TadschikistanWeltreise Tagebuch

Pamir Highway – Durch das Bartang Valley zum Karakul See

Karakul See in Tadschikistan

Das Bartang Valley beginnt etwas nördlich von Khorog und zieht sich durch das gesamte Pamir Gebirge bis es im Nordosten, nahe zum Karakul See, wieder auf den Pamir Highway trifft.

Unter den Reisenden ist das Bartang Valley ein Mythos. Viele berichten davon, dass es unmöglich ist durchzufahren. Andere scheinen es mit einem Mietwagen gemacht zu haben. Wir wissen mal wieder nicht was stimmt und diesmal testen wir es nicht selbst, davor ist die Angst vor weiteren Schäden an Calimero zu groß und unser Dieselvorrat zu klein. Valley scheint in Tadschikistan übrigens auch ein Codewort für „Geile Piste“ oder „katastrophale Straße“ zu sein, je nachdem was man fährt.

Nachdem sich die meisten Problemchen von Calimero temporär in Luft aufgelöst haben, möchten wir aber dennoch ein bisschen in das Tal hineinschnuppern. Bei den Koordinaten 38.816542, 73.455178 zweigt eine unscheinbare Piste von der M41 ab. Ohne Skrupel lenke ich Calimero nach links weg und lege die Mittel-Differenzialsperre ein.

Vom Hörensagen wissen wir, dass wir keine engen Schluchten zu erwarten haben, sondern ein weites Tal. Was wir nicht wissen, dass das hier reinste Wüste ist. Wir fahren Wellblechpiste inmitten von Sand. Diese Szene ist umrandet mit einigen schneebedeckten Bergen mit Gipfeln auf über 5000 Metern. Das ist aber auch gar nicht so schwer, denn die Einfahrt in das Bartang Valley befindet sich immerhin auf 4000 Höhenmetern.

In Europa würde man sich auf dieser Höhe fast ausschließlich in anspruchsvollem alpinen Gelände befinden. Hier fahren wir durch ein breites, sandiges Tal.

Bartang Valley
Bartang Valley
5000er und 6000er direkt neben dem Bartang Valley

Direkt neben einer Flussdurchquerung finden wir ein gigantisches Geweih/Horn. Ich halte es zum Spaß an den Kühlergrill von Calimero, doch wir wüssten nicht, wie wir das Gewicht dort halten sollen. So fahren wir durch den Fluss und navigieren bald schon rechts weg.

Unser neues Lenkrad?

Wir werden nicht tiefer ins Bartang Valley hinein fahren, denn Calimero wurde in den letzten Tagen schon genug geschunden. So nehmen wir den schonenden Weg am Karakul See zurück, denken wir. Was auf Karten schonend aussieht, kann in Wirklichkeit aber ganz anders aussehen.

Das besondere am Karakul See ist, dass es einige Zuflüsse gibt, jedoch keinen Abfluss. Dadurch ist der Meteoriten Krater ein Salzsee. Im flachen Bereich der Zuflüsse über die wir an den See heranpirschen zeigt sich das. Man sieht deutlich, dass der See teilweise mehr Wasser führt und dann wieder austrocknet. Überall ist es weiß. Die Piste ist deutlich angenehmer zu befahren, als der Wellblechanteil davor, man muss jedoch langsam machen.

Wir finden einen Stellplatz in dieser wunderbaren Landschaft. Wir bekommen zwar mal wieder eine ordentliche Ladung Wind ab, erkunden aber dennoch die Gegend zu Fuß. Überall fließen kleine Rinnsale in Richtung Karakul See. Immer wieder gibt es kleine Seen und matschige Gebiete. Auch wir sinken teilweise bis zu den Knöcheln im Salzmatsch ein. Vom höchsten See Zentralasiens sehen wir nur kleine Ausläufer zu diesem Zeitpunkt. Nachts zeigt sich uns wieder ein Sternenklarer Himmel. Ich hole die Kamera heraus und begnüge mich mit einigen Bildern kurz nach Sonnenuntergang.

