TürkeiWeltreise Tagebuch

Meeresschildkröten in der Türkei

„You are not joking?“ ist die Frage der Mitarbeiterin vom Sea-Turtle-Rescue-Center. Sie glaubt mir nicht. Das was wir gesehen haben, ist tagsüber eine Rarität. Ich wiederhole nochmal, dass wir eine Meeresschildkröte (um genau zu sein eine Caretta caretta) dabei beobachtet haben, wie sie ein Nest baut. Als Beweis zeige ich ihnen Fotos und Videos. Die Mitarbeiter reichen die Videos untereinander her und glauben immer noch, dass wir sie verarschen. Da wir zusätzlich zum Beweisvideo und den Beweisfotos auch noch die exakte Stelle mitteilen können, geben sich die Mitarbeiter geschlagen und sagen uns, dass sie die Stelle  kontrollieren werden.

Aber wie kommen wir dazu, diese Schildkröte zu beobachten? Wir sind bei Dalyan am Iztuzu Strand. Dieser Strand ist eine der Brutstätten von Meeresschildkröten, aber auch von Süßwasserschildkröten, die im angrenzenden Süßwassersee leben.

Bereits am Vorabend haben wir uns das dortige Zentrum zur Erforschung und zur Rettung von verletzten Schildkröten angesehen. Wir haben die Schildkröten mit ihren Verletzungen in den Becken schwimmen sehen. Dort bleiben sie oft für mehrere Jahre, bis sie vollständig geheilt sind. Die Schildkröten werden nach mehreren Jahren wieder in die Wildnis gebracht. Das passiert aber, der langen Behandlungsdauer dankend, nur sehr selten, erzählt uns eine Mitarbeiterin. In den nächsten Wochen soll aber wieder die eine Freilassung stattfinden, die als Zeremonie abgehalten wird. Wir sehen eine davon auf einem Erklärvideo.

Wir dürfen leider nicht am Strand schlafen, denn derzeit legen die Meeresschildkrötendamen ihre Eier im Sand ab. Die Nester werden von den Mitarbeitern des Centers gegen Beutetiere gesichert und bewacht. Aus diesem Grund suchen wir uns ein Plätzchen in der Nähe, eine Bucht weiter und verbringen dort die Nacht. Am nächsten Morgen jagen wir einigen Geocaches hinterher, die jemand dort in Massen gelegt hat. Wir fahren erneut zum Strand herunter, denn wir wollten mal wieder im Meer baden, was uns seit Griechenland nicht wirklich gelungen ist. (Zu kalt, zu windig, zu strömend …).

Nach dem Baden, möchte ich noch ans Ende des Strandes laufen. Das sind wohl 3,5 – 4km pro Weg. Dort sollen sich weitere Geocaches verstecken.  Claudia ist nicht wirklich begeistert, sagt aber dennoch zu. Kurz bevor wir losgehen, möchten wir noch kurz das Salzwasser abduschen. Auf dem Weg zur Dusche, heften zwei Mitarbeiter einen Zettel an das Umkleidehäuschen am Strand.

Dort steht drauf,  dass HEUTE zwischen 17:00 und 18:00 Uhr FÜNF Schildkröten freigelassen werden.

WAS? Gestern hieß es noch, dass es irgendwann demnächst stattfinden soll. Kurzfristig hat man sich wohl dazu entschieden, das genau an dem Tag zu machen, an dem wir auch dort vor Ort sind. Mega begeistert packen wir schon mal Gopro und Kamera ein und machen uns zügig auf den Weg. Denn wir haben schon 15 Uhr (Zur Erinnerung um 17:00 soll es losgehen). Der Weg den Strand entlang, plus die Suche nach den Caches. Das wird ziemlich knapp.

Wir laufen also den langen Strand entlang. Als wir endlich vorne ankommen, sind wir schon ziemlich fertig, aber der Rückweg wartet ja noch auf uns. Dazu kommt, dass wir den einen Cache am Ende des Strandes leider nicht finden und nun auch keine Zeit mehr ist, die anderen auf dem Weg zu suchen. Meine Frage, nach einem erneuten Strandspaziergang am nächsten Tag, werden nur mit funkelnden Augen beantwortet. Ich glaube, Claudia möchte nicht noch einmal bis ans Ende laufen.

