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Kältetest entlang der South Shore von Nova Scotia

south shore von nova scotia

Nachdem wir von Deutschland nach Indien gefahren sind, ist die erste Etappe in Kanada etwas völlig anderes. Mit Calimero fahren wir in den gut bestückten Supermarkt und laden richtig ein.

Claudia hat sich Gerichte im Kochbuch ausgesucht und wir gehen dafür einkaufen. Das gab es lange nicht mehr. Oftmals haben wir wochenlang keinen Supermarkt gesehen und haben daher das gegessen, was wir eben gefunden haben.

Das maritime Nova Scotia bietet laut Reiseführer Strände, alte Fischerdörfchen, schöne Wandermöglichkeiten und auch zwei Nationalparks. Eigentlich sind es ja drei Nationalparks, aber Sable Island wird für uns wohl nichts werden. Der Park liegt etwa 300 Kilometer südöstlich von Halifax im Atlantik. Die dortigen wilden Pferdeherden werden wir daher nicht treffen, denn man kommt nur per Privatcharter oder Boot dorthin.

Wir wollen uns dafür den Kejimekuji Nationalpark und den Cape Breton Highlands Nationalpark ansehen. Vorerst verabschieden wir uns von Halifax und fahren nach Süden. Die erste Region, die wir erkunden wollen ist die South Shore von Nova Scotia.

Es ist merkwürdig mit Calimero zu fahren, wieder in unserem trauten Heim zu sein und den Geräuschen zu lauschen. Was quietscht denn da? Warum ist er denn so laut? Ach das wird die Kälte sein, denken wir uns.

Wir cruisen gemächlich die Landstraße entlang, halten hier und da und stoppen am ersten Tag kurz vor Peggys Cove auf einem Wanderparkplatz. Da es draußen kalt ist, machen wir die Standheizung an und wollen es uns gerade gemütlich machen, da hört die Standheizung schon wieder auf.

Mist! Ich habe nicht genug getankt und so kriegt die Standheizung keinen Sprit. Also wird Wasser für die Wärmflaschen aufgekocht. Damit halten wir uns warm, bis es Schlafsackzeit ist. Im Normalfall läuft unsere Standheizung sowieso immer nur, solange wir im Auto sitzen, bis wir ins Bett gehen. Unsere Schlafsäcke von Deuter sind warm genug. Außerdem trifft es gerade mal die 0° in unserer ersten Nacht. Halb so wild!

Nach einer langen Nacht (keiner wollte aus dem Schlafsack raus) wärmen wir uns bei einer kleinen ersten Wanderung auf. Es ist wunderschön, wie ruhig und entspannt hier alles ist.

Eigentlich gibt es hier um die Jahreszeit noch kein Tourismus, aber in Peggys Cove ist das anders. An den Klippen vor dem Leuchtturm sammeln sich die Menschen um den hohen Wellen zuzusehen, wie sie gegen die Klippen prallen. Mit ordentlichen Gischtwolken zieht sich das Wasser dann schon wieder zurück um zum nächsten Schlag auszuholen. Claudia und ich können uns kaum vom Anblick der Wellen lösen, bis wir uns aufraffen und als einzige Touristen den Hafen hinter dem Leuchtturm zu besuchen.

Von Peggys Cove fahren wir weiter, tanken erstmal und besuchen einen Canadian Tire Shop. Canadian Tire Shops sind meine absoluten Lieblingsläden bisher in Kanada. Hier gibt es alles was man so braucht. Vom Motoröl über Dieseladditive bishin zum Gaskocher und auch Gaskartuschen oder warme Arbeitsklamotten. Hier erwerben wir ein Paar sehr warme Socken, eine Säge und auch zwei Thermo Teebecher, denn in den nächsten Tagen wird es richtig kalt werden.

