IllinoisIowaSouth DakotaUSAWeltreise Tagebuch

Westwärts – Route 66, Missisippi, Mais und der verlorene Scheibenwischer

Mother Road, so nennen die Amerikaner ihre Route 66. Die Mutter aller Straßen verband ursprünglich Chicago im Osten der USA mit dem Pazifik als Hauptverkehrsweg zwischen Ost und West. Ab 1926 wurden verschiedene Straßen zu dieser einen Fernstraße verbunden und damit wurde ein wichtiger Verkehrsweg für diejenigen, die in den Westen wollten, geboren.

Die einspurige, kurvige Straße erlang mit dem Song „Get Your Kicks on Route 66“ von Nat King Cole oder dem Film „Früchte des Zorns“ nach und nach Kultstatus. Noch heute suchen Leute auf der ehemaligen Route 66 ihre Freiheit. Obwohl man noch 85% auf der historischen Route 66 fahren kann, existiert die Straße eigentlich nicht mehr.

Durch den wachsenden Verkehr wurden Umgehungen, Highways und Interstates gebaut. Diese haben die klassische Route 66 nach und nach ersetzt. Viele Dörfer an der ehemaligen Fernverkehrsstraße verloren durch den fehlenden Verkehr dann auch ihren wirtschaftlichen Überlebensfaktor. Bis heute versuchen einige Dörfer vor allem mit jeder Menge Kitsch Touristen auf die historische Route 66 zu locken.

Wir müssen genau Ausschau halten, um die Route 66 auch zu finden.  In Joliet biegen wir auf die Route 53 ab, die entlang der historischen Route 66 läuft. Tatsächlich merkt man erst gar nicht, dass man auf dieser ehrwürdigen Straße fährt. Erst ein Autostopp einige Kilometer weiter weist „dezent“ darauf hin.

Tuco will vorne mit dabei sein, wenn wir schonmal auf der Route 66 unterwegs sind.
Dezenter Hinweis auf die Tankstelle

Wenige Kilometer weiter zieht der Gemini Giant Gäste für das Restaurant „The Launching Pad“ an. Hier kann man natürlich jede Menge Kram kaufen. Wir trinken gemütlich einen Kaffee und sehen wie haufenweise Touristen aus aller Welt von Chicago bis zum Gemini Giant fahren.

Der Gemini Giant

Der Besitzer des Launching Pads erzählt uns, dass das Lokal sogar die letzten sieben Jahre geschlossen war. Wir wünschen ihm viel Glück, dass er es schafft, genug Touristen mit dem Gemini Giant anzulocken um das neueröffnete Lokal zu halten.

Einige Motorradfahrer sehen durchaus so aus, als würden sie der Route 66 bis zum Pazifik folgen würden. Ob das tatsächlich so ist, erfahren wir aber nicht. Während ich meinen Kaffee schlürfe, bekomme ich eine Nachricht auf Facebook. Denny schreibt uns, dass er in der Nähe wohnt und uns zum Mittagessen einladen möchte. Wir haben am Morgen mit seiner Tochter am Lake Michigan gesprochen und sie hat ihm unsere Informationen weitergeleitet. Da sagen wir nicht nein und essen kurze Zeit später tolles Thai-Curry bei Denny. Denny und seine Frau zeigen uns noch den Kankakee River State Park und wir machen uns flott wieder auf die Straße. Nach ein paar weiteren Kilometern auf der Route 66 biegen wir auf eine kleine Nebenstraße nach Westen ab. Wir folgen den Nebenstraßen und einspurigen State Highways und bekommen kaum mehr Abwechslung. Mais- und Sojabohnenfelder bestimmen das Landschaftsbild.

Mais und Sojabohnen bis zum Horizont und noch viel Weiter

In jede Richtung, bis zum Horizont sehen wir nichts anderes. Das macht das Suchen einer Übernachtungsmöglichkeit schwierig. Kurz bevor die Dämmerung einsetzt, fragen wir daher auf einer Farm nach. Patty und Dave freuen sich, uns zu sehen und zeigen uns ein Fleckchen Erde auf ihrem Grundbesitz, auf dem wir die Nacht verbringen können.

Der Stellplatz kann was, oder?

Sie erzählen uns einiges über Tornados in der Region und wir bekommen jede Menge Gemüse mit auf den Weg. Wir verbringen einen weiteren Tag im Auto und verlassen am Abend Illinois über den Mississippi nach Iowa.

So wie die Route 66, ist auch der Mississippi weltberühmt. Der Fluss, der einst das Ende der Vereinigten Staaten war, der Fluss auf dem Huckleberry Finn aber auch die berühmten Schaufelraddampfer entlanggeschippert sind.

