OregonUSAWeltreise Tagebuch

Mit schweren Gedanken durch Oregon

Ab nach Oregon – wieder mal ein Bundesstaat von dem wir so gar nichts wissen. Mal wieder haben wir versäumt den Reiseführer zu lesen und lassen uns überraschen. Mit dem Smith Rock State Park als Ziel fahren wir über den riesigen Columbia-River, an Portland und dem wunderschönen Vulkan Mount Hood vorbei in die „High Desert“ von Oregon. Schon der Start lässt sich definitiv sehen.

Smith Rock ist der historische Ausgangspunkt für die heutige Sportkletterszene in den USA. In den 80er Jahren wurde Smith Rock weltweit bekannt, nachdem ein europäischer Fotograf Alan Watts in den schwierigsten Routen von Smith Rock fotografiert hatte.

Heute trifft sich hier die Kletterszene und vor allem an den Wochenenden steht man an manchen Routen schon Schlange. Der berühmteste Abschnitt ist „Monkey Face“. Der Turm besticht mit seiner Ausgesetztheit und lädt zum Klettern ab dem 6. Schwierigkeitsgrad ein. Doch dafür braucht man Geduld und den richtigen Kletterpartner, den ich für dieses Projekt nicht finde.

Monkey Face!

Zwar treffe ich Joey und gehe mit ihm klettern, aber wir halten uns in kurzen Routen auf und üben das platzieren von eigener Absicherung am Fels. Claudia erkundet derweil die Region zu Fuß mit Tuco.

Da Smith Rock berühmt für seine sehr hohe erste Absicherung in Sportrouten ist, empfiehlt man uns einen Clip Stick mitzunehmen. Damit kann man das Seil in die erste Absicherung hängen, ohne den Boden zu verlassen. Wir leihen uns einen im lokalen Sportgeschäft und sind nicht die einzigen mit diesem Stab auf dem Weg zu den Kletterrouten.

Ich nehme mir aber vor, das Teil nicht zu benutzen und nach drei Tagen Kletterei hat das auch super geklappt ohne Clip-Stick geklappt. Zum Abschluss laufen wir noch eine 7 Kilometer Runde durch den Park (ich mit 12 Kilogramm auf dem Rücken) und klettern noch eine letzte Route direkt am Camp, die mir noch einmal alles gibt.

Sicherungen legen muss geübt werden – diesmal am Toprope!
Der Blick von oben auf den Fluss. Toll!
Tuco hat seinen Spaß

Die letzten Tage haben wir hier im Zelt übernachtet, denn auf dem Zeltplatz direkt im Park ist übernachten im Fahrzeug verboten und jetzt möchten wir wieder ins Auto umziehen. Eigentlich wollten wir direkt zur Oregon-Küste fahren, aber wir bekommen den Tipp am Crater Lake vorbeizufahren. Wir entscheiden uns prompt genau dafür und dürfen diesen wirklich spektakulären See erleben.

Wieder einmal bekomme ich eine Stimmung nicht aufs Foto, daher versuche ich es zu beschreiben. Stell dir vor, du stehst an einem Kraterrand. Du weißt, dass hier vor 7000 Jahren ein Vulkan explodiert ist, d.h. früher war das ein Berg. Jetzt ist der tiefe Krater gefüllt mit tiefblauem Wasser. Der Wind wird durch den hohen Kraterrand abgehalten und so spiegelt die Wasseroberfläche die wunderschöne Landschaft mitten am Nachmittag. Zwei Inseln erheben sich aus dem Wasser, eine davon ist ein kleiner Vulkan.  Würden wir am Wasser stehen, könnten wir bis zu 43 Meter in die Tiefe sehen.

Der Versuch den See festzuhalten

Der Crater Lake ist damit ein absolutes Must-See in Oregon und wir sind froh am Morgen unsere Pläne über den Haufen geschmissen zu haben um das mit eigenen Augen zu sehen.

Als wir vom See zurück zum Auto laufen, sehe ich einen Sprinter mit zwei Dachzelten und sage zu Claudia: “Wetten, das Auto ist aus Deutschland?“ und siehe da, ich habe recht. Wir treffen die Familie Oppens, mit denen wir den Abend verbringen, Spaghetti vernichten und tausend Fragen der Kinder beantworten. Mit 5 Jungs ist die Familie im Sprinter unterwegs und wir können nur unseren Hut ziehen. Schaut doch mal auf die Webseite der Oppens auf www.7aufweltreise.de vorbei.

