ReisezieleRumänien

Schnee in den Karpaten

Rumänien ist ein Land voller Offroad-Abenteuer. Trotz weniger Offroad-Kenntnisse wagen wir uns mit unseren bereits offroad-erfahrenen Freunden in die rumänischen Karpaten. Eigentlich wollen wir es in den ersten Tagen in Rumänien langsam angehen und nur einfache Strecken fahren, aber ob uns das gelingt? 

Geplant war, an unserem ersten Urlaubstag schon morgens vom Bodensee nach Rumänien zu fahren. Doch dann kamen uns einige Last-Minute-Arbeiten an den Fahrzeugen dazwischen. Ein Fahrzeug war noch nicht reisefertig und in einer Nachtaktion wurde noch die Winde eingebaut. Bei unserem zweiten Mitreisenden ist drei Tage vor dem Urlaub noch ein Verteilergetriebeschaden gefunden worden. So musste diesem Wagen vor der Reise noch eben das Verteilergetriebe getauscht werden. Als alle Arbeiten erledigt waren, konnten wir endlich in den wohlverdienten Urlaub fahren.

Unsere Reise führt uns an München vorbei durch Österreich. Da wir so spät losgefahren sind, übernachten wir in der ersten Nacht in Linz. Am nächsten Nachmittag erreichen wir Timisoara in Rumänien.

In der Stadt decken wir uns mit ein paar Lebensmitteln und rumänischen Lei ein. Dann starten wir in die hügelige Vorgebirgslandschaft. Bereits am ersten Tag haben wir eine ordentliche Schlammfahrt, danach schlagen wir unser Lager auf.

Langsam anfangen und dann …

Auf dem Weg zu unserem ersten Wikiloc-Track, fahren wir weiter auf der Landstraße nach Süden. Wir wollen leicht starten und haben uns deshalb einen einfachen Track herausgesucht. Über leichte, schlammige Wege fahren wir ohne große Herausforderungen Richtung Süden. Wir erreichen einen Wald und  folgen der Strecke ein paar Kilometer in den Wald hinein. Buchen säumen unseren Weg und wir genießen das Fahren. Dann endet der Track abrupt vor einem Erdrutsch.

Uns wird klar, hier können wir nicht weiter. Was uns ein rumänischer Waldarbeiter auch bestätigt. Wir überprüfen noch einmal die Karte und sehen einen kleinen Pfad, der uns mit einem Umweg wieder auf den ursprünglichen Track führen sollte. Frohen Mutes folgen wir dem Pfad. Doch je länger wir fahren, desto anspruchsvoller wird das Gelände. Von wegen langsam anfangen.

Und es geht doch weiter. Irgendwie.

Kurz darauf steckt auch schon der erste Defender bis zum Schweller in einer Pfütze. Es geht weder vor noch zurück. Beim Versuch um die Pfütze herum zu fahren, versenkt sich auch der zweite Defender. Glücklicherweise ist die Position des zweiten Wagens perfekt, um den ersten mit einer Winde aus dem Schlamm zu ziehen. Hier ist ganzer Körpereinsatz gefragt. Während die Winde den ersten Defender langsam aus dem Morast zieht, stehen wir auf den Treeslidern. Endlich kann es weiter gehen.

Doch tain Defender ist noch nicht um das Hindernis herum. Ich versuche das Loch zu umfahren. Neben dem Wasserloch bleibe ich in einer tiefen Rinne stecken. Das Auto steht gefährlich schräg. Mit Winde, Umlenkrolle und viel schweißtreibender Arbeit bekommen wir Calimero, unseren Defender, wieder frei.

Langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Wir bauen unser Lager an einem steilen und schlammigen Abschnitt auf. Mir ist nicht wohl dabei, aber weiter kommen wir heute auf keinen Fall.

Der erste Defender steckt fest
Der erste Defender steckt fest
Der zweite Defender steckt fest
Der zweite Defender steckt fest
Beim Versuch das Hindernis zu umfahren, fahre ich mich ebenfalls fest
Beim Versuch das Hindernis zu umfahren, fahre ich mich ebenfalls fest
Nur die Rumänen mit ihren Pferdkutschen, die fahren sich nicht fest
Nur die Rumänen mit ihren Pferdkutschen, die fahren sich nicht fest

Nur 1,4 Kilometer an diesem Tag

Eigentlich wollten wir auch diesen Tag mit einer leichten Strecke anfangen und uns langsam steigern. Doch was uns an diesem Tag erwarten würde, überstieg meine kühnsten Vorstellungen. Den ganzen Tag winchen wir uns von einer anspruchsvollen Stelle zur nächsten. Schlamm, Furchen und Wasserlöcher, nacheinander und gleichzeitig verhindern das Durchkommen. Nach vielen Stunden und nur 1,4 Kilometern Strecke kommen wir das erste mal aus dem Schlamm heraus. Genug für heute. Auf einer schönen Bergwiese bauen wir unser Camp auf.

