TadschikistanWeltreise Tagebuch

Pamir Highway – Der Kampf gegen die Höhe

Kaum sind wir von der afghanischen Grenze weg, erreichen wir das erste Mal einen Punkt über 4000 Höhenmetern. Leider stellt sich bei mir sehr schnell Kopfweh und etwas Schwindel ein. Ich bin kaum einen Tag frei vom Durchfall und schon erwischt es mich wieder. Claudia kann nur mit dem Kopf schütteln. Sie bleibt stur und gesund.

Ich bin ein echt mieser Beifahrer, kann aber die Klappe halten, wenn es mir nicht gut geht und ich auf Claudia als Fahrerin angewiesen bin. Sie genießt das sichtlich. Wir erreichen ein Plateau auf 4200 Höhenmetern und halten für zwei Mongol-Rallye Fahrzeuge an, die sich gegenseitig schleppen. Ich möchte ihnen anbieten, sie bis zur M41 zu ziehen. Als wir aussteigen, sagt Claudia, dass wir Flüssigkeit verlieren. Ich drehe mich zu Calimero um und sehe das Übel.

Höhenkrankheit Calimero
Was ist denn da schon wieder los? Völlig wirr im Kopf und dann auch noch unterm Auto rumkrabbeln.

Wir verlieren Unmengen an Diesel, mitten im Pamir Gebirge. Ich versuche den Fehler zu diagnostizieren und komme zum Schluss, dass wir das hier nicht reparieren können. Wir haben einen, extrem praktischen, Zusatztank verbaut. An der Stelle, wo im Normalfall der Einfüllstutzen verläuft, ist bei uns der 40l Tank verbaut. Damit füllt der Diesel zuerst den Standardtank und dann den Zusatztank. Wir haben erst am Morgen noch einen Kanister nachgetankt, um das Gewicht vom Kanister in den tiefer gelegenen Zusatztank zu bekommen. Das war ein Fehler!

Aus irgendeinem Grund scheint nun aber etwas bei der Dichtung des Originaltanks kaputt zu sein, so dass wir den frisch getankten Diesel leider verlieren. Wir beschließen, den Diesel lieber zu verfahren, als zu verlieren und geben Gummi. Als wir an der M41, dem Pamir Highway ankommen, verlieren wir tatsächlich deutlich weniger. Der Druck auf die Dichtungen scheint wohl geringer geworden zu sein. Erst als Calimeros Zusatztank leer ist, hört der Diesel komplett auf zu tropfen. Was für ein Mist. Wir hatten extra genug Diesel an Bord um ein paar Umwege zu fahren. Tanken in Murghab wollten wir verhindern. Wir haben zu viel schlechtes über den Diesel gehört. Diesel ist auf dem Pamir Highway rar gesät.

Wie immer ändern sich unsere Pläne ziemlich schlagartig und wir beschließen Kirgisistan und damit auch eine ordentliche Werkstatt früher anzupeilen. Wir campen an einem schönen See bei starkem Wind auf 4000 Höhenmetern.

Am nächsten Morgen wird unsere Lage leider noch etwas prekärer. Mein Kopfweh wird schlimmer, ich bin sehr kurzatmig. Schon nach wenigen Metern zu Fuß, bin ich total außer Atem und mir ist schwindelig. Wir haben Netz und kontaktieren den Arzt unseres Vertrauens. Dieser rät uns, runter zu fahren, die Anzeichen der Höhenkrankheit sollte man ernst nehmen. Doch der Blick auf die Karte ernüchtert uns sehr. Wir sind im Umkreis von über 100 Kilometern auf dem niedrigsten Punkt. Erst in Murghab, 100 Kilometer weiter, können wir auf unter 3700 Höhenmeter kommen.

So setzt sich Claudia wieder hinters Steuer und wir fahren über äußerst interessante Asphaltstraße so zügig es geht nach Murghab. Die Straße fällt immer wieder, einfach so, nach links oder rechts ab. Wenn man das zu spät sieht, wird man ganz schön durchs Fahrzeug geschleudert.

In Murghab, einem nicht sehr ansehnlichen Dorf, decken wir uns mit Keksen, Coca-Cola und Mars-Riegeln ein und fahren aus dem 7000-Seelen Dorf heraus. 10 Kilometer hinter dem Dorf finden wir auf selber Höhe einen Stellplatz für die Nacht. Dort hoffen wir, dass sich die Höhenkrankheit von Calimero und mir beruhigt.