Ganz schön viele Kids im Defender!
KINDERARBEIT!!!! – Die Kids machen Pancakes 🙂
Gruppenfoto auf Calimero

Da die sieben nicht für zu kalte Nächte ausgerüstet sind, geht es für die Oppens direkt nach Süden und für uns weiter nach Westen, wieder an den Pazifik. Wir statten Thomas, Yvonne und ihrem „Bockerl“ (Oder auch aktuell „Scheißhaufen“ genannt) einen Besuch ab. Der L300 liegt im gar nicht so zauberhaften COos Bay mit Getriebeschaden herum und es ist noch kein Ende einer Reparatur in Sicht. Daher campen die beiden im Auto direkt an der zweispurigen Durchgangsstraße – nicht so geil. Wir kennen das und freuen uns, wenigstens einen gemeinsamen Mittag zu verbringen um die beiden auf andere Gedanken zu bringen.

Auf dem Weg nach Kalifornien!

Während wir uns nach Süden schlängeln, bin ich in Kontakt mit der Bergschule in Kanada. Sie schlagen mir vor, drei Monate bei ihnen zu verbringen anstatt nur einen. Ich könnte eine intensive Outdoor-Erste-Hilfe Ausbildung bekommen, Lawinenkunde meistern, Skitourengehen lernen sowie Eis- Mixed- und Alpinkletterei erlernen.

Claudia und ich diskutieren das seit Tagen hoch- und runter. Was sind die Vor- und Nachteile? Könnten wir uns das überhaupt leisten? Was macht Claudia derweil? Ich muss ein intensives Trainingsprogramm erstellen für die nächsten vier Monate um mich vorzubereiten, Ausrüstung ordentlich aufstocken und vor allem muss ich die Bedingungen erfüllen können. Ich müsste auf den meisten mittelschweren Pisten parallele Kurven mit Skis fahren können. Es ist schwer abzuschätzen, wie viel Zeit ich dafür benötigen würde.  Wir gehen derzeit von 10-15 intensiven Skitagen aus, einige davon mit Skilehrer. Dinge, die man sich genau überlegen muss, wenn man kein festes Einkommen hat. Doch die Idee sitzt tief und der Wille ist groß. Mein Kopf überv

Momentan sieht der Stand so aus. Ich plane ein paar Skitage um ein Bild meiner Fähigkeiten zu bekommen. Dann werden wir uns für oder gegen das Programm entscheiden. Ich habe einen Trainingsplan erarbeitet, der ab 1. November in die Tat umgesetzt wird. Claudia würde es bevorzugen, Ende Februar von Seattle mit Tuco nach Hause zu reisen, wenn das Programm Mitte März in Canmore, den kanadischen Rocky Mountains beginnt.

Ich würde das Programm bis Juni durchziehen und danach noch ein paar Berg-Projekte in Nordamerika angehen, bevor es auch für mich zurück geht. Natürlich ist eine solche Trennung auf Zeit schwer, aber Claudia unterstützt mich mit ganzem Herzen und findet den Gedanken schön, Familie und Freunde wieder zu sehen, ein paar Praktikas zu machen und Zeit zu haben, mit Tuco einen Alltag zu etablieren. Ich kann mich derweil komplett auf das Programm fokussieren und Claudia muss auch nicht bei -20 Grad in den Rockies sein.

Um dann nicht völlig blank nach Hause zu kommen, steht zur Debatte, Calimero in Kanada zu verkaufen. Unser nächstes Reisefahrzeug soll sowieso etwas größer werden und in Kanada kann man gute Preise erzielen.

Jetzt lassen wir die schweren Gedanken mal wieder zur Seite, leben für den Moment mal wieder im Moment und nehmen euch im nächsten Beitrag mit nach Nordkalifornien.

One comment

  1. Schöner Bericht und ich finde euere Pläne gut, denn gute Sachen kann man nicht erzwingen sie finden von alleine zu Einem.
    Auch der Plan zu einem etwas größeren Auto, es hat schon was wenn man bei schlechtem Wetter einfach die Türe zumachen kann.
    Grüessli ins warme Kalifornien

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