Nachtlager – Graupel und Sonne sorgen für diesen Regenbogen
Es möge die Schlammschlacht beginnen
Eine der vielen Stellen, bei denen die Winde zum Einsatz kam
Die Umfahrung eines Schlammloches führ zu Dellen in den Kanistern – halb so wild!

Die Strecke am nächsten Morgen ist zwar weniger schlammig, allerdings geht längs des Weges eine fahrzeugbreite Rinne. Die Wagen können nur in starker Schräglage den Weg herunter fahren. Claudia meistert diese Aufgabe mit Bravour, während ich mit der Kamera um die Autos flitze.

Doch dann passiert es. Bei der Durchfahrt eines Hofes rutscht der Wagen auf dem matschigen Untergrund weg, in einen Zaun. Die Nägel im Zaun bohren sich in einen Reifen. Zeit endlich einmal unser Reifenreparaturset auszuprobieren. Somit hinterlässt Rumänien auch seine Spuren an uns.

Gut, dass wir eine kleine Reparaturpause einlegen. Denn es stellt sich heraus, dass sich der Stoßdämpfer des Führungsfahrzeuges zerlegt hat. Und das bereits nach 2.000 Kilometern. Unsere Mitfahrer tauschen den Dämpfer und nachdem unser Reifen geflickt ist, fahren wir weiter. Wir finden zurück auf den ursprünglich geplanten, leichten Track, den wir an diesem Tag noch zu Ende fahren.

Frauenpower: Iris weist Claudia den Weg

Hoch in die Berge

Auf Wikiloc finden wir schnell einen weiteren Track, der uns direkt in die Hochkarpaten bringen soll. Auf der Zubringerstraße sehen wir bereits Schneekettenpflicht-Schilder. Anfangs noch amüsiert, schließlich ist es doch Ende Mai, fahren wir den Berg hinauf. Bei 1.500 Metern stoßen wir tatsächlich noch auf Schnee. Damit haben wir in Rumänien nicht gerechnet. Im ersten Gang mit Untersetzung wagen wir uns dennoch auf den schneebedeckten Pfad, der uns von der Asphaltstraße in Serpentinen auf den Berg führt.

Das Fahren auf Schnee funktioniert ausgesprochen gut. Kurz vor dem Ende der Baumgrenze liegt ein Baum quer über die Straße. Mit Muskelkraft und Seilwinde schaffen wir das Hindernis aus dem Weg. Nach wenigen Minuten kommen wir an eine schneebedeckte Wiese mit einem wunderbaren Ausblick. Hier wollen wir heute unser Nachtlager aufbauen. Zum Glück haben wir von weiter unten Brennholz mitgebracht. So können wir es uns inmitten der Wagenburg am Lagerfeuer gemütlich machen.

Am folgenden Morgen wache ich früh auf und nutze die Chance, Fotos im Schnee zu machen. Da es heute deutlich wärmer ist, beginnt der Schnee bereits zu tauen. Das macht aus dem gut zu befahrenden Schneepfad eine ziemliche Rutschpartie. Nach einem Versuch brechen wir ab und fahren den Weg zurück auf Asphalt.

Der Defender mit Baum braucht bei rutschigem Untergrund etwas Unterstützung
Calimero im Schnee
Muurikka im Schnee – kalt wars!
Nur Frühaufsteher schießen Fotos vom Sonnenaufgang – Calimero steht Modell

Um zum nächsten Wikiloc-Track zu kommen, müssen wir einige Kilometer auf Asphalt fahren. Dann geht es über eine Rüttel-Piste erneut in die Berge. Die Wege sind ausgewaschen und zerfurcht von tiefen Rinnen, die das Regenwasser gegraben hat. Teilweise führt die Route schräg über nasses Gras. Die Schwierigkeiten halten sich dennoch heute in Grenzen und mittlerweile haben wir eine gewisse Routine gewonnen. Lediglich die Hirtenhunde, die uns immer wieder verfolgen und in unsere Reifen beißen wollen, strengen auf Dauer an diesem Tag an.

Kurz vor Abend kommen wir an eine sehr schwierige Passage. Die Wiese ist schmierig wie Seife und es geht steil hinunter. Ich laufe neben dem Auto her, während Claudia mit Calimero immer schneller wird. Tapfer nimmt sie den Fuß von der Bremse und lässt den Wagen rollen. Am Fuße des Berges hole ich sie ein. Alles ist gut gegangen. Aber wir sind froh, dass wir das überstanden haben. Hier finden wir einen schönen Platz für die Nacht.

