IranWeltreise Tagebuch

Außer Gefecht in Mashhad

Wir fahren von Yazd in nur wenigen Tagen nach Mashhad, doch jedes mal wenn wir von der Straße abbiegen und uns einen Schlafplatz suchen, werden wir belohnt. Wir finden ein wundervolles Wadi bei Tabas, das wir, wegen eines Erdrutsches, leider nicht durchfahren konnten und genießen die Tage in der Wüste noch einmal, denn die Temperaturen sind angenehmer.

Calimero denkt da jedoch anders. Er verliert immer mehr Motoröl und Verteilergetriebeöl. Außerdem ist der Kupplungsgeberzylinder undicht. Das bedeutet, dass wir irgendwann nicht mehr schalten werden können.

Die Hitze hat ihm also doch mehr zugesetzt, als wir vermutet haben. Über Instagram melden wir uns beim iranischen Land Rover Club Manager. Er nennt uns eine Adresse in Mashhad, bei der wir vorbeifahren können.

Wir kommen am frühen Abend in Mashhad an und nächtigen erst einmal eine Runde in einem Park. Wie immer ist das super erholsam, da erst gegen 2 Uhr Morgens Ruhe eintritt.

Da die Werkstatt 20km entfernt ist, die turkmenische Botschaft (aber näher ist, fahren wir erst an der turkmenischen Botschaft vorbei. Wir möchten unser Visum in Mashhad abholen, um an der Grenze keine bösen Überraschungen erleben zu müssen. Hier haben wir alle Infos zum Turkmenistan Visum aufgeschrieben.

Die Botschaft hat Sonntags leider zu und so fahren wir die 20km zur Werkstatt. Der Verkehr in Mashhad ist gewöhnungsbedürftig. Es ist nunmal eine iranische Großstadt und definitiv mit Risiken verbunden hier Auto zu fahren.

Wir werden freundlichst an der Werkstatt begrüßt. Kiyan und sein Bruder Komrad bauen mit mir den Geberzylinder aus und versuchen ihn mit Teilen eines anderen Zylinders zu überholen. Das funktioniert jedoch nur mäßig gut. Wir bestellen also einen neuen Geberzylinder aus Tehran. Mohamad, der Land Rover Club Manager, hilft uns auch hier.

Während die Jungs mein Auto wieder zusammenbauen, passiert das, was kaum mehr zu vermeiden war. Ich spürte schon den ganzen Tag, dass mein Körper heute nicht so will, wie ich. Ich kämpfe schon den ganzen Nachmittag damit, dass ich meine Augen nicht fokussieren kann. Schlussendlich muss ich aufgeben und eine Stunde Nickerchen im Auto machen, denn eine dicke Migräne zieht über mich hinweg. Erst nach dem Nickerchen und einigen Schmerztabletten bin ich aber wieder halbwegs auf den Beinen und wir können gemeinsam Essen gehen.

Als Übernachtungsplatz bekommen wir diesmal eine ganze Wohnung für uns selbst. Der Mechaniker hat sie angemietet, um sich mit Freunden zu treffen. Normalerweise wohnt er bei seiner kranken Mutter. Wir genießen das Wohnungsleben sehr, doch am nächsten Morgen geht es wieder in die Stadt. 20km hin- und wieder zurück. Wir beantragen unser Turkmenistan Visa, zahlen erneut 110 US Dollar (haben wir bereits in Deutschland bezahlt) und bekommen die Information, dass wir es Nachmittags wieder abholen können.

Den Weg zurück in „unsere Wohnung“ finden wir mit ein paar Umwegen, denn leider haben wir vergessen diese ins Navi einzutragen. Um 13 Uhr kommt die Mitteilung, dass der Geberzylinder aus Teheran da ist. Wir vereinbaren, dass wir um 16 Uhr das Visum abholen und danach in die Werkstatt kommen.

Tatsächlich können wir kurz vor 16 Uhr endlich unser Visum abholen. Wir sind sehr glücklich, denn es gab schon die wildesten Geschichten über dieses Transit Visum. Viele bekommen es einfach nicht bewilligt. Wir hatten mal wieder Glück!

Visum Turkmenistan
Da ist das Ding!

So zieht es uns wieder in die Werkstatt. Der Geberzylinder wird erneut ausgebaut, der neue ordentlich gereinigt, und eingebaut.

Erst dann schauen wir uns an, warum der Motor so viel ölt. Die Bremsservo-Unterdruckpumpe oder auch Vakuumpumpe hat eine undichte Stelle. Zudem ist ein Ölleitungsrohr nicht komplett fest geschraubt.

Noch etwas Öl abfüllen – die Reifen wären übrigens toll auf unserem Landy!

Tja und was passiert mit mir? Mich zerlegt es schon wieder halb. Die Migräne kommt zurück, erst am Morgen hatte ich mit meinem Magen zu kämpfen. Irgendwas ist hier nicht ganz korrekt. Vermutlich leide ich einfach mit meinem Calimero. Eine Schmerztablette später bin ich aber dennoch voll dabei. 

Aber auch diese Aufgabe wird zu unserer Zufriedenheit erledigt. Die Jungs machen Klasse Arbeit, auch wenn ich manchmal Sorgenfalten im Gesicht habe. Die Art zu Arbeiten ist hier einfach anders.

Als dann nach 21 Uhr endlich alles erledigt ist und die Öle wieder aufgefüllt sind, gehen wir erneut essen . Wir bitten unseren Mechaniker um eine Rechnung und bedanken uns recht herzlich. Da all die Arbeiten in seiner privaten Chevrolet-Restaurations-Werkstatt passiert sind, möchten die Brüder kein Geld für ihre Arbeit. Ihnen geht es finanziell gut und sie freuen sich wahnsinnig, Menschen wie uns kennenzulernen.

Wir versuchen es dennoch, ich stecke ihm sogar unwissend ein paar Scheine mehr zu. Er ist jedoch sehr aufmerksam und lässt uns auch nach Verhandlung tatsächlich nur den Teile Preis von circa 60 Euro inklusive Expressversand bezahlen.

Daraufhin laden wir ihn nach Deutschland ein. Wir sagen ihm, dass er mit uns eine tolle Zeit in Deutschland verbringen kann, wir für ihn sorgen, wenn er bei uns Urlaub macht. Er entgegnet uns nur, dass das für ihn mit dem Visa nicht so einfach ist, wir aber wieder mal nach Mashhad kommen sollen. Seine Wohnung steht frei und wir können auch sein Auto fahren.

Diese Gastfreundschaft ist verrückt. Ich streite mich regelrecht mit ihm um zumindest das Abendessen zu übernehmen. Doch auch hier scheitern wir. Wir dürfen partout als sein Gast partout kein Geld ausgeben.

Wir hoffen, dass wir das irgendwann wieder zurück- oder weitergeben können!

Calimero hat sich wieder erholt und auch ich komme langsam wieder auf die Beine. Nur Claudia hat die Nerven und die Gesundheit behalten und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Nach über 100 Kilometern durch Mashhad, ein paar aufregenden Tagen und viel Liebe und Gastfreundschaft können wir uns nun auf den Weg zur turkmenischen Grenze machen.

PS: Ihr seht – diesmal gibt es gar nicht so viele Bilder, aber so ist das nunmal wenn man angeschlagen ist und einfach nur die kritischen Punkte vom Tisch haben will.

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