Am Abend kochen wir aber erstmal auf der Muurikka ein Hühnchen-Ananas-Reis-Curry Gericht. Die neue Säge wird auch sofort eingeweiht um das Feuerholz klein zu machen. Wir stehen in einem kleinen Nadelwalt auf einem Fahrweg, der hinter uns durch umgestürzte Bäume versperrt ist. Wir haben lange gesucht, denn scheinbar endet jeder Weg an einem Haus. Umso perfekter ist der gefundene Stellplatz.

Muurikka-Kochen
Was ist denn hier passiert?

Wir tuckern immer weiter entlang der Küste und besuchen unter anderem das historische Lunenburg, die älteste Deutsche Siedlung in Kanada. Ein netter Herr erklärt mir in einem Tim Hortons auch breit und lange (40 Minuten lang) die Namensherkünfte aller wichtigen Persönlichkeiten der Gegend. Von den Schmitts, den Heinrichs, den … usw.

Claudia findet das amüsant, denn ein Besuch bei Tim Hortons ist normalerweise unsere Internet-Zeit! In Lunenburg ist alles noch geschlossen und so bleiben uns Museen und alte, wundervolle Holzschiffe erspart. In Lunenburg erwischt uns die Kälte jetzt auch so richtig. -6° tagsüber und dazu noch Wind. Das zieht die gefühlte Temperatur tagsüber auf -12°C.

So richtig beeindrucken lassen wir uns davon aber nicht und suchen uns ein Plätzchen am Hirtle Beach zum campen. Ohne jeglichen Windschutz merken wir die nächtlichen -11°C aber auch im Auto. Mit unseren Schlafsäcken und der wieder funktionierenden Heizung ist das aber alles gut machbar.

Auf dem Weg – Mahone Bay mit seinen vielen Kirchen

Ich kann mich aber nicht so richtig gemütlich in meinem Schlafsack verziehen, so dass nur meine Nase rausschaut. Claudia kann das. Daher muss ich eine Mütze und auch mein Fließ tragen, damit die Arme und der Kopf aus dem Schlafsack raus können.

Am nächsten Morgen merken wir, dass langsam alles einfriert. Der Honig ist zäh, das Speiseöl ist eingefroren und auch die Wasserkanister sind nur noch Eisklumpen. So dauert der Tagesstart ein bisschen länger, bis erstmal der erste Tee gemacht wurde, das Spülwasser aufgewärmt wurde und wir damit fertig sind für eine Wanderung. Wieder einmal haben wir die Natur ganz für uns. Erst kurz vor Schluss auf dem Rückweg treffen wir eine Frau mit Baby im Tragetuch und einem Hund.

Vom Hirtle Beach führt uns der Weg zunächst nach Bridgewater. Im dortigen Fitnessstudio dürfen wir duschen und nutzen das aus! Dort schlagen wir dann den Weg in Richtung Liverpool ein. Eine weitere sehr kalte Übernachtung in East Berlin später, schauen wir uns Liverpool in Ruhe an. Ich locke Claudia mit einem Leuchtturm zu einem weiteren Spaziergang. Als wir vor dem Leuchtturm stehen, schaut sie mich nur verwundert an. “Das soll der Leuchtturm sein?”. Zugegeben, Liverpool hat nicht den größten Leuchtturm aller Leuchttürme, aber er scheint wohl seinen Zweck zu erfüllen.

Leuchtturm von Liverpool

Nach Liverpool folgt auch schon ein weiteres Highlight, der maritime Anteil des Kejimekuji Nationalparks! Wieder völlig alleine laufen wir die 9,5 Kilometer durch den Park und verbinden dabei alle Möglichen Pfade. Wir beobachten Kormorane (ohne Tele-Objektiv, daher kein Foto) und finden die ersten glasklaren, windgeschützten Buchten. Der Pfad endet an einem riesigen weißen Sandstrand, an dem wir zumindest an diesem Tag die ersten menschlichen Besucher sind. Mit dem Besuch im Kejimekuji Nationalpark beruhigen sich auch die Temperaturen wieder. Wir haben tagsüber wieder Plusgrade und Nachts sinkt es nicht unter -3°C.