Rutschige Grashänge machen rauf mehr Spaß als runter
Der offizielle Weg führt durch den Bach und über die Kuhweide.
Lagerfeuerromantik

Zeit für Experimente

In der ersten Woche haben wir viel gelernt. Strecken, auf denen wir uns am Anfang der Reise noch gegenseitig eingewiesen hätten, fahren wir einfach als wären wir auf Asphalt. Wir können immer besser abschätzen, ab wann es ungemütlich schräg, rutschig oder gar schwierig wird. Trotzdem sind wir auch weiterhin dankbar für die Tipps unserer Mitfahrer, gerade in besonders schrägen Passagen.

Eines Abends bekommen Claudia und ich eine Magen-Darm-Grippe. Auch am nächsten Tag sind wir noch nicht fit und beschließen, lieber auf einer geteerten Straße zu bleiben. Unsere Mitfahrer fahren einen Pfad, den sie auf einer Karte entdeckt haben. Sie wollen über ihn direkt in das nahegelegene Tal kommen. Die geteerte Straße macht einen riesigen Umweg, den wir aufgrund unseres angeschlagenen Gesundheitszustandes gerne in Kauf nehmen. Zum Abendbrot treffen wir wieder auf die anderen.

Fit sind wir auch am nächsten Tag noch nicht, dennoch versuchen wir an diesem Tag ebenfalls ein Experiment. Von Camp aus sehen wir einen Bergkamm, über den wir gerne fahren wollen. Auf alten Militärkarten haben wir einen möglichen Pfad entdeckt und arbeiten uns vor. Der Pfad wird sonst von nur Holzrückemaschinen benutzt, entsprechend anspruchsvoll ist die Auffahrt.

Ich versuche eine tiefe Furche zu durchqueren, die die Maschinen hinterlassen haben. Doch hier hebt Calimero sein Beinchen vorne links. Ich arbeite geschickt mit Gas und Bremse und schaffe es, ohne Winde wieder aus der Furche herauszukommen.

Immer wieder versperren Bäume unseren Weg. Manche können wir umfahren, andere müssen wir zerkleinern, um sie von der Straße zu ziehen. Unsere Frauen scheinen großen Spaß daran zu haben, mit Äxten auf die Bäume einzuschlagen. Während wir Männer fotografieren und filmen, schaffen die Mädels die Bäume zur Seite. Gelungene Arbeitsteilung wie ich finde.

Mal versperren kleine, mal große Bäume den Weg
Das ist der Umweg um die Gasse der Rückefahrzeuge herum.

Nach 1.500 Höhenmeter lassen wir die Baumgrenze bald hinter uns. Über steile Graspassagen kämpfen wir uns den Kamm hoch. Immer wieder müssen wir Schneefeldern ausweichen und uns andere Pfade suchen. Hinter uns bahnt sich ein heftiges Gewitter an und mahnt uns zur Eile. Schnell noch ein paar Fotos auf dem Gipfel und dann machen wir uns schon wieder an den Abstieg, der ganz gemächlich verläuft. Wir landen in Petrosani. Dort nehmen wir die 66A und fahren durch Nationalpark Domogled-Valea Cernei.

Ergebnisse der Experimente! Der Patient muss genäht werden.
Drei Schönheiten vor der drohenden Gewitterfront
Raus aus dem Gewitter – ab auf schöne Schotterpisten
Wer im Auto schlafen will, möchte gerade stehen.

Zum Schluss noch ein wenig Entspannung

Die letzte Woche in Rumänien war sehr aufregend. Wir haben viel gelernt und die Grenzen von Calimero kennengelernt. Der Einbau der Torsendifferentiale in Vorder- und Hinterachse hat sich sehr gelohnt und uns immer wieder die notwendige Traktion verschafft. Jetzt möchten Claudia und ich es ein wenig ruhiger angehen. Bei Herculae trennen wir uns von unseren Freunden. Während der Rest der Gruppe noch weitere Experimente fahren möchte, machen wir uns auf den Weg in ein kleines Dorf nahe Caransebes, um dort die letzten Tage in Rumänien zu relaxen, zu lesen, das Auto zu warten und um fantastisches rumänisches Essen zu genießen.

Calli vor den Schlössern in Herculae

Mit vielen neuen Erfahrungen und tollen Bildern im Gepäck machen wir uns wieder auf den Weg nach Hause. Rumänien hat uns sehr gefallen und wir werden es sicherlich wieder einmal besuchen! Jetzt werden wir uns um den TÜV für Calimero über bemühen, damit wir weitere zwei Jahre mit unserem geliebten Land Rover reisen können.

Einige weitere Aspekte dieser Reise in die rumänischen Karpaten findest du hier.

0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*