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Die Akadier an Nova Scotias French Shore

Im Süden von Nova Scotia, zwischen Yarmouth und Digby, gibt es einen kleinen Teil der Küste der auch als French Shore bekannt ist. Dort haben sich Akadier niedergelassen. Akadien war einmal eine französische Kolonie, die unter anderem Nova Scotia umfasst hat. Manchmal gehörte Akadien zu England, manchmal zu Frankreich. Schlussendlich wurden die Akadier 1744 von den Briten verjagt und deportiert. Zum Kriegsende 1763 kamen einige Familien wieder zurück, konnten aber nicht ihren ursprünglichen Besitz im Annapolis Valley zurückbekommen, da dieser an britische Farmer vergeben wurde. So mussten sie sich im unwirtlicheren Bereich zwischen Digby und Yarmouth niedergelassen. Akadier findet man überall in Nova Scotia, die größte Ansammlung von Akadiern jedoch findet man genau hier.

Akadier sprechen übrigens einen speziellen französischen Dialekt und leben nicht wie ihre Vorfahren von der Landwirtschaft, sondern sind meist Seeleute.

Da in Nova Scotia in Kanada kein Punkt weiter als 57 Kilometer vom Meer entfernt ist, liegt Fischerei als Verdienstquelle sehr nahe. Am meisten fallen uns die Hummerfischer und deren Utensilien auf. Es gibt viele Shops für marinen Bedarf, Trockendocks, Bootsbauer und überall sehen wir entweder die Fischerboote und/oder die Hummerfallen.

Trockendock

Eine Hummerfalle funktioniert ähnlich wie eine Reuse. Die aus Draht gefertigten Käfige haben hier meist zwei Kammern. Der Hummer krabbelt durch enger werdende Löcher zum Köder und schafft es nicht mehr heraus. Die Fallen werden dann im Meer verteilt und können über eine Fangleine mit Schwimmkörper zur Identifikation wieder geborgen werden.

Allerdings finden wir zerdepperte Hummerfallen auch an den Stränden. Vermutlich durch die Kraft des Ozeans weggerissen und angespült verweilen sie ihr Zweitleben als Strandgut.

Eine zerstörte Hummerfalle am Strand

Wir haben das Glück und können vor Smugglers Cove, einer kleinen Bucht, die für Rumschmuggel bekannt war, einem Hummerboot zusehen. Einerseits würde ich gerne mal auf so einem Boot mitfahren, andererseits wird es mich vermutlich nach einer halben Stunde zu Tode frieren und nach einer Stunde würde ich bei dem Wellengang vermutlich nur noch Fische füttern. Die perfekten Voraussetzungen um das mal auszuprobieren. Ich werde berichten, sobald sich eine Chance ergeben hat.

Die Rum-Höhle in Smugglers Cove
Die Männer bei der Arbeit auf dem Hummerboot

Die French Shore hat ihren eigenen Charakter. Die schönsten Kirchen, die wir bisher in Nova Scotia gesehen haben, stehen an der French Shore. Die Eglise Saint Marie ist die größte Holzkirche in Nordamerika und steht beeindruckend heraus. In nur zwei Jahren wurde diese Kirche von 1500 freiwilligen unter der Aufsicht eines Analphabetischen Zimmerermeisters gebaut. Dem gegenüber steht die Granitkirche Eglise Saint Bernard, die von 1910 bis 1942 gebaut wurde, da die Gemeinde keine Schulden eingehen durfte.

Die beeindruckende Holzkirche
… und gar nicht weit davon entfernt diese Granitkirche

Hier treffen wir auch Nancy. Wir haben gerade unser Mittagessen an einem kleinen Leuchtturm zwischen den zwei Kirchen verputzt, als Nancy vorbeifährt, uns zu unserem Auto gratuliert und Wodka ausschenkt. Sie kommt gerade von einer Beerdigung und keine 20 Minuten später wissen wir alles über den Verstorbenen, der wohl ein turbulentes Leben hatte, das er erst vor einigen Jahren in den Griff bekommen hat. Doch sein Leben endete überraschend mit 43 Jahren. Nancy meint allerdings den Verstorbenen erst gestern in den Wolken gesehen zu haben und ist glücklich, dass er im Himmel gelandet ist. Etwas überrascht packt sie auf einmal alles zusammen und fährt weiter. Ich hoffe unser gemeinsamer Wodka-Schluck war der einzige an diesem Tag.

Der Leuchtturm von Belliveu Cove

Während wir die French Shore entlang fahren drückt der Nordostwind weitere Kälte und Niederschläge heran. An einem Tag fallen so 20 Zentimeter Neuschnee. Auf dem Weg nach Yarmouth wird die Straße so spiegelglatt, dass ich Calimero fast verliere. In einer gestreckten Linkskurve einen Hang herab fängt Calimero auf einmal an zu rutschen.  Wenn drei Tonnen beginnen zu rutschen, dann hören sie ungern wieder auf.

Spiegelglatte Straßen bei Yarmouth – der geräumte Highway

Mit viel Glück und wildem, nicht mehr nachvollziehbarem herumrühren, bremsen und Gas geben halte ich ihn aber gerade so in der Spur. Der Schreck sitzt bei uns sehr kurz sehr tief, wird dann aber ruhig weggeatmet. Man darf ja auch mal so richtig viel Glück haben. Wir beschließen daher auch den etwas besser geräumten Highway zur Stadt zu nehmen.

In Yarmouth selbst finden wir uns in einem ulkigen kleinen Museum wieder, das uns viel über die lokale Geschichte beibringt. Besonders beeindruckt mich die Aufzeichnung über die Webster Familie, die nachweislich seit dem 18. Jahrhundert kontinuierlich als Ärzte in der Region praktizieren.

Obwohl die Temperaturen kalt bleiben, werden wir immer wärmer mit Kanada. Wir stehen an wunderschönen Stränden, beobachten Möwen, finden Muscheln und besuchen mehrere Leuchttürme. Lustigerweise wird in Yarmouth gerade ein zweiter Leuchtturm neben den aktuellen Leuchtturm gebaut. Der “neue” Leuchtturm wird aber nur als Filmrequisite für den Film “The Lighthouse” mit Willem Dafoe dienen.

Da das unser 70. Weltreisetagebuchbericht ist und wir heute sogar das Einjährige Reisejubiläum feiern, noch mal ein ganzer Satz Bilder und ein VIDEO für euch! Viel Spaß beim schauen!

 

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One comment

  1. Danke für den Tollen Bericht und das geile Video.Freue mich auf Neues! Liebe Grüße aus Wuppertal

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