TadschikistanWeltreise Tagebuch

Pamir Highway – Die Nordroute nach Kalai Khumb

Die M41 oder auch besser bekannt als Pamir Highway, ist eine Fernstraße die uns von Dushanbe in Tadschikistan nach Osch in Kirgisistan bringen soll und ist auch als zweithöchster Highway der Welt bekannt.

Wir fiebern seit Wochen diesem Abschnitt unserer Reise entgegen. Eigentlich ist Highway fahren nichts für uns, doch die M41 ist ein anderes Kaliber. Es warten über 4000 Meter hohe Pässe, steile Schluchten, die Grenze zu Afghanistan und abenteuerliche Straßenverhältnisse auf uns. 1400 Kilometer werden wir durch abgelegenes Gebiet fahren, in dem wir unseren Calimero ordentlich behandeln müssen.

Wir haben unsere Nahrungsmittel aufgestockt und Calimero scharrt auch schon mit den Reifen.

Die Rückkehr ins Hostel war nur leider eine unserer weniger großartigen Ideen. Wir treffen zwar unsere Radfahr-Clique wieder, mein Magen-Darm Gefüge wird aber leider wieder angeheizt. So nehme ich nach 5 Tagen Krankheit eine Immodium Akut, damit wir wenigstens ohne böse Überraschung aus der Stadt raus fahren können.

Nichtsdestotrotz machen wir uns auf den Weg und verlassen Dushanbe nach Osten. Die ersten 100 Kilometer sind wundervoll asphaltiert und am Polizeicheckpoint müssen wir zwar anhalten, werden aber nicht kontrolliert. Wir passieren einen ersten kleinen Pass auf 1600 Höhenmetern und fahren in den westlichen Teil des Pamir Gebirges. Schlagartig werden die Straßen jedoch sehr schlecht. Vom Asphalt sieht man meist nur noch Reste. Damit verlangsamen wir uns auch ungemein. Nach weiteren 50 Kilometern finden wir ein Plätzchen neben der Straße und beenden die Hoppelei gerne.

Wir werden von neugierigen Kindern gefunden, die ums Auto schleichen und alles sehen wollen. Als ich das Licht im Defender an mache, hören wir nur ein „Woaaahhh“. Da wir eine viel zu große Melone für umgerechnet einen Euro eingekauft haben, teilen wir diese mit den Kindern. Ein Viertel mampfen die Kurzen sofort weg, das andere Drittel geben wir ihnen für die Eltern mit. Ob sie jemals dort ankommt … wer weiß!

Man muss sich der Größe nach für ein Foto aufstellen

Wir waren zuerst etwas skeptisch, ob wir direkt neben dem Highways schlafen sollen, aber der Verkehr hält sich wirklich in Grenzen. Ein Auto pro Stunde ist ein guter Schnitt für diesen Abschnitt.

Die geringe Verkehrsdichte ist darauf zurückzuführen, dass es von Dushanbe nach Kalai Khumb zwei mögliche Routen gibt. Während sich die südliche Route mit guten Straßenverhältnissen am Pandsch Fluss entlang schlängelt, führt die Nordroute mit miesen Wegen über einen Pass auf 3250 Metern. Das finden wir natürlich deutlich spannender.

Am nächsten Morgen laden wir drei Radfahrer zum Kaffee ein, bevor wir weiter hoppeln. Die Jungs haben wir schon am Vortag, Thomas aus Irland sogar schon in Dushanbe und Bukhara getroffen. Wir sind mal wieder kaum schneller als einige der Radfahrer unterwegs.

Downhill haben die Radfahrer irgendwie lieber 😉

Beinahe die ganze Zeit folgen wir einem beeindruckendem Fluss bis wir die Grenze zur Region Berg-Badachschan (Gorno-Badakhshan) erreichen. Berg-Badachschan ist eine autonome Provinz im Osten Tajikistans. Diese Provinz umfasst circa 45% des gesamten tadschikischen Territoriums. Allerdings leben hier nur circa 2,6 Prozent der Bevölkerung oder 3,3 Einwohner pro Quadratkilometer. Wenig Menschen, viel Natur – da wollen wir hin!

Damit wir hier einreisen dürfen, benötigen wir den sogenannten GBAO Permit. Mit dem E-Visa ist dieses für zusätzliche 20 US Dollar leicht zu haben und ist nur ein digitaler Stempel auf dem ausgedruckten Visum. Der „Grenzübertritt“ ist allerdings nur ein Police Checkpoint. Unsere Passdaten werden eingetragen und dann geht es auch schon weiter. Das hat nur fünf Minuten gedauert.

Wir überqueren den Fluss, dem wir schon so lange folgen und finden auf der anderen Seite eine umgestürzte Brücke wieder. Der Mittelteil hängt schräg, das Geländer und auch die Stahlseile sind gerissen. Allerdings wurde die Brücke von unten beinahe komplett aufgeschüttet. Da es keine andere Möglichkeit gibt, fahren wir mit einem mulmigen Gefühl rüber. Die Schräglage fühlt sich nur komisch an, da man das von Stahlbrücken eigentlich nicht gewohnt ist. Von nun an geht es jedoch stets bergauf.

Je weiter wir nach oben kommen, desto angenehmer wird die Piste. Breite Pisten führen entlang der grünen Wiesen. Das ist unser erster Pass seit über einem Monat und wir lieben den kälter werdenden Fahrtwind und die Aussicht. Wir verlassen nach einem Beweisfoto die Passhöhe auf 3250 Höhenmetern (unser bisher höchster Pass) und fahren die Serpentinen ins nächste Tal hinab. Am Pass werden wir von einem neugierigen Tadschiken entdeckt, der das Auto und auch uns fotografieren möchte – ich revanchiere mich natürlich ebenfalls mit einem Foto.

Die Auffahrt war schon toll, doch die Abfahrt ist großartig. Links von uns die Felswand und rechts der Abgrund. Die Piste wird eng, ist aber gut zu befahren. Als dann jedoch ein LKW nach oben fährt, wird es schon etwas knapp. Wir fahren den gesamten Pass wieder herunter, bis wir auf Höhe  eines Pandsch-Zuflusses stoßen. An einem weiteren Polizei- und Militärcheckpoint werden unsere Daten aufgenommen und wir dürfen weiter in Richtung Kalai Khumb fahren.

Kalai Khumb
Abenteuerliche Straße auf dem Weg ins Tal
In der Nähe der Passhöhe ist es nicht gerade angenehm zu übernachten
Geile Straße? Geile Straße!

Kurz vor Kalai Khumb machen wir dann Schluss und campen im breiter werdenden Tal, nur 6,4 Kilometer von Afghanistan und dem Pandsch Fluss entfernt. Diesem Fluss werden wir die nächsten Tage, immer an der afghanischen Grenze entlang, von Kalai Khumb nach Süden folgen.

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One comment

  1. Wieder mal gut. Halted die ohren steif und weiter gehts!
    Hamba kahle

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