Auf dem Weg nach Shelburne, treffen wir in Lockport einen Mann, der uns drei Anstecknadeln von Lockport mitgibt. Er hat unseren Calimero bereits zweimal gesehen und kommt jetzt nicht umhin uns diese Nadeln zu geben, denn er arbeitet für das Dorf und freut sich sehr, dass wir auch hierher gefahren sind. Das Gespräch wird von einem weiteren Herren, Paul, beobachtet. Auch er spricht mich an und knöpft mir direkt wieder eine der Anstecknadeln ab. Er hätte auch gerne so eine, meint er und ich gebe die Anstecknadel fröhlich weiter.

Shelburne selbst lockt mit seiner historischen Hafenpromenade und super freundlichen Menschen, die uns auch direkt zum Bier einladen um mehr über uns zu erfahren!

shelburne
Wunderschönes Shelburne

So hat die aktuelle Jahreszeit an der Nova Scotia South Shore definitiv seine Pluspunkte. Wir sind derzeit die wohl einzigen Touristen im Camper und werden immer wieder bestaunt. Außerdem sind wir vor den Moskitos da, die wohl bei Frühlingsanfang in Massen erscheinen.

Als letzten Abstecher an der South Shore fahren wir nach Cape Sable Island. Die Insel liegt am südöstlichen Ende von Nova Scotia. Der angesagte Sturm zieht langsam auf und wir ziehen uns für die Nacht zurück in ein kleines Wäldchen. Camping direkt am Strand wäre möglich gewesen, bei dem Wind aber nicht clever.

Die South Shore von Nova Scotia hat uns einen wundervollen Start in unser Kanada-Abenteuer gegeben. Wir haben erfahren, wie wir in mehreren Nächten bei um die -10°C zurechtkommen und haben freuen uns auf warme 0°C entlang der Acadian Shores und Yarmouth.

2 comments

  1. Hallo ihr beiden,

    schöne Bilder die ihr da wieder geschossen habt! Man merkt auch am Schreibstil, dass ihr mit neuem Elan und Freude wieder auf Reisen seid :).

    Eine Sache die ich persönlich aber nicht verstehe: wenn es draußen kalt ist und die Temperaturen unter den Gefrierpunkt rutschen, lassen wir die Standheizung bei leicht geöfneten Fenstern im Hubdach fast die ganze Nacht durchlaufen. Das ist natürlich auch unseren beiden Kurzen geschuldet und bei vier Personen verwandelt sich sonst auch unser Defender in eine Tropfsteinhöhle. Und ich finde es auch ganz angenehm, wenn ich nachts ohne Mütze schlafen kann.

    Habt ihr keine Feuchtigkeitsprobleme, wenn ihr morgends aufwacht? Bei -11° C hätte ich dann auch keine Lust nachts das Fenster noch einen Spalt zu öffnen 😉

    Liebe Grüße nach Kanada, viele schöne Eindrücke und eine weiterhin spannende Reise!
    Klaus

    1. Wir hatten tatsächlich ordentlich Wasser im Auto. Wir haben das Dach allerdings gedämmt und nur an den Stegen blankes Metall. da geht das tatsächlich bis zum nächsten Morgen zu zweit.

      Wir haben etwas Bedenken wegen dem Stromverbrauch, denn die Heizung braucht tatsächlich gut Strom und das scheint bei den Batterien nicht so gut anzukommen. Wir schlafen eigentlich in der Kälte echt gut, außer ich verlier das Fell von den Füßen, aber da tut die Standheizung bei uns auch keinen Dienst, die Zirkulation von warmer Luft ist nicht wirklich gegeben. Die Heizung bläst von vorne unten nach hinten oben und damit ist der Großteil des Luftstroms auf dem Weg nach draußen!

      Wir lassen bei -11°C übrigens die Fenster zu. 😉

      Lg,
      Bernd

      PS: Ja, der Elan ist deutlich größer!

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