Einige Tage später treffen wir auf die drei Radler vom HelloBikeWorld.com und ich bekomme ein Foto zu Gesicht, was nicht weit entfernt am gleichen Abend aufgenommen wurde. Da wir keine ordentliche Weitwinkel Linse dabei haben, werden wir vorerst ein solch grandioses Foto nicht selbst aufnehmen können. Glücklicherweise haben sie mir das Foto zur Verfügung gestellt und du kannst dir selbst einen Eindruck davon machen. Du kannst den Jungs auf Facebook folgen.

Milchstraße auf dem Pamir Highway – Foto von HelloBikeWorld.com (Facebook)

Am nächsten Morgen folgen wir der Piste weiter und durchfahren unsere bisher tiefste Furt. Bisher waren alle Furten relativ niedrig, so dass wir die Flutstopfen nicht einschrauben mussten. Bei unserem Fahrzeug muss nämlich, theoretisch, eine Schraube in Getriebeglocke und unter den Zahnriemen gedreht werden, wenn man in tieferes Wasser fährt.

Total abgestumpft, da alle bisherigen Furten wirklich sehr niedrig waren, fahre ich ins klare Wasser.  Auf einmal wird es ziemlich tief und Wasser schwappt über die Motorhaube. Ich gebe langsam Gas und will schnell wieder raus aus dem Wasser. Einmal nicht ordentlich nachgesehen, kann so eine Aktion schnell einen Rattenschwanz an Problemen nach sich ziehen. Wir haben Glück und das einzige was seitdem nicht in Ordnung ist, ist der Sound der Hupe. Die klingt nämlich jetzt ziemlich beschnitten. So What!

Die Piste bleibt aber interessant, es gibt einige verblockte Elemente, tolle Erhebungen mit großartigen Ausblicken auf den gesamten Karakul See und zum Schluss wieder die geliebte Wellblechpiste.

Ausblick von der Piste auf den Karakul See
Karakul See in Tadschikistan
Mein Lieblingsausblick von der M41 auf den Karakul See

Nach einem kleinen Umweg von zwei Tagen sind wir dann auch schon wieder zurück auf der M41 und machen uns auf den Weg in Richtung Kirgisistan. Dort gibt es wieder guten Diesel, Mechaniker und anscheinend auch Internet! Außerdem ist unser China Visum schon in Kirgisistan angekommen, das Indien Visum muss besorgt werden und wir möchten uns ein Zelt kaufen. Man muss ja nicht alles im Fahrzeug erkunden und kann auch für einige Tage die Beine in die Hand und das Zelt auf den Rücken nehmen.

Der letzte Blick auf den Karakul See
Die Straßenqualität ist teilweise großartig – oft aber grauenhaft

Auf den letzten Kilometern zur Grenze zeigt sich Tadschikistan nochmal von seiner besten Seite. Bei bombastischen Wetter fahren wir am Karakul See entlang, immer weiter zum nächsten Pass auf 4280 Höhenmetern, der Tadschikistan mit Kirgisistan verbindet.

Das letzte Stück vom Pamir Highway in Tadschikistan

Rechts von uns liegt China, Kirgisistan voraus und hinter uns das Pamir Gebirge und der Karakul See in Tadschikistan. Ich muss beinahe jeden Kilometer anhalten um diese genialen Berglandschaften festzuhalten. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit den freundlichen Pamiris, den großartigen Landschaften und den Herausforderungen. Es gibt hier noch genug tolle Täler zu befahren und auch Afghanistan beim nächsten Mal vielleicht sicher genug.

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2 comments

  1. Hallo ihr zwei – es ist schön, nach Wochen wieder von euch zu lesen …. und es liest sich spannend wie ein Krimi, was ihr mit Calimero in der Zwischenzeit erlebt habt. Ich wünsche euch gute Fahrt und noch viele schöne Begegnungen. Passt weiterhin so gut auf euch auf, und viel Gesundheit für euch.

    VlG. Maresa

  2. Man, ist das mal wieder spannend bei euch! Da drücke ich wieder feste die Daumen, dass Cali und Bernd zuküntig von der Höhenkrankheit verschont bleiben! Wenigstens trotzt Claudi all dem :).

    Als Defenderfahrer kann man das immer prima nachvollziehen wie die Nerven angespannt sind, wenn es wieder irgendwo klemmt. So ein Engländer ist ja nie ganz ganz aber zum Glück auch nie ganz kaputt :D.

    Die Bilder sind wie immer eine Wucht!

    Gute Reise
    Klaus

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