Mississippi-Feeling

Da sowohl die Route 66 (zumindest zu Beginn) als auch der Mississippi eine Nord-Süd Ausrichtung haben, wir aber nach Westen wollen, fahren wir auch hier nur ein kurzes Stück am Fluss entlang. Circa 60 Kilometer folgen wir der Great River Road nach Norden um ein bisschen was vom Mississippi-Feeling mitzukriegen.

Tatsächlich verläuft die Straße aber kaum am Fluss entlang und bis auf ein paar Pausen in den Flussdörfern auf dem Weg sehen wir nicht viel vom Mississippi. Trotzdem ist die Gegend eine gelungene Abwechslung. Die Flussufer sind entweder dicht bewachsen oder es stehen große Anwesen mit grünen Wiesen am Fluss. Die Gebäude erinnern manchmal an die Herrenhäuser der weißen Sklavenhalter, wie man es aus Filmen wie Django Unchained kennt.

Ein klassisches Haus am Mississippi

Wir folgen einer etwas hügeligeren Straße nach Westen bis sich auch hier wieder die Region zum altbekannten zurückverändert. Mais, soweit das Auge reicht. Ich bin mir sicher, dass jeden Tag die Maisfelder größer werden. Claudia meint, dass das Blödsinn ist.

2000 Kilometer fahren wir nach Westen (Von Michigan nach South Dakota) und es ist anstrengend. Es ist tierisch langweilig, Tuco braucht seine Pausen und wir kommen kaum voran. Calimero zieht nicht mehr ganz so gut, wie vor unserer großen Reparaturaktion, wir wissen aber auch nicht warum. Mit Maximal 90 km/h sind wir mit Abstand die langsamsten auf den Straßen hier.

Claudia wünscht sich einen Tag Pause, denn in den letzten drei Wochen haben wir nur einen Tag Pause gemacht. Ich möchte aber durchziehen und so sinkt die Stimmung im Auto auch ein wenig, denn ich verstehe nicht sofort, wie ernst es ihr mit der Pause ist.

Übernachtungsplatz auf dem Weg – ein Pferdefreundlicher Campground
Urlaub mit Pferd wird hier großgeschrieben

In South Dakota erwischt uns ein massiver Regenschauer und ich merke, dass irgendetwas mit den Scheibenwischern nicht in Ordnung ist. Ich kann gar nicht so schnell schauen, als auf einmal der Scheibenwischer vor mir eine komische Bewegung macht, einfach abfällt und auf der Interstate einen Abflug macht. Wir halten sofort an, aber ich möchte nicht auf einer zweispurigen Straße auf die Suche nach dem Scheibenwischer gehen. Im nächsten Ort halten wir  noch einmal an und versuchen den Beifahrerscheibenwischer umzumontieren. Ich bekomme ihn ab, aber er hält nicht mehr. Was ist denn da passiert? Wir machen ein kleines Video und teilen es auf Facebook um Ideen zu bekommen. Damit wir nicht komplett stehenbleiben müssen, fahren wir bei leichtem Regen und einem Abzieher in der linken Hand weiter, allerdings nicht auf der Interstate.

Regen, Regen und Regen
Tuco flieht gerne vor dem Regen zurück ins Auto.

In Mitchell, wo der berühmte Corn Palace steht, stellen wir uns für die Nacht auf einen Walmart Parkplatz und ich recherchiere, wie ich das richten kann. Schlussendlich bohren wir ein Loch durch Scheibenwischerarm und Halterung, und setzen eine Schraube durch. Damit haben wir wenigstens auf der Fahrerseite wieder einen Scheibenwischer. Einen neuen Scheibenwischerarm für die Beifahrerseite lassen wir uns aus Vermont in die nächste Stadt schicken.

Die Außenfassade des Corn Palace in der Nahaufnahme
So sieht der Corn Palace in seiner ganzen Pracht aus.
Der neue Wischerarm sitzt
Eine Fledermaus auf dem Walmart-Parkplatz … sowas sieht man auch nicht jeden Tag.

Am letzten Tag unserer Go-West Etappe verändert sich auch endlich etwas. Immer wieder reihen sich riesige Kuhweiden zwischen die Maisfelder, bis sie dann nach und nach das Landschaftsbild übernehmen.

Endlich mal etwas anderes als nur Mais!

Die Gegend wird etwas hügeliger und wir erreichen am späten Nachmittag endlich den Badlands National Park. Jetzt sind wir im „Westen“ angekommen und können es wieder etwas langsamer angehen lassen. Eins kann ich euch schon nach einem Tag hier sagen … es hat sich gelohnt hier her zu fahren, aber dazu mehr im nächsten Beitrag.

Der Blick über die Prairie

2 comments

  1. Für mich der beste Reiseblog. Wirkt einfach super authentisch und ehrlich. Nicht nur rosarote Brille. Cool
    Weiter so 🙂

    1. Danke Sven! Sowas höre ich gerne! 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Bleibe auf dem Laufenden und melde dich bei unserem Newsletter an.