Wenn nicht, müssen wir zwingend bis nach Kyrgyzstan durchfahren. Erst dort fällt die Straße auf unter 3200 Höhenmeter ab. Unglücklicherweise liegen auf dem Weg aber noch zwei Pässe, einer auf 4280 Metern, der andere auf 4655 Metern. Das ist nicht gerade das, was man mit „runter“ fahren meint. Nach einer ausgiebigen Mütze Schlaf und einem Spaziergang am nächsten Morgen beruhigt sich die Lage merklich.

Calimero verliert keinen Diesel mehr, der Zusatztank ist leer.Ich fühle mich deutlich besser und habe kein Kopfweh mehr. Als Test mache ich eine erfolgreiche Mini-Klettertour auf den Hügel nebenan.

Erholung von der Höhenkrankheit – auf 3700m

Obwohl wir uns ordentlich akklimatisiert haben, hat mich die Höhenkrankheit gleich beim ersten Mal erwischt. Claudia findet das etwas amüsant, da ich Berge wirklich liebe. Du kannst dir  vielleicht vorstellen wie das an mir zerrt. Als Bergmensch finde ich so etwas grausam. Wird beim nächsten Mal wieder die Höhenkrankheit auf mich warten? Ich hoffe nicht.

Um das auch direkt testen zu können, steht als nächstes der Pass mit 4655 Metern an. Wir fahren gemütlich nach oben und sehen auf dem Weg unsere ersten Yaks.

Ein Yak – Was für ein stattliches Tier
Kein Yak – aber süß!

Oben angekommen, treffen wir drei Radfahrer. Wir unterhalten uns und kochen Tee. Die Höhe macht mir diesmal gar nichts aus. Die Höhenkrankheit ist vorerst besiegt, zumindest bei mir.

Calimero sieht das aber mal wieder anders. Claudia sagt mir, dass wir Wasser verlieren. Ich scherze schon und frage, ob sie Teewasser auf der Motorhaube ausgeschüttet hat. Dann sehe ich das Problem. Es fließt tatsächlich Kühlwasser unter dem Kühler hervor. Ich bekomme einen Riesen Schreck. Warum muss gerade jetzt, auf dem höchsten Punkt unserer bisherigen Reise, einem derartigen Meilenstein, der Kühler kaputt gehen. Der Pamir Highway ist unerbittlich.

Ich öffne die Motorhaube, schnappe mir eine Taschenlampe und versuche die Quelle des Übels zu finden. Plötzlich hört es auf zu fließen. Ich sehe die Quelle an einem Kühlwasserschlauch unter einer Schelle. Immerhin ist es nicht der Kühler. Ich möchte das aber nachprüfen, fülle zwei Tassen Wasser nach und starte den Motor. Auf einmal läuft kein Wasser mehr. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Wir beschließen ein paar Meter zu fahren und kontrollieren erneut. Nichts. Wir verlieren kein Wasser.

Bevor ich also das Kühlwassersystem öffne, fahren wir weiter, immer mit einem Auge auf die Temperatur. So erreichen wir die Einfahrt zum Bartang Valley. Wir beratschlagen uns und beschließen reinzufahren. Falls das Problem erneut auftritt, muss ich den Schlauch entfernen, mit ordentlich Rescue-Tape versehen und wieder montieren. Das Dieselproblem hat sich ja ebenfalls in Luft aufgelöst, sobald der Zusatztank nicht genutzt wird. Also biegen wir erneut von der M41 ab um den oberen Teil vom Bartang Valley und den Karakul See zu erkunden.

M41 geradeaus – Bartang Valley – Links!
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2 comments

  1. Hallo Claudia und Bernd , ich verfolge per FB Eure Reise durch die Welt und finde Eure Beiträge Lustig und auch spannend zu lesen ! Viel viel Spaß Euch dreien ( Calimero mit eingerechnet)
    Grüße aus Friedrichshsfen, jörg

  2. Kühlerschlauch reparieren ein Stück Fahrradschlauch 5cm länger als der defekte Kühlerschlauch innen durchschieben die Enden nach außen umstülpen Schlauch auf die Stutzen wieder draufschieben die umgestülpte Enden mit dem Schlauch und Schlauchschellen festschrauben müsste dicht sein für längere Zeit
    Gruß Pappa

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