Nacht ein kleiner Krieg ausgebrochen, zumindest hörte sich das abfeuern der Feuerwerkskörper danach an. In Agra wurden wir von Moskitos zerfressen und in Jaipur haben wir neben der Bahnlinie genächtigt. Zufälligerweise sind wohl nur Nachts Züge gefahren, die wie die Autofahrer die Dauerhupe betätigt haben.

Erst im Ranthambore Nationalpark hatten wir ruhigere Nächte. Auf dem Weg nach Süden rechnen wir nicht mit viel besseren Nächten, dafür aber längeren und anstrengenderen Fahrtagen.

Der Weg vom Ranthambore Nationalpark nach Udaipur ist richtig klasse. Wir finden das erste Mal einen freien und ruhigen Stellplatz. Das nutzen wir auch sofort aus. Da wir nicht eingekauft haben kochen wir Reste und merken, dass “Pickled Garlic”  auf Nudeln gar nicht so gut schmeckt.

Ein kleiner und wunderschöner Tempel auf dem Weg nach Jaipur
Der erste weiße Elefant auf unserer Reise!
Stellplatz in der indischen Einsamkeit

Daher machen wir in Udaipur noch einmal halt. Hier steht eine alte Pferdeanlage vom Maharashtra. Wir schauen uns die Marwari Pferde in Ruhe an und denken, dass sie ein gutes Leben haben. Daher unterstützen wir das und möchten einen Ausritt machen. Wir vereinbaren, dass wir zu zweit, ohne Guide in die Berge reiten werden und ich sage ihm (widerwillig), dass ich Anfänger bin. Als Deal-Closer bekommen wir unseren Stellplatz für die Nacht umsonst dazu.

Wir vereinbaren einen Ausritt am Nachmittag und als es dann endlich soweit ist, stehen zwei weitere Reiter dabei und wir werden angehalten, in einer kleinen Gruppe MIT Guide den Ausritt zu machen.

Na großartig, so haben wir uns das nicht vorgestellt, halten aber erstmal den Mund. Sobald wir auf dem Pferden sitzen, werden wir auf eine fixe Reihenfolge verteilt. Ich reite in dritter Position, Claudias an fünfter. Somit haben wir vom gemeinsamen Ausritt gar nichts gemeinsames.

Ich versuche immer wieder meinem Pferd beizubringen, dass es langsamer machen soll, damit die anderen zu uns aufschließen können. Allerdings kann mein Pferd nur eins. Am Arsch des Vorgängers hängen. Unser Guide interessiert sich dafür gar nicht und reitet fröhlich voraus. Mein Pferd entpuppt sich als sehr Anfänger-Unfreundlich. Es fängt schon an zu bocken, wenn ich nur einen Meter weiter rechts reiten möchte um mit meinem Gesicht nicht durch die Dornenbüsche zu reiten. Ich kann mich bei den Kleinigkeiten sehr gut durchsetzen und falle auch im Trab nicht vom Pferd. Das Stoppen bleibt allerdings ein Mysterium. Da der Guide nicht wirklich Pause macht, ist mein Pferd dauerhaft in Bewegung und Fotos sind nur in Ausnahmefällen möglich, leider.

Die Umgebung durch die wir reiten ist allerdings sehr spannend. Wir reiten zuerst an einem kleinen Slum vorbei und dann durch ein Dorf in der Nähe von Udaipur hindurch. Dort fällt das Pferd vor mir beinahe, als es auf eine schräge, glatte Zufahrt läuft.

Hinter dem Dorf folgen die Hügel von Udaipur und das ist wirklich eine schöne Umgebung. Wir reiten an einem See entlang, auf einen der Hügel hinauf und machen uns dann bald schon wieder auf den Rückweg.

Da eskaliert die Situation beinahe, als das Pferd vor mir unbedingt Gas geben will, die Reiterin aber nicht. Die ganze Zeit hat der Guide dieses Pferd bereits an der Hand und versucht es zu beruhigen.

Mein Gaul will mitmischen und bleibt direkt am Arsch des anderen, das auf einmal beginnt auszutreten. Dadurch wird meiner auch nicht gerade entspannter. Der Guide blafft mich an und will, dass ich mehr Abstand halte. Ich blaffe zurück und gebe ihm zu verstehen, dass er mir in zwei Stunden nicht zeigen konnte, wie man dieses Pferd vom Arsch des Vorgängers entfernt, dass ich das so jetzt auch nicht schaffe.

Claudia indes hat ein tolles Pferd, mit dem sie gemütlich den Ausritt von der letzten Position verfolgt. Allerdings macht es sie mehr als nervös, dass ich solche Probleme mit meinem reitbaren Untersatz habe. Sie meint, dass man einem Anfänger ein solches Pferd nicht geben darf. Ich bin zutiefst erschüttert, dass sie mich immer noch für einen Anfänger hält. In Kyrgyzstan bin ich bereits über die Steppe galoppiert. Naja, Claudia hat wohl doch recht. Beim zweiten Ritt ist man noch ein Anfänger und wir haben das zu Beginn ja auch so gesagt.

Den Abend verbringen wir mit den wirklich netten anderen Reitern und deren Familie. Die Familie aus Holland und Kanada ist ebenfalls auf einer Weltreise und wir tauschen uns über die schönen und die hässlichen Seiten von Indien aus.

Am nächsten Morgen möchten wir es gemütlich angehen, einer der Mitarbeiter erzählt uns jedoch, dass er mit dem Chef telefoniert hat und dieser das Parken nicht gut findet. Daher müssen wir um bald gehen. Da es bereits 08:30 ist, frage ich ihn ob 10 Uhr OK ist, er verneint und meint 9 Uhr wäre besser.

Na Klasse, dann fahren wir eben zu. Als wir ins Auto einsteigen wollen kommt er erneut her und gibt mir einen Zettel. Oben drauf steht handschriftlich geschrieben: „Bill“. Ich frage ihn für was diese Rechnung ist und er meint für das Parken.

Ich sage ihm, dass wir am Vorabend vereinbart haben, dass wir nach dem Bezahlen der Reittour umsonst hier stehen dürfen. Er antwortet, dass sein Chef ihm diese Order gegeben hat.

Mein Blutdruck steigt direkt wieder an und Claudia deeskaliert die Lage damit, dass sie die 250 Rupees einfach bezahlt. Das ist ein wirklich fairer Preis für eine Übernachtung auf dem Gelände und wir hätten das auch gern bezahlt, wenn das so abgemacht gewesen wäre. Abgemacht war aber etwas anderes. So verlassen wir Udaipur mit einer weiteren eher negativen Erfahrung.

Das bestärkt uns in unserer Meinung, nach Süden zu fahren. Wir brauchen unbedingt Strand, günstiges Bier und Mojitos um all das zu verarbeiten, denn auch seit unserer Abreise aus Amritsar habe ich keine einzige Zeile für den Blog geschrieben. Es passiert zu viel in zu kurzer Zeit, aber wir fühlen uns auch nirgendwo so wohl, um noch länger zu bleiben.

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