Voller Tatendrang!
Der Rückweg ist aber auch echt lang und beschwerlich!

Auf dem Rückweg ereignet sich dann dieses wundervolle Szenario. Zwischen Markierstab 237 und 238, liegt eine Schildkröte und paddelt mit den hinteren Flossenbeinen (so würde ich das zumindest bezeichnen) wild umher. Der Sand wird hinter ihr verstreut. Wir sind uns sicher, die buddelt da gerade ihr Nest. Denn gestern haben wir im Erklärvideo gelernt, wie das gemacht wird. Sie buddelt mit den hinteren Flossenbeinen (ich weiß, das Wort gibt’s nicht) ein bis zu 60cm tiefes Loch und legt dort ihre Eier ab. Dann buddelt sie es wieder zu, verwischt so gut es geht ihre Spuren und verschwindet wieder ins Meer.

Zwei Dinge halten uns allerdings auf, das Geschehen zu lange zu beobachten. Zum Einen möchten wir die nette Dame bei dieser privaten Angelegenheit nicht zu lange stören, zum Anderen wartet die Zeremonie auf uns (die sich allerdings um über eine Stunde verschoben hat!!!).

Da buddelt sie fleißig!

Die Mitarbeiter haben natürlich keine Zeit, genau jetzt nach dem Nest zu suchen. Alle sind damit beschäftigt, die Zeremonie vorzubereiten.

Eine kleine Prozession macht sich auf zum Strand. Die Menschenmenge läuft zunächst in eine völlig abstruse Richtung. Keiner weiß, wo die Schildkröten freigelassen werden. Claudia und ich schon. Denn wir haben auf dem Hinweg bereits gesehen, wie die kleine Absperrung aufgebaut wurde, die im Nachheinein auch nicht wirklich viel gebracht hat.

Es werden ein paar Interviews mit mächtig wichtigen Leuten geführt und dann geht es auch schon los. Die Schildkröten werden an den Strand gesetzt und die Menschen laufen langsam hinter den Schildkröten her, damit sie auch wissen, wohin es geht. Schwupp-di-wupp verschwindet eine nach der anderen im Meer. Zu guter letzt wird noch eine Süßwasserschildkröte freigesetzt und dann ist das Spektakel auch schon vorbei.

Die kleinste wird zuletzt freigelassen.
Außerdem benötigt sie etwas gutes Zureden.
Schildkroeten
Die großen und erfahrenen Schildkröten sind da schon ganz anders drauf. Hier ist sie noch da …
… und Schwupps kommt die Welle und nimmt sie mit!

Wir sind gerührt, die Mitarbeiter noch viel mehr. Alle diese Schildkröten hatten Namen und waren für mehrere Jahre in Betreuung. Jetzt zu sehen, wie ihre Patienten sie wieder verlassen können, freut sie ungemein.

Wir verlassen die Schildkrötenwelt daher zunächst und begeben uns zu einem Punkt über dem Strand, um den Sonnenuntergang zu genießen, zu kochen und das Erlebte zu reflektieren.

Was für ein Tag!

Claudia bereitet das Essen vor …
sonnenuntergang dalyan
… und ich bewundere den Sonnenuntergang!

Am nächsten Tag bekommen wir dann eine wundervolle Whats-App Nachricht der Mitarbeiterin. Das Nest wurde am Abend noch gefunden und die Eier geschützt. Wären sie erst beim normalen Kontroll-Lauf am nächsten Morgen darauf gestoßen, hätte es schon zu spät sein können. Wir sagen dennoch Goodbye Dalyan und suchen nun einen perfekten Strand, um ein paar Tage am Wasser zu relaxen und zu schnorcheln.

Der Blick von Oben auf den Iztuzu Strand bei Dalyan
Der Blick von Oben auf den Iztuzu Strand bei Dalyan
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